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Lesermeinungen
Vorwort
Ute Meta Bauer
Hans Dieter Christ,
Iris Dressler
Paul Uwe Dreyer
Jean-Baptiste Joly
Holger Kube Ventura
Beat Wyss
René Straub,
Harry Walter
Stephan Dillemuth
Andreas Weber
Andreas Bär
Rüdiger John
Themen und Videosequenz
Gesellschaft für kritische Ästhetik
Titeldaten VLB
Abbildungen
Presserezensionen

Die Akademie ist keine Akademie ist eine ....

Oder etwas einfacher ausgedrückt: Jede Erziehung ist schlecht; das spielt gar keine Rolle, denn die meisten Kinder geraten dennoch. Wenn eines ausnahmsweise mal nicht geraten sollte, so hat es eben Pech gehabt und ist nur als Extremfall anzusehen oder eben als Ausnahme, die die Regel bestätigt.
Fritz Zorn (Mars, München, 1977)

Eine Momentaufnahme der Entwicklung und des Selbstverständnisses der Akademien und deren Verantwortungsträgern, des Zustandes der Kunstausbildung zu zeigen, zur Diskussion zu stellen und deren Funktion in Kunstsystem, Politik und Gesellschaft zu erörtern war Idee und Inhalt des Kolloquiums, dessen redaktionell bearbeitete Dokumentation, um Textbeiträge weiterer Autoren ergänzt, hier als Recherchequelle vorliegt. Personen, die auf verschiedene Weise in ihrer Tätigkeit in Kunst und Kultur mit Ausbildung, Akademien und Kunsthochschulen in Berührung kommen, wurden eingeladen, in einem Kurzvortrag persönlich Stellung zu beziehen, um in der Diskussion eine möglicherweise vorhandene Krise der Akademien und Auswege aus dieser zu erörtern. Soweit der Klappentext einer CD-ROM, die demnächst erscheinen wird.
Das ist nun ein weites Feld, das vor dem Benutzer ausgebreitet wird. Die Bedienung der CD ist erfreulich einfach, so dass die Lust sich mit dem nicht ganz neuen (immer gleichen) Thema auseinanderzusetzen nicht durch aufwendiges Suchen verdorben wird. Die klare Gliederung der Menueleiste und der gesamten Grafik machen auch dem Dilettanten die Benutzung möglich und angenehm. Die kleineren Störgeräusche und die Tonschwankungen tragen eher zum Eindruck eines konzentrierten Dialoges bei, als dass sie vom Kern desselben ablenkten. Die Organisatoren des Kolloquiums haben ein breites Spektrum an Fachleuten eingeladen und dieser Vielseitigkeit wird die Dokumentation in vollem Sinne gerecht. Hier ist das Medium tatsächlich sinnvoll eingesetzt, denn die Kurzvorträge der einzelnen Diskussionsteilnehmer sind sowohl in schriftlicher als auch audiovisueller Form abrufbar. Einzelne Wortbeiträge und Ausschnitte aus der Diskussion können als Filmsequenz eingespielt werden. So ergibt sich aus diesen Facetten ein guter Eindruck der Stimmung der gesamten Veranstaltung. Die Redebeiträge mancher Teilnehmer im Wortlaut mit sämtlichen Füllworten zu hören, ist in manchen Teilen von einer rührenden Nähe geprägt, die eine rein verschriftlichte Form nicht bieten kann.
Die negative Tendenz des Titels der Veranstaltung, der wohl auf der Äusserung, dass die Akademie immer schon die Anti-Akademie in sich trage, zurückgeht, wird in der Publikation mehrfach und von verschiedenen Seiten aufgegriffen. Die Hoffnung, die von diesem Gegenbild ausgeht ist wie jede Hoffnung verführerisch und gefährlich zu gleich. Die Hochschule als mögliche revolutionäre Zelle, so verlockend diese Vorstellung auch sein mag, gibt es nicht und hat es wohl auch nie gegeben. Die Ausbildung einer elitären Gruppe reicht eben nicht zu fundamentalen Veränderungen. Die Wirksamkeit einer Ausbildung an einer Hochschule an statistischen Zahlen und Erfolgsquotienten im beruflichen Leben zu messen erscheint daher folgerichtig. Die Ausschließlichkeit dieses Gedankens, dass nur der in Ausstellungs- und Verkaufszahlen messbare Erfolg über den Sinn oder Unsinn eines Studiums entscheidet ist jedoch entlarvend. Die Möglichkeit künstlerischer Betätigung und die daraus resultierende Befriedigung nur den Orchideen zuzugestehen, stützt das bestehende System eher als dass es dies angreift. Die Sehnsucht nach Anerkennung, ein durch und durch natürlicher Wunsch, steht hinter dieser Rechnung. Diese wäre vielen zu wünschen, aber andererseits beschleicht einen das Gefühl irgendwie sind diejenigen, die es geschafft haben ganz froh über jeden der es nicht schafft.
Die Akademie als Ort des geistigen Austauschs und der Möglichkeit des praktischen Arbeitens als eine wertvolle persönliche Erfahrung erscheint jedoch nur am Rande oder als idealistisch verklärte Stereotype. In Nebensätzen oder unter der vorauseilenden Entschuldigung, dass nun etwas Anekdotisches folge, werden Negativerlebnisse der eigenen Hochschulerfahrungen preisgegeben. Der persönliche Weg als solcher und die durch ihn erfolgte Prägung wird aussen vor gelassen oder ist bereits ausgeblendet. Die Kritik an den Akademien und ihrem verbeamteten Lehrkörper wird zu Recht geübt. Scheint doch hier ein Hauptproblem in der Struktur der Akademien zu liegen. Wobei der Ruf nach Anwesenheitspflicht der Professoren erstaunlicher Weise immer wieder laut wird.
Die Forderung das Genie durch den Dilettanten zu ersetzen greift in seiner eigenen Widersprüchlichkeit (beide Modelle sind Kinder der Frühromantik) ebenso zu kurz wie der Wunsch nach noch weiter zurückliegenden Modellen. Die dadurch ausgedrückte Akzeptanz des bestehenden Systems wird anscheinend nicht gesehen, gerade deswegen sind die Nebensätze wichtig. Die Möglichkeit auch diese Äusserungen zu hören, relativiert zuvor Gesagtes oder Geschriebenes. Dass utopische Entwürfe immer Spiegelungen gegebener Verhältnisse darstellen, und sie als Ausgangspunkt mit sich tragen und sie deswegen auch den Ballast des Alten nie vollständig loswerden und schwer an ihm tragen, ist bekannt. So tauchen in den Kurzvorträgen und in der Diskussion immer wieder die bekannten Bilder einer Idealvorstellung einer geistig kulturell durchwirkten Akademie mit einer hohen gesellschaftlichen Akzeptanz auf. Diese Vorstellung ist so schön, dass sie wohl in dieser Form nie existiert hat. Und genau darin liegt der unsterbliche Reiz und die nie endende Geschichte dieses Gedankens. Das Kolloquium hat dies wieder einmal bewiesen. Die Auseinandersetzung mit dem Thema lebt zu einem Teil von der Unauflösbarkeit des Problems. Spannend wird es in den Feinheiten. Hier sei nochmals auf die hohe Qualität der CD verwiesen, die es leicht ermöglicht verschiedene Aspekte und Reaktionen nebeneinander zu stellen und somit den eigenen Assoziationen neue Nahrung zu geben. Der nicht einmal mehr durchzuschlagende Knoten läßt sich auch mit Hilfe der CD nicht mehr entwirren, aber als Überlegung und Einblick gewährendes Werkzeug in den Zettelkasten eines jeden überforderten Intellektuellen gehört sie auf jeden Fall.
Man möchte sich in dieser vorweihnachtlichen Zeit wünschen, sie möge auf möglichst vielen Gabentischen aktiv an einer Hochschule teilnehmenden Menschen zu finden sein.
Vielleicht ist aber das ganze doch wesentlich einfacher, auch wenn das folgende Zitat von einer ganz besonders teuren Orchidee stammt.
Wenn man sich als Künstler Begreift und in einem Atelier arbeitet und doch kein Maler ist, wennman nicht mit einem Stück Leinwand beginnt, so tut man alle möglichen Dinge - man sitzt auf einem Stuhl oder geht umher. Und dann fragt man sich wieder was denn Kunst eigentlich sei? Und Kunst ist eben das , was ein Künstler tut, eben in einem Atelier herumsitzen. Bruce Nauman (in Coosje van Bruggen, Bruce Nauman, Basel 1988).

Kunst&Kultur 9/99, Stefan Schulz

Die kritische Befragung der Rolle der Akademien und Kunsthochschulen, ihrer Auswirkung auf Kunst und Kunstmarkt, aber auch ihre Abhängigkeit in Staat und Gesellschaft ist immer notwendig, wird aber im Hochschulalltag vernachlässigt. Es ist also angebracht, sich hin und wieder grundsätzlicher Fragen klar zu werden. Die Frage, was »Kunst« sei, ist heute mehr denn je umstritten. Dies setzt sowohl die KÜnstlerInnen für ihr Tun, als auch die Lehrziele und Unterrichtsmethoden der Akademien unter Legitimationszwang. Läßt sich unter diesen Umständen die Daseinsberechtigung der Akademien noch begründen ? Diese und andere Fragen sorgen immer wieder für notwendige Diskussionen, wenn es um die zeitgemäße Ausbildung von KünstlerInnen geht. Denn Tatsache ist: Wenige Jahre nach dem Besuch einer Kunstakademie sind nur noch wenige Künstlerinnen und Künstler in ihrem »Traumberuf« tätig. Nicht einmal drei Prozent der AkademieabsolventInnen schaffen es mit ihrer Kunst auch ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Würden andere Hochschulbereiche mit ähnlich negativen Bilanzen auftreten, müßtell sie schließen. Natürlich ist die Ausbildung an einer Akademie nicht mit dem Studium an einer Technischen Hochschule zu vergleichen, und selbstverständlich kann und soll eine Kunstakademie nicht »bedarfsgerecht« für den Kunstmarkt ausbilden. Dennoch, eine Akademie ist nicht nur dazu da, ihren Studenten die notwendigen Freiräume für ihre künstlerische Entwicklung zu schaffen. Sie muß auch die Informationen vermitteln, die einem Künstler das ökonomische Überleben nach der Ausbildung überhaupt möglich machen. Es wäre an der Zeit sich auch an den Akademien Gedanken über das ökonomische Überleben nach dem Studium zu machen. Einige Kunsthochschulen, wie z. B. die Freie Kunsthochschule Nürtingell haben das erkannt, die meisten aber trennen die Ausbildung immer noch strikt vom späteren Überleben. An dieser Stelle werden die Hochschulen ihrer Verantwortung für die angehenden KünstlerInnen nicht gerecht. Im November 1998 fand im Künstlerhaus Stuttgart ein Kolloquium statt, zu dem die Künstler Andreas Bär und Rüdiger John unter dem Motto »Die Akademie ist keine Akademie« zahlreiche namhafte ReferentInnen eingeladen hatten. Jetzt ist die von ihnen sorgfältig zusammengestellte Publikation dieser IG Medien-Veranstaltung in Form einer Multimedia-CD beim [sic!] - Verlag für kritische Ästhetik erschienen. Die Texte, Ton- und Filmsequenzen, geben den Charakter der Veranstaltung sehr gut wieder. Mit Beiträgen von Ute Meta Bauer, Hans D. Christ, Iris Dressler, Paul Uwe Dreyer, Jeall-Baptiste Joly, Holger Kube Ventura und Beat Wyss sowie einem einführenden Diavortrag von ABR Stuttgart (Rene Straub und Harry Walter). Desweiteren enthält die CD Beiträge von Stephall Dillemuth und Andreas Weber. Alle Referate sind in Wort und Bild dokumentiert und auf der CD aufgrund der chronologischen, thematischen und personenbezogenen Ordnungskriterien einfach zu finden.

Skizzen 8, 12/99

Haben Akademien Zukunft?
Im Künstlerhaus wurden die Möglichkeiten der Lehre diskutiert
Ein Rückblick auf die Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts - und man wundert sich, daß es sie überhaupt noch gibt, die gute alte Kunstakademie, wie sie 1494 von Leonardo in Mailand und in der für Jahrhunderte gültigen Verfassung 1599 von Frederico Zuccari in Rom begründet wurde. «Die Akademie ist keine Akademie». mit dieser lakonischen Feststellung luden die KünstIer Andreas Bär und Rüdiger John nun zu einem Kolloquium ins Künstlerhaus Stuttgart ein. Bevor sieben Referenten ihre beschwichtigenden Statements zur erklärten Nichtexistenz der Akademie als Akademie vortrugen, überraschten Harry Walter und René Straub das Publikum mit einem kühnen Vergleich zwischen einem real existierenden Akademieabsolventen von 1998 und dem im vierten Jahrhundert vor Christus lebenden Philosophen Diogenes von Sinope, bekannt als «Diogenes in der Tonne». Der eine, zeitgenössische, habe beteuert, das einzige, was er aur der Akademie gelernt habe, sei «das Herumhängen«, der andere ist in Raffaels «Schule von Athen» in eben dieser akademiekritischen Haltung dargestellt. Jean-Baptiste Joly, einer der Referenten, hat gut reden, seine Akademie ist in der Tat keine Akademie wie die anderen. Auf Schloß Solitude ist den Künstlern geboten, «ständig die Kunst neu zu erfinden». Als zentrales Problem stellte sich an diesem Abend die Neudefinition der Lehre an den staatlichen Akademien heraus. Keiner der Referenten wollte auf die Akademie verzichten, aber alle waren sich der paradoxen Situation bewußt, daß, so Joly, Lehrende und Lernende einer Institution angehören, an die sie nicht mehr glauben. Einigkeit herrschte auch darüber, daß die staatlichen Akademien über «Freiräume» verfügen, diese aber zu wenig nutzen. Ute Meta Bauer, Gastprofessorin am Institut für Gegenwartskunst an der Akademie der Bildenden Künste Wien, plädierte für eine Lehre, die dem Studierenden hilft, «sich eine Form künstlerischer Praxis zu erfinden«. Den akademischen Freiraum nutzen, heißt für die ehemalige Leiterin des Künstlerhauses, sich nicht damit abzufinden, daß gerade einmal zwei Prozent der Akademiestudenten den Einzug ins Museum schaffen. Für anhaltende große Ratlosigkeit sorgte ihre zukunftweisende Definition des Künstlers als «Autodidakt». Gemeint war: Wir brauchen eine Lehre, welche die Absolventen dazu befähigt zu sagen: «Meinen Arbeitsplatz gibt es noch nicht» und dies als Positivum zu werten. In die gleiche Richtung wies der Kunst- und Kulturkritiker Holger Kube Ventura. Er sieht als einzige Überlebenschance der Kunstakademie die Nutzung der vorhandenen Freiräume für eine Lehre, die auf das verantwortliche Wirken in der Gesellschaft vorbereitet. Beat Wyss, Leiter des Instituts für Kunstgeschichte an der Universität Stuttgart, nahm das Wort vom Künstler als Autodidakten zum Anlaß, vor der Rückkehr zu einem «romantischen Antiakademismus», wie ihn die Avantgarden, allen voran das Bauhaus als «institutionalisierte Antiakademie« gepflegt hätten, eindringlich zu warnen. Paul Uwe Dreyer, Rektor der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, konterte, der Antiakademismus sei von jeher ein integraler Bestandteil der Kunstakademie, der auch heute das Eintreten für ihren Erhalt rechtfertige. Die eigentliche Herausforderung für die Akademien sieht Dreyer in den permanenten Versuchen von staatlicher Seite, die Kunst als «Kulturträger» zu instrumentalisieren.

Stuttgarter Zeitung, 19.11.98, Gabriele Hoffmann

Künstlerausbildung heute: ohne Leitbild?

Michael Schwarz (Hg.): beschreiben. zum beispiel eine kunsthochschule. Jahrbuch 3 der Hochschule für bildende Künste Braunschweig. Köln: Salon Verlag 1999, vice-versa-Vertrieb, Berlin, ISBN 3-89770-080-8, 199 S.

Olaf Metzel - Akademie der Bildendem Künste München (Hg.): Basisarbeit. München Selbstverlag Olaf MetzeI, Akademie der Bildenden Künste 1999, ISBN 3-932934-05-9, 200 S.

Andreas Bär/Rüdiger John (Hg.): Die Akademie ist keine Akademie. Eine kritische Betrachtung der Rolle der Künstler, Akademien und Kunsthochschulen, Ihrer Auswirkung auf Kunst und Kunstmarkt, ihrer Abhängigkeit in Staat und Gesellschaft. [sic!] - Verlag für kritische Ästhetik, 1999, CDROM, ISBN 3-933809-25-8

Ohne Umschweife gesagt: Nur die drittgenannte Publikation thematisiert das Problemfeld «Künstlerausbildung heute» in zeitgemäßer Weise und in kritischer Außenperspektive. Die beiden erstgenannten Publikationen sind zu eng dem mehr oder weniger nachsichtigen Selbstbild der fraglichen Institutionen verpflichtet: Weder wird in dem braunschweiger Buchprojekt wirklich strikt beschrieben, wie sich heute die «autonome» Kunst in der (staatlich installierten) Lehre ihrer selbst fortsetzt, noch wird in dem Buch des (nunmehr: ehemaligen) Münchener Akademierektors eine echte Basisarbeit des Verstehens oder gar Begreifens der Gründe heutiger Kunstlehre geleistet. Oaf Metzel - früher als kritischreflektierender Künstler eingeschätzt, heute zum akademischen Apologeten «herrschender» Kunst arriviert - dekretiert in seinem Vorwort (offenbar ohne Ironie): «Kunstakademien sollten wie ein Supermarkt funktionieren [ . . . ] Jeder lädt seinen Einkaufswagen voll - aber an der Kasse muss nicht gezahlt werden.» (Sic!) Genau diesen Standpunkt illustriert das Buch: Die vielerorts übliche Gastvortrags-Karawane von kritisch-ironisch gestylten Szene-Theoretikern zieht vorüber und hinterlässt ein Kaleidoskop viel versprechender «Ansätze», deren Bündelung und Reflexion in einer institutionalisierten Lehre offenbar keiner der zu diesem Zweck dauerhaft bestallten Professoren mehr leisten mag oder kann. Helmut Draxler schreibt: «To teach ist Not to teach». - «Basisarbeit»? - Oder Hoffnung auf direkte und unvermittelte Erleuchtung? Muss dafür nicht doch einer bezahlen, nämlich letztlich. a) der Staat (bzw. die Sponsoren) und b) der Kunststudent? Das Braunschweiger Buch ist solider im Anspruch, leidet aber auch an einer Gewissen Unverbindlichkeit vieler Positionen und des Gesamtbildes. Immerhin. Im Gegensatz zu Metzels Buch kommen hier auch die nicht-«freien» Bereiche einer Kunsthochschule zu Wort. Design, Film, Kunstpädagogik, . . . Außerdem werden hier auch radikal akademiekritische Positionen artikuliert (Ecke Bonk, Thierry de Duve). Trotz zum Teil interessanter Thesen wichtiger Autoren zum Thema (0.H. Hajek, F.E. Walther, Jochen Gerz, Hannes Böihringer, Dellbrügge & de Moll usw.) kommt es zu keiner Bündelung und Verdichtung im Sinne eines «Diskurses» - doch wenigstens wird bibliographisch der Anschluss an die jüngere Diskussion hergestellt. Die CD-ROM von Andreas Bär und Rüdiger John gibt in Text, Bild und Klang Beiträge eines von den Herausgebern veranstalteten Symposiums zur Rolle der Akademien und Kunsthochschulen wieder. Wenn auch die Rezeption z. T. etwas mühsam ist und wichtige Textpassagen nur als Klangspur bzw. ausdruckbarer Text verfügbar sind (Ist diese Dokumentationsform wirklich nützlich?), ahnt man doch in Umrissen die Bemühung der Beteiligten, zu einem vertieften kritischen Gespräch zu kommen. Bedenkenswerterweise wird die Frage nach den heutigen Kunstakademien an einigen SteIlen zurückgelenkt auf den alten Begriff der Akademie (z.B.: Rene Straub, Harry Walter, Beat Wyss), der in seiner utopischen Sprengkraft wieder entdeckt wird. Desgleichen wird herausgestellt, dass die heutige «Krise der Kunstlehre» (Jean-Baptiste Joly) nach einer präzisen Abgrenzung einer noch (oder wieder) möiglichen Lehre vom «Autodidaktentum» (Ute Meta Bauer) verlangt. Im Umkreis solcher Fragen wird jedenfalls spürbar, dass die Frage nach der «Kunstlehre» heute mehr ist als eine bloße Frage nach institutionellen Reformen: Sie steht - wenn sie ernsthaft angegangen werden soll - nach wie vor (oder: nun wirklich und endlich) im Sog der Hegel'schen Frage nach dem Ende der Kunst.

Kunst+Unterricht Heft 253, 2001, Hubert Sowa


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