MEHR WERT – Künstler, Unternehmer und Wissenschaftler im Dialog

aus der Ankündigung

Ruediger John



Die Veranstaltungsreihe MEHR WERT thematisiert in sieben Diskussionsforen mit Künstlern, Wissenschaftlern und Unternehmern das Verhältnis von unternehmerischem und künstlerischem Denken und Handeln.

MEHR WERT hat zum Ziel

/ das gegenwärtige Zusammenspiel zwischen Kunst und Wirtschaft zu reflektieren
/ ein Spektrum der aktuellen Praxis, Strategien, Konsequenzen und Reaktionen aufzuzeigen / Thesen und Modelle für neue Formen der Zusammenarbeit zu entwickeln und
/ Impulsgeber für konkrete Projekte zu sein

NEUBEWERTUNG UND TRANSFER

Vor dem Hintergrund einer Neubewertung des Verhältnisses von Kunst und Wirtschaft und mit dem Wandel der Gesellschaft zur Welt- und Wissensgesellschaft erhält der Begriff des Mehrwerts neue Bedeutsamkeit. Will man den Begriff an der Schnittstelle von Kunst und Wirtschaft thematisieren, bedeutet das, die Interessenslagen der verschiedenen Akteure in Beziehung zu setzen, das Feld des Wertes, der Bewertungen neu abzustecken und die Bereiche von materieller und ideeller bzw. immaterieller (Bedeutungs-)Produktion auszubalancieren.
Die Herausforderung besteht sowohl darin, Verständnisschwierigkeiten zwischen Kunst und Wirtschaft zu begegnen sowie Rahmenbedingungen für eine Kooperation auszuloten, Bezüge zwischen den verschiedenen Akteuren und Handlungsfeldern zu intensivieren und evtl. Wege der Zusammenarbeit zu erfinden. Derartige Transferprozesse will die MEHR WERT – Veranstaltungsreihe moderieren.

ERWEITERTE HANDLUNGSFELDER

Neben den traditionellen Zugängen von Wirtschaftsunternehmen zur Kunst – Kunst zur repräsentativen Ausgestaltung und als Wirtschaftsfaktor, Kunst als Imageträger, als Event oder als Teil der regionalen Standortförderung – sind zunehmend neue Formen der Kooperation zu beobachten. Das Interesse der Wirtschaft an der Kunst geht über Kunst als Werkform hinaus: Unternehmer beginnen zu erkennen, dass Künstler ihnen dabei helfen können, auf den gesättigten und immer komplexer werdenden Märkten, Mehrwert für ihr Unternehmen und ihre Kunden zu schaffen und heben das Potential sinnhafter Orientierung und inhaltlicher Qualifizierung hervor. Mehrwert bezeichnet nicht mehr nur einen Teil der materiellen Wertschöpfung: Immaterielle Werte wie Transparenz, soziale Verantwortung, Beziehungsfähigkeit oder Nachhaltigkeit greifen entscheidend in unternehmerische Grundsätze ein.
Auch das Selbstverständnis der Kunst ist in einem fortlaufendem Wandel: Dem Unbehagen an der Ökonomisierung wird sowohl mit der verbreiteten Akzeptanz der Entdifferenzierung von Kunst und Wirtschaft als auch mit einer Ausweitung künstlerischer Handlungsfelder begegnet. Kunstproduzenten und -institutionen greifen unternehmerische Prinzipien, Strategien, Rollen oder Modelle – leitbildhaft oder kritisch – auf. Verschiedene künstlerische Projekte gehen aus der Auseinandersetzung mit Ökonomie und Unternehmertum hervor, machen deren Funktionsweisen transparent, auf Fehlentwicklungen aufmerksam oder setzen sich mit den Konsequenzen der Globalisierung auseinander. Künstlerische Handlung kann u.a. auch darin bestehen, Unternehmensprozesse direkt zu begleiten, einzuwirken und Veränderungen zu initiieren.


KUNST ALS GESCHÄFTSMODELL

In der Wirtschaft entwickelt sich ein Verständnis dafür, dass es auch um die Arbeit mit Weltbildern, Kulturen und den Identitäten von Unternehmen geht und die >weicheren< Seiten der Unternehmensführung wie Kundenbeziehungen, Unternehmenskultur oder Vertrauen heute die eigentlich >härteren< und erfolgsentscheidenden Faktoren sind. So hängt der ökonomische Erfolg eines Unternehmens zunehmend auch von dessen Kompetenz ab, gesellschaftliche Prozesse zu verstehen und sie in die Unternehmensrealität zu integrieren. Zu den Verantwortlichkeiten der Künstler gehört, in die Bedeutungsbildung einzugreifen. Ihre kulturelle Mehrwertproduktion begleitet und reflektiert gesellschaftliche Entwicklungen. Kunst kann Motive für individuelles Handeln ausbilden, veranschaulichen und unterstützen.

ICH-AG UND SOZIALE PLASTIK
Die Dialoge der Reihe MEHR WERT sollen Facetten der ökonomischen, kulturellen, sozialen und personengebundenen Mehrwertproduktion beleuchten, die aus dem Spannungsbogen zwischen Kunst und Wirtschaft hervorgehen. Thematisiert wird das Spektrum der Möglichkeiten und Grenzen direkter und indirekter Kooperationen zwischen Kunst und Wirtschaft.

MEHR WERT geht besonders folgenden Fragestellungen nach:

/ In welchem Umfang können Unternehmen Handlungsfelder für Künstler sein?
/ Wie verändern sich die kritischen Strategien der Kunst?
/ Wie kann künstlerische Kompetenz im Unternehmen eingebunden werden und welche Prozesse kann sie unterstützen?
/ Welchen Nutzen hat dies für die Unternehmenswelt und ihre Strukturen?
/ Gibt es einen wechselseitigen Bedeutungsprofit in diesem Kontextsystem und welcher Wandel im gegenseitigen Selbstverständnis ist gegebenenfalls erforderlich?
/ Wo beginnt die Instrumentalisierung von Kunst durch die Wirtschaft und wo beginnt die Funktionalisierung der Wirtschaft durch Künstler und Kunstinstitutionen?
/ Wo liegen die Chancen und die Gefahren einer Kulturalisierung des Ökonomischen und einer Ökonomisierung des Kulturellen?
/ Gibt es eine Verständigung über den Arbeits-, Dienstleistungs- und Kommunikationsbegriff?
/ In welchem Ausmaß kann Kunst ein Katalysator für gesellschaftlichen und für wirtschaftlichen Fortschritt sein?

DIALOGE

Die verschiedenen Veranstaltungen akzentuieren, im Dialog mit dem Publikum, unterschiedliche Ansatzpunkte künstlerisch-unternehmerischer Kooperationen: Im Unternehmen (Unternehmenskultur), an der Schnittstelle zwischen Unternehmen und Markt (Marketing, Design und Kunst) sowie im Beziehungsgeflecht von Arbeitswelten, Markt und Gesellschaft.

Moderiert werden die Veranstaltungen von:

Klaus Heid / Ruediger John (Gesellschaft für kritische Ästhetik), Reto Krüger (Kunsthistoriker), Dr. Claudia Pohl (Kunsthistorikerin), Angelika Stepken (Badischer Kunstverein), Dr. Christian Votava (realise)

Veranstaltungen/Personen

6. Februar 2004 19-21 Uhr
Badischer Kunstverein / Waldstr. 3 / 76133 Karlsruhe Moderation: Angelika Stepken / Klaus Heid

UNTERNEHMENSKULTUR – durch Kunst?

Prof. Dr. Michael Bockemühl
Professor für Kunstwissenschaft, Ästhetik und Kunstvermittlung, Universität Witten/Herdecke

Michael J. Kolodziej
Diplom-Betriebswirt, Mitglied der Geschäftsleitung von dm-drogerie markt GmbH&Co. KG (Karlsruhe)

5. März 2004 17-19 Uhr
art Karlsruhe / Messe Karlsruhe / Messegelände / 76287 Rheinstetten
Moderation: Claudia Pohl / Reto Krüger

KONSUM und MARKETING – Kunst als kultureller und ökonomischer Faktor?

Prof. Volker Albus
Professor für Produktdesign, Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe

Prof. Dr. Norbert Bolz
Professor für Medienwissenschaft, Technische Universität Berlin

Wolfgang Ullrich
Kunsthistoriker, Gastprofessor für Kunsttheorie, Hochschule für bildende Künste Hamburg

2. April 2004 19-21 Uhr
Industrie- und Handelskammer Karlsruhe / Lammstr. 13-17 / 76133 Karlsruhe Moderation: Angelika Stepken / Klaus Heid

ARBEITSWELTEN im Wandel – weiche Faktoren trotz harter Realität?

14. Mai 2004 19-21 Uhr
Badischer Kunstverein / Waldstr. 3 / 76133 Karlsruhe
Moderation: Claudia Pohl / Reto Krüger

ICH-AG und SOZIALE PLASTIK – das neue gesellschaftliche Kapital?

Johannes Stüttgen
Bildender Künstler, Omnibus für Direkte Demokratie, Unternehmen Wirtschaft und Kunst – erweitert (Düsseldorf)

Prof. Peter Wippermann
Trendforscher und Kommunikationsdesigner, Mitbegründer und Gesellschafter des Trendbüros Hamburg

4. Juni 2004 19-21 Uhr
Badischer Kunstverein / Waldstr. 3 / 76133 Karlsruhe
Moderation: Klaus Heid / Ruediger John

KUNST im UNTERNEHMEN – Zukunftsfähigkeit durch Kunst?

Prof. Dr. Eckhard Minx
Zukunftsforscher, Leiter der Forschungsgruppe Gesellschaft und Technik, DaimlerChrysler AG (Berlin)

Mathis Neidhart
Bildender Künstler, künstlerischer Prozessbegleiter bei der DaimlerChrysler AG (Nürnberg)

Dr. Renate Wiehager
Kunsthistorikerin, Leiterin der Abteilung Kunstbesitz der DaimlerChrysler AG (Stuttgart/Berlin)

2. Juli 2004 19-21 Uhr
Ursula Blickle Stiftung / Mühlweg 18 / 76703 Kraichtal-Unteröwisheim Moderation: Christian Votava

Die Expressivität der Marke

Prof. Dr. Gernot Böhme
Philosoph, Professor emerit. an der Technischen Hochschule Darmstadt

3. September 2004 19-21 Uhr
Badischer Kunstverein / Waldstr. 3 / 76133 Karlsruhe
Moderation: Klaus Heid / Ruediger John

KUNST und WIRTSCHAFT – eine kulturelle Partnerschaft?

Karin Heyl
Literaturwissenschaftlerin, Geschäftsführerin des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im BDI e.V. (Berlin)

Dr. Michael Tacke
büro orange – Agentur für Kunst im Arbeitsalltag, Vorstandsvors. des Design Zentrums München, Aufsichtsratsvors. Bayern Design (München)


CITATION/BIBLIOGRAPHY Zitate und bibliografischer Verweis: Badischer Kunstverein Karlsruhe, Gesellschaft für kritische Ästhetik, Ruediger John: MEHR WERT – Künstler, Unternehmer und Wissenschaftler im Dialog, Karlsruhe 2004

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