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»Wer nichts sagen will, hat meistens nichts zu sagen«

Dimitrios Chalatsis und Nadja Koch im Gespräch mit Klaus Heid
Karlsruhe, 8. März 2002

Die Karlsruher >Produzentengalerie Poly e.V.< ist eine Initiative von Studenten und Absolventen der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Nadja Koch (25) und Dimitrios Chalatsis (32) gehören zu den Gründungsmitgliedern des Vereins Poly e.V., der seit November 2001 einen Projektraum betreibt und inzwischen 36 Mitglieder hat.
Unter dem programmatischen Titel >Polytik< organisierte Poly im Januar 2002 eine Ausstellung und Veranstaltungen zu der Frage nach dem Einfluss der Kunst auf gesellschaftliche Entwicklungen. »Sollen KünstlerInnen Position beziehen?« lautete eine der Leitfragen. Die meisten Studenten und Absolventen fühlen sich an der Akademie in einem Kunst-Ghetto, abgeschirmt von der Gesellschaft. Der Hauptgrund für die Poly-Gründung war, dieser selbstreferenziellen Falle zu entkommen und Zugangskanäle in die Gesellschaft hinein zu erschließen.
Dimitrios Chalatsis arbeitete zunächst in Athen als Restaurator, Versicherungsvertreter und in diversen anderen Jobs. 1994 zog er nach Deutschland, besuchte zwei Jahre die Kunstschule >Alte Post< in Neuß und ging dann über Köln und Erlangen 1997 an die Kunstakademie Karlsruhe.
Nadja Koch hat Ihr Studium an der Akademie im Herbst 2001 abgeschlossen. Nach dem Abitur in Aschaffenburg machte sie eine Ausbildung in Schauspiel und Grafik an der Alanus Hochschule, bevor sie nach Karlsruhe an die Akademie kam.

Nadja, du hast die Kunstakademie bereits abgeschlossen, Dimitrios wird seine Ausbildung im Sommer beenden. Wie beurteilt ihr die Ausbildung, die an der Kunstakademie angeboten wird?

Nadja Koch: Man erwartet als neue Studentin unheimlich viel und merkt dann sehr schnell, dass man alleine gelassen wird.

[...]

Gab es bei >Kunst und Polytik< konkrete Ergebnisse?

Nadja Koch: Die Frage ist, was man unter Politik versteht. Es geht um den gesellschaftlichen Prozess und darum, wie eine Gesellschaft organisiert und gestaltet ist, wie sich die Menschen untereinander verhalten und miteinander kommunizieren. Kunst kann dabei als interkulturelle Sprache funktionieren und Perspektiven und Wege aufzeigen. Kunst gibt die Möglichkeit zur Sensibilisierung der Wahrnehmung und das hilft, den Alltag besser zu durchschauen und zu begreifen. In jedem Kunstwerk, auch wenn es sich noch so sehr verschließt, steckt eine aufklärerische Botschaft. Diese hat eine Wirkung, selbst wenn sie minimal sein sollte. Kunst verändert nicht mit einem Schlag dein Leben, sie wirkt eher langsam und leise. Wir haben gemerkt, dass es sich lohnt, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Unter uns ist eine neue Offenheit entstanden, und die Bereitschaft ist gewachsen, mit Aktionen an die Öffentlichkeit zu gehen.

Dimitrios Chalatsis: Der Künstler hat auf Grund seiner Tätigkeit als einziger die Möglichkeit, mit anderen gesellschaftlichen Bereichen und Gruppen zu kommunizieren. Als Künstler bin ich kein Fachidiot, sondern ich kann mich mit anderen Diskursen verbinden, an verschiedenen gesellschaftlichen Polen anknüpfen, in Dialog treten.

Woher nimmt der Künstler denn die Kompetenz, sich in andere Diskurse, seien sie wirtschaftlicher, wissenschaftlicher oder sozialer Art, einzumischen?

Dimitrios Chalatsis: Der Künstler hat die Freiheit des Narren.

Nadja Koch: Gerade dadurch, dass der Künstler Abstand zu anderen gesellschaftlichen Bereichen hat, kann er etwas dazu sagen. Er ist nicht Partei, sondern er betrachtet die Dinge von außen. Damit ist noch kein Anspruch auf die Allgemeingültigkeit künstlerischer Äußerungen gegeben – Kunst ist subjektiv. In diesem Sinne wirkt sie erweiternd.

[...]


Glossar n Glossary n kritische Ästhetik künstlerische Kompetenz künstlerische Forschung ästhetische Intelligenzen transdisziplinär Wirtschaftskultur durch Kunst public understanding of science and humanities Transferkunst Transfer Art, Transferart third culture new business ethics modern economy Wirtschaft und Ethik Wissenschaft und Kunst politics and aesthetics Politik und Ästhetik Ruediger John Klaus Heid

© 2003 Nadja Koch, Dimitrios Chalatsis, Klaus Heid, Ruediger John, [sic!] - Verlag für kritische Ästhetik / Publishing house for Critical Aesthetics / Maison d'édition pour Esthétique Critique / Casa editorial para la Estética Crítica / Casa publicando para o Aesthetics Crítico / Casa editrice per Estetica Critica / Uitgeverij voor Kritieke Esthetica DCM

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