Macht als phänomenologisches Gestaltungsmittel künstlerischer Tätigkeit

Interventionistische explorative Recherche und Aktionen – ein Experiment für den Kongress

Workshop anläßlich des Kongresses »Mapping Blind Spaces / Neue Wege zwischen Kunst und Bildung«, Museum für Neue Kunst MNK Karlsruhe, ZKM Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe und Akademie Schloß Rotenfels

Ruediger John


Abstract

In der künstlerischen Tätigkeit – als meist visuelle und objekthafte Assoziationsarbeit zwischen u.a. persönlichen, gesellschaftlichen, ethischen, moralischen Fragestellungen – besteht in vielen Fällen ein kritischer Bezug zu Phänomenen, Riten und Verhältnissen von Macht. Über diese wird in ästhetischen Kriterien reflektiert und m.U. moralisch argumentiert (so auch eine gängige Erwartungshaltung der Gesellschaft).

Was, wenn nun in einem Falle ›Macht‹ nicht explizites Thema und Motiv künstlerischer Tätigkeit ist, sondern als Gestaltungsmittel und Anlaß selbst genutzt wird? Wie sieht künstlerische Tätigkeit jenseits der Reflexionsarbeit und Kritik über ›Macht‹ als Topos – jenseits der ornamentalen Funktion in gesellschaftlichen, politischen Bewegungen und jenseits der affirmativen, systemimmanenten Strategien aus? Wie agiert und wirkt künstlerisches Tun das sich ›Macht‹ als Gestaltungsmittel aneignet/bedient, also Künstlerinnen und Künstler nicht in der ›Perspektive auf Macht‹, sondern ›mittels dieser‹ aktiv sind? In welchen Formen und mittels welcher Strategien ist ›Macht‹ als abstraktes Medium in seiner Ausübung zu künstlerischen Gestaltungsvorgängen anwendbar?

In diesem Workshop soll experimentell mit einfachen Mitteln interventionistischer, performativer Elemente das Phänomen und Kriterum ›Macht‹ als Gestaltungsmittel ausprobiert und situativ Wirkungen evoziert werden. Hierbei werden vor allem Fragen der Posen, Symbole und Gesten, der Sprache und deren Intonation als Ausdrucksmittel, Gruppendynamiken und Willensbildungsprozesse, Mengen- und Kräfteverhältnisse, sowie persönliche Dispositionen untersucht, sowie diese praktisch erprobt. Dabei werden die mit den Teilnehmenden im Team erarbeiteten Versuche und Erkenntnisse direkt in den Kongress-Kontext zurückwirken und vor Ort in Wirkung und Reflexion rezipierbar sein. Als Elemente der Versuchsanordnung werden, neben der Erarbeitung und Erprobung primärer Wirkungen und Manipulationsmöglichkeiten, selbstverständlich auch die Feststellung von Rückwirkungen auf die Akteure selbst in Interaktionen mit einbezogen.

Interventionistische Arbeitsweisen als Handlungsfeld systemischer Kunst (also künstlerische Handlungen, die sich bewußt der Kriterien, Haltungen, Rituale und Wechselwirkungen gesellschaftlicher Subsysteme bedienen um Wahrnehmung sensibilisierende Phänomene zu evozieren welche auf das funktionalisierte Subsystem wirken), führen beispielsweise ein Arsenal an Möglichkeiten und Mustern, wie Camouflage, Irritation, Infiltration etc., welche sich probehalber direkt auf eine solche Situation, diese bewußt manipulierend, anwenden lassen.

Dieser Workshop ist ergebnisoffen – also ein Experiment – dessen Rahmenbedingungen durch den Kongress selbst geschaffen werden.

Buchbeitrag ›Objekt Subjekt Prädikat‹:
PDF: Objekt Subjekt Praedikat

Museum für Neue Kunst MNK Karlsruhe, ZKM Karlsruhe und Akademie Schloß Rotenfels, 2003


CITATION/BIBLIOGRAPHY Zitate und bibliographischer Verweis unter: John, Ruediger: ›Macht als phänomenologisches Gestaltungsmittel künstlerischer Tätigkeit‹, Baden-Baden 2003

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