Publikation: TRANSFER: Kunst Wirtschaft Wissenschaft



›TRANSFER: Kunst Wirtschaft Wissenschaft‹
Klaus Heid, Ruediger John (Hgg.),
u.a. mit Prof. Dr. Michael Bockemühl, Prof. Dr. Gernot Böhme, Prof. Dr. Ernst Peter Fischer, Max Hollein, Prof. Dr. Karl-Heinz Kohl, Prof. Michael Lingner, Prof. Dr. Jürgen Wertheimer
[sic!] Verlag für kritische Ästhetik, Baden-Baden, 2003

Verlagstext:
TRANSFER: ist das Ergebnis künstlerischer Forschungsarbeit und bietet eine aktuelle Bestandsaufnahme des praktischen Transfers sowie von Kooperationen zwischen Kunst, Wissenschaft und Wirtschaft. Das Buch versammelt Interviews und Beiträge von 25 Experten aus Kunst, Wirtschaft und Wissenschaft. Diese verbindet die Fragestellung, welche Rolle die Kunst für die gesellschaftliche Alltagspraxis hat.

Mit Beiträgen von: Michael M. Berger, Prof. Dr. Michael Bockemühl, Prof. Dr. Gernot Böhme, Michael Brater, Simonetta Carbonaro, Dimitrios Chalatsis, Prof. Dr. Ernst Peter Fischer, Klaus Heid, Max Hollein, David Hornemann, Ruediger John, Nadja Koch, Prod. Dr. Karl-Heinz Kohl, Prof. Michael Lingner, Dorcas Müller, Mathis Neidhart, Prof. Dr. Birger P. Priddat, Bettina Reichmuth, Enno Schmidt, Prof. Dr. h. c. Lothar Späth, Nadine Trossen, Dr. Christian Votava, Prof. Dr. Jürgen Wertheimer, Johannes Wiek, Frank Wilhelmi

Rezensionen:
Die Situation in der Berufswelt ist manchmal recht paradox. Einerseits wird von dem Einzelnen ein Höchstmaß an Spezialisierung verlangt: Ein Universalgelehrter des 19. Jahrhunderts würde mit seinem Wissen an den heutigen Hochschulen noch nicht einmal die Zwischenprüfung schaffen. Andererseits gibt es keine linearen Erwerbsbiografien mehr: Von jedem wird verlangt, dass er flexibel auf gesellschaftliche Veränderungen und Anforderungen reagiert, auch in fortgeschrittenem Alter noch neue Kulturtechniken erlernt und sich den Erfordernissen des globalisierten Turbokapitalismus anpasst. Das sei »ein Spagat, der dem Einzelnen in persönlicher und professioneller Hinsicht nur schwer gelingt«, bilanzieren Klaus Heid und Ruediger John. Die Frage, ob die Kunst hier eine »vermittelnde und gestaltende Funktion übernehmen könne«, beantworten die beiden Autoren in ihrem Buch »TRANSFER: Kunst Wirtschaft Wissenschaft« mit einem eindeutigen »Ja«. Der Karlsruher Künstler Klaus Heid und sein Mitherausgeber Ruediger John dokumentieren gemeinsam mit 25 Experten Beispiele einer praktischen Kooperation zwischen Kunst, Wirtschaft und Wissenschaft.
Kunstforum Bd. 166, »Biennale«, Jürgen Raap
TRANSFER: verbindet Fragestellungen, welche Rolle die Kunst für die gesellschaftliche lebenspraxis hat, welche Impulse transdiziplinäre Kooperationen entwickeln können und welcher kulturelle und ökonomische Mehrwert dabei erzeugt werden kann.
kultur politik, BBK, 2 2/2004
TRANSFER: Kunst Wirtschaft Wissenschaft bietet eine aktuelle Bestandsaufnahme des praktischen Transfers sowie von Kooperationen zwischen Kunst, Wirtschaft und Wissenschaft.
Artist Kunstmagazin, 55 2/2003
Hinaus aus der Kunst, hinein in die Wirklichkeit
Von Interdisziplinarität wird viel geredet, gerade in einer sich erneuernden Kunstpädagogik, die sich unter dem Druck realer Schulverhältnisse vielerorts in Fächerverbänden mit anderen benachbarten Fächern wieder findet und mit diesen zusammen projektorientierten Unterricht durchzuführen hat. Doch auch in der Kunst selbst zeigen sich seit vielen Jahren verstärkte Tendenzen zur Wiederannäherung an verschiedene Wissenschaften. Oft geschieht das in sehr durchsichtiger und dilettantischer Weise, was weder der Kunst noch den Wissenschaften bekommt. Oft geschieht es auch unter dem postmodernen Siegel der Wissenschaft als Kunst in sehr anmaßender Weise: Statt zu einem intensivierten Bezug zu Wahrheit und Wirklichkeit führt das dann nur zu einer neuen Beliebigkeit und zu forciertem Subjektivismus, zu parasitären Melangen, in denen Wissenschaft und Wahrheit mehr und mehr zur Attrappen ihrer selbst verkommen und sich Künstler vor einem inkompetenten Szene-Publikum als allüberall Bescheid wissende Wissenschafts- und Forschungs-Scharlatane aufspielen. Die neoromantischen Ideologeme von Beuys haben hier verheerend gewirkt, viele Hirne verdorben und mit kunstreligiösem Kleister verklebt. Unter dem Etikett künstlerische Forschung kursieren viele Mogelpackungen, in denen weder Kunst noch Forschung drin ist, sondern nur Kuriositäten im postmodern-multikulturellen Beliebigkeitenkabinett. Das ist einer der vielen Negativeeffekte einer postmodernen Kultur, in der es angeblich nichts mehr geben soll, was es nicht gibt. Der vorliegende Band führt in dieses schlüpfrige Terrain hinein – so denkt man zunächst -, wird dann aber positiv überrascht. Denn vielmehr findet man hochinteressante Beiträge, die überhaupt nichts mit dem egomanisch, subjektivistisch und genialisch verkommenen Künstlerbild zu tun haben, sondern mit harter, solider und realistischer Arbeit an sozialen und wirtschaftlichen Prozessen. Da wird z B. ein soziologisches Forschungsprojekt vorgestellt, in dessen Rahmen die berufliche Ausbildung der Mitarbeiter der dm-Märkte mithilfe künstlerischer Handlungsmodelle reformiert wird. Oder wir erfahren von einer Psychologin und einem Wirtschaftsberater etwas über neue Konzepte der Unternehmenskultur in dessen Rahmen sich alle Beteiligten – Hersteller, Verkäufer und Kunden, als eine identitätsstiftende community verstehen solIen. Oder wir lernen das Projekt kennen, in dessen Rahmen künstlerische Kernkompetenzen genutzt werden, um die Verfahrensweisen des Unternehmenscontrollings zu innovieren. Kurz: Hier ist viel von politischen, wirtschaftlichen und sozialen Prozessen die Rede und diese Rede wird überwiegend vorgetragen von ausgewiesenen (kunstfremden) Fachleuten, die sich mit künstlerischen Methoden beschäftigen, um Defizite in wirtschaftlichen, politischen und sozialen Denkstrukturen auszugleichen. Ich darf gestehen: Dieses Buch hat mich mehr interessiert und hoffnungsfroher auf das künftige Aufgabenfeld der Kunstpädagogik blicken lassen als dutzende von Kunstzeitschriften und Kunstkatalogen der letzten Jahre.
Kunst+Unterricht Heft 273, Juni 03, Hubert Sowa

TRANSFER: Kunst Wirtschaft Wissenschaft