Vorbereitung einer Ausstellung

preparation of an exhibition

(Katalogtext, Zitate: Ruediger John)








»Bei einer Präsentation von Bildern und Skulpturen (Objekten) wird zwangsläufig deren inherente Utopie durch den umgebenden Ausstellungsort relativiert. Was wenn nun nicht ebendiese Gegenstände den Fokus der Beobachtung (durch den Künstler, wie den Galeriebesucher) bilden, sondern die Reflexion des vorausgehenden Prozesses, der Vorbereitung einer Ausstellung. […]

Durch diese Akzentuierung des Planerischen gewinnt die Untersuchung von Variationen sowie der Gegebenheiten neue Bedeutung; die Objekte und deren Anordnungen werden zu Variablen der Ausstellung; die Situation (Ort) zur Konstanten der Kognition.«

Ruediger John bedient sich einfachster Mittel um in der Rauminstallation zu »visualisieren was letztlich bereits vorhanden ist«.

»Die Konstrukte Licht und Zeit illustrieren Raum und damit die in der Ästhetik formalisierte Wahrnehmung korrelierter Anordnungen (Maß, Fläche, Verhältnis, Verteilung, System). […]

Die Projektion wechselnder zeichnerischer Darstellungen strukturiert und texturiert die umgebende Kulisse und erzeugt innerhalb des Milieus (Ausstellung) ein Ambiente. In der Abbildung schließlich: Präsentation als Motiv seiner selbst.

Dabei wird Ausstellung bzw. Ausstellen nicht einfach als Phänomen, sondern als Prozess, einer Folge von Entscheidungen (Selektionierung) in Bezug zu architektonischen Gegebenheiten als semiologische Reflexion wahrgenommen.

Der temporär institutionalisierte Planungszustand ersetzt die Fertigstellung rechtzeitig zur Vernissage; die Installation wird dabei durch ihre Chronologie und die Begleitung ihrer technischen Geräuschkulisse um zelebrative Elemente ergänzt (Inszenierung), wobei Geräusch bzw. Klang, analogisch zu Farbe, als emotional perzipierte Information zur Ergänzung quasi rationaler Zeichnung (Linie, Flächenbildung und Formgebung) dient (Dramaturgie). […]

So wird der Eindruck der Fiktion von Ereignis verstärkt; letztlich dekonstruiert sich Präsentation mittels eines iterativen Momentum und bildet in ihrem Ereignis ein Ornament innerhalb des kartesischen Koordinatensystems. […]

Die inzwischen zur Gewohnheit gewordene Wahrnehmung von Objekten duchamp’scher Manier (in zweifachem Sinne als Infiltration) benutzend, wird die architektonische Hülle und Gegebenheit nicht einfach manipulativ als tragende Struktur (1) verstanden, sondern vielmehr als umgestülpte Skulptur (um in bekannten Definitionen zu bleiben) inszeniert. Deshalb steht sie nicht widersprüchlich zur weiter oben vorweggenommenen, nicht objektzentrierten Arbeitsweise für diese Ausstellung. Entscheidend ist, daß notwendige Veränderungen (installierte Elemente) sich zunächst in Bezug zu ihrer Funktion (1) erklären und nicht nur solitär zelebriert einer Aufwertung (2) dienen.

Einer eventuell vorhandenen Erwartung der Visualisierung bzw. Illustrierung des Vorbereitungsprozesses zur Ausstellung selbst wird richtigerweise nicht entsprochen, auch wenn die Gegenstände, die Verwendung finden, aus einem Konstruktionsprozess entnommen zu sein scheinen. Die Ausstellung und insbesondere deren Eröffnung bedeutet zunächst den Abschluß vorbereitender Tätigkeiten, die Ankündigung vorab jedoch noch Teil dieser.«

»Vorbereitung einer Ausstellung / preparation of an exhibition«, Ausstellung in der Galerie peripherie 2001
»Zentralorgan 5«, 2002


CITATION/BIBLIOGRAPHY John, Ruediger: ›Vorbereitung einer Ausstellung / preparation of an exhibition‹, Baden-Baden 2001

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