Ruediger John Ruediger John - Artist, Artistic Research, Critical Aesthetics, Systemic Art, Interventionistic Art, Performance Art, critical-aesthetic Consulting and Coaching, Kuenstler, Kuenstlerische Forschung, Kritische Aesthetik, Systemische Kunst, Interventionistische Kunst, Performance Kunst, Kritisch-aesthetisches Consulting und Coaching https://artrelated.net/ruediger_john/ Fri, 12 Jul 2024 15:30:21 +0000 about
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2018-12-11 https://artrelated.net/ruediger_john/cv.html https://artrelated.net/ruediger_john/cv.html
ask flora / frage Flora
<p><img src="ruediger-john-ask-flora-frage-flora-045.jpg" alt="ask flora / frage Flora" title="ask flora / frage Flora" /></p> <p><img src="ruediger-john-ask-flora-frage-flora-04.mp4" alt="ask flora / frage Flora" title="ask flora / frage Flora" /><br /> Subjektive Kamerafahrt durch den Versuchsaufbau.</p> <p><audio controls="1" controlslist="nodownload nofullscreen noremoteplayback" alt="ask flora / frage Flora"><source src="ruediger-john-ask-flora-frage-flora-06.mp3"></source></audio> Komprimierte Messdaten der Pflanzen als Audiodaten repräsentiert. </p> <h5>Pflanzen als integrierte, soziale Konstrukte</h5> <p>In diesem andauernden künstlerischen Prozess werden Möglichkeiten der Darstellung, Verbindung und Verstärkung von kommunikativen, sensorischen und aktorischen Schnittstellen zwischen Pflanzen und Menschen untersucht. Dabei sind Pflanzen nicht im Sinne der überkommenden Dichotomie Natur – Kultur einzuordnen, sondern als integrierte, soziale Konstrukte (Systeme) zu verstehen, welche mithilfe von Interfaces kommunizieren und interagieren. Der Begriff des Interface ist hierbei nicht reduziert auf seine informationstechnische Bedeutung als User-Interface (beispielsweise GUI) zu verstehen, sondern systemisch als vermittelnde Zwischenschicht, als kommunikative und interpretatorische Bezugsebene um Interaktionen beziehungsweise deren bewußte Wahrnehmung und Reflexion zu ermöglichen oder zu erleichtern und damit wesentliches Element in Sozialisationsprozessen.</p> <p>November 2017</p> <p><a href="https://www.medienobservationen.de/2020/0430-schneider-zemanek/">Birgit Schneider, Evi Zemanek: ›Spürtechniken. Von der Wahrnehmung der Natur zur Natur als Medium‹, Medienobservationen, 2020</a></p>
2018-07-01 https://artrelated.net/ruediger_john/ask-flora.html https://artrelated.net/ruediger_john/ask-flora.html
Praxis: Kritisches, ästhetisches Arbeiten im Kontext von Wirtschaft und Wissenschaft. Kunst als Intervention und Reflexion, Kritik und Politik in Unternehmen und Institutionen.
<h3>1. Einleitung</h3> <blockquote> <p>&quot;The question is not what you look at, but what you see.&quot;[2]</p> </blockquote> <h4>1.1 Kunst und Kultur als qualitative und normative Begriffe</h4> <p>Kunst ist wohl einer der besonderen Sammelbegriffe in modernen Gesellschaften, funktioniert er doch als diffuser Platzhalter für so unterschiedliche Themen wie kultureller Verortung, individueller Fertigkeiten, allgemeiner Lebensqualität, qualitativer Bewertungen und gesellschaftlicher Verantwortung – um nur eine kleine Auswahl zu nennen – und ist zugleich, trotz dieser definitorischen Variabilität[3], als ein ausdifferenziertes, autarkes gesellschaftliches Subsystem⁠[4], dessen Spezialisierung – oder, besser: Funktion – jedoch für einen Gutteil der Bevölkerung unverständlich[5] und nur bedingt alltagsrelevant erscheint⁠[6], existent. So sind nicht einfach nur sprachtraditionelle Gründe ursächlich, sondern es bestimmen, wie in anderen Lebenssituationen auch[7]⁠, Wissens- und Erfahrungsbasis, habituelle/rituelle Normen und situative kommunikative Anschlussfähigkeit den Gebrauch und damit die Wahrnehmung auf und das Verständnis von Kunst als Phänomen[8].</p> <p>Ähnlich der populäre Umgang mit dem Begriff Kultur – er wird ebenso qualitativ und normativ, oftmals mit der Implikation des Institutionellen, verwendet, so dass ein systemisches und prozesslogisches Verständnis[9]⁠ im Alltäglichen nicht reflektiert wird. Kultur ist jedoch ein werte- und sinnstiftender Prozess (zu) einer Gemeinschaft und ihres sozialen, intellektuellen und emotionalen Vermögens[10]⁠. </p> <p>Wir sollten also versuchen, wenn wir an Kunst denken, uns nicht einfach nur Objekte, Bilder, Körper und Töne⁠[11] vorzustellen, sondern <u>uinitiierte Prozesse und (menschliche) Interaktionen (Begegnungen) mit spezifischen Eigenschaften</u>; und wenn wir von Kultur sprechen, an <u>Interaktionen unterschiedlicher gesellschaftlicher Prozesse</u> denken. Auch wenn das längst nicht so &quot;schön&quot; ist, wie das Schwelgen in der Erinnerung an einen Rundgang in einem Kunstmuseum oder der letzten &quot;Kulturreise&quot;.</p> <h4>1.2 Kultur hat immer mit Wirtschaft zu tun</h4> <p>Es ist offensichtlich, dass es ein funktionierendes Gemeinwesen mit seinen Gesetzen und Normen nur geben kann wenn soziale Kontrakte (also allgemeine Übereinkünfte, die eine Basis für den Prozess der Ausformulierung in Gesetze bilden) existieren – welche durch die verbindende Kultur (also den gemeinsamen Kontext der Lebenswirklichkeit) entstehen. Das heisst auch, dass ein geordnetes Wirtschaftsleben mit verbindlichen Verträgen, Sicherheiten und Zahlungsmitteln, dass Eigentum und Unternehmen mit Inhabern, Teilhabern, Mitarbeitern und Angestellten, dass Märkte nur existieren weil eine Basis gesellschaftlich gültiger Absprachen zugrunde liegt[12]⁠. Das mag selbstverständlich oder gar banal klingen - bis man sich einige der, gar nicht so weit entfernten, instabilen Regionen anschaut oder geschichtlich einfach etwas zurück geht⁠.[13]</p> <p>Und, auch wenn es manchen Akteuren, inklusive Betrachtern⁠[14] in den Künsten nicht gefallen, oder deren insularem Weltenverständnis widersprechen mag: Künstler stehen nicht ausserhalb der Gesellschaft und Wirtschaft hat immer mit Kultur zu tun[15], so wie alle anderen gesellschaftlichen Subsysteme[16]⁠ ebenfalls untereinander verbunden sind und eben dieses Gefüge bilden, welches wir – als Summe von Kommunikationsritualen – <u>Gesellschaft</u> nennen. </p> <h4>1.3 Akteure mit (kultureller/sozialer) Verantwortung</h4> <p>Das bedeutet, dass ein kulturell und sozial verantwortliches Handeln aller Akteure und Institutionen kein optionaler Luxus ist, den man sich leistet nachdem für alles andere gesorgt ist, sondern schlichtweg eine überlebensnotwendige Implikation aller Entscheidungen – denkt man über den nächsten Quartalsabschluss, Forschungsetat oder Gehaltsscheck hinaus.</p> <p>Wenn nun Kunst und Wirtschaft oder Kunst und die Wissenschaften erklärtermassen oder ungeplant interagieren, werden unterschiedliche Auffassungen, Erwartungen und Rituale besonders deutlich sichtbar – da es sich um </u>unterschiedliche Kommunikationssysteme handelt, welche Kommunikationsformen ausbilden müssen, um sich über ihre eigenen Definitionsgrenzen hinaus austauschen zu können um anschlussfähig zu sein</u>. Zugleich finden in diesem Prozess Bewertungen und Entscheidungen auf der Basis unterschiedlicher Werte und Interessensabwägungen statt, welche den Sinn, Nutzen und Ergebnisse der Zusammenarbeiten essentiell beeinflussen. </p> <p>Ich möchte im Folgenden eine Auswahl grundlegender Hinweise als Denkanstösse geben, welche sich in meiner praktischen Tätigkeit als Künstler im Wissenschafts- und Wirtschaftsumfeld als hilfreich erwiesen haben. Diese Ausführung ist – dem Publikationsformat geschuldet – bei weitem nicht umfassend oder gar vollständig, soll aber einen Einblick in die Komplexität der Praxis geben und versuchen, einigen der gängigen Missverständnisse und (Selbst-)Beschränkungen konstruktiv zu begegnen.</p> <h3>2. Zielorientierung ist Denken und Handeln in Konventionen</h3> <h4>2.1 Alltag und Effizienz oder Erkenntnis und Effektivität</h4> <p>Die alltägliche Form strukturierten unternehmerischen Handelns orientiert sich an diversen Managementansätzen um in Prozessen erkannte Probleme zu beschreiben und ein oder mehrere Ziele zu definieren um dann effiziente Wege zur Erreichung dieser einzuschlagen. Dies ist in vielen Fällen durchaus sinnvoll – inbesondere, wenn es sich um kurzfristige, wenig komplexe und sich wiederholende Aufgaben handelt – weil sich so Erlerntes und Erfahrung als alltagspraktisches Know-How anwenden lässt und die Koordinierung zwischen den Handelnden zur Effizienzsteigerung vereinfacht wird. </p> <p>Bei Prozessen und visionären Ideen, welche eine Institution als Erkenntnis (Kompetenz) über den momentanen Alltagsgebrauch hinaus entwickeln will – selbst bei so naheliegenden Themen wie des Corporate Development, interdisziplinärer Forschung, strategische Massnahmen oder Fragen der Nachhaltigkeit – wirkt eine Zielorientierung in dieser Ausprägung jedoch oftmals kontraproduktiv: Sie beschränkt wesentlich mögliche Erfahrungen und Erkenntnisse, welche sich aus einer freieren, das heißt multiperspektivischen und multidisziplinären Herangehensweise ergeben können. So kann man aus dem im Unternehmen ritualisierten Umgang in solchen Fällen ausbrechen um an einem erweiterten Lösungshorizont zu arbeiten indem man beispielsweise unterscheidet zwischen dem formulierten, das heißt offiziellen Problem, der individuellen beziehungsweise subjektiven Perspektive, soziodynamische Implikationen zwischen den Beteiligten, eine informierte und uninformierte Wahrnehmung einbezieht und Wirkungen nach Innen und Aussen (Bedeutungen) und die Betrachtung unterschiedlicher Zeithorizonte berücksichtigt – um nur einige zu nennen[17]⁠ – welche Priorisierungen und Lösungsansätze und mitunter die ursprüngliche Zielsetzung wesentlich beeinflussen.</p> <p>Das heisst: <u>Eine frühe Zielorientierung stellt eine auferlegte Selbstbeschränkung dar, welche Ergebnisse in bestehenden Denkmustern provoziert und einschränkende Gewohnheiten in Prozessen und Hierarchien fortschreibt</u>[18].⁠</p> <p>Dies ist umsomehr der Fall, wenn es über die eingangs genannten unternehmensalltagsnahen Prozesse hinaus um kulturelle und gesellschaftliche Fragen geht, also um Themen, welche eine höhere Komplexität der Interaktionen und eine Sicht über die aktuellen Grenzen des Unternehmens hinaus bedingen. Denn <u>prinzipiell wirkt jede Entscheidung (gleich ob als Unternehmen oder als Person) auf den gesellschaftlichen und kulturellen Kontext zurück</u>. Lässt sich dies bei Alltagsfragen (scheinbar) geringer Komplexität meist noch (interim) ignorieren, bleibt die Summe einzelner Entscheidungen dennoch wirkmächtig und kann zu überraschenden Wechselwirkungen führen, wenn man nicht kulturelle und gesellschaftliche Implikationen bei der Entscheidungsfindung mitberücksichtigt.</p> <h4>2.2 Multiperspektivität und Grundlagenforschung</h4> <p>In Kunst- und Kulturprojekten gilt es also insbesondere den Erwartungshorizont möglicher Ergebnisse und Erkenntnisse weiter zu öffnen, verfolgt man nicht triviale Absichten, wie spezifische Marketingmassnahmen, Mitarbeiter-Motivationstrainings, Verschönerungsmaßnahmen, persönliche Selbstbestätigung oder soziale Abgrenzung. Da es sich bei der Interaktion zwischen Kunst, Wirtschaft und den Wissenschaften um Systeme mit kategorialen Unterschieden handelt⁠[19], haben Fragen und Themen auch das Potential weitreichender und grundsätzlicher zu sein, eine multiperspektivische Sichtweise und den Umgang mit Komplexität einzuführen und die Auseinandersetzung mit Sinn- und Bedeutungsfragen sowohl des Individuums, als auch der Organisation anzubieten. </p> <p><u>Der erfolgreiche Umgang mit Kunst ist also eher vergleichbar mit einer Grundlagenforschung, als mit einer Produktentwicklung</u>; das bedeutet, dass der direkte oder geplante Nutzen⁠[20] zugunsten des indirekten oder prozessualen Nutzens⁠[21] zurücktritt. Dabei bezieht der Kunstprozess das Umfeld in die Bearbeitung mit ein (Rekursion) – das heisst das Unternehmen selbst wird Gegenstand einer teilnehmenden Betrachtung (Untersuchung). </p> <p>Wer also Kunst und kulturelle Projekte zur Ornamentierung, Illustration⁠[22] oder als sozialen Marker – also in spezifischer Zielorientierung – einsetzt, nutzt nicht das tatsächliche Potential der bewussten kulturellen Auseinandersetzung und künstlerischer, ästhetischer Fähigkeiten und Prozesse. <u>Erst der Ausbruch aus den gewohnten Problem-Lösung-Mustern und selbstbeschränkenden Prozessstrategien und ein exploratives Handeln ermöglicht den ungeplanten und unerwarteten Erkenntnisgewinn als persönliches und institutionelles Erleben und Horizonterweiterung</u>.</p> <h4>2.3 Wissenschaften und transdisziplinäre Forschung und Lehre</h4> <p>Eine besondere Rolle nehmen ästhetische und kulturelle Kriterien in der Lehre ein, denn der Prozess des Lernens ist intrinsisch wahrnehmungsbasierend; <u>Lehre ist – als (an-)geleitetes Lernen – dessen Verdichtung und Abwägung zwischen Primär- und Sekundärerfahrungen, das heisst zwischen Erlebtem und Vermitteltem</u>. So stellen sich im Bildungssektor und in den Wissenschaften Fragen, zusätzlich zu denen als Organisationen an sich, der Neubewertung ästhetischer Kriterien in Prozessen des Begreifens und Verstehens⁠[23] im Hinblick auf Kultur und Gesellschaft – wie man unter anderem an den aktuelleren Forschungen und Debatten über online/distance-Learning und MOOCs und den damit verbundenen Überlegungen zur Präsenzlehre⁠[24], aber auch in der Aufwertung von Querschnittsdisziplinen/Kompetenzen und der Organisation von Think-Tanks erkennen kann. </p> <p>Abstraktions- und Assoziationsfähigkeiten sind als Schlüsselqualifikationen erkannt, Lateral Thinking und Generalisten werden als notwendige Ergänzungen zu spezialisiertem Fachwissen für funktionierende Kommunikations- und Interaktionsstrukturen verstanden. </p> <p>In diesem Feld des transdisziplinären, das heisst, des fachdisziplinenübergreifenden, Forschens und Lehrens, stellen kulturelle Pespektiven und künstlerisch-ästhetische Fähigkeiten ein Potential der Reflexion und der Öffnung von Handlungshorizonten dar. <u>Dabei steuert Kunst – um wirklich von Bedeutung zu sein – einen wesentlichen, transformativen Prozess bei und nicht einfach einen darstellenden⁠</u>[25]. Beispiele hierzu sind die Einbeziehung künstlerischer Elemente in, eigentlich, fachfremde Grund- und Aufbaustudiengänge, ästhetische Prozessbegleitungen und Verbindungen zu Qualitative Research, Action Research und Künstlerischer Forschung[26].⁠ Insbesondere die wissenschaftliche Forschung kann von der kritischen Integration der Künste, durch kompetente Künstlerinnen und Künstler, profitieren, indem mit Hilfe dieser beispielsweise dem fachspezifischen, utilitaristischen Blick auf Details eine mit unter subjektivierte Wahrnehmung der kulturellen Relevanz eingeführt wird.</p> <h3>3. Das grösste Risiko geht ein, wer versucht Risiken zu vermeiden</h3> <h4>3.1 Wahrnehmen und Werten</h4> <p>Wie bei allen Unternehmungen stellt sich auch beim Umgang mit Kunst die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Beschäftigung mit dieser und einer Bewertbarkeit des Nutzens. Diese Fragen sind berechtigt – und eigentlich auch recht einfach beantwortbar. </p> <p>Hierzu gilt, dass die einer Bewertung zugrundeliegenden Kriterien über deren Ergebnis entscheiden – eine eigentlich triviale Feststellung und dennoch einer der häufigsten Denkfehler sowohl auf Seiten der Unternehmen, als auch der Kulturschaffenden, und damit Auslöser vieler Missverständnisse und Kommunikationsprobleme. </p> <p>Also ist entscheidend, dass man sich über den Betrachtungszeitraum, quantitative und qualitative Aspekte, personenbezogene und institutionelle Sichtweisen und Erwartungen, Wirkungshorizont, soziodynamische, sowie inkludierende, exkludierende und (nicht zuletzt) unbestimmte Faktoren[27] klar wird, um eine sinnvolle Bewertung zu ermöglichen. Das heißt, dass <u>nur die Betrachtung aus den Perspektiven aller beteiligten gesellschaftlichen Subsysteme eine adäquate Wahrnehmung (Wertung) und Erkenntnis (Verstehen) ermöglicht</u> – diese, mit der gesellschaftlichen Ausdifferenzierung entstandene, Multiperspektivität ist ein wesentliches Handlungsfeld einer systemischen künstlerischen Arbeitsweise und für eine werthafte (kritische) Einbeziehung der Künste in unterschiedliche Lebensbereiche unumgänglich. </p> <h4>3.2 Scheitern durch falsche Kriterien</h4> <p>Einige einfache Beispiele wie es nicht geht⁠[28]: Die aktive Auseinandersetzung mit Kunst als Element gesellschaftsorientiertem kulturellem Handeln, schlägt sich nicht einfach positiv betriebswirtschaftlich nieder, denn nicht nur erfasst die klassische betriebswirtschaftliche Abrechnung keine Kriterien der ästhetischen Erkenntnisarbeit[29]⁠, sie überschaut auch einen viel zu kurzen Zeitraum um Wirkungen sichtbar zu machen. </p> <p>Würde man die Zielsetzung eines Kulturprojektes auf die Evaluation durch ein klassisches Controlling anpassen, endete man beispielsweise mit einer profanen Marketingmassnahme, welche kurzzeitig erhöhte Ausgaben in diesem Bereich möglicherweise höheren Verkaufszahlen gegenüberstellte. </p> <p>Lüde eine wissenschaftliche Forschungsgruppe Künstlerinnen und Künstler ein, die Forschungsergebnisse in Bilder umzusetzen und in einer Publikation darstellbar zu machen, oder in einer Kunstausstellung das Interesse eines breiteren Publikums zu wecken, wäre das im Hinblick auf eine illustrative Qualität möglicherweise interessant, jedoch wird durch die Hierarchie zwischen Inhalt und Darstellung Kunst auf ein Medium reduziert⁠[30].</p> <p>Suchte ein Unternehmen, welches mit spezifischen Materialien oder Halbzeugen arbeitet, einen Künstler/eine Künstlerin die Werke aus den gleichen Materialien anfertigen oder deren Halbzeuge verwenden, um eine Verbindung zum Unternehmensinhalt herzustellen, würde durch diese simplifizierte Auswahl über ein recht unwichtiges Kriterium wie das des Mediums für das Umfeld des Unternehmens eventuell viel wichtigere Fragen der kulturellen Beschäftigung vernachlässigt, ein bereits dominierendes Element im Unternehmensalltag würde nochmals verstärkt und eine Fixierung auf ein Medium fände statt, anstatt einer Öffnung der Wahrnehmung auf Anderes und Neues und der Frage nach Bedeutungen.</p> <p>Eine subjektive, persönlich wichtige Erfahrung eines Mitarbeiters/einer Mitarbeiterin des Unternehmens durch die Teilhabe an einem Kulturprojekt hat unter Umständen keinen direkten Bezug zu dessen/deren Einstellung und Verhalten am Arbeitsplatz, möglicherweise aber im privaten Umgang. Der Einfluss ist nicht durch eine Evaluation oder im Mitarbeitergespräch erfahrbar, könnte aber über den Umweg des persönlichen Umfeldes auf das Gesellschaftsgefüge in Stadt und Region wirken. Ginge man von der irrigen Annahme aus, dass eine Veränderung direkt, am Arbeitsplatz und möglicherweise sogar kurzfristig erkennbar sein muss, käme man hier zu einem enttäuschenden[31]⁠ Ergebnis. </p> <p>In der Tat liegt eine der Besonderheiten im Umgang mit Kunst darin, dass er ein individueller und damit nur bedingt steuerbarer ist, der seine Wirkung über einen längeren Zeitraum entfaltet und so nicht einfach im Sinne und gemäss den Anforderungen einer Gemeinschaft oder Vorgaben einer Institution erfolgt⁠[32]. </p> <p>Das heisst, <u>der Versuch einer Instrumentalisierung von Kunst verhindert eben die Nutzung ihrer intrinsischen Eigenschaften</u>. Der Einsatz von Kulturprojekten um Angestellte zu besseren Mitarbeitern[33]⁠ zu machen wäre nichts anderes als eine Erziehungsmaßnahme und Kunst als bildgebendes Medium zur Vermittlung fremder Inhalte einzusetzen Propaganda[34]⁠; beides widerspräche der Fähigkeit ästhetischen Arbeitens zu Multiperspektivität und Komplexität in Sinn- und Bedeutungsfragen.</p> <h4>3.3 Verantwortung übernehmen</h4> <p>Es ist eine wesentliche Eigenschaft gesellschaftlicher kultureller Prozesse, dass sich deren Wirkungen erst mittel- oder langfristig als grundlegende Veränderung bemerkbar machen, obgleich Spuren ihrer Einflüsse oftmals bereits unmittelbar zu erkennen sind. Das heisst, um beispielhaft im CCR und CSR gerne genutzte Schlagworte zu verwenden, der Standortfaktor einer Region in 5-15 Jahren, wird durch das Handeln heute bestimmt, und der veränderte Umgang mit Theater und Literatur, die Neubewertung von Privatem und Öffentlichem und die Verschiebung der Gewichtung von vermitteltem und direktem Erfahren wirken sich direkt auf die Soft-Skills der künftigen Generation aus. </p> <p>Wenn also Unternehmen fallweise einen längeren Betrachtungszeitraum und erweiterte Kriterien annehmen, um eine Bewertung der Sinnhaftigkeit vornehmen zu können, bedeutet dies, dass sie sich von kurzfristigen Zielsetzungen eines Return-On-Investments zu Gunsten des Verständnisses, Teil eines gesellschaftlichen Gesamtgefüges zu sein, verabschieden und mit ihrem kulturellen Engagement tatsächliche Verantwortung übernehmen[35]. Die Entscheidung hierzu – als Unternehmen die Perspektive eines zoon politikon einzunehmen – ist der erste Schritt aus der Falle eines reduktionistisch-kapitalistischen Denkens und utilitaristischen Handelns.</p> <h4>3.4 Erfolgreiches Experimentieren im Jetzt</h4> <p>Selbstverständlich sind aber Wirkungen und Erkenntnisse erfolgreichen, kulturellen Engagements direkt erlebbar – denn (multisensuelle) unmittelbare Erlebbarkeit ist eines der Wesensmerkmale ästhetischer⁠[36] Prozesse.</p> <p>Entscheidend dabei ist, dass im Interagieren mit Kunst auch deren Prämissen einbezogen werden und so ein Diskurs zwischen den Bezugssystemen Kunst, Wirtschaft und Wissenschaft entsteht. Dieser Vorgang hat Eigenschaften eines Explorierens und Experimentierens – in der Offenheit des Ausgangs, der inkrementellen Erkenntnisarbeit, der prozesshaften Logik, der Rekursion auf Bestehendes, der Abwägung zwischen Planung und Intuition, der argumentativen Kommunikation, der Transformationen zwischen Subjektivität und Objektivierung und der kritischen Reflexion und trägt die Möglichkeit der Krise, jedoch als willkommene Transparenz der Kommunikation und die Möglichkeit des Scheiterns, jedoch als Klarheit der Erkenntnis verstanden, in sich. Dabei finden simultane Prozesse und deren Interdependenzen, die Relationierung zwischen Wertesystemen im Sinne einer Beobachtung zweiter Ordnung, und eine Auseinandersetzung zwischen Eindeutigkeit und Komplexität Betrachtung⁠[37].</p> <p><u>Erst durch das Eingehen dieser Risiken – der Undeterminiertheit des Ausgangs, der Relativierung der Rituale und Regeln⁠[38] des gewohnten Umfeldes und der Offenheit, unerwartetes und ungeplantes[39]⁠ als Erfolg zu definieren – werden die Bedingungen zur ästhetischen Erkenntnis und der kulturellen Entdeckung geschaffen</u>.</p> <h3>4. Kultur ist der Umgang mit Komplexität ohne umfassende Antwort</h3> <blockquote> <p>&quot;Die Wirklichkeit ist in Wahrheit eine Wirklichkeit.&quot;⁠[40]</p> </blockquote> <h4>4.1 Prozessuale künstlerische Tätigkeit</h4> <p>Kunst hat also gesellschaftlich gesehen eine wesentliche Relevanz: Sie ist ein Mittel um kulturellen Fragestellungen nach Zusammenhängen, Wahrnehmungen von Wirklichkeiten und Bedeutungen (Kritik und Wertebildung) in ästhetischer Weise nachzugehen. Sie ist eine multivalente Kommunikation (Kommunikationssystem), die sich durch eine variierende Kontextualisierung einer spezifischen Übersetzung (Interpretation) entzieht und dadurch eine Resource zur Reflexion – im persönlichen durch den Betrachter und als System in der Gesellschaft – bildet.</p> <p>Damit geht einher, dass – im Hinblick auf die voranschreitende Differenzierung des Kunstsystems (Horizontale Differenzierung) – nicht (mehr) die Produktion von Objekten und insbesondere deren Präsentation im – als solchen ausgewiesenen – Kunstkontext, sondern vielmehr die Gestaltung von Prozessen als Beeinflussung von Entwicklungen und die Integration verschiedener Disziplinen im Vordergrund stehen; der Künstler und die Künstlerin ist nicht mehr als Experte für Gestaltungsfragen, sondern als Experte für Wahrnehmungsfragen und deren Relationierungen gefordert. Das bedeutet, dass wahrnehmungsbezogene (ästhetische) Kompetenzen und deren künstlerische Anwendung in gesellschaftlichen Kontexten (Relationierung) eine wesentliche Fähigkeit darstellen und das Medium beziehungsweise der Medienkanon zweitrangig ist[41].⁠</p> <h4>4.2 Unternehmen und Unterdenken⁠[42]</h4> <p>Um einige Beispiele zu nennen, welche sich spezifisch mit Fragestellungen aus der Situation (Milieu), dem Ort und externer Elemente ergeben und sowohl individuelle künstlerische Positionen repräsentieren als auch andere Fachbereiche beziehungsweise einen erweiterten Kontext einbeziehen[43]:⁠ </p> <p>Ein Präsentations- und Ausstellungsraum eines Unternehmens wird umgenutzt um Fragestellungen zu dessen Bedeutung der Repräsentation, Hierarchien der Resourcenverteilung im Konzern und der Einbeziehung beziehungsweise Unterscheidung zwischen öffentlicher und privater Nutzung zu untersuchen.</p> <p>Eine Unternehmenspublikation beschäftigt sich, anstatt mit der Darstellung des bereits Erreichten und unternehmerischer Erfolge, mit der Öffnung des Diskurses zur Bedeutung gesellschaftlicher Teilhabe und Nachhaltigkeit, dem Versuch einer kontextualisierten Bewertung des eigenen Handelns und der Einbeziehung abweichender Positionen. </p> <p>Die Kommunikation zwischen Abteilungen einer Organisation ist Basis der Zuspitzung (Transparenz) und Politisierung der vorhandenen Prozesse und des verwendeten Vokabulars, sowie der Erfahrbarmachung in der künstlerischen Bearbeitung.</p> <p>Räumliche Umbauten und die Installation eines neuen Bodens wird zur Hervorhebung von Einbeziehungen und Abgrenzungen, sowie der Verdeutlichung möglicher Veränderungen genutzt. Die Darstellung unterscheidet dabei zwischen subjektiver Wahrnehmung und empirischen Daten.</p> <p>Ein Orientierungssystem in den Gebäuden einer Forschungseinrichtung stellt Fragen der Bildfindung und -verwendung und setzt der Zielgerichtetheit des Erledigens das inspirierende Umherschweifen und kritische Aufzeigen entgegen.</p> <p>Hierbei handelt es sich um Projekte mit unterschiedlichen Formen der Partizipation[44]⁠ und prozessual angelegten Entscheidungen zu Ort, Medien, Zeitraum und Wirkungen. Als künstlerische Interventionen, als auch (semi-)permanente Installationen und performative Elemente mit unterschiedlichen Beteiligten, ermöglichen sie Fragen des Handelns und der Haltung (individuell, institutionell, gesellschaftlich)[45]⁠ zu stellen, beziehungsweise infragezustellen (Problem oder Krise)[46]⁠ und als Momente der Klarheit (Einsicht)[47]⁠ zu Erkenntnissen (und somit impliziten Forderungen⁠[48]) zu führen. Dabei ist es aber nicht Aufgabe von Kunst, in erster Linie Ergebnisse im Sinne von Lösungen zu erarbeiten oder Unversöhnliches miteinander zu versöhnen, <u>sondern zur kritischen Wahrnehmung und Kontextualisierung gleichzeitiger Gültigkeiten beizutragen – diese verändern oder bestimmen Ergebnisse mit</u>.</p> <h4>4.3 Kunst ist Reflexion von Gesellschaft</h4> <p>Im Unterschied zu Beratungsprojekten und persönlichen Coachings (diese sind, anders als Kunst, schon aufgrund ihrer standesethischen Regeln auf das Wohlergehen des Klienten und die Unversehrtheit der Person festgelegt) oder gesteuerten Kreativitätsprozessen, wie beispielsweise des Design Thinking, ist Kunst, und – als conditio sine qua non – als systemische künstlerische Arbeit und Kritische Ästhetik (und, in spezifischer Weise, Künstlerische Forschung), nicht auf die Lösungsfindung im Rahmen einer Aufgaben- oder Problemstellung und nicht auf den Auftraggeber und dessen Handlungsspielraum fokussiert, sondern agiert mit einer selbstbeanspruchten Freiheit von diesen Einschränkungen und bezieht die Situation vor Ort und das eigene Agieren in dieser in die Reflexion mit ein. Dies bedeutet auch, dass dem künstlerischen Handeln in diesem Kontext eine Notwendigkeit der kritischen Haltung und Widerständigkeit innewohnt indem es Prämissen (Wertekanon) und Rituale unterschiedlicher gesellschaftlicher Subsysteme assoziiert und damit kulturell kontextualisiert. In der Relativierung von moralischen und ethischen Imperativen und im bewußten Ritual- (Regel) und Gesetzesübertritt durch Kunst ist eine Infragestellung des status quo der Grenzziehungen (Tabus) initiierbar und in der künstlerischen (zusammen mit anderen Disziplinen) Prozesseinwirkung reflektierbar und veränderbar. <u>Wer Kunst unter die Prämisse eines Handelns innerhalb geltender ethischer und moralischer Standarts stellt, nimmt ihr die Möglichkeit des Verweisens auf das Andere (Sicht auf persönliche Freiheit) und damit ihren Nutzen als (schonungslose) Erkenntnisquelle und transformative Kraft</u>. Der Künstler und die Künstlerin als handelnde Personen sind jedoch – gleich aller anderen Akteure – dem geltenden ethischen und moralischen Wertekanon verpflichtet (Unterscheidung zwischen Werk und Person)[49].</p> <p><u>Kunst beziehungsweise eine kritische Ästhetik⁠ stellt somit einen Prozess der kritischen Relationierung durch eine gleichzeitige Gültigkeit von Werten und (gesellschaftlichen) Systemen dar; man könnte auch, etwas poetischer formuliert, sagen, dass sie zu Fragen als Antworten auf Fragen animiert</u>.</p> <h3>5. Fazit</h3> <h4>5.1 Erweiterte Erkenntnisfähigkeit durch kulturelle Kontextualisierung</h4> <p>Vereinfacht kann man sich ein Unternehmen als Mikrogesellschaft vorstellen – eine Organisation (ein System), die in wesentlichen Elementen selbstreferentiell Kontingenz erzeugt, das heißt, sich als strukturiert (effizient), kompatibel (interaktionsfähig) und notwendig (effektiv), und damit gesellschaftlich kongruent erachtet. Wie in der Gesellschaft als Ganzes, sind wesentliche Handlungen ritualisiert und Kriterien der Wahrnehmung und Wertung kollektiviert.</p> <p>Da die meisten Unternehmen existentiell obsoletes leisten (Bedürfnisorientierung), benötigen sie eine hohe Erkenntnis- und Kommunikationsfähigkeit. Diese entsteht in der Bezugnahme der unternehmerischen Tätigkeit zu kulturellen Wertebildungsprozessen, gesellschaftlicher Kommunikation und Interaktion – bedarf also einer (bewussten) Kontextualisierung des Unternehmens mit Gesellschaft. Entscheidend dabei ist, dass <u>Reflexionsarbeit nur in der Unterscheidung von Kontexten stattfinden kann, also in der differenzierenden Bewertung von Beschreibungen (Konstruktionen) von Wirklichkeit</u>. </p> <p>Trotz dieser Erkenntnis setzen Innovationsprozesse und wertebasierte Fragestellungen in Unternehmen häufig erst innerhalb der Hierarchien und Organisationsstrukturen des Unternehmens an – tatsächlich sind Werte soziale Konstruktionen, gleich ob in einer Gesellschaft als Ganzes oder im Subsystem Unternehmen; können also nicht unter Ausschluss von kulturellen Kategorien schlüssig thematisiert werden.</p> <p>Systemisches künstlerisches Arbeiten beziehungsweise Kritische Ästhetik können in Unternehmen und Organisationen zur ästhetisch-reflexiven Erzeugung und Vermittlung von Erkenntnissen und Bedeutungen beitragen. Kunst wirkt dabei, anders als Erklärungsmodelle und Formalisierungen aus Wirtschaft und Wissenschaft, nicht vereinfachend (definitorisch) und damit einschränkend in Wahrnehmung und Reflexion, sondern ermöglicht einen indirekten Eindruck von Komplexität[50].⁠</p> <p>Cambridge/USA, August 2014</p> <p>[1] Dies ist, ausgehend vom griechischen krínein, als &quot;reflektierte Unterscheidung&quot; zu verstehen, nicht als eine, im Alltagsgebrauch häufig verstandenen, &quot;Beanstandung&quot;.</p> <p>[2] Henry David Thoreau</p> <p>[3] Interessant ist, dass diese so unterschiedlichen Verwendungen mindestens eine Gemeinsamkeit haben: den Ausdruck der Wertschätzung und eine Enthebung aus dem Profanen. Er dient also der qualitativen Bewertung in Diskursen verschiedener gesellschaftlicher Bereiche.</p> <p>[4] vgl. Luhmann, N. 1997</p> <p>[5] vgl. Latour, B. 1998</p> <p>[6] Dies könnte man als interessanten Ausgangspunkt für einen Diskurs der klandestinen oder gar subversiven Wirkung von Kunst nehmen.</p> <p>[7] Der Mensch sieht und bewertet im Allgemeinen die Dinge um ihn herum auf der Basis dessen, was er bereits kennt, seine Annahmen bestätigt und die Zugehörigkeit zu seiner Peer Group (der gesellschaftlich Ihresgleichen) stärkt.</p> <p>[8] Dies sollte man nicht als Enstehung der Kunst &quot;im Auge des Betrachters&quot; missverstehen, sondern als die normative Kraft der Masse. Dabei formt Sprache die Wahrnehmung und vice versa.</p> <p>[9] Wie es beispielsweise die Empirischen Kulturwissenschaften vertreten und hierzu, der Unterscheidung halber, dann von &quot;Kultur mit kleinem K&quot; sprechen.</p> <p>[10] Das heißt: Gemeinschaft entsteht erst durch Kultur.</p> <p>[11] Denn das sind Kunstwerke, als beispielhafte Repräsentationen von Kunst. vgl. auch Eco, U. 1972</p> <p>[12] Wenn beispielsweise ein am World Economic Forum teilnehmender Investmentbanker sagt &quot;Wenn du vier gute Freunde hast und magst was du tust, spielt es keine Rolle wo du lebst.&quot; zeigt dies vor allem sein neoliberal verkürztes Verständnis von Gemeinschaft und Kultur, obgleich er selbst von intakten Gesellschaften mit kollektivem Gedächtnis und Traditionen, als auch Rechts- und Bildungssystem in seiner Identitätsfindung geprägt wurde und davon profitiert hat. Wenn sich jeder nur auf seinen Freundeskreis beziehen und keine dauerhafte Verantwortung für sein Lebensumfeld eingehen würde und bereits mit dem persönlichen, momentanen geschäftlichen Erfolg zufrieden wäre, gäbe es keine moderne, arbeitsteilige, innovative, risikonivellierende Gesellschaft als kulturelle Gemeinschaft, sondern bestenfalls Stammesstrukturen mit wechselnden Loyalitäten.</p> <p>[13] Dies ist nicht als ein Vergleich oder eine Wertung von unterschiedlichen Kulturen misszuverstehen, sondern als ein Hinweis darauf, welche Auswirkungen der Verlust von normativen Sicherheiten haben kann.</p> <p>[14] Auch Kunstbetrachter sind Akteure.</p> <p>[15] Solche Aussagen hört man immer wieder, sowohl von Künstlern, als auch von Kulturmanagern, Kunstkritkern und Konsumenten. Sie sind Ausdruck eines eskapistischen Wunsches und basieren auf einem simplifizierten Kunstverständnis, welches eigentlich erst mit der klassischen Kunstgeschichtsschreibung, die die Künstler unter anderem als weltabgewandte Genies darstellte und sozialwissenschaftliche und philosophische Erkenntnisse ignoriert, entstanden ist und heutzutage, oftmals für die Belange des Kunstmarktes und dessen Hierarchien, fortgeführt wird.</p> <p>[16] Beispielsweise Sport, Wissenschaft, Politik.</p> <p>[17] Zugunsten der Lesbarkeit verzichte ich hier auf eine umfangreiche Systematisierung von Einflußfaktoren.</p> <p>[18] vgl. Canetti, E. 1960</p> <p>[19] vgl. Luhman, N. 1994</p> <p>[20] Mit dem man sich oftmals lieber beschäftigt, weil er eher begreifbar ist, aber sich dadurch von Wesentlichem ablenken läßt.</p> <p>[21] Ich spreche hier bewußt von einem Nutzen auch der Kunst - im Sinne ihrer gesellschaftlichen Funktionen.</p> <p>[22] Gleichwohl können natürlich scheinbar nur ornamentierende künstlerische Arbeiten ebenfalls ein Wirkungspotential darüber hinaus mit sich führen. Eine wichtige Frage, die sich der Künstler und die Künstlerin stellen müssen, ist dabei, zu welchem Punkt im Rezeptions- und Wirkungsprozess sie (beziehungsweise ihr Werk) die Kontrolle an andere Subsysteme und deren Kriterien übergeben.</p> <p>[23] Die Etymologie dieser Begriffe gibt einen klaren Hinweis auf den Prozess der Erkenntnis.</p> <p>[24] Im Rahmen meiner Beschäftigung mit Instructional Design - als einer der jüngeren Disziplinen welche sich (idealerweise), über Ideen der (technischen) Gestaltung von Vermittlungsstrategien hinaus, mit Fragen der Lehre beschäftigt - an der Harvard University, konnte ich einige dieser Implikationen gut beobachten.</p> <p>[25] Um dies zu ermöglichen, ist die richtige Auswahl der Beteiligten wichtig, aber vor allem auch eine adäquate Qualifikation der Künstlerinnen und Künstler - welche das Kunststudium leider nicht immer fördert.</p> <p>[26] Vorgehensweisen und Module, die ich in Kooperationen mit Forschungsprojekten und der Lehrtätigkeit an Hochschulen verschiedener Fachbereiche entwickelt und praktiziert habe, zielen auf experimentelle Explorationen und die Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Systeme und deren Kriterien - als kritischen Umgang mit Komplexität.</p> <p>[27] vgl. Wittgenstein, L. 1963</p> <p>[28] Auch wenn sie etwas stereotyp klingen mögen: Diese und andere Geschichten haben mir über die Jahre meiner Tätigkeit enttäuschte Unternehmen und Kulturschaffende in verschiedenen Variationen immer wieder erzählt.</p> <p>[29] Gleiches gilt für den Ansatz der Triple-Bottom-Line.</p> <p>[30] Oft übernehmen leider Künstler wissenschaftliche Zitate zur rationalen Unterfütterung ihrer Arbeiten oder missverstehen die dargestellte Form der Kooperation als Künstlerische Forschung. Richtig ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit, welche Know-How mit ästhetischen Fähigkeiten des Know-What und Know-Why verbindet.</p> <p>[31] Möglicherweise - und das wäre eine tatsächliche Erkenntnis - auch im Sinne der Aufhebung einer Selbsttäuschung.</p> <p>[32] Dies könnte man als eine der Freiheiten der Kunst verstehen.</p> <p>[33] Bspw. motivierteren, oder sich stärker mit dem Unternehmen identifizierenden.</p> <p>[34] vgl. Agamben, G. 2004</p> <p>[35] Gleiches gilt aber auch für Künstlerinnen und Künstler, denn diese übernehmen nicht qua ihres Berufes gesellschaftliche Verantwortung, sondern durch ihr Handeln.</p> <p>[36] Der Begriff der Ästhetik bezeichnet genau dies - Wahrnehmung als multisensuelles Erleben und Agieren.</p> <p>[37] Dies bedeutet einen bewußten Umgang mit Wirtschaft und Wissenschaft und alles andere als ein &quot;Ausliefern&quot; der Kunst oder der Künstlerinnen und Künstler an diese. Man erlebt es jedoch immer wieder in den Künsten und in der Kunstkritik, im Sinne eines pseudoradikalen Verständnisses von Kunst, dass man Künstlerinnen und Künstler die in prozessualer Form arbeiten der Häresie beschuldigt, aber solchen die beispielsweise im Empfangsraum eines Unternehmens ausstellen oder deren Arbeiten an dieses verkaufen ohne Fragen zu stellen, Unabhängigkeit attestiert. Hinter diesen Beurteilungen verbergen sich unter Umständen handfeste politische Interessen, denn oftmals bilden Kuratoren und Kritiker eine mächtige Schnittstelle zwischen den künstlerisch Tätigen und relevanten Multiplikatoren. vgl. auch Sloterdijk, P. 2000</p> <p>[38] Das heißt die Geschlossenheit bzw. Autonomie.</p> <p>[39] vgl. Rancière, J. 2005</p> <p>[40] D. Granosalis. vgl. auch Watzlawick, P. 2002</p> <p>[41] vgl. John, R. 2004</p> <p>[42] Seit geraumer Zeit benutze ich dieses Begriffspaar unter anderem zur Erläuterung und Klärung von Kriterien der Kooperation mit Unternehmen und Institutionen. So lässt sich, ausgehend von der Etymologie des Begriffes &quot;Unternehmen&quot; Kritische Ästhetik als gestaltendes Denken und dessen Kontextualisierung verständlich machen.</p> <p>[43] Ich erwähne hier kurz einige Beispiele ohne dabei auf Details einzugehen; eine umfassende Beschreibung der Prozesse, Überlegungen und Massnahmen würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.</p> <p>[44] Dabei werden allerdings Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht zu Amateurkünstlern - wie dies leider oftmals bei &quot;Kunst im Unternehmen&quot;-Projekten der Fall ist - oder als Erfüllungsgehilfen missbraucht, sondern mit ihren Wünschen, Fähigkeiten und Potentialen eingebunden.</p> <p>[45] vgl. Horkheimer, Max; Adorno, Theodor W. 2002</p> <p>[46] Es ist jedoch zu einfach, wenn man Kunst nur als Mittel für symbolische Regelbrüche als Protest oder zu simplen Provokationen gebraucht. Denn der Regelbruch ist erst einer der Auslöser der Reflexion und noch nicht die Reflexion selbst - und diese gilt es aus künstlerischer Sicht zu begleiten.</p> <p>[47] Beispielsweise indem man der Frage des &quot;Was tun&quot; ein &quot;Wie man es tut&quot; zur Seite stellt.</p> <p>[48] vgl. Kant, I. 2000</p> <p>[49] vgl. John, R. 1999</p> <p>[50] vgl. John, R. 2005</p> <h3>Literatur:</h3> <p>Agamben, Giorgio. 2004. Ausnahmezustand. Frankfurt: Suhrkamp.<br /> Canetti, Elias. 1960. Masse und Macht. Frankfurt: Fischer.<br /> Eco, Umberto. 1972. Einführung in die Semiotik. München: Wilhelm Fink.<br /> Horkheimer, Max; Adorno, Theodor W. 2002. Dialektik der Aufklärung. Frankfurt: Fischer.<br /> Kant, Immanuel. 2000. Kritik der praktischen Vernunft. Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. Frankfurt: Suhrkamp.<br /> John, Ruediger. 1999. Systemic Art as an Approach for the Aesthetic Worker. In: John, Ruediger (Hg.). Scrapbook 1995-1998. New York City: limited edition, [sic!].<br /> John, Ruediger. 2004. Objekt Subjekt Prädikat. Ein Exkurs über systemische Kunst und kritische Ästhetik. In: Kettel, Joachim (Hg.). Künstlerische Bildung nach Pisa - Neue Wege zwischen Kunst und Bildung. Museum für neue Kunst, Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe und Landesakademie Schloß Rotenfels. Oberhausen: Athena-Verlag.<br /> John, Ruediger. 2005. Erweiterte Erkenntnisfähigkeit durch kulturelle Kontextualisierung. Der Künstler als Coach und Consultant in Unternehmen – Kriterien und Ansätze einer kritisch-ästhetischen Praxis. In: Mari Brellochs, Henrik Schrat (Hgg.). Raffinierter Überleben – Strategien in Kunst und Wirtschaft. Berlin: Kadmos Kulturverlag.<br /> Luhmann, Niklas. 1997. Die Kunst der Gesellschaft. Frankfurt: Suhrkamp.<br /> Luhmann, Niklas. 1994. Die Ausdifferenzierung des Kunstsystems. Zürich: Benteli.<br /> Latour, Bruno. 1998. Wir sind nie modern gewesen. Frankfurt: Fischer.<br /> Rancière, Jacques. 2005. Das ästhetische Unbewußte, Zürich: Diaphanes.<br /> Sloterdijk, Peter. 2000. Die Verachtung der Massen. Frankfurt: Suhrkamp.<br /> Watzlawick, Paul. 2002. Die erfundene Wirklichkeit. München: Piper.<br /> Wittgenstein, Ludwig. 1963. Tractatus logico-philosophicus. Frankfurt: Edition Suhrkamp</p> <h3>Quellenangabe:</h3> <p>John, Ruediger: &quot;Praxis: Kritisches, ästhetisches Arbeiten im Kontext von Wirtschaft und Wissenschaft. Kunst als Intervention und Reflexion, Kritik und Politik in Unternehmen und Institutionen.&quot;, DOI 10.1007/978-3-662-47759-5_4 in: Steinkellner, Vera: &quot;CSR und Kultur - Corporate Cultural Responsibility als Erfolgsfaktor in Ihrem Unternehmen&quot;, ISBN 978-3-662-47758-8, ISBN 978-3-662-47759-5, Springer-Verlag Berlin Heidelberg, 2016,<br /> in der Reihe: Schmidpeter, René: &quot;Management-Reihe Corporate Social Responsibility&quot;, ISSN 2197-4322, Springer-Verlag Berlin Heidelberg, 2015</p> <h3>Publikum:</h3> <p>Verantwortungsträger und Entscheider in den Bereichen Corporate Governance, Corporate Cultural Responsibility (CCR), Corporate Social Responsibility (CSR), sowie Praktiker und Theoretiker in Kunst, Kunsttheorie, Kulturwissenschaften, Soziologie, Kulturelles Engagement, Kunstgeschichte<br /> Der Originaltext wurde für das Publikum dieser Publikation angepasst und gekürzt.</p> <p><a href="kritische-aesthetik-wirtschaft-wissenschaft-ruediger-john.pdf">Praxis: Kritisches, ästhetisches Arbeiten im Kontext von Wirtschaft und Wissenschaft.</a></p>
2016-08-01 https://artrelated.net/ruediger_john/kritische-aesthetik-wirtschaft-wissenschaft.html https://artrelated.net/ruediger_john/kritische-aesthetik-wirtschaft-wissenschaft.html
CSR und Kultur - Corporate Cultural Responsibility als Erfolgsfaktor in Ihrem Unternehmen
<h4>CSR und Kultur - Corporate Cultural Responsibility als Erfolgsfaktor in Ihrem Unternehmen</h4> <p>Springer Gabler, 2015, ISBN 978-3-662-47759-5</p> <p>erschienen in der &quot;Management-Reihe Corporate Social Responsibility&quot;, ISSN: 2197-4322</p> <p>Corporate Cultural Responsibility (CCR) meint die Verantwortung von Unternehmen gegenüber Kultur. Dieses Buch zeigt in einer Sammlung von hochkarätigen Beiträgen wie beide Seiten gewinnbringend Potentiale der CCR nutzen können. Wissenschaftliche Artikel liefern einen theoretischen Rahmen für die CCR und erläutern deren Grundlagen. Beispielgebende Business Cases zeigen wie CCR erfolgreich implementiert werden kann. Damit eignet sich das Buch als wertvolle Informations- und Inspirationsquelle für die erfolgreiche Nutzung von CCR-Maßnahmen und wendet sich dabei an Unternehmen die Kunst und Kultur als Ressource nutzen möchten.</p> <h5>Ruediger John:</h5> <p>Praxis: Kritisches, ästhetisches Arbeiten im Kontext von Wirtschaft und Wissenschaft</p> <p><a href="http://www.springer.com/de/book/9783662477588">http://www.springer.com/de/book/9783662477588</a></p> <p><a href="http://d-nb.info/1080431527">http://d-nb.info/1080431527</a></p>
2016-03-01 https://artrelated.net/ruediger_john/memo-corporate-cultural-responsibility-erfolgsfaktor-unternehmen.html https://artrelated.net/ruediger_john/memo-corporate-cultural-responsibility-erfolgsfaktor-unternehmen.html
Wissenschaftsmagazin der Zeppelin Universität erhält fünf Auszeichnungen
<p>Wissenschaftsmagazin der Zeppelin Universität erhält fünf Auszeichnungen</p> <p><img src="auf01-05-ruediger-john-zeppelin-universitaet.jpg" alt="Ruediger John, auf - Magazin fuer Zwischenfragen, Zeppelin Universitaet, Friedrichshafen, http://artrelated.net/ruediger_john" title="Ruediger John, auf - Magazin fuer Zwischenfragen, Zeppelin Universitaet, Friedrichshafen, http://artrelated.net/ruediger_john" /></p> <p>Friedrichshafen. Das „Magazin für Zwischenfragen“ der Zeppelin Universität (ZU) mit dem Titel „auf“ ist 2013 gleich fünffach ausgezeichnet worden. Das Wissenschaftsmagazin der ZU berichtet themenbezogen über Ergebnisse aus der eigenen Forschung mit besonderer gesellschaftlicher Relevanz und wird deutschlandweit vertrieben. Besonders daran ist, dass jedes Heft von Künstlern mit Interventionen begleitet wird.</p> <p>So erhielt das Magazin den „Award in Silber“ im deutschlandweiten Wettbewerb „Best of Corporate Publishing“ im Bereich „Non-Profit/Verbände/Institutionen“, ausgerichtet vom Forum Corporate Publishing e.V. Einen „Award in Bronze“ verlieh in der Kategorie „Unternehmenspublikationen“ im Wettbewerb „Gute Gestaltung 14“ der Deutsche Designer Club. Hinzu kam die Auszeichnung in der Kategorie „Konzeption“ als beispielhafte Leistung aus dem Kommunikationssegment der Business-Publications in dem international ausgeschriebenen Wettbewerb um die „45. Berliner Type“. Und das Chicago Athenaeum, Museum of Architecture and Design, verlieh dem Magazin den Preis „Good Design 2013“. Nominiert ist das Heft außerdem für den „German Design Award 2014“.</p> <p>„Der Anspruch des Magazins, eine Spannung zwischen anregenden wissenschaftlichen Veröffentlichungen und irritierenden künstlerischen Arbeiten zu erzeugen, war von Beginn an eine Herausforderung für eine ästhetisch eigenständige Wissenschaftskommunikation“, sagen die beiden Herausgeber ZU-Präsident Prof. Dr. Stephan A. Jansen und -Vizepräsident Tim Göbel zu den Auszeichnungen, „und deshalb sind die zahlreichen Anerkennungen Ansporn für die ZU und die beteiligten Künstler, die sich der anderen Sichtbarkeit von Wissenschaft widmen.“</p> <p>Das „Magazin für Zwischenfragen“ erscheint seit Herbst 2011 in bisher fünf Ausgaben. Es beinhaltet eine Mischung aus intelligent trivialisierten Originalbeiträgen von Wissenschaftlern der ZU und ihres Netzwerkes sowie journalistisch aufbereiteten Beiträgen und Interviews über deren Forschung.</p> <p>Die erste Ausgabe des monothematischen Magazins befasste sich mit dem Thema „Macht und Mitsprache“ und hatte - wie alle weiteren folgenden - zum Ziel, Debatten und neue Perspektiven auf alte Themen zu eröffnen und zum Nachdenken und Vormachen anzuregen. Die zweite Ausgabe widmete sich dem Thema „Positive Distanz“ – es ging um den Mythos der Nähe und mögliche Distanzgewinne sowie um Grenzen der Grenzüberschreitung. Die dritte Ausgabe rückte „Bürger. Macht. Staat.“ in den Blickpunkt. Sie befasste sich mit Protest, Partizipation, Organisation und Kommunikation sozialer Innovationen zwischen Bürgern und Staat. Um „Stabile Fragilität. Fragile Stabilität“ ging es im vierten Heft. Und das fünfte Heft „Was tun? Was tun! Wie Wissenschaft wirkt“ spiegelte zehn besonders wirkungsmächtige und folgenreiche Beiträge aus zehn Jahren ZU-Forschung. Das nunmehr sechste Heft wird im kommenden Frühjahr erscheinen. Sein Thema lautet: „Die Bildung der Bildung“.</p> <p>Die Hefte 1 bis 3 enthalten künstlerische Interventionen des österreichischen Künstlers Ruediger John und die Hefte 4 und 5 der kanadischen Künstlerin Patricia Reed. Die kommende Ausgabe wird der deutsche Künstler Christof Salzmann begleiten, auch bei dieser Ausgabe wieder in enger Zusammenarbeit mit dem ZU-Kommunikationsdesigner Philipp N. Hertel, der als Projektleiter und Art-Director des Magazins verantwortlich zeichnet. Die Arbeiten der Künstler sind fester Bestandteil des Heft-Konzeptes, das von Ruediger John mitentwickelt wurde. „Konzeption des Magazins ist es auch, eine künstlerische Mitwirkung als Forschungsbeitrag und Kommentierung der Themen zu integrieren“, erläutert John. „Die visuellen künstlerischen Elemente im Magazin haben als solche den Auftrag, ein kritischer ästhetischer Beitrag zu diesem zu sein - eben nicht einfach Illustrationen oder Ornamente. So werden den wissenschaftlichen Forschungsbeiträgen die künstlerischen als Erkenntnisarbeit ebenbürtig gestellt.“</p> <p><a href="http://www.zu.de/deutsch/aktuelles_presse/aktuelles/2013_12_20_49411622_meldung.php">http://www.zu.de/deutsch/aktuelles_presse/aktuelles/2013_12_20_49411622_meldung.php</a></p>
2014-01-03 https://artrelated.net/ruediger_john/memo-wissenschaftsmagazin-erhaelt-fuenf-auszeichnungen.html https://artrelated.net/ruediger_john/memo-wissenschaftsmagazin-erhaelt-fuenf-auszeichnungen.html
In etablierte Systeme ästhetisch eingreifen
<p>Ruediger John greift im Rahmen künstlerischer Interventionen in Unternehmen in bestehende Abläufe und Routinen ein um eine „kontextuelle Verschiebung und damit eine Wahrnehmungsveränderung“ hervorzurufen. So lassen sich beispielsweise neue Perspektiven auf der Ebene ganzer Organisationen, bestimmter Teilgruppen oder auch Einzelpersonen gewinnen. Eine dieser Interventionen führt er nun im Rahmen des „auf“-Magazins durch das er künstlerisch konzipiert hat und dessen erste drei Ausgaben von ihm als als Creative Director operativ umgesetzt wurden.</p> <p><strong>Bertram Rusch: Künstlerische Interventionen sind ein wichtiger Bestandteil Ihrer Arbeit – was bedeutet das für Sie genau?</strong></p> <p>Ruediger John: Jedes gesellschaftliche Subsystem, oder vereinfacht gesagt &quot;Umfeld&quot;, wird durch seine spezifischen Hierarchien, Handlungen und Wahrnehmungen definiert, welche innerhalb seines Kontextes Bedeutung generieren. Eine Intervention, also einen Eingriff in diese, dort bestehenden Abläufe und Routinen können eine kontextuelle Verschiebung und damit eine Wahrnehmungsveränderung hervorrufen. Diese im künstlerischen Sinne zu steuern und ästhetisch manipulierend einzugreifen begreife ich als essentielles Element gesellschaftlich wirksamen, künstlerischen Handelns.<br /> Es geht also nicht darum, im Sinne einer klassischen Kunst- und Künstlerauffassung meiner Subjektivität zu einem öffentlichen Auftritt zu verhelfen, sondern vielmehr als Agent bestehende Situationen zu analysieren, vorhandene Tendenzen zu erfassen und mit diesem Potential und ästhetischen Eingriffen Richtungswechsel, Dammbrüche, Mehrdeutigkeiten, Krisen und andere Erkenntnishöhepunkte zu schaffen.</p> <p><strong>Bertram Rusch: Was zeichnet das Konzept des »Magazin für Zwischenfragen« aus – das Sie für die Zeppelin Universität entwickelt haben?</strong></p> <p>Ruediger John: Das Magazin wurde von mir bereits in der Grundkonzeption als serialiertes Experiment angelegt, in dem der visuell-ästhetische oder künstlerische Beitrag nicht ornamentierend oder illustrierend, sondern als den wissenschaftlichen Texten gleichgestellter Beitrag angelegt ist und sich dabei nicht nur durch die Publikation mäandernd zieht, sondern dabei auch, mal engere, mal weitere Assoziationen zu den Texten und Themen eingeht. So bildet er eine, mit den Texten verwobene, Ebene in der Publikation. Zugleich definiert der künstlerische Beitrag das Magazin als Objekt und gibt jeder Ausgabe einen individuellen Gesamteindruck. Spannend bei der Entwicklung des Magazines war auch, dass mich die Zeppelin Universität eingeladen hatte, die Publikation im Grundsätzlichen zu entwerfen; so habe ich redaktionelle Elemente, wie die Zwischenfragen und das Tokensystem entwickelt, welche das Magazin mitdefinieren.</p> <p><strong>Bertram Rusch: Welche Idee verfolgen Sie mit der aktuellen, individualisierten Ausgabe?</strong></p> <p>Ruediger John: In dieser Ausgabe werden politische und gesellschaftliche Bewegungen und Auseinandersetzungen thematisiert, welche sich unter anderem durch ihre Uneinheitlichkeiten, Vielschichtigkeit oder auch widersprüchliche Ungesteuertheit auszeichnen – dies alles im Spannungsfeld zwischen Individuum und Gemeinschaft. Das findet assoziative Entsprechungen durch den künstlerischen Eingriff, bei dem der Druckprozess - ausgehend von einem Irisdruck – in so weit verändert wurde, als dass sich die Farbmischungen auf den Seiten und auf dem Umschlag sukzessive vermischen und nurmehr Farbtendenzen zu erkennen sind – zugleich aber jedes einzelne Heft zum individualisierten Unikat wird. Die drei verschiedenen Titelmotive, welche unterschiedliche Perspektiven auf das Thema und implizit der Frage von Macht einnehmen und zugleich kritisch befragen, tragen mit dazu bei, dass man sich als Besitzer eines Heftes sehr klar ist, nur einen ausschnitthaften und damit unvollkommenen Eindruck zu erhalten.</p> <p><strong>Bertram Rusch: Es wurde manuell in den maschinellen Prozess eingegriffen – wo liegt hierin der Reiz für Sie?</strong></p> <p>Ruediger John: Ich arbeite gerne mit vorhandenen Situationen in Unternehmen und Organisationen, in der Wirtschaft, als auch in der Wissenschaft und versuche herauszufinden, welche Freiheiten und Erkenntnismöglichkeiten durch einen Perspektivenwechsel oder auch durch eine Umnutzung und Umdeutung von Prozessen und Techniken möglich sind. In diesem Falle war auch der Herstellungsprozess, welcher auf gleichbleibende Qualität und Uniformität optimiert ist, einer der Punkte an dem ich eingegriffen habe. Indem wir ganz konkret die Druckmaschine geöffnet und manipuliert und damit die Computersteuerung ausgetrickst haben, hatten wir mehr Möglichkeiten als zuvor um Neues entstehen zu lassen. Zugleich gab es dadurch auch Raum für zufällige Entwicklungen, also Ergebnisse welche ausserhalb unserer Planungsvorgaben lagen und somit selbst für die direkt Beteiligten – inklusive den erfahrenen Bedienern der Maschine – die Chance auf neue Erkenntnisse ermöglichte. Der Prozess vor Ort in der Druckerei war dadurch auch ein hoch kommunikativer und eine sehr produktive, gemeinsame Erkenntnisarbeit.</p> <p><strong>Bertram Rusch: Finden sich Schwierigkeiten in solchen Prozessen und besonders in dem der Zeitschrift?</strong></p> <p>Ruediger John: Schwierigkeiten gibt es in allen Prozessen, solchen, welche den Alltag in Unternehmen bestimmen, als auch jene, die nicht den normalen Routinen entsprechen. Die entscheidende Frage ist, wie eine Organisation oder Gemeinschaft mit diesen umgeht; wie sie sie löst, aber vor allem wie sie sie als Erkenntnis-Ressource nutzt. Ich persönlich widme mich als Künstler genau diesen Situationen, in denen Erwartung und Reaktion, Wirkung und Bedeutung, Planung und Kommunikation nicht konvergieren und beispielsweise als emotionale, problemhafte oder gar ineffiziente Momente empfunden werden. Hier kann ich in meiner Weise kritisch-ästhetisch wirksam eingreifen und spannende Ergebnisse entstehen lassen. Dazu bedarf es mehr als dem klassischen Selbstverständnis als Künstler, nämlich vielmehr Erfahrungen und Wissen aus anderen gesellschaftlichen Bereichen, der Wirtschaft und Wissenschaft um eine Transferleistung zu ermöglichen. Im Falle des Magazines waren die Vorbedingungen sehr gut, denn die Zeppelin Universtät war zu einem Risiko bereit und die Zusammenarbeit bestimmt von dem Willen, viel weiter zu gehen, als das was beispielsweise Hochschulmagazine, wissenschaftliche Journals aber auch Kunstzeitschriften mit Künstlerbeiträgen machen. Das Magazin bleibt weiter ein Experiment und Work-in-Progress, das muss nicht jedem sofort offensichtlich sein oder gefallen, muss aber anregen oder – noch besser, meine ich – aufregen.</p> <p><strong>Bertram Rusch: Bedeutet die zunehmende Perfektionierung in »smarten« Systemen und mit intelligenter Technologie eine notwendige Zunahme menschlicher »Interventionen«, oder wird es hierbei bei Randphänomenen bleiben?</strong></p> <p>Ruediger John: Ja, das Stichwort ist &quot;Perfektionierung&quot;, welche allzu häufig auch eine Konfektionierung und Anleitung, bis hin zu Beschränkungen bedeutet. Man kann deutlich feststellen, wie bestimmte technische Möglichkeiten Ausdrucksformen und Wahrnehmungen im Alltag bestimmen; man nehme nur mal als einfache Beispiele ultraportable Music-Player, Assistentenfunktionen in Gestaltungssoftware, skeumorphe Touchinterfaces, intelligente Newsaggregatoren, Onlinesuche und vernetzte Kurznachrichtendienste – es gibt noch viel zu tun, um etwas Abweichung in den gesteuerten Gang der Dinge zu bringen. Ich denke der Bedarf an echten Primärerfahrungen und individueller Aufmerksamkeit ist bereits da und wird weiter wachsen – zumeist wird er heutzutage wohl noch nicht bewusst als Defizit wahrgenommen, sondern als Fatigue-Symptom, Burn-Out, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, usw. empfunden, aber die Ursachen kann man erahnen. </p> <p><strong>Bertram Rusch: Ruediger John, herzlichen Dank für das Gespräch.</strong></p> <p>Friedrichshafen 2013</p>
2013-11-26 https://artrelated.net/ruediger_john/in-etablierte-systeme-aesthetisch-eingreifen.html https://artrelated.net/ruediger_john/in-etablierte-systeme-aesthetisch-eingreifen.html
Concept and Creation of Magazine "Magazin fuer Zwischenfragen" for Zeppelin University
<p>Dear colleagues, associates, friends,</p> <p>I just wanted to keep you updated on some of the things we have been working on.</p> <p>Recently the Zeppelin University released the third issue of the magazine &quot;auf - Magazin fuer Zwischenfragen&quot; - a bi-annual publication combining scientific texts and findings with artistic and aesthetic interventions.</p> <p>Zeppelin University asked me some time ago to help to start a publication geared towards the scientific community and an affiliated broader audience.<br /> So I created an artistic concept and editorial profile that includes persistent editorial elements (such as a set of interposed questions) as well as visual/aesthetic interventions for each issue by an artist. These are not intended to illustrate or ornament the publication but rather create a critically independent layer within it - associating and commenting on the topics discussed and presented. </p> <p>If you would like to know more, there is a short interview on the concept here <a href="magazine-as-an-artistic-experiment.html">https://artrelated.net/ruediger_john/magazine-as-an-artistic-experiment.html</a> - a more thorough evaluation of the project will be published in a couple of weeks.</p> <p>For the initial three issues I created the artistic elements as well as served as the Creative Director and will continue to be part of the project as an Artistic Consultant while the magazine continues to develop along the lines of the concept. </p> <p>The first and second issues are online on Scribd<br /> auf#1: <a href="http://www.scribd.com/doc/109338383/">http://www.scribd.com/doc/109338383/</a><br /> auf#2: <a href="http://www.scribd.com/doc/109339167/">http://www.scribd.com/doc/109339167/</a><br /> in case you are interested. </p> <p>For the latest issue which is available here <a href="http://www.zu.de/auf-magazin/">http://www.zu.de/auf-magazin/</a> I acted as a quasi-Luddite intervening into the printing process by literally opening the machine to make manual adjustments to it. This changed the printing process in a way that created unique copies of the magazine.<br /> There is a short article about that here <a href="http://www.zu-daily.de/daily/eng/breaking-the-patterns.php">http://www.zu-daily.de/daily/eng/breaking-the-patterns.php</a> and some more images here <a href="citizen-power-state.html">https://artrelated.net/ruediger_john/citizen-power-state.html</a></p> <p>Let me know what you think.</p> <p>P.S. Of course we have been working on a lot more:<br /> E.g. helping to create a syllabus to train teachers how to employ aesthetics-based learning styles for students in the G/T program.<br /> Conducting a seminar and exploration (like every term but each time with a different angle) for MBA students (fourth and fifth semester at different universities) on aesthetic research and intervention art.<br /> And so on ... I'll keep you posted ... and if you happen to work in a similar field or adjacent type of project, of course I'd be interested to hear about it.</p>
2012-12-04 https://artrelated.net/ruediger_john/memo-concept-creation-magazine-zeppelin-university.html https://artrelated.net/ruediger_john/memo-concept-creation-magazine-zeppelin-university.html
Sommerfest der Zeppelin Universität am 8. September zum Thema „Stabile Fragilität. Fragile Stabilität.“
<h4>Sommerfest der Zeppelin Universität am 8. September zum Thema „Stabile Fragilität. Fragile Stabilität.“</h4> <p>Friedrichshafen. Die Zeppelin Universität veranstaltet am Samstag, 8. September, zum nunmehr neunten Male ihr traditionelles Sommerfest. Die Besucher erwartet auf dem Campus am Seemooser Horn ein Tag mit wissenschaftlichen Vorträgen, Installationen, Performances, Künstlergesprächen und Musik. Eingeladen sind alle Interessierten.</p> <p>Das Sommerfest wird um 15 Uhr von ZU-Präsident Prof. Dr. Stephan A. Jansen offiziell eröffnet (Einlass ab 14.30 Uhr) und steht im Zeichen des Jahresthemas der ZU: „Stabile Fragilität. Fragile Stabilität.“. Die Uni und ihre Gäste untersuchen dabei in vorsichtigen Vorträgen, wackeligen Versuchsanordnungen und instabilen Kunstprojekten die Stabilität der Fragilität und die Fragilität der Stabilität. Auch in den wissenschaftlichen Vorträgen geht es ab 16 Uhr darum, dass Fragilitäten die nächsten Agilitäten erfordern. So fragt beispielsweise ZU-Professor Dirk Heckmann vom Deutsche Telekom Institute for Connected Cities „Wer oder was steuert unsere Gesellschaft im Internet-Zeitalter?“, Politikprofessor Joachim Behnke untersucht „Politik im Spannungsfeld zwischen Prinzipien und Interessen“ und Jura-Professor Georg Jochum „Die Europäischen Institutionen nach dem Vertrag von Lissabon“, Mobilitäts-Professor Alexander Eisenkopf etwa macht „Anmerkungen zur Mobilität der Zukunft“, und Soziologie-Professorin Maren Lehmann berichtet über „Heikle Ereignisse“. </p> <p>Das Leitmotiv des Sommerfestes zieht sich auch durch die künstlerischen Programmpunkte: bei der Video-Installation „Roof Piece Theran“ von Anahita Razmi, der Installation zur ZU-Containeruni von Margit Czenki und Christoph Schäfer, den flexiblen Zeltstrukturen des Schweizer Architekten, Bau- und Aktionskünstlers Marcel Kalberer, zur künstlerischen Intervention des just zum Sommerfest erneut erscheinenden ZU-Magazins „auf“ von Ruediger John, bei der Autorin Chris Inken Soppa auf dem Vorleseschiff und schließlich beim Sommerfest-Publikumsspiel mit dem Kfz-Mechaniker und Künstler Volker Paul aus Radolfzell. Mitwirken werden weiter der ZU-Chor unter der Leitung von Ina Gersak und die „Luftschiffkapelle“.</p> <p>Am Abend des Sommerfestes steht ab 19.30 Uhr dann das Feiern im Vordergrund - mit &quot;Musik, Tanz &amp; kulinarischen Spezialitäten&quot;. </p> <p>Mehr Informationen finden sich auf der ZU-Homepage unter www.zu.de/sommerfest. </p> <p>Dort sind auch noch Anmeldungen für die nur noch wenigen freien Plätze möglich.</p> <p>Wichtige Informationen zur Anfahrt: Es bestehen nur eingeschränkte Parkmöglichkeiten bei der ZU und keine Zufahrt zur Uni. Besuchern wird dringend empfohlen, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen.</p> <p><a href="http://zu.de/deutsch/aktuelles_presse/aktuelles/2012_08_30_sommerfest-zu.php?navid=69">http://zu.de/deutsch/aktuelles_presse/aktuelles/2012_08_30_sommerfest-zu.php?navid=69</a></p>
2012-08-30 https://artrelated.net/ruediger_john/memo-zeppelin-universitaet-stabile-fragilitaet-fragile-stabilitaet.html https://artrelated.net/ruediger_john/memo-zeppelin-universitaet-stabile-fragilitaet-fragile-stabilitaet.html
Zeppelin Universität gibt eigenes Magazin „auf“ heraus
<p>Zeppelin Universität gibt eigenes Magazin „auf“ heraus </p> <p>Friedrichshafen. Die Zeppelin Universität (ZU) hat unter dem Titel „auf“ erstmals ein eigenes Magazin herausgegeben. „auf“ steht für Antworten und Fragen und berichtet über aktuelle Forschungsprojekte und -ergebnisse sowie die Entwicklung der jungen Universität. Das Heft ist ab sofort im örtlichen Buchhandel erhältlich. </p> <p>„Die aufgeklärte und potentiell überinformierte Gesellschaft erhält immer mehr Antworten auf ungestellte Fragen. Aber diese Gesellschaft schafft auch Platz für Zwischenfragen, also Fragen, die einfach mal zwischen die immer gleichen Antworten geschoben werden“, schreibt ZU-Präsident Professor Dr. Stephan A. Jansen in seinem Editorial zur Erstausgabe. Der derzeitige Zeitgeist der Beschleunigung und Dramatisierung auf drängende Fragen unserer Zeit bringe keine Antworten, sondern Interessen zum Ausdruck. „Jede schnelle Antwort kann immer nur eine Zwischenantwort sein“, sagt Jansen, „jede Lösung ist der Ausgangspunkt für ein neues Problem, jede Antwort für eine neue Frage.“ Das Magazin wolle deshalb als „Medium für Zwischenfragen der ZU“ Debatten im wahrsten Sinne der Wortes „auf-machen“, neue Perspektiven auf alte Themen eröffnen und zum Nachdenken und Vormachen anregen. Zweimal im Jahr – jeweils zum Auftakt der ZU-Semester im September und im Januar – wird es einen thematischen Fokus geben. </p> <p>Im nun vorliegenden Heft ist dies „Macht und Mitsprache“ - ein höchst aktuelles Thema, noch dazu in der Forschungsarbeit von ZU-Wissenschaftlern. Was tun, wenn durch die sogenannten Überhangmandate in Parlamenten Mehrheiten zur Minderheit zu werden drohen? Wenn in den neuen Bundesländern das durch die Stasi zerstörte Vertrauenskapital bis heute negative Folgen auf die wirtschaftliche Entwicklung hat? Wenn durch die fortschreitende Überalterung der Gesellschaft Konzert- und Opernhäusern der Niedergang droht? Wenn mangelndes Wirtschaftswissen zur Gefahr für die Verbraucher wird? Darauf geben ZU-Professoren ebenso Antworten wie auch zu anderen Fragen, etwa wie Deutschlands nächste Unternehmer-Generation denkt, warum neuerdings Geschäftsmodelle ohne Gewinnabsicht boomen, weshalb eine Öffnung von öffentlichen Daten-Beständen ein Beitrag zu mehr gelebter Demokratie in diesem Land werden könnte und schließlich was sogenannte Experten wirklich wissen. </p> <p>Ergänzt wird das Heft durch einen Streifzug durch die institutionelle Entwicklung der Uni. Welche Zugänge renommierter Wissenschaftler gab es zuletzt an der ZU? Welche prominenten Gäste sprachen bei den zahlreichen öffentlichen Veranstaltungsformaten? Welche studentische Gründungen und Projekte erregten Aufmerksamkeit und waren beispielhaft? Was motiviert Unternehmen, sich an der ZU zu engagieren - und wie erleben Wissenschaftler diese Kooperationen? </p> <p>Künstlerisch konzipiert und begleitet wurde das Heft von dem Künstler Ruediger John in Zusammenarbeit mit der Agentur Schindler Parent Meersburg. Mit seinen ästhetischen Interventionen und kooperativen Konzeptentwicklungen stellt er einen erweiterten Zugang zu den Informationen her. Ruediger John ist dem artsprogram der ZU über künstlerische Beiträge, Veranstaltungen und die Entwicklung inzwischen zweier Publikationen seit 2007 eng verbunden. </p> <p>Das ZU-Magazin „auf“ ist ab sofort in den Buchhandlungen Gessler, Ravensbuch und Fiederer erhältlich. Der Preis beträgt 6 Euro. </p> <p>Bestellungen per Internet außerdem unter <a href="http://www.zeppelin-university.de/auf-zu/index.php">http://www.zeppelin-university.de/auf-zu/index.php</a> </p> <p>Kontakt</p> <p>Zeppelin Universität<br /> Hochschule zwischen<br /> Wirtschaft, Kultur und Politik</p> <p>Rainer Böhme<br /> Leitung Universitätskommunikation<br /> Am Seemooser Horn 20<br /> D-88045 Friedrichshafen | Bodensee</p> <p><a href="http://zu.de/deutsch/aktuelles_presse/aktuelles/2011_10_19_11237123_meldung.php?navid=69">http://zu.de/deutsch/aktuelles_presse/aktuelles/2011_10_19_11237123_meldung.php?navid=69</a></p>
2011-10-19 https://artrelated.net/ruediger_john/memo-zeppelin-universitaet-magazin.html https://artrelated.net/ruediger_john/memo-zeppelin-universitaet-magazin.html
ON RAGE publication @ Haus der Kulturen der Welt, Berlin
<p>ON RAGE</p> <p>Editors: Valery Smith, Susanne Stemmler and Cordula Hamschmidt<br /> for the Haus der Kulturen der Welt, Berlin (House of World Cultures)<br /> Revolver Publishing by VVV, 2011<br /> English, 432 pages, 141 coloured and 81 b/w images<br /> ISBN: 978-3-86895-135-6</p> <p>This book explores instances of rage and how their place in people’s lives are being expressed and manifested in the body and the mind. We relate rage not only to its immediate outburst but also to abstract forms of dealing with the tipping points in human behavior. We consider larger political issues, those moments when rage marks the failure of diplomacy, when negotiation breaks down or is simply nonexistent, when other unconventional or socially unaccepted forms of expression come into play.</p> <p>By presenting a phenomenology of rage across cultures and timelines we would like to re-think rage as a state of being. This may lead to a rehabilitation of this affect and be the point of departure for new forms of less mediated thinking. Protest – be it organized or not – is the signature of our times. Together with a feeling of an economical, ecological or political crisis, this leads to states of emergency that may help to develop new strategies of survival in this world.</p> <p>With contributions by Luca Di Blasi, Jimmie Durham, Ruediger John, Marc Jongen, Tadeusz Kantor, Sylvère Lotringer, Boyan Manchev, Abdelwahab Meddeb, Terézia Mora, Nina Power, Michael Rakowitz, Monika Rinck, Paolo Santangelo, Mick Taussig, Stefan Weidner, Annette Weisser, Aaron Ben Ze’ev, Jean Ziegler and others.</p> <p><a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3868951350/sicverlfurkri-21">ON RAGE</a></p>
2011-04-07 https://artrelated.net/ruediger_john/memo-on-rage-haus-der-kulturen.html https://artrelated.net/ruediger_john/memo-on-rage-haus-der-kulturen.html
zeitigen - Experimente in Zeitwahrnehmung und Gestaltung
<p><img src="zeitigen-einladung.jpg" alt="zeitigen, Experimente in Zeitwahrnehmung und Gestaltung" title="zeitigen, Experimente in Zeitwahrnehmung und Gestaltung" /></p> <h4>Projektpräsentation im öffentlichen Raum</h4> <p>42 Schülerinnen und Schüler<br /> der Thomas-Mann-Grundschule und<br /> der Heinrich-Schliemann-Oberschule<br /> haben sich im Rahmen des Projektes zeitigen<br /> auf unterschiedliche Weise mit dem Thema Zeit beschäftigt. </p> <p>Im Warteraum des Bürgeramts Prenzlauer Berg<br /> zeigen wir einige Ergebnisse und Dokumentationen<br /> und Sie können sich, gemeinsam mit den dort<br /> Wartenden, eine Auszeit nehmen - für einen Augenblick.</p> <p>Donnerstag, 16.06.2011<br /> 13 Uhr bis 14 Uhr</p> <p><strong>Warteraum</strong><br /> im Bürgeramt Prenzlauer Berg<br /> Haus 6, Etage 1<br /> Fröbelstraße 17<br /> 10405 Berlin</p> <p><strong>Verkehrsverbindungen</strong><br /> S-Bahn S41, S42, S8, S85: Haltestelle Prenzlauer Allee<br /> Tram M2: Haltestelle Fröbelstraße</p> <p><em>gefördert durch:</em><br /> <em>Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung</em></p>
2010-06-01 https://artrelated.net/ruediger_john/zeitigen.html https://artrelated.net/ruediger_john/zeitigen.html
Ruediger John - »Sous les pavés la plage / Unter dem Bürgersteig der Strand / under the cobblestones the beach« - Künstlerische Forschung und gesellschaftliche Praxis
<p>»Sous les pavés la plage / Unter dem Bürgersteig der Strand / under the cobblestones the beach«</p> <p>Künstlerische Forschung und gesellschaftliche Praxis</p> <p>a guest lecture by Ruediger John (A)</p> <p>hosted by Sibylle Omlin and Reinhard Storz</p> <p>26.11.2008 / 17:30 Uhr</p> <p>Fachhochschule Nordwestschweiz<br /> Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel<br /> Institut Kunst</p> <p>Theobald Baerwart-Schulhaus, Aula<br /> Offenburgerstrasse 1<br /> CH 4057 Basel</p> <hr /> <p>Einige Kriterien und Anhaltspunkte für den Umgang mit dem Begriff Artistic Research / Künstlerische Forschung /// Forschung als eine gesellschaftliche Funktion /// Unterscheidungen zwischen wissenschaftlicher und künstlerischer Forschung /// traditionelles vs. zeitgemäßes künstlerisches Arbeiten</p> <hr /> <p>[...] Anders also, wenn Kunst der Reflexion von Gesellschaft dient, sich also dem Diskurs der Sinn- und Bedeutungsfragen, der Kritik und Wertebildung direkt widmet und somit Künstlerinnen und Künstler gesellschaftsorientiert arbeiten. Damit geht einher, daß nicht mehr die Produktion von Objekten und insbesondere deren Präsentation im exkludierenden Kunstkontext, sondern vielmehr die Gestaltung von Prozessen als Beeinflussung von Entwicklungen und die Integration verschiedener Disziplinen im Vordergrund stehen; der Künstler ist nicht mehr als Experte für Gestaltungsfragen, sondern als Experte für Wahrnehmungsfragen und deren Relationierungen gefordert. Das bedeutet, daß ästhetische (= wahrnehmungsbezogene) Kompetenzen und deren künstlerische Anwendung in gesellschaftlichen Kontexten (= Relationierung) - die Künstlerin/der Künstler als Know-How/What/Why-Träger - eine wesentliche Fähigkeit darstellen; das Medium bzw. der Medienkanon zweitrangig wird und kommunikative, moderativ-mediative Qualifikationen und Diskurs- und Teamarbeit notwendig werden.</p> <p>[...] Systemische künstlerische Tätigkeit heißt, mittels Abstraktion und Assoziation kritisch-ästhetisch Bedeutungen und Wertekontexte zu differenzieren und (bspw. interventionistisch oder infiltrativ) einzusetzen, sowie definitorisch in der Kommunikation und Kontextualisierung zu arbeiten. Diese Art der Tätigkeit stellt der klassischen Form der Referenzierung von Kontexten und Werten, dem ›Symbol‹ bzw. des ›symbolhaften Regelbruchs‹, die Absicht einer (relativen) Wirksamkeit auf das Subsystem gleich. Somit gestaltet (oder moduliert) der Künstler auf der Handlungsgrundlage einer prozesshaft reflektierten Haltung nicht ein Medium zur Form-/Objekt-/Bildfindung als Ausdruck, sondern zur Realisation (und damit Abstraktion) einer Idee/eines Zieles als Anschauung mit politischer Relevanz. Eine solche künstlerische Arbeit, deren Tätigkeit die systemischen Bedingungen und Relationen der gesellschaftlichen Subsysteme, aber auch der semiotischen Kriterien und Kontextualisierung umfaßt, nenne ich systemische Kunst (John, Ruediger: Systemic Art as an Approach for the Aesthetic Worker, 1998).</p> <p>Künstlerische Forschung als spezifische ästhetische Praxis</p> <p>[...] Entscheidend hierbei ist, daß sich künstlerisches Handeln nicht als öffentlicher Selbstfindungsprozess, naive Visualisierung im Symbolischen und dem Agieren im mythenbehafteten Kunstverständnis versteht, sondern »[...] sich kritisch subjektiver (künstlerischer) Methoden, rechercheorientierter und disziplinenverbindender Strategien bedient um kontextfremde Ergebnisentitäten erkenntnisbringend zu assoziieren.« »[...] Charakteristisch für künstlerische Forschungsarbeit ist ein nicht-lineares, prozesshaftes Denken und Handeln [...]« sowie die Fähigkeit, ästhetische Kriterien in anderen Kontexten und Subsystemen zu entwickeln und abstrahierend (kritisch) anzuwenden.</p> <p>(aus: John, Ruediger: Objekt Subjekt Prädikat - Ein Exkurs über systemische Kunst und kritische Ästhetik, 2004)</p> <hr /> <p>Ruediger John (A), lebt in Baden-Baden und Boston. Situative, installative, interventionistische, recherche- und publikationsorientierte Arbeiten; definitorische und praktische Arbeiten in künstlerischer Forschung, systemischer Kunst und Transferkunst. Er arbeitet seit 197 als ›Kritisch Ästhetischer Coach und Consultant‹ und ist Gründer der ›Gesellschaft für kritische Ästhetik‹. Lehraufträge u.a. an der Universität der Künste Berlin, Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Hochschule Pforzheim und der Universität Karlsruhe.</p> <p>Ausstellungen / Veranstaltungen (Auswahl):<br /> ›Latte, Brownie, Milk‹ (USA, 2007), ›Family Values / Familienwerte‹ (USA, 2006), ›La prosa avorrida de la vida diària‹ (ES, 2006), ›freundlich behauptet - Gespräche über Kunst und Wirtschaft‹ (D, 2004), ›MEHR WERT - Künstler, Unternehmer und Wissenschaftler im Dialog‹ (D, 2004), ›Der silberne Schnitt‹ (D, 2003), ›kFP/02 künstlerisches Forschungsprojekt‹ (D, 2002), ›Die Verklärung des Gewöhnlichen‹ (D, 2002), ›Vorbereitung einer Ausstellung / preparation of an exhibition‹ (D, 2001), ›Die Akademie ist keine Akademie‹ (D, 1999)</p> <p>Publikationen (Auswahl):<br /> ›Erweiterte Erkenntnisfähigkeit durch kulturelle Kontextualisierung‹ (2007), ›Objekt Subjekt Prädikat - Ein Exkurs über systemische Kunst und kritische Ästhetik‹ (2004), ›Vom Handwerker zum Mythenerzähler zum Kritiker‹ (2004), ›TRANSFER: Kunst Wirtschaft Wissenschaft‹ (2003), ›Die Akademie ist keine Akademie‹ (1999), ›Systemic Art as an Approach for the Aesthetic Worker‹ (1997), ›book - an object oriented definition of an infrastructure‹ (1991)</p> <p>Ruediger John hat an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, sowie eingeladen an die Columbia University und New York University, New York City (affiliate/guest) studiert und eine Fortbildung in ›Systemischer Kurzzeittherapie‹ abgeschlossen. </p> <p><a href="https://artrelated.net/ruediger_john">https://artrelated.net/ruediger_john</a></p>
2008-11-26 https://artrelated.net/ruediger_john/memo-sous-les-paves-la-plage.html https://artrelated.net/ruediger_john/memo-sous-les-paves-la-plage.html
and now for something completely… well… - CalArts - guest lecture Ruediger John
<p>The School of Art, The Theatre School &amp; The Center for Integrated Media present</p> <h4>and now for something completely… well…</h4> <h5>Guest lecture:</h5> <p>Ruediger John (Austrian visual artist)<br /> Staging and presentation as inherent elements of works of art <em> creating a cross-over between archetypical elements of theater </em> performance art and in-situ installative art works * juxtaposing differing realities of perception by combining on-stage narration with interventions into real-life situations.</p> <p>Center for Integrated Media, A116<br /> Cal Arts<br /> Wednesday, March 19th, 12noon</p> <p><a href="http://www.calarts.edu">http://www.calarts.edu</a></p> <p>Ruediger John creates situative, installative, interventionistic, research and publication- oriented works and exhibitions and is known for his definitoric and practical works in Artistic Research and Systemic Art. Since 1997, he has also been working as a Critical Aesthetic Consultant. Teaching experience: 2000-03 Assistant Professor for installative, situative working, contextualization, cognitive aspects, mixed-media at Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (State Academy of Fine Arts and Design Stuttgart). 2002-03 Professor in substitution for Kunst/Kunst- und Designwissenschaften - Skulptur/Raum (Art/Art and Design Sciences - Sculpture/Space) at Hochschule für Gestaltung, Technik und Wirtschaft Pforzheim (Pforzheim University of Applied Sciences). 2004/2005 Visiting Professor for Kunst und Wirtschaft - Transferkunst, Systemische Kunst, künstlerische Forschung (Art and Economy - Transfer Art, Systemic Art, Artistic Research) at Universität der Künste Berlin (University for the Arts Berlin). Other: 2003 Founder of Gesellschaft für kritische Ästhetik (Society for Critical Aesthetics). Ruediger John studied at the Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart and was also invited to Columbia University and NYU as an affiliate/guest. </p> <p><a href="https://artrelated.net/ruediger_john/">https://artrelated.net/ruediger_john/</a></p>
2008-03-18 https://artrelated.net/ruediger_john/memo-and-now-for-something-completely-well-calarts.html https://artrelated.net/ruediger_john/memo-and-now-for-something-completely-well-calarts.html
Rauf Rüber Runter Untendurch
<p>Rauf Rüber Runter Untendurch</p> <p>Ausstellungseröffnung: Sonntag 2.12.2007 16 Uhr<br /> Gruppenausstellung</p> <p>White Space<br /> Militärstrasse 76<br /> 8004 Zürich</p> <p>Roland Schappert<br /> Patrizia Karda<br /> Huber und Huber<br /> Ruediger John<br /> Elodie Pong<br /> Stefan Burger<br /> Gregor Hildebrandt<br /> Alicja Kwade<br /> Wolfgang Lugmair<br /> Peter Böhnisch<br /> Sven Drühl</p> <p>Release<br /> CABINET magazine NY<br /> issue 27 mountains</p> <p>Nebst den topografischen Erhebungen in der Landschaft sind es die Berg- und Talfahrten der Aktienkurse, Diagramme von An- und Verkäufen sowie politische Gipfeltreffen, welche die Menschen bewegen. Indes birgt das Bergsteigen um des Besteigen Willens heute wie zu Petrarcas Zeiten nur für eine kleine Gruppe von Menschen die Magie eines Gewinns. Das stille Betrachten der Berge aus der Ferne hingegen ist für die meisten nachempfindbar mit Sehnsüchten verbunden: Davon wird erzählt und darüber wurde tausendfach geschrieben, manches wird gezeigt und anderes behauptet. Wo sich die Berge auch befinden, im Flachland wie in den Alpen, in unseren Köpfen oder auf unseren Schreibtischen, sie wollen stets überwunden oder durchdrungen, ver- und übersetzt werden. Verbunden mit der Furcht des Scheiterns und dem gleichzeitigen Lechzen nach dem nächsten, höheren Gipfel, nicht zuletzt, um sich die nötige Fernsicht zu verleihen. Was sich diesem Verlangen nicht unterwirft, erheben wir zum Numinosen oder wenden uns klagend davon ab.</p> <p>»Rauf Rüber Runter Untendurch« untersucht in einer Reihe von Gruppenausstellungen, Einzelpräsentationen, Interventionen im öffentlichen Raum und Interviews die geografischen Verhältnismäßigkeiten, kulturellen Fiktionen und theoretischen Betrachtungsweisen zum Thema Berg als individuelle und soziale Realität. Für den Auftakt und die erste Einzelpräsentation soll der White Space Zürich den Künstlern als Ausstellungs- und Arbeitsraum dienen.</p> <p>Der Künstler Andreas Lorenschat lädt für Teil 01 die künstlerischen Positionen ein. In Zusammenarbeit mit der Kuratorin Lillian Fellmann werden das jeweilige kuratorische Konzept und die daraus entstehenden Fragestellungen entwickelt.</p> <p><a href="http://www.whitespace.ch">http://www.whitespace.ch</a><br /> <a href="http://www.cabinetmagazine.org/events/whitespace.php">http://www.cabinetmagazine.org/events/whitespace.php</a></p>
2007-11-28 https://artrelated.net/ruediger_john/memo-rauf-rueber-runter-untendurch.html https://artrelated.net/ruediger_john/memo-rauf-rueber-runter-untendurch.html
talk n show - Künstlergespräch mit Ruediger John
<p>„talk n show“ – Künstlergespräche an der Zeppelin University</p> <p>mit</p> <p>Ruediger John (A)</p> <p>Donnerstag I 22. November 2007 I 19.00 Uhr<br /> Zeppelin University I Campus am Seemoser Horn I Raum E.12/13</p> <p>/////////////////////////////////////////////</p> <p>Ruediger John (A)</p> <p>Ruediger John (*1971, Wien) bedient sich in seinen künstlerischen Arbeiten sowohl situativer, installativer, interventionistischer Formen, wie auch recherche- und publikationsorientierter Strategien. Seit 1997 beschäftigt er sich definitorisch und in praktischen Arbeiten mit künstlerischer Forschung und systemischer Kunst. Mit der Gründung ›Gesellschaft für kritische Ästhetik‹ fokussiert er transdisziplinäres Arbeiten und Forschen und die Anwendung ästhetischer und künstlerischer Kompetenzen im Sinne eines Coachings und kritischen Consultings in gesellschaftlichen Subsystemen, wie Wissenschaft, Politik und Wirtschaft. Ihn interessieren die Verschränkung von Alltagsritualen und künstlerischem Handeln ebenso, wie die Anwendung künstlerischer Fähigkeiten als integrativen Beitrag zur gesellschaftlichen Lebenspraxis.</p> <p>Die künstlerischen Arbeiten von Ruediger John sind häufig Eingriffe an zentralen Stellen der alltäglichen Lebenspraxis, deren Rituale und inherenten Formen der Wahrnehmung. Gleich ob als Cross-Over zwischen Theater und Performance, als Work-in-Progress mit Schauspielern und Laien im öffentlichen Raum und in der Galerie oder eingeladen in private Räume, um in die dortige &quot;heimische&quot; Umgebung installativ zu intervienieren oder im Umfeld unternehmerischer, ökonomie-geprägter Handlungen und Wertesysteme subversiv tätig zu sein - Irritation als Methode der Wahrnehmungsschärfung und Orientierung des Blickes auf &quot;Nebensächliches&quot;, die Nutzung und Umwertung alltäglicher Gegenstände und Situationen, sowie vor allem das Wirken auf Kommunikation und soziale Dynamiken sind wiederkehrende Merkmale seiner Arbeiten.</p> <p>Ruediger John</p> <p>*1971 in Wien, lebt in Baden-Baden. Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, eingeladen an die Columbia University und New York University, New York City (affiliate/ guest). Gründer der Gesellschaft für kritische Ästhetik.</p> <p>Publikationen (Auswahl)</p> <p>Ruediger John in &gt;Perspektiven systemischer Entwicklung und Beratung von Organisationen&lt; Verlag für Systemische Forschung/Carl Auer Verlag, 2007 &gt;Unternehmen Kunst&lt; Max Hollein (Hrsg.) Verlag Lindinger+Schmid, 2006</p> <p>Erweiterte Erkenntnisfähigkeit durch kulturelle Kontextualisierung&lt; in: Raffinierter Überleben, Strategien in Kunst und Wirtschaft, Kadmos Kulturverlag, 2005</p> <p>Objekt Subjekt Prädikat in: Mapping Blind Spaces, Athena Verlag, 2005</p> <p>TRANSFER: Kunst Wirtschaft Wissenschaft, [sic!] Verlag für kritische Ästhetik, 2003</p> <p>/////////////////////////////////////////</p> <p>Das artsprogram</p> <p>etabliert künstlerische Praxis und neue Formen kunstbezogenen Handelns als Bestandteil von Lehre und Forschung an der Zeppelin University. Es entwirft Räume zwischen Gegenwartskunst und Wissenschaften. Es konstruiert einen künstlerischen Arbeitskontext in einem wissenschaftlichen Umfeld. Dabei wird künstlerische Praxis als ein Element kultureller Erkenntnisproduktion neben anderen verstanden, die sich in unterschiedlichen Produktions- und Diskursumgebungen ansiedelt und nicht allein in Kunstinstitutionen stattfindet. In diesem Sinne will das artsprogram der Zeppelin University einen Raum für die Produktion undisziplinierter Zukunftsbilder entwickeln.</p> <p><a href="http://www.zeppelin-university.de/artsprogram">http://www.zeppelin-university.de/artsprogram</a></p>
2007-11-15 https://artrelated.net/ruediger_john/memo-talk-n-show-kunstlergespraech.html https://artrelated.net/ruediger_john/memo-talk-n-show-kunstlergespraech.html
Zwischen Geist, Geld und Gespräch - artsprogram der Zeppelin University - Doug Fishbone, Katya Sander, Christof Schäfer, Ulrike Shepherd, Ruediger John, Christof Salzmann
<h4>„Zwischen Geist, Geld und Gespräch“</h4> <p>/ 15. September 2007</p> <p>artsprogram der Zeppelin University Friedrichshafen</p> <p>Künstlerische Interventionen zum Kapitalbegriff in seiner Diversität.</p> <p>Doug Fishbone (US/GB) „Towards a Common Understanding“ (2005)<br /> Katya Sander (DK) „Was ist Kapitalismus?“ (2003)<br /> Christof Schäfer (D) „Revolution Non Stop“ (2000)<br /> Ulrike Shepherd (D) „Gateway“ (2006)<br /> Ruediger John (A/USA) / Christof Salzmann (D) „Orientierung“ (2007)</p> <hr /> <p>Doug Fishbone (US/GB) „Towards a Common Understanding“ / 2005 / 12:30 min<br /> Als zentralen Aspekt seiner Arbeit bezeichnet der in New York geborene, in London lebende Künstler Doug Fishbone (*1969) sein Vertrauen auf Humor. Ob er Formen der stand-up comedy adaptiert, wie in dem Video „The Ugly American“, oder alberne Trash-Markenuhren konstruiert: immer lädt er auf amüsante Weise den Betrachter ein auch hässliche, dumme und tabuisierte Facetten des modernen Lebens ins Auge zu fassen. Während seine früheren Arbeiten hauptsächlich auf vergänglichen Materialien und Prozessen basierten (wie etwa Haufen von 40.000 Bananen auf öffentlichen Plätzen), arbeitet Doug Fishbone heute überwiegend mit Video. In Videoarbeiten wie „Towards a Common Understanding“ (2005) kombiniert er Bilder aus dem Internet zu auf den ersten Blick völlig absurden Folgen: Blonde Bikini-Nixen und chemische Periodensysteme, asiatische Tuschzeichnungen von Fischen und gemästete Gänse, Bilder von Sex und Essen und Weltall-Aufnahmen erzählen von der Kakophonie der heutigen Medienwelt. Erst der darüber gelegte Kommentar des Künstlers entwickelt aus dieser scheinbar zufällig montierten Bildreihung neue Sinnebenen. Der Bogen wird gespannt von dem Anfangssatz “Statistiken sind wie Bikinis” bis zu “Alles ist total relativ”, Welterklärungsmodelle und westliche Zivilisationserscheinungen werden so ironisch hinterfragt und ad absurdum geführt.</p> <hr /> <p>Katya Sander (DK) „Was ist Kapitalismus?“ 2003 / 16 mm Film<br /> In den stark konzeptionell geprägten und recherchebasierten Arbeiten von Katya Sander geht es zumeist um Erschließungs- und Produktionsformen von Wissen und Wissens-systemen. Der Künstlerin kommt es vor allem auf eine immer auch körperlich geprägte Reflektion der Zugangsweise zu einem Wissensgebiet an. Die von ihr geschaffenen Settings und Räume setzen uns als Betrachter in ein spezifisches Verhältnis zu einem Thema. Zumeist geschieht dies, indem die einem Thema zugehörigen Orte und Kontexte vertauscht oder transformiert werden, so dass man Fragestellungen anders als erwartet begegnet. In „Was ist Kapitalismus?“ wird ein Film zwischen zwei Spiegelflächen projiziert. Der Film zeigt die Künstlerin in einer unwirtlichen Weidelandschaft mit einem Mikrophon. Sie entfernt sich von der Kamera und stellt vereinzelnd am Horizont vorbeikommenden Spaziergängern die Frage, was Kapitalismus sei. Die Antworten fallen denkbar verschieden und unerwartet aus. Die Einbettung des rückwärtig projizierten Filmes in die Spiegel setzt den Horizont der Landschaft ins Unendliche fort und nimmt in diese Illusion von Unendlichkeit auch den Besucher mit hinein. Die diesjährige Documenta-Teilnehmerin Katya Sander (*1970, Dänemark) lebt und arbeitet in Berlin und Kopenhagen und erweist sich mit ihrer Ausstellungsliste als echte global Playerin.</p> <hr /> <p>Christof Schäfer (D) „Revolution Non Stop“ 2000 / 16mm Film / 19:00 min<br /> Christoph Schäfer arbeitet seit 1989 zu Urbanismus, Themenparks, Mode und Alltag. Der in Hamburg lebende Künstler interessiert sich für städtische Situationen und wie sie durch Kunst verändert werden können. Seinen Arbeiten gehen genaue Beobachtungen des Alltagslebens voraus und sie werden aus dem Vokabular der Stadt heraus entwickelt. Mit „Revolution Non Stop“ greift Schäfer die konstruierte Imageproduktion der Städte auf. Der „Imagecity“ mit ihren polierten Einkaufspassagen, die bestrebt ist ein perfektes Bild von Stadt herzustellen, indem sie Elend ausgrenzt, setzt Schäfer seine Inszenierungen von Stadt entgegen, indem er die Regeln umkehrt und das feiert und im Zentrum behauptet, was sonst eher an der Peripherie stattfindet. „Revolution Non Stop“ ist ein &quot;Spiel mit den Resten der Überproduktion in den zukünftigen Ruinen des Fordismus&quot; und ist durchsetzt mit Aussagen in Warenform: Kostüme, Etiketten, Zeitungen und Werbungen sind zweckentfremdet (Grafik: Torsten Jahnke) mit Slogans versehen. Christof Schäfer geht es darum, in dem Feld zu arbeiten, das heute immer wichtiger wird: Subjektivitätsherstellung durch Waren, die von immer komplexeren Bedeutungsschichten ummantelt werden. Christof Schäfer (*1964) untersucht in seinen Projekten wie Medienbilder Städte beeinflussen. Als Teil der Gruppe Park Fiction, die 2002 zur Documenta 11 eingeladen war, interessierte ihn an diesem Projekt die gemeinsame Neudefinition eines öffentlichen Raums.</p> <hr /> <p>Ulrike Shepherd (D) „Gateway“ 2006 / Digitalfilm / 8:50 min<br /> Ulrike Shepherd arbeitet in ihren meist installativen Projekten mit Kontexten, Bedeutungen und Assoziationen. Sie hinterfragt gewohnte Sichtweisen, Begriffe und Zusammenhänge. Eine Verschiebung der Perspektive vollzieht sich auch in ihrem Digitalfilm „Gateway“, indem eine Durchgangssituation durch formale Veränderungen dekliniert wird. Die Filmaufnahmen dazu fanden am Flughafen München Franz Josef Strauß statt. Aus den zufälligen Szenen Ankommender entstanden 7 kurze Kapitel, welche durch verschiedene technische Eingriffe minimale Bedeutungs-verschiebungen erfahren. Ein jeweils anderer Fokus wird auf eine Alltagssituation gerichtet. Erste sich aufdrängende Deutungen verlieren im weiteren Verlauf ihre Eindeutigkeit zugunsten einer offeneren Vielschichtigkeit. Gleichzeitig findet auch ein Wechsel der Bildebenen statt, der Blick wandert mit dem rhythmischen Öffnen und Schließen der elektrischen Glastüren zwischen dem ankommenden Personenstrom und den transparenten Spiegelungen der Wartenden und wechselt auch hier kontinuierlich die Richtung. Ulrike Shepherd (*1955) verortet ihre Kunst im Dialog - in der Kommunikation mit ihrer Umgebung, der Zeit und anderen Künstlern. Der oft kommunikative Charakter ihrer Ausstellungsprojekte setzt sich fort in ihrer vernetzenden und auf Diskurs angelegten freien kuratorischen Arbeit. Mit ihrer Videoinstallation „Gateway“ stellt sie sich als neue Kuratorin des artsprogram der Zeppelin University vor.</p> <hr /> <p>Ruediger John (A/USA), Christof Salzmann (D) &quot;Orientierung&quot; 2007 /<br /> temporäre installative InterventionFür die Zeppelin University widmen sich die Künstler Ruediger John und Christof Salzmann dem Thema der Orientierungssuche und -findung - sowohl spatial, als auch thematisch. Der profanen Beschilderung in den Universitätsgebäuden stellen sie eine Bildwelt und architektonische Modell-baulandschaft zur Seite, deren Fragilität und Exponiertheit, sowie konsumistische Nutzung durch die Passanten zwangsläufig zu ihrem Rückbau beiträgt. Die Bildwelt ist Sammelobjekt, subjektive Erinnerungsstütze und Assoziationsresource und beansprucht dabei einen, im sonstigen Diskurs unterrepräsentierten, Platz; das städtebauliche Konglomerat en miniature vereinfacht die Navigation innerhalb des Horizontes der Institution. <a href="orientierung.htm">https://artrelated.net/ruediger_john/orientierung.html</a></p> <p>Die künstlerischen Arbeiten von Ruediger John (*1971) sind häufig Eingriffe an zentralen Stellen der alltäglichen Lebenspraxis, deren Rituale und inherenten Formen der Wahrnehmung. Gleich ob als Cross-Over zwischen Theater und Performance, als Work-in-Progress mit Schauspielern und Laien im öffentlichen Raum und in der Galerie oder eingeladen in private Räume, um in die dortige &quot;heimische&quot; Umgebung installativ zu intervienieren oder im Umfeld unternehmerischer, ökonomie-geprägter Handlungen und Wertesysteme subversiv tätig zu sein - Irritation als Methode der Wahrnehmungsschärfung und Orientierung des Blickes auf &quot;Nebensächliches&quot;, die Nutzung und Umwertung alltäglicher Gegenstände und Situationen, sowie vor allem das Wirken auf Kommunikation und soziale Dynamiken sind wiederkehrende Merkmale seiner Arbeiten.</p> <p>Christof Salzmann (*1970) interessiert sich in seinen Arbeiten unter anderem für &quot;Information&quot; - sowohl ihrer alltagspraktischer Entitäten, als auch insbesondere die Phänomenologie ihrer Definitionen und Wertungen. Gesammelte Berichte über Eintagshelden oder Zeitungsseiten und Bilder, deren assoziative Logik man erst in ihrer Menge oder Herausstellung, sowie mit etwas Ruhe, Abstand und Anstand erkennen kann, sind dabei gleichwertige Elemente seiner künstlerischen Arbeit, wie auch zu einem Raumerlebnis verdichtete Objekte und Installationen.</p> <hr /> <p>Das artsprogram etabliert künstlerische Praxis und neue Formen kunstbezogenen Handelns als Bestandteil von Lehre und Forschung an der Zeppelin University. Darüber hinaus werden extern Ausstellungen, Vorträge und Kunstinszenierungen mit wechselnden Partnerinstitutionen realisiert. Hier sollen radikale gegenwärtige künstlerische Positionen in neue Kontexte gestellt werden. Das artsprogram der Zeppelin University ist ein Veranstaltungsangebot an eine interessierte Öffentlichkeit.</p>
2007-09-16 https://artrelated.net/ruediger_john/memo-zwischen-geist-geld-und-gespraech.html https://artrelated.net/ruediger_john/memo-zwischen-geist-geld-und-gespraech.html
Orientierung - Eine temporäre installative Intervention
<p><img src="orientierung01.jpg" alt="Orientierung 2007" title="Orientierung 2007" /></p> <p><img src="orientierung02.jpg" alt="Orientierung 2007" title="Orientierung 2007" /></p> <p><img src="orientierung03.jpg" alt="Orientierung 2007" title="Orientierung 2007" /></p> <p><img src="orientierung04.jpg" alt="Orientierung 2007" title="Orientierung 2007" /></p> <p><img src="orientierung05.jpg" alt="Orientierung 2007" title="Orientierung 2007" /></p> <p><img src="orientierung06.jpg" alt="Orientierung 2007" title="Orientierung 2007" /></p> <p><img src="orientierung08.jpg" alt="Orientierung 2007" title="Orientierung 2007" /></p> <p><img src="orientierung10.jpg" alt="Orientierung 2007" title="Orientierung 2007" /></p> <p>Die küstlerische Arbeit &quot;Orientierung&quot; an der Zeppelin University widmet sich dem Thema der Orientierungssuche und -findung - sowohl spatial, als auch thematisch. Der profanen Beschilderung in den Universitätsgebäuden stellt sie eine Bildwelt und architektonische Modellbaulandschaft zur Seite, deren Fragilität und Exponiertheit, sowie konsumistische Nutzung durch die Passanten zwangsläufig zu ihrem Rückbau beiträgt. Die Bildwelt ist Sammelobjekt, subjektive Erinnerungsstütze und Assoziationsresource und beansprucht dabei einen, im sonstigen Diskurs unterrepräsentierten, Platz; das städtebauliche Konglomerat en miniature vereinfacht die Navigation innerhalb des Horizontes der Institution.</p> <p>&quot;This temporary installative intervention was set up for a two-day conference the Zeppelin University. The university had asked me to create an orientation system from my artist point of view. Since I am much more interested in questioning a structure and intervening into a designated function taking a critical stand than a functional design I set up hundreds of stacks of loose paper in variable combinations throughout the buildings to give attendees directions on what was happening and where to go - creating a miniature cityscape that could be taken from. Built into the work is the effect that the orientation system is eroding while being used as such, it wears out and the growing disarrangement is degrading the initially precise information into an indiscernible cloud of indications. Since at most conference lectures, images are underrepresented or serve a simplified purpose I counterbalanced that by adding a comprehensive layer of associative images that could be used within the lectures or as collectibles serving as visual reminders of the event.&quot; </p> <p>Die künstlerischen Arbeiten von Ruediger John sind häufig Eingriffe an zentralen Stellen der alltäglichen Lebenspraxis, deren Rituale und inherenten Formen der Wahrnehmung. Gleich ob als Cross- Over zwischen Theater und Performance, als Work-in-Progress mit Schauspielern und Laien im öffentlichen Raum und in der Galerie oder eingeladen in private Räume, um in die dortige &quot;heimische&quot; Umgebung installativ zu intervienieren oder im Umfeld unternehmerischer, ökonomie-geprägter Handlungen und Wertesysteme subversiv tätig zu sein - Irritation als Methode der Wahrnehmungsschärfung und Orientierung des Blickes auf &quot;Nebensächliches&quot;, die Nutzung und Umwertung alltäglicher Gegenstände und Situationen, sowie vor allem das Wirken auf Kommunikation und soziale Dynamiken sind wiederkehrende Merkmale seiner Arbeiten.</p> <p>The artist Ruediger John creates situative, installative, interventionistic, research- and publication oriented works and exhibitions focusing on definitoric and practical aspects in Artistic Research and Systemic Art; he has been teaching at a.o. Universität der Künste Berlin, Zeppelin University, Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft. Since 1994 he is working on a systemic way of aesthetic interventions into social subsystems; currently conducting cooperative research projects on critical-aesthetic issues in economic and scientific contexts.</p>
2007-09-01 https://artrelated.net/ruediger_john/orientierung.html https://artrelated.net/ruediger_john/orientierung.html
CENTRAL PARK 1 AM at BAM (Brooklyn Academy of Music) Rose Cinemas
<h4>CENTRAL PARK 1 AM</h4> <p>a short movie on a walk through Central Park at night<br /> 1994/1997, ca. 35 min.<br /> by Ruediger John</p> <p>CENTRAL PARK 1 AM is a documentary-like short narration on a visit of Central Park New York at night while officially closed, creating a pensive and eerie atmosphere. Several places in the park, barely visible and abandoned, sharply lit by a night-vision system and a blend of distant sounds of the city with unidentified sources nearby create a tension of loneliness and the mysticisms of everyday occurrences amidst a modern Metropolis.</p> <p>Filmed in 1994 by the artist Ruediger John while being invited to Columbia University and loosely referring to his narration with the same title, it was first aired on Manhattan Neighborhood Network (MNN) and on Queens Public Television (QPTV) and has since been shown on several occasions, in exhibitions and at art film festivals. </p> <p>This screening is a teaser for the premiere of Ruediger Johns latest theater/performance work which will be staged at the BACKSCREEN (see separate announcement).</p> <p>March, 15th 2007<br /> 6:30 pm<br /> free admission</p> <p>BACKSCREEN @ BAM (Brooklyn Academy of Music) Rose Cinemas, 30 Lafayette Ave, Brooklyn, NY</p>
2007-03-13 https://artrelated.net/ruediger_john/memo-central-park-1-am.html https://artrelated.net/ruediger_john/memo-central-park-1-am.html
INDEX - Ein künstlerisches Archivierungsprojekt
<p><img src="kuenstlerische-archivierung001.jpg" alt="INDEX - ein kuenstlerisches Archivierungsprojekt" title="INDEX - ein kuenstlerisches Archivierungsprojekt" /></p> <p><img src="kuenstlerische-archivierung003.jpg" alt="INDEX - ein kuenstlerisches Archivierungsprojekt" title="INDEX - ein kuenstlerisches Archivierungsprojekt" /></p> <p><img src="kuenstlerische-archivierung007.jpg" alt="INDEX - ein kuenstlerisches Archivierungsprojekt" title="INDEX - ein kuenstlerisches Archivierungsprojekt" /></p> <p><img src="kuenstlerische-archivierung004.jpg" alt="INDEX - ein kuenstlerisches Archivierungsprojekt" title="INDEX - ein kuenstlerisches Archivierungsprojekt" /></p> <p><img src="kuenstlerische-archivierung005.jpg" alt="INDEX - ein kuenstlerisches Archivierungsprojekt" title="INDEX - ein kuenstlerisches Archivierungsprojekt" /></p> <p><img src="kuenstlerische-archivierung011.jpg" alt="INDEX - ein kuenstlerisches Archivierungsprojekt" title="INDEX - ein kuenstlerisches Archivierungsprojekt" /></p> <p><img src="kuenstlerische-archivierung012.jpg" alt="INDEX - ein kuenstlerisches Archivierungsprojekt" title="INDEX - ein kuenstlerisches Archivierungsprojekt" /></p> <p><img src="kuenstlerische-archivierung010.jpg" alt="INDEX - ein kuenstlerisches Archivierungsprojekt" title="INDEX - ein kuenstlerisches Archivierungsprojekt" /></p> <p><img src="kuenstlerische-archivierung008.jpg" alt="INDEX - ein kuenstlerisches Archivierungsprojekt" title="INDEX - ein kuenstlerisches Archivierungsprojekt" /></p> <p>301 Eine labyrinthische Struktur als Hort für Erlebtes: Die Künstler bewegen sich im Wirkungsfeld historischer Brüche und aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen der Bodenseeregion und der Stadt Friedrichshafen. Ihre Methode ist subjektives Forschen, Bündeln und Assoziieren. Die aus profanen Mitteln gefügte und aus den Fugen geratene Archivarchitektur lässt die gewohnte Perspektive der Beobachter ins Wanken geraten. In Licht und Schatten erweist sich die Architektur aus Lücken und Leerstellen als überraschend stabil. Das Labyrinth aus Präsentations- und Projektionsflächen lädt die Besucher ein, Zusammenhängen zwischen Erinnerungskultur, der Konstruktion von gemeinschaftlicher Identität und individuellem Bewusstsein nachzuspüren. Die Vielzahl möglicher Wahrheiten liegen im Halbdunkel der Gänge und Nischen verborgen. </p> <p>302 Falten und Reflexion von Erinnerungen: Die faltige Oberfläche eines spiegelnden Vorhangs, auf zwei Raumseiten installiert, bildet ein verzerrtes Abbild der Szenerie. Reflexionen der eigenen Person darin bieten Anlass persönliche Befindlichkeiten in der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Erinnerungsprozessen zu reflektieren. </p> <p>304 Die fragilen Beziehungen zwischen den Dingen: Auf der Suche nach erkennbaren und versteckten Ordnungen und Beziehungen wird Authentisches, Dokumentarisches und Fiktionales verwoben und Wirkungszusammenhänge zwischen Werk und Kontext erfahrbar gemacht. Anders als bei klassischen Beweisaufnahmen, sind Relationen zwischen den angesammelten Gegenständen nicht exklusiv und ergebnisorientiert, sondern ermöglichen ein freies Wandeln zwischen den Bedeutungen. </p> <p>310 Ein Gegenstand sagt mehr als tausend Worte: Im Mittelpunkt stehen Fragen nach den Tradition bildenden, Identität stiftenden und Kultur konstituierenden Kräften im Allgemeinen und Besonderen. Historie wandelt zwangsläufig das Triviale ins Museale und umgekehrt. Bestand haben jedoch die forschenden Fragen an sich. Dieser kulturbildende und soziale Prozess stellt eine gemeinschaftliche Aufgabe dar; erst in der Betrachtung historischer Entwicklungen aus unterschiedlichsten gesellschaftlichen Perspektiven wird die Komplexität von Geschichtsschreibung deutlich. In der Benennung von Brüchen und der Sammlung bruchstückhafter Erinnerungen entwickelt das künstlerische Archivierungsprojekt eine integrative Kraft. </p> <p>325 Im Labyrinth der Geschichte und Geschichten: Objekte, Dokumente, Fotos, Texte, die sich aus der persönlichen Sicht der Besitzer auf die historische, kulturelle und gesellschaftliche Situation von Stadt und Region beziehen, dienen nicht als Beweismittel einer eindimensionalen Geschichtsschreibung. Sie sind unscharfe Beschreibungsmodelle; Gerüchte, Klischees und Legenden. Die Multitude dieser Indizien ermöglicht den Blick durch das Einzelne auf das Allgemeine und Verbindende. </p> <p>330 Eine Sammlung von Relikten des Fragens und Forschens: Unterschiedliche Kommunikationsprozesse sind Teil des Werkes; über Aufrufe in regionalen Medien wurden die Bewohner der Bodenseeregion eingeladen, sich am künstlerischen Archivierungsprojekt zu beteiligen. Dieser offene Prozess wurde durch die Zusammenarbeit mit Experten, die Fakten und Ereignisse erläutern, ergänzt. Der Betrachter findet sich im Spannungsfeld vielfältiger Erzählperspektiven wieder. </p> <p>335 Erinnern als gemeinsamer Handlungsprozess: Die Auswahl der Exponate durch die Leihgeber basiert auf einem subjektiven Erinnerungswert des Gegenstandes im Bezug zur Region. Im Gespräch mit den Künstlern entsteht eine Konzentration auf die wesentlichen Faktoren der Beziehung zwischen Exponat und Leihgeber unter Bezugnahme auf das Gemeinsame und Andere bereits archivierter Objekte. </p> <p>340 Gegenstand und Legende: Die persönlichen Erinnerungen des jeweiligen Leihgebers und die Kontextualisierung in regionaler Geschichte und überlieferten Bedeutungen finden Eingang in die kommentierende Beschreibung jedes Exponates. Diese künstlerisch archivarische Aufbereitung eröffnet den Besuchern einen Assoziationsraum, in dem Erinnern als aktuelle Sinnproduktion wahrgenommen wird. In der Begehung des Archivs und der Betrachtung der Sammlung verändert sich das innere und äußere Gesamtbild fortlaufend. Jeder Gegenstand bietet einen Zuwachs persönlicher Erkenntnis über die eigene Person und ihrer Rolle in gesellschaftlichen Erinnerungsprozessen. </p> <p>345 Sammlung aus mündlicher Überlieferung: Eine Registratur oraler Klischees als Struktur zur Erforschung der lokalen Identität. Der Funken Wahrheit springt in der Sammlung von Zitaten, aus und über die an den See grenzenden Regionen, ihren Zuschreibungen und Identitäten, auf den Besucher über. Die knappen subjektiven Äußerungen verdichten sich als Sammlung zu einem Deutungsmuster lokalen Bewusstseins und regionaler Beziehungen. Die Statements sind zugleich Bekenntnisse ihrer Autoren. Weil diese in die Anonymität zurücktreten, bleibt Raum für Zuweisungen und Betrachtungen zweiter Ordnung. Als Flugblatt in unlimitierter Auflage lassen sich diese aneignen und mitnehmen. Durch die Verbreitung der Flugblätter durch das Publikum werden die subjektiven Aussagen Einzelner in den öffentlichen Diskurs eingebracht. </p> <p>352 Suchen in Ritzen, Spalten und Nischen: Die Konzentration und Präsentation der Exponate lässt verwaiste Stellen an anderen Orten spürbar werden. Die Zusammenschau von Objekten nach ästhetischen, künstlerischen Kategorien ist vor allem ein Spiel mit Konstruktionen von Ordnung, ihrer Auflösung und Umwandlung.</p>
2007-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/kuenstlerische-archivierung.html https://artrelated.net/ruediger_john/kuenstlerische-archivierung.html
Family Values / Familienwerte / Valeurs de famille / Valores de la familia
<p>RUEDIGER JOHN</p> <p>Installative interventions in private nyc residences as a situative aesthetic approach on micro-politics in social subsystems.</p> <p>At five venues in New York City, Manhattan (Upper East Side, Chelsea, Midtown, Greenwich Village, Hells Kitchen)</p> <p>Tuesday, September, 19th to Monday, September, 25th 2006</p> <p>“- Ever been to a private dwelling at Upper East Side, perhaps to one with a magnificent view on Central Park and a porch appropriate to the social position of its inhabitants? It might look like a pleasure to live there at first, but you shouldn’t judge too easily. The remnants of familiy traditions fill as furniture actually generous town lofts and are often accompanied by newer objects made to look alike; or interior designers have left undeniable traces in a permanent race to compete in what is representative and socially indispensable. But more things linger in the heads of some old-established family bonds, network of relatives, not to mention the neighbours – among them some stories you don’t want to know and topics you should better not come up with. But let’s have a look just at the furnishing and see what we can do about that…”</p> <p>Along with an ongoing conversation with the inhabitants, the artist Ruediger John altered furnishings and interior design elements within the residences, added objects and parts to camouflage or as situative emphasises – according to his aesthetic approach of artistic work. Focused details by taking photos will become part of the permanently exhibited art.</p> <p>This exhibition is part of a week-long series of events and meetings referring to the european turn-of-the-century intellectual salon culture. Curated by Paul Kovac, in five private spaces an invited audience will meet, participate, discuss and enjoy exhibited works of art, literature and music, performances and presentations. To be visited by invitation only.</p> <p><a href="https://artrelated.net/ruediger_john">https://artrelated.net/ruediger_john</a></p>
2006-09-21 https://artrelated.net/ruediger_john/memo-family-values-familienwerte-valeurs-de-famille-valores-de-la-familia.html https://artrelated.net/ruediger_john/memo-family-values-familienwerte-valeurs-de-famille-valores-de-la-familia.html
ad utrumque paratus - Some Remarks On Aesthetic Possibilities Of Unfinished Works of Art
<h4>ad utrumque paratus</h4> <p>Some Remarks On Aesthetic Possibilities Of Unfinished Works of Art</p> <h5>RUEDIGER JOHN</h5> <p>Artist Statement &amp; Talk<br /> for NYU students and open to the public</p> <p>New York University<br /> Languages &amp; Literature Building<br /> 19 University Place</p> <p>Wednesday, September, 20th 2006 – 3:30 pm</p> <p>In his statement the artist Ruediger John points out the intrinsic possibilities – or rather abilities – a work of art can have if it is still unfinished (or considered so).</p> <p>“[...] Typically we rely on and value works of art that are already completed by the artist (unless there is a nice or tragic little anecdote why he or she was not able to finish it) – because we want to be sure e.g. a) it is worth the time to look at b) we can lean back to enjoy, judge and criticise c) it can be bought as it is d) and so forth. The crucial point is: We want to be secured about the character and impact of the piece of art. But what if an artist obviously does not give the audience this secured position? What if a work of art can bite you in the ass some time later – because it is developing its teeth while you already own it (as a simpler way of an interventionistic effect)? Or, more important, if a work of art uses its obviously unfinished characteristic to refer to, or rather inherit the qualities of what remains open and ‘unsolved’ as an additional source of ‘value’? But not to define every detail of a work can make it more dependable on influences of its surroundings (it is a problem every artwork faces – and most of all the classical form of painting does) – a contemporary artist has to incorporate this in the work during the process of creation [...]” (Ruediger John in an interview with Paul Kovac)</p> <p>He also talks about what happens if he employs elements and tactics used in performance art to create installative works in an interventionistic way (e.g. outside the preoccupied perspective of audiences in gallery spaces, museums and other ‘white cubes’) using camouflage and irritation to guide and focus the aesthetics of an audience – to ultimately broaden its experiences (maybe).</p>
2006-09-21 https://artrelated.net/ruediger_john/memo-ad-utrumque-paratus.html https://artrelated.net/ruediger_john/memo-ad-utrumque-paratus.html
KLARTRAEUMER
<p>/ KLARTRAEUMER</p> <p>Eine &gt;Work in Progress&lt; Inszenierung zwischen Theater und Performance.</p> <p>/ Auffuhrungen: Freitag 01.09.06, Samstag 02.09.06 / 20 Uhr /<br /> / AkademieGalerie in der Unterführung der U-Bahn Haltestelle Universität, Ludwigstrasse, Geschwister-Scholl-Platz, München /</p> <p>Konzept: Ruediger John<br /> Inszenierung: Evelyn Hribersek &amp; Ruediger John<br /> Darsteller: Nana Fritz, Andreas Mayer, Alexander Neuhaus, Claudia Raudszus, Susanne Raupach<br /> Bühnenbild: Evelyn Hribersek &amp; Ruediger John<br /> Video: Ruediger John<br /> Technik: Andreas Brachwitz, Gösta Fischer, Karl-Heinz Kaulfuß<br /> Unterstützung Bühne &amp; Kostüm: Astrid Amann</p> <p>&quot;Klassisches Theater, das wird schnell klar, ist das nicht; Performance-Elemente dominieren. In kurzen Szenen stehen die Schauspieler auf der Bühne, auf der Wand dahinter flackern unscharfe Videos...das vorwiegend junge Publikum scheint sich wiederzuerkennen darin. Es nimmt teil, obwohl es nur zusieht, weiss, dass das nur Theater ist, obwohl es die eigenen Träume spiegelt... Als zu dröhnender Clubmusik zwei Schauspielerinnen knapp bekleidet im flackernden Licht tanzen, starren draussen Manner, auf dem Weg von der Arbeit oder zur Stammkneipe, herein...&quot;<br /> / Süddeutsche Zeitung </p> <p>&quot;Zuschauer irritieren, Erwartungen durchkreuzen...Der Bühnenaufbau... entpuppt sich als ausgetüftelte Kulisse...eine Live-Kamera überträgt das Geschehen aus der Unterführung in die Galerie...Der Zuschauer ist dabei nie vor Überraschungen gefeit: Hat er es sich gerade in der Galerie bequem gemacht und blickt auf die Bühne, klopft es hinter ihm an die Fensterscheibe: Das Stück geht plötzlich draussen weiter, alles dreht sich um 180 Grad. Auch die perplexen Passanten stehen nun auf einmal im Rampenlicht.&quot;<br /> / Münchener Merkur </p> <p>mehr: <a href="klartraeumer.html">https://artrelated.net/ruediger_john/klartraeumer.html</a></p>
2006-09-17 https://artrelated.net/ruediger_john/memo-klartraeumer.html https://artrelated.net/ruediger_john/memo-klartraeumer.html
Algorythmic Music Club
<p><img src="algorythmic-music-club01.jpg" alt="Algorythmic Music Club" title="Algorythmic Music Club" /></p> <p><img src="algorythmic-music-club02.jpg" alt="Algorythmic Music Club" title="Algorythmic Music Club" /></p> <p><img src="algorythmic-music-club03.jpg" alt="Algorythmic Music Club" title="Algorythmic Music Club" /></p> <p><strong>eacb / Placa de Castella, Barcelona, Espagna</strong><br /> <strong>Julio / Julio / Juli / Juillet / July / 8. // 21h-04h</strong></p> <p>Come to chill at eacb. MasterBootRecords presents music compiled since the late nineties - including previously (and still) unreleased pieces of its artists focusing on algorythm-generated audio. Of course the much appreciated releases like DATA <em> CODE </em> MUSIC and DA CODA will be played among other loops concentrating on self-referencing recursive sound coding.<br /> Later on that night our selected resident DJs will rely on them as base tracks for mixing the relaxing sound scape to enjoy the evening together.</p> <p>MasterBootRecords is a New York City/Chicago based not-for-profit studio and distribution label concentrating on electronica and experimental releases in small editions.</p>
2006-07-05 https://artrelated.net/ruediger_john/algorythmic-music-club.html https://artrelated.net/ruediger_john/algorythmic-music-club.html
La prosa avorrida de la vida diària, La prosa aburrida de la vida diaria, Die langweilige Prosa des Alltags, La prose ennuyeuse de la vie quotidienne, The boring prose of everyday life
<p><img src="la-prosa-avorrida01.jpg" alt="The boring prose of everyday life" title="The boring prose of everyday life" /></p> <p><img src="la-prosa-avorrida02.jpg" alt="The boring prose of everyday life" title="The boring prose of everyday life" /></p> <p>Eine Putzfrau, die auf den Linoleumböden der Gänge des Bürogebäudes naßglänzende Ornamente schreibt und sich über Gestaltung und Optimierungen Gedanken macht.</p> <p>Ein Friseur, der, zusätzlich zu den Kunden seines bescheidenen Salons, die Bepflanzung auf der Verkehrsinsel am Platz frisiert; auch um festzustellen ob es einen Unterschied macht.</p> <p>Ein Hausmeister, der, indem er die Hauptsicherung herausdreht, jeden Tag einen Stromausfall nach festgelegtem Ritual inszeniert, um allen Betroffenen etwas Sicherheit zu bieten.</p> <p>Ein Geschäftsführer, der den Angestellten einen Vortrag über seine Passion, die Zierfischzucht, hält. Erstens damit er sie zukünftig damit in Ruhe läßt und zweitens um seine Kunden zu prüfen.</p> <p>Ein Kurator, der Drogen guter Qualität an die Besucher der Stadt verkaufen will und dabei nicht nur die Kunst meint. </p> <p>Ein Künstler, der, nachdem er ausführlich mit den anderen geredet hat, zusätzlich einige Ausschnitte profaner Abbildungen von Stereotypen sowie eine Arbeit von vor zwölf Jahren zeigt.</p> <p>›Auch obskure Riten gelten im Allgemeinen als vorbildlich, solange sie hierarchisch strukturierten, normativen Erwartungshaltungen entsprechen. Man kann die, oft aus dem Gefühl der Sicherheit entstehende, Langeweile genießen, indem man ihr nicht mit Unterhaltung im Sinne einer Ablenkung des Problembewußtseins begegnet, sondern dessen Intensität als bescheidenen Anfang des Entkommens aus einer Selbstbeschränkung, welche sicher vor möglicherweise enttäuschenden Erkenntnissen schützt, wirksam werden läßt.‹</p> <p>A charwoman, who writes wet-shining ornamentations on the linoleum floors of the halls of the office building and is concerned about design and optimizations.</p> <p>A hairdresser, who, in addition to the customers of his modest salon, fudges the planting on the traffic island at the place; also to determine whether it makes a difference. </p> <p>A caretaker, who, by unscrewing the main fuse, produces each day a power failure according to a fixed ritual in order to offer some security to all people relevant. </p> <p>A managing director, who gives the employees a lecture on his passion, the breeding of ornamental fish. First of all to stop annoying them in the future and secondly to test his customers. </p> <p>A curator, who wants to sell drugs of good quality to the visitors of the city and does not only fancy art hereby.</p> <p>An artist, who, after he talked much with the others, shows additionally some cutouts of everyday illustrations of stereotypes as well as a work he did twelve years ago. </p> <p>›Even obscure rites are considered generally as exemplary, as long as they comply to structured hierarchical, normative expectations. One can enjoy this ennui, often caused by the feeling of security, not by counteracting it with entertainment in the sense of a diverson of problem consciousness, but by letting the intensity of it become effective as a modest beginning of escaping from that self-restraint which surely protects from possibly disappointing perceptions.‹</p> <p>Ruediger John, Barcelona 2006</p>
2006-07-04 https://artrelated.net/ruediger_john/la-prosa-avorrida.html https://artrelated.net/ruediger_john/la-prosa-avorrida.html
INTERVENTION / AUSSTELLUNG / EXPOSITION - Ruediger John
<p>INTERVENCIÓ / INTERVENCIÓN / INTERVENTION / INTERVENTION / INTERVENTION<br /> EXPOSICIÓ / EXPOSITIÓN / AUSSTELLUNG / EXPOSITION / EXPOSITION</p> <p>La prosa avorrida de la vida diària<br /> La prosa aburrida de la vida diaria<br /> Die langweilige Prosa des Alltags<br /> La prose ennuyeuse de la vie quotidienne<br /> The boring prose of everyday life</p> <p>Ruediger John</p> <p>eacb / Plaça de Castella, Barcelona, Espagna / Recepció de l'Obertura / Recepción de la Abertura / Eröffnung / Réception d'Ouverture / Opening Reception / Juny / Junio / Juni / Juin / June / 19. / 12:30h / Durada de l'Exposició a / Duración de la Exposición a / Ausstellungsdauer bis / Durée d'Exposition à / Exhibition Duration to / Julio / Julio / Juli / Juillet / July / 6. / Temps de l'Obertura / tiempos de la Abertura / Öffnungszeiten / Heures d'Ouverture / Opening Times / Dimarts-Dijous / Martes-Jueves / Dienstag-Donnerstag / Mardi-Jeudi / Tuesday-Thursday / 12h-18h</p> <p>Eine Putzfrau, die auf den Linoleumböden der Gänge des Bürogebäudes naßglänzende Ornamente schreibt und sich über Gestaltung und Optimierungen Gedanken macht. ›Mein Sohn und ich sind schon abends zusammengesessen und haben überlegt, wieviel Boden man auslassen muß, damit man überhaupt von einem Ornament sprechen kann.‹ </p> <p>Ein Friseur, der, zusätzlich zu den Kunden seines bescheidenen Salons, die Bepflanzung auf der Verkehrsinsel am Platz frisiert; auch um festzustellen ob es einen Unterschied macht.<br /> ›Die alten Leute erzählen mir immer wieder die gleichen Geschichten...und außerdem bin ich gespannt, ob meine Opafrisur auch auf Büsche anwendbar ist.‹ </p> <p>Ein Hausmeister, der, indem er die Hauptsicherung herausdreht, jeden Tag einen Stromausfall nach festgelegtem Ritual inszeniert, um allen Betroffenen etwas Sicherheit zu bieten. ›Wir haben hier im Sommer sowieso öfter plötzliche Stromausfälle weil das Netz überlastet ist. Ich sorge dafür, indem ich meinen vorher ankündige, daß wenigstens einige davon nicht so überraschend kommen.‹ </p> <p>Ein Geschäftsführer, der den Angestellten einen Vortrag über seine Passion, die Zierfischzucht, hält. Erstens damit er sie zukünftig damit in Ruhe läßt und zweitens um seine Kunden zu prüfen. ›Die meisten interessiert das nicht besonders, aber ich freue mich darauf...Und lustig wird das sicher, wenn zwischendurch das Telefon klingelt und wir dem Kunden sagen er solle später nochmal anrufen, weil der Chef einen Vortrag über Zierfische hält.‹ </p> <p>Ein Kurator, der Drogen guter Qualität an die Besucher der Stadt verkaufen will und dabei nicht nur die Kunst meint. ›Der meiste Stoff, der an die Touristen verkauft wird, ist verdammt schlecht; man muss wissen, wo man Gutes für sein Geld bekommt...Drogen dienen ja dem Kontrollverlust, um auf andere Ideen zu kommen oder Neues zu erleben...als der Künstler mit immer mehr Leuten aus dem Haus sprechen und diese einbeziehen wollte, dachte ich an Chaos...Ruediger hat mir einen Vortragstext von John Cage über das Nichts zu lesen empfohlen, der spricht darin von der Kunst als Droge...und jetzt das.‹ </p> <p>Ein Künstler, der, nachdem er ausführlich mit den anderen geredet hat, zusätzlich einige Ausschnitte profaner Abbildungen von Stereotypen sowie eine Arbeit von vor zwölf Jahren zeigt. ›Auch obskure Riten gelten im Allgemeinen als vorbildlich, solange sie hierarchisch strukturierten, normativen Erwartungshaltungen entsprechen. Man kann die, oft aus dem Gefühl der Sicherheit entstehende, Langeweile genießen, indem man ihr nicht mit Unterhaltung im Sinne einer Ablenkung des Problembewußtseins begegnet, sondern dessen Intensität als bescheidenen Anfang des Entkommens aus einer Selbstbeschränkung, welche sicher vor möglicherweise enttäuschenden Erkenntnissen schützt, wirksam werden läßt.‹ </p> <p>A charwoman, who writes wet-shining ornamentations on the linoleum floors of the halls of the office building and is concerned about design and optimizations.<br /> A hairdresser, who, in addition to the customers of his modest salon, fudges the planting on the traffic island at the place; also to determine whether it makes a difference.<br /> A caretaker, who, by unscrewing the main fuse, produces each day a power failure according to a fixed ritual in order to offer some security to all people relevant.<br /> A managing director, who gives the employees a lecture on his passion, the breeding of ornamental fish. First of all to stop annoying them in the future and secondly to test his customers.<br /> A curator, who wants to sell drugs of good quality to the visitors of the city and does not only fancy art hereby.<br /> An artist, who, after he talked much with the others, shows additionally some cutouts of everyday illustrations of stereotypes as well as a work he did 12 years ago.<br /> ›Even obscure rites are considered generally as exemplary, as long as they comply to structured hierarchical, normative expectations. One can enjoy this ennui, often caused by the feeling of security, not by counteracting it with entertainment in the sense of a diverson of problem consciousness, but by letting the intensity of it become effective as a modest beginning of escaping from that self-restraint which surely protects from possibly disappointing perceptions.‹</p> <p>kommende Themen / prochains thèmes / coming topics<br /> RELEASE - DVD-Edition, Works on Video 1991-1999<br /> PUBLICATION - Corporate Cultural Responsibility and Artistic Practice<br /> EXHIBITION - Reduction: Gesture vs. Attitude, NYC</p>
2006-06-21 https://artrelated.net/ruediger_john/memo-intervention-ausstellung-exposition.html https://artrelated.net/ruediger_john/memo-intervention-ausstellung-exposition.html
Mensch Person Gemeinschaft Individuum Kultur Kommunikation Erkenntnis Identität Authentizität
<p>Der Mensch ist ein Lebewesen. Person <em>(lat. persona: Gesicht, Maske)</em> ist Bilder von Rollen für Rituale. Der Mensch ist Person als Ansammlung von Rollenbildern. Eine andauernde Einigung auf Rituale <em>(lat. ritus: vereinheitlichte Handlung)</em> bildet Gemeinschaft. Gemeinschaft ist die verantwortliche Integration des Individuums <em>(lat. individuus: unteilbar)</em> mit der Betonung übereinstimmender Wertigkeiten <em>(lat. valere: schätzen, beurteilen)</em>. Kultur meint die Teilhabe an Gemeinschaft. Der Mensch schafft seine Kultur <em>(lat. cultura: anbauen, pflegen)</em> und ist deren Teil. Kultur macht den Menschen zur Person. Kultur ist ein gesellschaftsspezifisch tradierender <em>(lat. tradere: übergeben)</em> Reflexionsprozess <em>(lat. reflectere: rückbiegen/-beziehen; lat. procedere: fortschreiten)</em> in der Ausdifferenzierung <em>(lat. dif-: auseinander; ferre: tragen/bringen)</em> von Gesellschaft und deren sozialer <em>(lat. socius: Freund)</em> Subsysteme <em>(lat. sub: unter; gr. sun-: zueinander, histanai: angeordnet)</em>. Soziale Reflexionsprozesse sind Kommunikationsprozesse <em>(lat. communicare: teilen)</em>. Kommunikation ist Multilog <em>(gr. multi: viele; logos: Lehre, Meinung)</em> in Kohärenz <em>(lat. cohaerere: zusammenhängen, ergänzen)</em>. Kontakt <em>(lat. con-: zusammen, tangere: berühren)</em> ist die soziale Bedingung für Kommunikation, Wahrnehmung <em>(gr. aisthesis: sinnlich und bewußtes Erfahren)</em> die individuelle Bedingung für Kontakt. Wahrnehmung ist subjektive <em>(lat. subjectus: unterworfen, ausgeliefert)</em> Handlung. Handlung ist individueller Erkenntnisprozess durch Primärerfahrung <em>(lat. primus: zuerst, unmittelbar; en. experience: lat. experiri: versuchen)</em>. Bildung ist der angeleitete individuelle Erkenntnisprozess. Kommunizierte Erkenntnisprozesse sind die Teilhabe an sozialen Reflexionsprozessen. Bildung und Primärerfahrung sind Kulturprozesse als Identitätsbildung. Identität <em>(lat. identitas: das selbe)</em> ist die Fähigkeit zwischen Individuum und Person Vereinbarkeit herstellen zu können. Die Vereinbartheit <em>(en. reconcilability: lat. re-: wieder; conciliare: zusammenbringen)</em> ist Authentizität <em>(gr. authentikos: prinzipiell)</em>. Authentizität ist ein Ideal <em>(lat. idein: sehen)</em>. Ideale sind Abstraktionen <em>(lat. abstrahere: abziehen, ableiten)</em> als kulturell verabsolutierte (kollektiv akzeptierte entrealisierte) Wirklichkeitskonstruktionen für gesellschaftlich sinnstiftende Visionen (Ziel-/Wunschvorstellungen).</p> <p><a href="gemeinschaft-individuum-identitaet.pdf">Mensch - Person - Gemeinschaft - Individuum - Kultur - Kommunikation - Erkenntnis - Identität - Authentizität</a></p>
2006-02-11 https://artrelated.net/ruediger_john/gemeinschaft-individuum.html https://artrelated.net/ruediger_john/gemeinschaft-individuum.html
Globalized Culture, Consumption, and Identity
<h4>»Culture is a collective process of ascribing values generated by cognition. When we behold a thing or idea, we do nothing less than construct an image of it in our minds that is in tune with our way of seeing things. The supposed appreciation of the world around us is always simultaneously a display of our ignorance.« (D. Granosalis)</h4> <h5>Searching for identity through consumption</h5> <p>The modern search for identity is based to a great extent on the acquisition of cultural codes. Due to a surge in the global supply of symbols that serve as substituting signifiers and are reinforced by the constant stimulation of our affects through the media, the consumer creates for him or herself a patchwork identity, made up of fragments stemming from a host of differing cultures. And yet decorating the self with code elements does not mean that culture-specific societal references have been internalized to the point of us feeling a commitment to a given culture. One example is the recent trend in our latitudes of marking the body with so-called „tribal tattoos.“ Such a tattoo does not bring us any closer to the Maori culture, or any other culture, for that matter. Instead, such a tattoo expresses our desire of returning to the archaic and the unconditional.</p> <p>One does not simply become an integral part of a given culture, but rather trends and fads decide on the validity of a person and give proof that one is capable of becoming integrated as an individual. At first glance, this seems to be the more agreeable option. Who wants to cling, or even feel dependent on one thing or idea in our fast-paced, resilient world: even if we truly are dependent. In fact, we are recipients, members of consumer target groups, who perform quasi-religious acts of substitution in the name of cultural self-conception.</p> <p>At the same time, the very act of searching for identity has turned into one of pseudo-individualizing in the desperate attempt of being special and unique. And this, in spite of the fact that all participants in the markets have the exact same palette of products and symbols to choose from. This is where dynamism and resilience come into play, serving as important differentiating and eligibility markers. Forecasting trends, or even setting them, or discovering something exotic is more important than recognizing their levels of meaning and significance within a given social context. Affluent societies produce pseudo-hybrids: style nomads. Also the so-called counter-culture (especially popular culture) which serves us with its many antitheses and is marked by non-conformist behavior, functions as an engine with a mediating nature in regard to identity formation within the economic realm. And it is through this phenomenon that the consumer has internalized a crucial part of the neoliberal value framework, as well as simultaneously seriously maimed the late 18th century revolutionary cry for personal freedom.</p> <p>Postindustrial societies are characterized by their mode of production: it has gone from one based on need to an economy based on want. That is to say that their economies are no longer optimized to fulfill existential needs, but rather to efficiently detect, produce and satisfy consumer wants, since the basic needs of their citizens have already been met. Having taken this approach, economic strategies have gained a special influence on cultural change, role playing patterns and rituals, as well as on how meaning and significance are ascribed. The fetish nature of brands and logos is a telling example of this.</p> <h5>Internationalization</h5> <p>At the same time, economic internationalization exports these standards, which are equal to that of a cultural imperialism, especially to nations and cultures that have already been hurt by colonialism. This often causes even greater dependence, since it, on the one hand, leads to an asymmetry in the markets and, on the other hand, because rigid power relations set in: a neocolonial process, so to speak. Big development projects, for instance, such as those coordinated by the World Bank are often nothing more but a diversion of the subsidies granted to receiving countries to the benefit of the economies of the giving countries. They fail to take the specific dynamics of the countries on the receiving end into account, or assess the kind of impact they have on them. Really sustaining developmental aid to support the domestic economic development, such as granting micro-loans, is rare: this kind of aid would actually help lead the receiving countries to independence.</p> <h5>Free Trade</h5> <p>The doctrine which asserts that free trade ultimately will lead to wealth from which everyone will benefit, fails to contend that only a cohesive, secure and legal framework -- which is based on social development -- is capable, under the control of law, of equalizing power relations. Furthermore, emerging markets and economically weak nations have never been able to develop by immediately switching to a free market. It is ensued only through balanced protectionist policies and through the strengthening of their domestic markets. The United States and China have done this, and continue to do so. As have Ireland, in Europe, and up into the 1980s, this was to a great extent the case in Japan.</p> <h5>Economized Globalization</h5> <p>Globalized competition is not open and not equal. The national trade barriers set by powerful nations deny emerging nations market access, especially those countries whose chief commodities are agricultural or raw-materials. The sweatshop conditions that can be seen in the textile industry in Bangladesh, for example, are a result of one-sided developmental aid to this industry, coupled with cost-efficient-oriented outsourcing projects initialized by Western corporations. And in China, the devastating effects on the environment, and the lacking labor protection laws persist because the commodities produced there for export are not subject to the same environmental and ethical codes which are enforced in central Europe. The early capitalistic feudal structures that can be seen in India are supported by two fatal supplements: the caste system and an elite that has been educated internationally.</p> <p>Since legal order within societies is defined on a state level, multinational corporations use their mobility to evade balancing legal and ethical responsibilities. In addition, international trade transactions are not regulated in a way so that many or even everyone can participate equally, but rather are governed by processes of monopoly formation, a phenomenon which Adam Smith and John Maynard Keynes, often misappropriated as leaders of neoliberal aims, have called great dangers and „an evil“. Companies and persons that are mobile and less anchored to a nation state make greater (short-term) profits than those with fixed locations of business. Under such circumstances, capital has the greatest degree of mobility and its flow requires the least amount of self-liability in regard to ensuring economic and ecologic sustainability and social responsibility. This is also due to the fact that capital is perceived as dematerialized property and productive force sui generis. Shareholders do not feel like property owners with obligations, but like capital lenders in a permanent state of transit.</p> <h5>Globalization and Community</h5> <p>The process of globalization does not induce development and security of personal freedom and safety, nor does not define its value system nationally, yet still remain binding. It also does not promote the sanctioning power of international law to govern human behavior. On the contrary, those developments which are shaped by culture and need to be addressed politically lag behind those of an economical and technological nature.</p> <p>The lack of decisive collaboration within large political cultural areas and nation-states in regard to their obligation to represent the interests within a given community blocks the pursuit of beneficial outcomes along three dimensions: economic, social and environmental parameters (triple bottom line), and hinders the creation of a foundation upon which sustainable and resource-conscious assessments can be made. The involvement of political and economic decision-making structures supports the short-term-oriented and one-sidedness of growth paradigms, since it takes a reductionistic view of economic actions.</p> <p>At the same time, consumer behavior focused on the particular interests of each individual, following the ideology that everyone has the right to own without being required to integrate, hinders that value-based conduct can become a principle within a cultural context. Commercial interests emphasize that each and every consumer is particular and autonomous, but at the same time suggests just how powerless the individual is and how limited his or her freedom of choice is: despite the fact that humanity once set out to achieve freedom. More often than not, this type of dependence is not perceived as such, since people are conditioned to be content with conforming to cultural codes as a means of expressing their socially compatible roles.</p> <p>When, for instance, an investment banker participating in the World Economic Forum announces, »If you have four good friends and like what you do, it doesn’t matter where you live«, he expresses, first and foremost, just how limited his neoliberal understanding of community and culture really is, although his own identity has been shaped by an intact community with collective memory and traditions, such as a legal and educational system, from which he has benefited. If everyone were to draw solely on his or her circle of friends and never develop a feeling of responsibility for his or her social environment, content with merely personal business successes, there would be no modern, innovative, society balancing the individual risks and a division of labor serving as a cultural community: at best, clan-like structures with ever-changing loyalties would evolve.</p> <h5>Cultural crisis</h5> <p>Globalization is not the problem as such, in the same way that capitalistic patterns of practice are not either. The real problem is that cultures lack the strength to cultivate and enforce values outside of economic norms and widen their transnational scope successfully. Globalization enhances a cultural crisis. „Culture“ is not referred to here as a mere cultural branch, which offers an array of entertainment from pure spectacle to modern free time pleasures. Simply put, culture is a society-dependent, tradition-based, cognitive and value-building ritual and reflection canon. It creates a commitment (in attitude and behavior) to values as conditio sine qua non in regards to ethics and morals, and laws and regulations ensue. In individuals, it also creates the cognitive ability in dealing with complexity, which is essential to the existential and personal search for identity and freedom: both are crucial requirements for democracy.</p> <p><a href="Globalized-Culture.pdf">Globalized Culture, Consumption, and Identity</a></p>
2006-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/globalized-culture.html https://artrelated.net/ruediger_john/globalized-culture.html
Globalisierte Kultur und Konsumidentitäten
<h4>»Kultur ist ein gemeinschaftlicher Prozess des Wertens im Wahrnehmen. Wenn wir den Blick auf etwas werfen, konstruieren wir nicht weniger als ein Abbild passend unseren Vorstellungen. Das angebliche Erkennen unserer Umwelt ist dabei zugleich die Schau unserer Beschränktheit.« (D. Granosalis)</h4> <h5>Konsumorientierte Identitätssuche</h5> <p>Moderne Identitätssuche basiert zu einem Gutteil auf der Aneignung kultureller Codes. Aus einem zunehmend globalisierten Angebot an Symbolen als stellvertretende Bedeutungsträger und verstärkt durch eine permanente mediale Anregung unserer Affekte bildet sich der Konsument eine Patchworkidentität aus Fragmenten unterschiedlichster Kulturen. Die Ornamentierung der eigenen Person mit Codeelementen ist jedoch nicht gleichbedeutend mit der Aneignung kulturspezifischer sozialer Bezüge als Verpflichtungen. Ein Beispiel ist der in unseren Breitengraden momentan sehr präsente Trend, sich mit sogenannten ›Tribal‹ Tattoos auszustatten - diese bringen uns nicht einer Maori- oder anderen Kultur nahe, sondern sind vielmehr Ausdruck eines Rückbezugs zu Archaischem mit dem Wunsch nach Unbedingtheit.</p> <p>Man wird nicht integraler Teil der jeweiligen Kultur, sondern Moden bestimmen die Validität von Personen und die Integrationsfähigkeit von Individuen. Das scheint zunächst auch angenehmer, denn wer will sich in einer schnellebigen, flexibilisierten Welt festlegen oder gar abhängig fühlen - auch wenn er es tatsächlich ist, nur nun eben als Adressat einer Zielgruppe im Konsumieren als quasi-religiöse Ersatzhandlung kulturellen Selbstverständnisses.</p> <p>Zugleich gerät die Suche nach Identität zu einer Pseudoindividualisierung im verzweifelten Verlangen besonders und einzigartig zu sein, obgleich sich alle des gleichen Waren- und Symbolangebotes bedienen. So wird Dynamik und Flexibilität zu einem wichtigen Unterscheidungs- und Qualifizierungsmerkmal - Trends rechtzeitig wahrzunehmen oder gar zu setzen und Exotisches aufzufinden ist wichtiger als deren Sinn- und Bedeutungsebene im eigenen gesellschaftlichen Kontext zu erkennen. Affluente Gesellschaften bringen Pseudo-Hybride hervor - Stilnomaden. Auch Antithesen als sogenannte Gegenkultur, insbesondere das populäre subkulturelle, nichtkonforme Verhalten, sind mittelbar Motoren der Identitätsbildung in ökonomisierten Bahnen. Damit hat der Konsument einen grundlegenden Teil des neoliberalen Wertegerüsts zum eigenen gemacht und zugleich die Ende des 18. Jahrhunderts revolutionäre Forderung nach persönlicher Freiheit wesentlich verstümmelt.</p> <p>Postindustrielle Gesellschaften kennzeichnet die Entwicklung von einer bedarfskonzentrierten Produktion zu einer bedürfnisorientierten Ökonomie, also einer Wirtschaft die nicht mehr darauf optimiert werden muß existentiell Notwendiges zu erzeugen da die Grundversorgung gesichert ist, sondern sich effizient auf das Erkennen und Erzeugen von Verbraucherbedürfnissen und deren Befriedigung ausrichtet. Durch diese Orientierung nehmen ökonomische Strategien besonderen Einfluß auf kulturelle Entwicklungen, Rollenmuster und Rituale, sowie Sinn- und Bedeutungszuschreibungen; der Fetischcharakter von Marken und Logos ist beispielhafter Ausdruck dieser.</p> <h5>Internationalisierung</h5> <p>Die wirtschaftliche Internationalisierung exportiert zugleich diese Standards gleich eines Kulturimperialismus in, insbesondere bereits kolonialzeitgeschädigte, Länder und Kulturen. Sie verstärkt damit oftmals die Abhängigkeit, da zugleich die Asymmetrie der Märkte und Machtverhältnisse zementiert werden - gleichsam eine neokoloniale Entwicklung. Große Entwicklungshilfeprojekte beispielsweise, koordiniert durch die Weltbank, sind oftmals nichts weiter als Umwegsubventionierungen der Wirtschaft der Geberländer und berücksichtigen zu wenig Gegebenheiten und Auswirkungen im Empfängerland. Tatsächlich nachhaltige Aufbauhilfe, wie die Förderung von Binnenwirtschaftsentwicklungen mittels Mikrokrediten, findet nur in geringer Weise statt - diese würde die Empfängerländer in die Unabhängigkeit führen.</p> <h5>Freier Handel</h5> <p>Die Doktrin, daß freier Handel letztlich zum Wohlstand aller führt, vernachlässigt in ihrer Behauptung, daß nur ein einheitlicher, gesicherter rechtlicher Rahmen - und dieser basiert eben auf sozialen Entwicklungen - Machtverhältnisse ordnungspolitisch ausgleichen kann. Zudem haben sich entstehende Märkte und ökonomisch noch schwache Nationen nie durch den sofortigen Freihandel weiterentwickelt, sondern durch kontrollierte Abschottung und Stärkung des Binnenmarktes - Amerika hat dies so getan und tut es immer noch, China ebenso, Irland im europäischen Rahmen, Japan intensiv bis in die 80er Jahre.</p> <h5>Ökonomisierte Globalisierung</h5> <p>Der globalisierte Wettbewerb ist kein offener und gleichberechtigter. Nationale Handelsschranken der mächtigen Nationen verhindern den Marktzutritt insbesondere der durch landwirtschaftliche Produktion oder Rohstoffressourcen geprägten Schwellenländer. Beispielsweise ist der menschenverachtende Textilmarkt in Bangladesh Folge der einseitigen Aufbauhilfe für diese Branche, gekoppelt mit kosteneffizienzorientierten Outsourcingprojekten der westlichen Wirtschaft; die desaströse Umweltbilanz und die fehlenden Mitarbeiterrechte in China haben Bestand, weil man dort produzierte Exportwaren nicht dem gleichen ökologischen und ethischen Kodex unterwerfen will, wie er in Zentraleuropa verbindlich ist; die frühkapitalistischen Feudalstrukturen in Indien basieren auf einer fatalen Ergänzung von Kastensystem einerseits und international ausgebildeter Elite.</p> <p>Multinational operierende Unternehmen nutzen ihre Mobilität um beschränkenden, rechtlichen und ethischen Verpflichtungen zu entgehen, denn legale Ordnungen in Gesellschaften sind nationalstaatlich definiert. Der Welthandel ist zudem nicht durch eine ausgleichende Teilhabe Vieler oder gar Aller, sondern durch Monopolbildungsprozesse bestimmt, ein Phänomen, welches die zu neoliberalen Leitfiguren mißbrauchten Adam Smith und John Maynard Keynes als große Gefahren und ›Übel‹ bezeichnet haben. Die mobilen und wenig national verankerten Unternehmen und Personen profitieren (kurzfristig) gegenüber den standortgebundenen; Kapital hat dabei die höchste Mobilität und dessen Handelsströme die geringste Selbstverpflichtung zu Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung, auch weil Kapital als entmaterialisiertes Eigentum und Produktivkraft sui generis wahrgenommen wird. Shareholder fühlen sich nicht als Eigentümer mit Verpflichtung, sondern als Kapitalleihgeber in permanentem Transit.</p> <h5>Globalisierung und Gemeinschaft</h5> <p>Anstatt daß der Prozess der Globalisierung die Entwicklung und Sicherung der persönlichen Freiheit und Unversehrtheit bewirkt, Wertesysteme nicht mehr nationalstaatlich definiert und trotzdem als verbindlich angesehen werden und ein sanktionierbares internationales Recht das Handeln bestimmt, hinken diese, kulturell geprägten und politisch verantworteten, Entwicklungen den ökonomischen und technologischen hinterher.</p> <p>Das fehlende entschieden kooperative Handeln der großen politischen Kulturräume und Nationalstaaten im Sinne ihres Interessenvertretungsauftrages einer Gemeinschaft verhindert die Gleichstellung ökologischer, sozialer und ökonomischer Kriterien (triple bottom line) als Basis einer nachhaltigen und resourcenbewußten Bilanzierung. Die Verflechtung zwischen politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsstrukturen fördert die auf Kurzfristigkeit und einseitig auf das Wachstumsparadigma angelegte reduktionistische Sichtweise ökonomischen Handelns.</p> <p>Zugleich verhindert ein an Partikularinteressen orientiertes konsumistisches Verhalten des Einzelnen mit der Ideologie der Teilhabe an Allem und der Integration in Nichts die Verankerung eines wertebasierten Handelns als Haltung durch kulturelle Kontextualisierung. Die werbewirtschaftliche Betonung der Individualität und Unabhängigkeit jedes einzelnen Konsumenten suggeriert diesem zugleich Machtlosigkeit und beschränkte Entscheidungsfreiheit - dabei war er losgezogen, ebendiese Freiheit zu erlangen. Doch oftmals nimmt er diese Unfreiheit gar nicht mehr als solche wahr, da er konditioniert ist, sich mit der Ausstattung kultureller Codes zum Repräsentieren sozial kompatibler Rollen zu begnügen.</p> <p>Wenn beispielsweise ein am World Economic Forum teilnehmender Investmentbanker sagt »Wenn du vier gute Freunde hast und magst was du tust, spielt es keine Rolle wo du lebst.« zeigt dies vor allem sein neoliberal verkürztes Verständnis von Gemeinschaft und Kultur, obgleich er selbst von intakten Gesellschaften mit kollektivem Gedächtnis und Traditionen, als auch Rechts- und Bildungssystem in seiner Identitätsfindung geprägt wurde und davon profitiert hat. Wenn sich jeder nur auf seinen Freundeskreis beziehen und keine dauerhafte Verantwortung für sein Lebensumfeld entwickeln würde und bereits mit dem persönlichen geschäftlichen Erfolg zufrieden wäre, gäbe es keine moderne, arbeitsteilige, innovative, risikonivellierende Gesellschaft als kulturelle Gemeinschaft - sondern bestenfalls Stammesstrukturen mit wechselnden Loyalitäten.</p> <h5>Kulturelle Krise</h5> <p>Die Globalisierung an sich ist also nicht das Problem, ebenso nicht kapitalistische Handlungsmuster, sondern die fehlenden Kräfte der Kulturen, wertebildend außerhalb ökonomischer Normierungen transnational wirksam und durchsetzungsfähig zu sein - Globalisierung verstärkt eine kulturelle Krise. ›Kultur‹ ist dabei nicht mit einer Kulturbranche als Angebotspalette von Spektakeln zur modernen Freizeitgestaltung zu verwechseln. Vereinfacht gesagt, wird sie verstanden als gesellschaftsspezifisch tradierender, erkenntnis- und wertebildender Ritual- und Reflexionskanon. Dieser entwickelt die relative Verbindlichkeit (Haltung) von Werten als conditio sine qua non für Ethik, Moral und den daraus resultierenden Gesetzen und Regeln und erzeugt die Wahrnehmungsfähigkeit im Umgang mit Komplexität zur existentiellen Absicherung persönlicher Identitätsfindung und Freiheit - basale Voraussetzungen für Demokratie.</p> <p><a href="Globalisierte-Kultur.pdf">Globalisierte Kultur und Konsumidentitäten</a></p>
2006-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/globalisierte-kultur.html https://artrelated.net/ruediger_john/globalisierte-kultur.html
Family Values, Familienwerte, Valeurs de famille, Valores de la familia
<p><img src="family-values07.jpg" alt="Family Values - Installative interventions in private residences as a situative aesthetic approach on micro-politics in social subsystems" title="Family Values - Installative interventions in private residences as a situative aesthetic approach on micro-politics in social subsystems" /></p> <p><img src="family-values06.jpg" alt="Family Values - Installative interventions in private residences as a situative aesthetic approach on micro-politics in social subsystems" title="Family Values - Installative interventions in private residences as a situative aesthetic approach on micro-politics in social subsystems" /></p> <p><img src="family-values05.jpg" alt="Family Values - Installative interventions in private residences as a situative aesthetic approach on micro-politics in social subsystems" title="Family Values - Installative interventions in private residences as a situative aesthetic approach on micro-politics in social subsystems" /></p> <p><img src="family-values04.jpg" alt="Family Values - Installative interventions in private residences as a situative aesthetic approach on micro-politics in social subsystems" title="Family Values - Installative interventions in private residences as a situative aesthetic approach on micro-politics in social subsystems" /></p> <p><img src="family-values03.jpg" alt="Family Values - Installative interventions in private residences as a situative aesthetic approach on micro-politics in social subsystems" title="Family Values - Installative interventions in private residences as a situative aesthetic approach on micro-politics in social subsystems" /></p> <p><img src="family-values02.jpg" alt="Family Values - Installative interventions in private residences as a situative aesthetic approach on micro-politics in social subsystems" title="Family Values - Installative interventions in private residences as a situative aesthetic approach on micro-politics in social subsystems" /></p> <p><img src="family-values01.jpg" alt="Family Values - Installative interventions in private residences as a situative aesthetic approach on micro-politics in social subsystems" title="Family Values - Installative interventions in private residences as a situative aesthetic approach on micro-politics in social subsystems" /></p> <p>Installative interventions in private nyc residences as a situative aesthetic approach on micro-politics in social subsystems. </p> <p>At five venues in New York City, Manhattan (Upper East Side, Chelsea, Midtown, Greenwich Village, Hells Kitchen)<br /> Tuesday, September, 19th to Monday, September, 25th 2006 </p> <p>&quot;- Ever been to a private dwelling at Upper East Side, perhaps to one with a magnificent view on Central Park and a porch appropriate to the social position of its inhabitants? It might look like a pleasure to live there at first, but you shouldn't judge too easily. The remnants of familiy traditions fill as furniture actually generous town lofts and are often accompanied by newer objects made to look alike; or interior designers have left undeniable traces in a permanent race to compete in what is representative and socially indispensable. But more things linger in the heads of some old-established family bonds, network of relatives, not to mention the neighbours - among them some stories you don't want to know and topics you should better not come up with. But let's have a look just at the furnishing and see what we can do about that...&quot; </p> <p>Along with an ongoing conversation with the inhabitants, the artist Ruediger John altered furnishings and interior design elements within the residences, added objects and parts to camouflage or as situative emphasises - according to his aesthetic approach of artistic work. Focused details by taking photos will become part of the permanently exhibited art. </p> <p>This exhibition is part of a week-long series of events and meetings referring to the european turn-of-the-century intellectual salon culture. Curated by Paul Kovac, in five private spaces an invited audience will meet, participate, discuss and enjoy exhibited works of art, literature and music, performances and presentations. To be visited by invitation only.</p> <p>Ruediger John, New York City 2006</p>
2006-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/family-values.html https://artrelated.net/ruediger_john/family-values.html
Human being, Person, Community, Individual, Culture, Communication, Cognition, Identity, Authenticity
<p>A human being is a living creature. A person <em>(lat. persona: face, actor’s mask)</em> represents images of roles in ceremonial rites. A human being is a person as a personage with an accumulation of masks. Community is formed when there is a continuing agreement on rituals <em>(lat. ritus: a uniformed form or manner governing actions)</em>. Community is the responsible integration of individuals <em>(lat. individuus: indivisible)</em>, with a focus on shared values <em>(lat. valere: estimate, judge)</em>. Culture means participation in a community. Human beings create and are a part of their culture <em>(lat. culturare: to foster, care)</em>. Culture makes a human a person. Culture is a reflective process <em>(lat. reflectere: to bend/correlate back; lat. procedere: to go forward)</em> specific to every community ensuing traditions <em>(lat. tradere: to deliver, betray)</em> and serving to differentiate <em>(lat. dif-: set apart; ferre: to carry)</em> its society and its social <em>(lat. socius: companion)</em> subsystems <em>(lat. sub: under, below; gr. syn-: together; histanai: to place, cause to stand)</em>. The processes of social reflection are processes of communication <em>(lat. communicare: to share)</em>. Communication is a coherent <em>(lat. cohaerere: to relate, adhere)</em> multilogue <em>(gr. multi: many; logos: studies, discourse, opinion)</em>. Contact <em>(lat. con-: together; tangere: to touch)</em> is a social prerequisite for communication, and perception <em>(gr. aisthesis: conscious sensory experience)</em> is an individual prerequisite for contact. Perception is a subjective <em>(lat. subjectus: to subdue, being under authority)</em> action. Action is the result of the individual process of cognition through primary experience <em>(lat. primus: basic, primary, direct; lat. experiri: to try)</em>. Education is the guided individual process of gaining knowledge. Communicated processes of cognition are the participation in processes of social reflection. Education and primary experience are cultural processes which form identity. Identity <em>(lat. identitas: sameness)</em> is the ability to reconciliate the individual and the person. Consistency <em>(lat. conciliare: to unite, stand firm)</em> is authenticity <em>(gr. authentikos: original, as a matter of principle)</em>. Authenticity is an ideal <em>(lat. idein: to see)</em>. Ideals are abstractions <em>(lat. abstrahere: to drag away, to deduce)</em> as cultural absolutes and are (collectively accepted and derealized) constructs of reality providing a society with meaningful common dreams and visions (objectives and wishful thinking).</p> <p><a href="community-individual-identity.pdf">Human being - Person - Community - Individual - Culture - Communication - Cognition - Identity - Authenticity</a></p>
2006-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/community-individual.html https://artrelated.net/ruediger_john/community-individual.html
Privates Sehen - Beobachtungen und Interventionen in unterschiedlichen sozialen Milieus
<p><img src="bisoziation09.jpg" alt="PRIVATES SEHEN, Bisoziation" title="PRIVATES SEHEN, Beobachtungen und Interventionen in unterschiedlichen sozialen Milieus" /></p> <p><img src="auswertung02.jpg" alt="PRIVATES SEHEN, Beobachtungen und Interventionen in unterschiedlichen sozialen Milieus" title="PRIVATES SEHEN, Beobachtungen und Interventionen in unterschiedlichen sozialen Milieus" /></p> <p><img src="reader-erstellen12.jpg" alt="PRIVATES SEHEN, Beobachtungen und Interventionen in unterschiedlichen sozialen Milieus" title="PRIVATES SEHEN, Beobachtungen und Interventionen in unterschiedlichen sozialen Milieus" /></p> <p><img src="einleitung03.jpg" alt="PRIVATES SEHEN, Beobachtungen und Interventionen in unterschiedlichen sozialen Milieus" title="PRIVATES SEHEN, Beobachtungen und Interventionen in unterschiedlichen sozialen Milieus" /></p> <p><img src="gespraech04.jpg" alt="PRIVATES SEHEN, Beobachtungen und Interventionen in unterschiedlichen sozialen Milieus" title="PRIVATES SEHEN, Beobachtungen und Interventionen in unterschiedlichen sozialen Milieus" /></p> <p><img src="reader-erstellen11.jpg" alt="PRIVATES SEHEN, Beobachtungen und Interventionen in unterschiedlichen sozialen Milieus" title="PRIVATES SEHEN, Beobachtungen und Interventionen in unterschiedlichen sozialen Milieus" /></p> <p><strong>Universität der Künste Berlin, Institut für Kunst im Kontext</strong><br /> <strong>Explorativer Workshop 18. Juli - 20. Juli 2005, mit Ruediger John</strong></p> <p>Bei Aufenthalten in verschiedenen gesellschaftlichen Kontexten und sozialen Vergemeinschaftungen sind jeweilig typisierende Eigenschaften, Rituale und Codes gültig. Ausgehend von einer, im Gespräch getroffenen, Auswahl an Milieus und Orten, werden aus künstlerischer Perspektive Wechselwirkungen/Wirkprinzipien, Relationen zwischen Betrachtenden und Betrachteten, Massen- und Machtverschiebungen etc. in Momenten der Sozialisation als subjektive Recherche an mehreren Orten untersucht (Exkursionen) und Interventionen (spontan szenisch agierend oder geplant gestaltend) als Handlungsoptionen gemeinsam entwickelt und experimentell erprobt. Ergebnisse, Aufzeichnungen und Feststellungen aus diesen Maßnahmen werden zusammengestellt und dokumentiert.</p> <h5>Zeitplan:</h5> <p>/ 1. Tag - Einführendes Statement, Diskurs und Mindmapping, Planung und Vorbereitungen; 2. Tag - Exkursionen in Teams, Dokumentation; 3. Tag - Exkursionen in Teams, Auswertung, Abstraktion, Ergebnissicherung/Urteil</p> <h5>Organisatorisches:</h5> <p>Wir haben, mit drei Tagen, für dieses Programm ein knappes Zeitbudget, so daß Ergebnisse wohl fragmentarisch bleiben werden - das sollte aber nicht von Engagement abhalten, da Erarbeitetes eine Vorlage für weitere Aktivitäten bilden könnte.</p> <h5>Literaturliste:</h5> <p>Wittgenstein, Ludwig: »Tractatus logico-philosophicus«, Edition Suhrkamp, 1963<br /> Agamben, Giorgio: »Die kommende Gemeinschaft«, Merve 2003<br /> Agamben, Giorgio: »Ausnahmezustand«, Suhrkamp 2004<br /> Sloterdijk, Peter: »Die Verachtung der Massen«, Suhrkamp 2000<br /> Foerster, Heinz von: »KybernEthik«, Merve 1993<br /> Latour, Bruno: »Wir sind nie modern gewesen«, Fischer Frankfurt 1998<br /> Watzlawick, Paul: »Die erfundene Wirklichkeit«, Piper 2002<br /> Canetti, Elias: »Masse und Macht«, Fischer Frankfurt 1960<br /> Thoreau, Henry David: »Resistance to Civil Government«, div.<br /> Machiavelli, Niccolo: »Discorsi«, div.</p> <p>Teilnehmende:<br /> Monika Rechsteiner, Yurie Ido, Marina Landia, Petra von den Berg, Rüdiger Schlömer, Mirya Gerardu, Despina Stokou, Ella Hering, Barbara Müller, Iwona Dubiel</p>
2005-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/privates-sehen.html https://artrelated.net/ruediger_john/privates-sehen.html
Erweiterte Erkenntnisfähigkeit durch kulturelle Kontextualisierung - Der Künstler als Coach und Consultant in Unternehmen - Kriterien und Ansätze einer kritisch-ästhetischen Praxis
<p>Neben einem vornehmlich auf den klassischen Kunstmarkt abzielenden Kunstschaffen beginnt sich eine gesellschaftsorientierte, interventionistische, prozessuale Kunst zu manifestieren.1 Außerhalb der gängigen Funktionen als gehobene Freizeitgestaltung oder als Mittel der sozialen Abgrenzung und Repräsentation von Macht, stellt sich die Systemische Kunst in einen anderen Kontext zu Gesellschaft und Kultur, erschließt mit erweiterten Qualifikationen Handlungsfelder zur kritischen Bearbeitung mit ästhetischen Mitteln und unterstützt beispielsweise auch in der Auseinandersetzung mit Unternehmen deren kulturelle Entwicklung, besetzt dabei neue Handlungsfelder, erfordert aber auch andere Kooperationsformen.</p> <h5>Unternehmen als Mikrogesellschaften – Wertebildung und Erkenntnisfähigkeit</h5> <p>Vereinfacht kann man sich »ein Unternehmen als Mikrogesellschaft vorstellen – eine Organisation (genauer: ein System), die in wesentlichen Elementen selbstreferentiell Kontingenz erzeugt, das heißt, sich als strukturiert (effizient), kompatibel (interaktionsfähig) und notwendig (effektiv), und damit gesellschaftlich kongruent erachtet. Wie in der Gesellschaft als ganzes, sind wesentliche Handlungen ritualisiert und Kriterien der Wahrnehmung und Wertung kollektiviert.«2</p> <p>Wie jedes autopoietische System tendiert auch das System »Unternehmen« zu einer Entkoppelung, so dass in einem Unternehmen die Wahrnehmung auf Kriterien der Wirtschaft vereinfacht, das Handeln nur noch begrenzt reflektiert wird und damit nur eingeschränkt erkenntnis- und interaktionsfähig ist (u.a. bis hin zur mangelnden gesellschaftlichen Integrationsfähigkeit und fehlender Wettbewerbstauglichkeit) oder dass sich Kriterien, Normen und resultierende Handlungen ergeben, die innere Strukturen (u.a. Verantwortungsbereiche, interne Kommunikation) unbewusst negativ beeinflussen. Ein Unternehmen im Wettbewerb, das existentiell Obsoletes leistet (Bedürfnisorientierung), benötigt eine hohe Erkenntnis- und Kommunikationsfähigkeit. Diese entsteht in der Bezugnahme der unternehmerischen Tätigkeit zu kulturellen Wertebildungsprozessen, gesellschaftlicher Kommunikation und Interaktion – bedarf also einer (bewussten) Kontextualisierung des Unternehmens mit Gesellschaft und kann sich nicht einfach auf die Optimierung von Produkten oder Herstellungsprozessen beschränken.3 Entscheidend dabei ist, dass Reflexionsarbeit nur in der Differenzierung von Kontexten stattfinden kann, also in der differenzierenden Bewertung (Kritik4) von Beschreibungen (Konstruktionen) von Wirklichkeit5 – sonst ist sie autistisch (operativ geschlossen).</p> <h5>Wertebasiertes/systemisches Coaching und kritisch-ästhetisches Coaching</h5> <p>Trotz dieser Erkenntnis setzen sogenannte wertebasierte oder systemische Coachings in Unternehmen erst innerhalb der Hierarchien und Organisationsstrukturen des Unternehmens an. Hierbei zeigt sich deutlich, dass die Definition des Begriffes »Wert« verschwommen und oftmals eher »Interessen« oder »Qualifikation« gemeint ist. Denn tatsächlich sind »Werte« soziale Konstruktionen, gleich ob in einer Gesellschaft oder im Subsystem Unternehmen; können also nicht schlüssig unter Ausschluss von kulturellen Kategorien thematisiert werden – will man nicht ›Werte-Inseln‹ in einem Unternehmen verstärken und die gesellschaftliche/kulturelle Anschlussfähigkeit unterminieren.6</p> <p>Das ›kritisch-ästhetische Coaching‹7 als eine Form der Systemischen Kunst relativiert und assoziiert kulturelle und gesellschaftliche Kriterien mit denen des jeweiligen Unternehmens auf kritische Weise und bedient sich hierbei ästhetischer8 Herangehensweisen. So werden nicht einfach nur innerhalb des Unternehmens und in der Ergebnisorientierung eines Auftrages Fragen der Motivation für Handeln und Ursachen für Verhalten thematisiert, sondern es werden Relationen zwischen Wahrnehmungskontexten und Bedeutungs- und Wertefragen als Anstoß für eine Erkenntnisarbeit in sinnhafter Orientierung erarbeitet. Diese ermöglichen erst eine differenzierte Reflexion und Erkenntnis und deren dauerhafte Verankerung. Kunst wirkt dabei, anders als Erklärungsmodelle und Formalisierungen aus Wirtschaft und Wissenschaft, nicht vereinfachend und damit einschränkend in der Wahrnehmung und Reflexion (die Wirtschaftswissenschaften gehen, wie die Naturwissenschaften, reduktionistisch vor), sondern ermöglicht einen indirekten Eindruck von Komplexität oder erstellt einen Verweis auf diese und schafft die Eventualität einer Primärerfahrung.9</p> <p>Kritisch-ästhetisches Coaching und Systemische Kunst sind dabei nicht auf das Unternehmensumfeld beschränkte künstlerische Tätigkeiten – im Gegenteil, ist systemisches Arbeiten immer in einem erweiterten, gesellschaftlichen Kontext zu verstehen, so dass der so reflektierende Künstler sowohl selbstverständlich Teilnehmender in der Ausdifferenzierung des Kunstsystems und dessen Formen der Alltagspraxis, aber vor allem auch ›Grenzgänger‹ (im Sinne einer Beobachtung zweiter Ordnung) ist.</p> <h5>Prozessuales künstlerisches Arbeiten – Systemische Kunst</h5> <p>»Künstlerische Tätigkeit, die mittels Abstraktion und Assoziation kritisch-ästhetisch Bedeutungen und Wertekontexte differenziert, definitorisch in der Kommunikation und Kontextualisierung arbeitet und auf eine Wirksamkeit auf gesellschaftliche Subsysteme abzielt, der Künstler also auf der Handlungsgrundlage einer prozesshaft reflektierten Haltung Medien zur Form-/Objekt-/Bildfindung nicht als Ausdruck, sondern zur Realisation einer Idee/eines Zieles als Anschauung mit politischer10 Relevanz gestaltet, nenne ich ›Systemische Kunst.‹«11 Vereinfacht gesagt: Systemische Kunst verzichtet oftmals auf die Schaffung von Objekten zugunsten einer Strategie der sozialen Konstruktion von Situationen, welche nicht explizit auf das Kunstsystem, sondern auf die Komplexität der Interaktionen der Bezugssysteme abzielen.</p> <h5>Kulturbegriff und Horizont unternehmerischen Handelns</h5> <p>Den Wahrnehmungs- und Erkenntnishorizont systemisch auf die gesellschaftliche Einbettung eines Unternehmens (das heißt auch dessen Abhängigkeit von einer intakten Gesellschaft) hin zu erweitern, gelingt nur unter Bezugnahme auf kulturelle Aspekte. ›Kultur‹ ist dabei nicht mit einer Kulturbranche als Markt oder einer veranstaltungsorientierten Freizeitbeschäftigung zu verwechseln. Vereinfacht gesagt, wird sie verstanden als gesellschaftsspezifisch tradierender, erkenntnis- und wertebildender Ritual- und Reflexionskanon, quasi als ›Vertrag über Verbindlichkeiten von Bedeutungen und des gegenseitigen Umgangs‹. </p> <p>Nur innerhalb einer ›kultivierten Gesellschaft‹ (populär gesprochen), das heißt der relativen Verbindlichkeit (Haltung) von Werten als conditio sine qua non für Ethik, Moral und den daraus resultierenden Gesetzen und Regeln, können Unternehmen existieren (einfaches Beispiel: Verträge können nur dann sinnvoll geschlossen werden, wenn deren Verbindlichkeit allgemein akzeptiert ist).</p> <p>Unternehmerisches Handeln (oder Wirtschaft als Subsystem), das eine gesellschaftliche Integration und kulturelle Entwicklung verneint, ist nicht erkenntnisfähig und entzieht sich die eigene zukünftige Basis (agiert also nicht kulturell nachhaltig). Klar ist dabei, dass kurzfristige und marketingorientierte Betrachtungszeiträume (wie eine Aktienkursperformance) keine adäquaten Handlungsoptionen entstehen lassen, weil sie beispielsweise eine generationenübergreifende gesellschaftliche Entwicklung nicht im Fokus haben, aber auch weil die angelegten Kriterien der Bewertung reduktionistisch und deshalb ›nur bedingt wahr sind‹.</p> <p>Das wirtschaftliche Handeln in der Ideologie des ›Neoliberalismus‹ offenbart darin besonders eine Reflexionslücke – vernachlässigt sie doch die Biografie der Kultivierung (Subjektbildungsprozess/Sozialisation) der selbst so Handelnden und ist damit nicht nur reduktionistisch wahrnehmend, sondern zugleich gesellschaftlich destruktiv tätig.</p> <p>Aus der Perspektive von Unternehmern gesprochen lautet also die Frage: Wie mache ich mir im alltäglichen Wirtschaftsleben persönliche Betroffenheit (Verantwortung) und die Komplexität des Handelns im gesellschaftlichen Kontext (kulturelle Nachhaltigkeit) klar, und wie können kulturelle Kriterien Teil des ritualisierten unternehmerischen Handelns (Alltag) und der Erkenntnisarbeit sein?</p> <h5>Künstlerisches Handeln als kritisch-ästhetisches Coaching</h5> <p>Eine Eigenschaft im künstlerischen Coachingansatz ist die Wirkung auf den Unternehmensalltag, die Anwendung ästhetischer Kriterien auf die täglichen Routinen und Rituale in der Wirtschaft. Erzeugt wird also eine aktive, phänomenologische Auseinandersetzung mit den Unterschieden, Ergänzungen, Kriterien und Wertesystemen der beiden Gesellschaftsbereiche. Mit dieser Konfrontation können festgefahrene Rituale, Sehgewohnheiten, Wahrnehmungsdefizite und simplifizierte Kommunikationen problematisiert, also aufgedeckt, werden. Der künstlerische Ansatz unterscheidet sich dabei grundlegend von gängigen Personalentwicklungs- und Kreativitätstrainings, da er die Komplexität und die Assoziation von Kontexten thematisiert, dabei die persönliche (systemisch reflektierte!) gestalterische Intention und Haltung des Künstlers/der Künstlerin als Grundlage hat, also Subjektivität als ein qualitatives Element12 einsetzt und eine Kriterienüberlagerung (und deren Differenzen) von Kunst und Wirtschaft sowie eine Kontextualisierung von Handlungen des Unternehmens intern und zu Gesellschaft hin verfolgt. </p> <p>Deshalb ist die Zielsetzung des Unternehmens oder der Beteiligten nicht unbedingter(!) Mittelpunkt von Maßnahmen, sondern eine künstlerische, ästhetische; das konkrete Handeln des Künstlers entzieht sich der unmittelbaren Kontrolle und Einflussmöglichkeit. Diese Situation erfordert vom Künstler ein anderes Selbstverständnis und Durchsetzungsvermögen sowie eine kritische Selbstreflexion, die auch diskursive und kooperative Arbeitsformen bedingen, da eine einseitige Vereinnahmung den Verlust der Möglichkeit autark zu handeln zur Folge hat. Im Unternehmen bedarf es einer besonderen Neugierde, um eine solche kritische Kooperation einzugehen – mit der großen Chance, einen grundlegend anderen Blickwinkel auf die Situation der Organisation und einen erweiterten Horizont für Handlungsoptionen im Persönlichen wie Institutionellen zu erlangen. Das künstlerische Coaching wirkt damit auf das Unternehmen als soziale Konstruktion und auf dessen Kommunikation ein, wobei der Ansatz nicht ein rein visueller13 ist oder Wissensakkumulation14 intendiert, sondern prozessual interveniert und auf Primärerfahrung geklärt] (Erleben) abzielt.</p> <h5>Künstlerische prozessuale Strategien im Unternehmen</h5> <p>Prozessuales15 künstlerisches Arbeiten bedeutet nicht, dass bestimmte Medien die Grundlage der Vorgehensweisen bilden, sondern dass die Entwicklung und Durchführung adäquater künstlerischer Maßnahmen im Vordergrund stehen. So sind Interventionen, die gewohnte (d.h. Stagnation verursachende) Verhaltensweisen verändern, möglich, aber auch begleitende Beobachtungen (ästhetische Analysen), moderierte Gespräche und Diskussionen sowie deren Aufbereitung und Wertung. Elemente können der bewusste Umgang mit Unschärfe (›Diffusion‹), Strategien der Zweckentfremdung, der Dekonstruktion und Infiltration, die Fiktionalisierung von Realem (und vice versa), der Umwertung sowie der Dramatisierung, aber auch die Revision eigener Arbeiten in neuem Kontext, die Recherche und das Umherschweifen sein. Gemeinsam ist diesen Handlungen die Haltung des Künstlers und nicht eine Selbstfestlegung auf bestimmte Medien und Präsentationsformen des Kunstkanons oder eine Funktionalisierung16 – wie sie tatsächlich in den sonst üblichen Formen der Zusammenarbeit zwischen Kunst und Wirtschaft, als eines der großen Tabus im Kunstsystem, stattfindet.</p> <h5>Ergebnisse aus der kritischen Kooperation</h5> <p>Kunst ist vor allem dann in der Wirtschaft wirksam, wenn Kriterien und Wertegerüst der Kunst mit denen der Wirtschaft konfrontiert werden (Kriterienüberlagerung). Ergebnisse hieraus lassen sich nicht mit den Mitteln des (klassischen) Controllings erfassen17, wohl aber machen sie sich in ihrer langfristigen Wirkung bemerkbar, so dass statt einer marketingorientierten ›Corporate Identity‹ (einer aufgesetzten Oberfläche) ein ›Corporate Standing‹, also eine (relativ) authentische Haltung der Institution, entstehen kann. Teil dieser ist, was populär als ›Unternehmenskultur‹ bezeichnet wird, und diese wirkt sich als kultureller Mehrwert auch unter ökonomischen und ethischen Kriterien betrachtet, positiv aus.</p> <p>Eine tatsächliche ›Corporate Cultural Responsibility‹ stellt sich also nicht in punktuellen Fördermaßnahmen und Sponsorings dar, sondern in der permanenten Reflexion und Kontextualisierung des eigenen Handelns unter gesellschaftlichen und kulturellen Kriterien.</p> <h5>Fazit</h5> <p>Die qualifizierte Einbeziehung künstlerischer Fähigkeiten in Reflexionsprozesse in Wirtschaft und Wissenschaft eröffnet eine erweiterte Kontextualisierung und differenziertere Wahrnehmungsfähigkeit auf ›Konstruktionen von Wirklichkeit/Welt‹. Kritisch-ästhetisches Coaching und Consulting ist dabei ein möglicher Ansatz, aus einer fachdisziplinenorientiert beschränkten Denk- und Arbeitsweise herauszufinden und kulturell konnotierte Bezugnahmen zu Gesellschaft und Werten zu verdeutlichen. Dabei ist der Künstler nicht eine mahnende (moralische) Instanz, sondern bringt kunstspezifische Haltungen und Handlungsformen ein, durch die Komplexität als Primärerfahrung aufgezeigt und damit Differenzierungsfähigkeit geschaffen wird. Er ist dabei also nicht Produzent und Lieferant objekthafter Kunstwerke, sondern aktiv intervenierender Berater.</p> <p>Für diese Arbeitsweisen sind mit tradiertem Habitus agierende und sich am medienorientierten Werkkanon orientierende Künstler wenig geeignet. In Frage kommen für kritische Kooperationen, um substantielle Ergebnisse zu erwirken, vor allem Künstlerinnen und Künstler, die bewusst prozesshaft arbeiten, deren Arbeit selbstreflexiv angelegt ist und tatsächlich in einer systemischen Perspektive erfolgt.</p> <p>Heidelberg/Baden-Baden 2005</p> <p>1 Dieser Text ist eine auszugsweise Vorabveröffentlichung aus John, Ruediger u.a. (Hg.), freundlich behauptet – Gespräche zwischen Kunst und Wirtschaft, Baden-Baden 2006.</p> <p>2 Ruediger John, 1991.</p> <p>3 Üblicherweise wird in Unternehmen genau an diesen beiden ›Stellschrauben‹ hantiert, anstatt sich der wesentlich komplexeren, systemischen Relationen im wirtschaftlichen Handeln bewusst zu werden.</p> <p>4 Der Begriff ›Kritik‹ wird im Alltag ungenau verwendet. ›Kritisieren‹ wird häufig pauschal als ›negative Äußerungen‹ verstanden, dabei ist ›Kritik‹ (vereinfacht) die Beurteilung, Unterscheidung (Differenzierung), Auseinandersetzung mit Handlungen, Normen, Zielen – was positive und negative Äußerungen umfasst.</p> <p>5 Wirklichkeit ist eine sozial beeinflusste individuelle Konstruktion und damit eine relative Wahrheit. »Die Wirklichkeit ist in Wahrheit eine Wirklichkeit« (D. Granosalis).</p> <p>6 Wie nicht zuletzt einige ›Skandale‹, in denen die Unbildung über die Begriffe ›Wert‹ und ›Werte‹ deutlich wurde, in den Führungsspitzen deutscher Aktiengesellschaften gezeigt haben, ist dies tatsächlich alltäglich.</p> <p>7 Das kritisch-ästhetische Coaching habe ich 1995 im Rahmen der ›Art And Context Initiative‹ definiert und seither weiterentwickelt.</p> <p>8 Das Wort ›ästhetisch‹ wird oft mit ›schön‹ im Sinne von ›gefällig‹ gleichgesetzt, ›Ästhetik‹ (gr. aisthesis) meint aber (vereinfacht) die erkenntnistheoretische, subjektive Untersuchung der Konstruktion und Struktur des Objektes (der Betrachtung), dessen Relation zur Wirklichkeit sowie Bedingungen und Formen der Rezeption.</p> <p>9 Das heißt, Kunst zielt auf unmittelbares Erleben (und die Bildung eines subjektiven Assoziations- und Erkenntnisfeldes), statt auf einen vermittelten, erklärenden ((verbal) rationalisierten) Umgang.</p> <p>10 Der Begriff ›politisch‹ wird hier in Bezug auf ›zoon politikon‹, nicht im Sinne einer Partei- oder Berufspolitik, verwendet.</p> <p>11 Vgl. Ruediger John, 1998.</p> <p>12 Auf eine fundierte Auseinandersetzung mit den Begriffen ›objektiv‹ und ›subjektiv‹ wird, mangels Platz, in diesem Beitrag verzichtet.</p> <p>13 Künstlerische Kommerzialisierungen wie ›Image Management‹ oder ›Visual Management‹ greifen also entschieden zu kurz, da sie sich auf ein spezifisches Medium der Kommunikation konzentrieren und nicht Relationen und Definitionen als Ausgangsbasis wählen.</p> <p>14 In der Wirtschaft ist es gängige Praxis, ›Wissen‹ als ›Rohstoff‹ oder ›Ressource‹ zu begreifen – also in der Tradition der Güterproduktion zu erklären und zu argumentieren. Ein systemisches Verständnis macht jedoch schnell klar, dass wir nicht in einer ›Wissensgesellschaft‹ oder ›Mediengesellschaft‹ leben, sondern in einer ›Kommunikationsgesellschaft‹, in der ›Wissen‹ eine soziale Konstruktion, basierend auf Primärerfahrungen, ist.</p> <p>15 Vgl. Ruediger John, 2002.</p> <p>16Aktuelle bekannte Beispiele sind die Kampagnen von Louis Vuitton, für deren stereotype Muster der Künstler Takashi Murakami neue Farben ausgesucht hat, die Firma Longchamps, für die die Künstlerin Tracy Emin ihre Beschriftung kommerzialisiert hat oder eine Anzeigenserie der Boston Consulting Group, die sich Bildhintergründe von Künstlern gestalten lässt um darüber ihre Werbeslogans zu platzieren.</p> <p>17 Es hat sich gezeigt, dass inhabergeführte Familienunternehmen mit ihren langfristigen Strategien auch nach klassischen Marktkriterien deutlich bessere Ergebnisse erzielen. Sichtbar wird dieses am neuerdings eingeführten Index GEX sowie der Performance von Aktienfonds, die sich auf solche Unternehmen im Portfolio konzentrieren.</p> <p>Bibliographie:<br /> John, Ruediger et. al. (eds.), freundlich behauptet - Gespräche zwischen Kunst und Wirtschaft, Baden-Baden 2006<br /> John, Ruediger, Flucht ist Volkssport, Baden-Baden 1991<br /> John, Ruediger, Systemic Art as an Approach for the Aesthetic Worker, in: Scrapbook 1995-1998, New York 1998<br /> John, Ruediger, Glossar n, [sic!] Verlag für kritische Ästhetik</p> <p><a href="Erweiterte-Erkenntnisfaehigkeit.pdf">Erweiterte Erkenntnisfähigkeit durch kulturelle Kontextualisierung</a></p> <p>Der vorliegende Text ist eine auszugweise Vorabveröffentlichung von: John, Ruediger et al. (2006): freundlich behauptet - Gespräche zwischen Kunst und Wirtschaft, [sic!] Verlag für kritische Ästhetik, Baden-Baden; erschienen in: Mari Brellochs, Henrik Schrat: ›Raffinierter Überleben - Strategien in Kunst und Wirtschaft‹, Kadmos Kulturverlag Berlin, 2005</p>
2005-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/kulturelle-verantwortung.html https://artrelated.net/ruediger_john/kulturelle-verantwortung.html
Extended Cognitive Ability Through Cultural Contextualization - The artist as coach and consultant in corporations - Criteria and dispositions of a critical-aesthetic practice
<p>Alongside artistic creativity aimed primarily at the classical art market, a new, society-oriented, interventionistic, process-based art is beginning to manifest itself.1 Going beyond art’s common functions as a sophisticated leisure activity or a means of social dissociation and representation of power, Systemic Art is taking a new role in society and culture. In a highly qualified way, it is bringing new areas under the microscope of critical evaluation with aesthetic means, aiding, for example, in the re-evaluation of corporations and their cultural development. As such, Systemic Art is claiming new areas of action – which brings with it the need for new forms of cooperation.</p> <h5>Corporations as Micro-Societies – Value Acquisition and Cognitive Capability</h5> <p>In a simplified way, it is possible to »consider a corporation as a micro-society – an organization (more precisely: a system) which in fundamental aspects creates self-referential contingencies, i.e. considers itself to be structured (efficient), compatible (capable of interaction) and necessary (effective) and thus socially congruent. As in society as a whole, fundamental activities have been ritualized and the criteria for perception and evaluation collectivized.«2</p> <p>As with any autopoietic system, the system ›corporation‹ tends towards decoupling, so that perception within a corporation becomes simplified to terms of economic criteria. Action is only reflected on to a very limited extent and is thus equally limited in its facility for insight and interaction. (This may lead to, amongst other things, insufficiency in terms of both social integration and competition fitness.) Criteria, norms and resulting actions may develop which have an unconsciously negative effect on internal structures (including areas of responsibility and internal communication). A corporation operating in a competitive environment, providing vitally obsolete services (demand orientation), requires a high level of cognitive and communication capabilities. These arise in the context of entrepreneural activities relating to cultural value creation processes, social communication and interaction. It requires therefore a (conscious) contextualization of the corporation in society and they cannot be simply restricted to the optimization of products or manufacturing processes.3 It is of decisive significance that reflective analysis can only take place within the differentiation of contexts, i.e. within differentiating evaluation (criticism)4 of descriptions (constructions) of reality5 – otherwise it is autistic (operatively closed).</p> <h5>Value-based/systemic coaching and Critical-aesthetic Coaching</h5> <p>In spite of this fact, so-called value-based or systemic coaching programs in corporations operate only within corporate hierarchies and organizational structures. This clearly demonstrates that the definition of the term ›value‹ has become blurred; often, something closer to ›interests‹ or ›qualification‹ is meant. ›Values‹ are in fact social constructions, whether within a society or a corporation as a subsystem. They can therefore not be conclusively and logically discussed unless one is prepared to strengthen ›value islands‹ within a corporation, so undermining the corporation’s ability to make social and cultural connections.6</p> <p>›Critical-aesthetic Coaching‹7, as a form of Systemic Art, relativizes cultural and social criteria and critically associates them with those of the respective corporation, making use of aesthetic8 approaches. Thus, it is not simply a matter of considering questions relating to the motivation for actions and the causes of behavior within the corporation itself and within the result-orientation of a commission or sales order. Rather, relationships between perception contexts and questions of meaning and value are analyzed as the basis for cognizance acquisition in senseful orientation. These facilitate differentiated reflection and understanding which can be permanently established. In this context, art does not function in the simplifying and thus limiting way of descriptive models and (reductionistic) formalizations from economics and science. Rather, it facilitates or indicates an indirect impression of complexity and establishes the contingency of a primary experience.9</p> <p>Critical-aesthetic Coaching and Systemic Art are not artistic activities limited to the corporate arena. To the contrary, this systemic work must always be understood in an extended, social context, so that the reflective artist is not only a participant in the differentiation of the system of art and its forms in everyday practice, but also – and primarily – a ›cross-border commuter‹ (in the sense of a second-level observer).</p> <h5>Process-oriented artistic work – Systemic Art</h5> <p>»I use the term ›Systemic Art‹ to refer to artistic practice which, by means of abstraction and association, differentiates critical-aesthetic meanings and value contexts; is definitorily engaged in communication and contextualization; and aims at efficacy in relationship to social subsystems. The artist thus uses the active principles of a process-oriented reflected approach to defining media of form, object and design not as a form of expression but rather as a politically10 relevant observation – the realization of an idea or target.«11 Simply put: Systemic Art often renounces the creation of works of art in favour of a strategy of social construction of situations which do not aim explicitly at the system of art but rather at the complexity of interactions in the frame of reference.</p> <h5>Concept of Culture and the Horizon of Corporate Activity</h5> <p>The systemic expansion of the horizon of perception and relization so as to take in the social embedding of a corporation (i.e. the corporation’s dependence on an intact society) is only possible with reference to cultural issues. ›Culture‹ should not be confused here with the culture industry or market, nor with an event-oriented leisure activity. Simply expressed, culture refers here to society-specific traditions, a canon of cognition and value-creating ritual and reflection: effectively, as a ›contract dealing with obligations of meaning, identity and mutual interaction‹.</p> <p>Corporations can only exist within a ›civilized society‹ (in common parlance), i.e. the relative obligatoriness (attitude) of values as conditio sine qua non for ethics, morals and the resultant laws and regulations. (As a simple example, contracts can only be sensibly concluded when the liability they impose are generally accepted.)</p> <p>Business activity (or the economy as a subsystem) that negates social integration and cultural development is not capable of realization and destroys its own future basis, i.e., its action is not culturally sustainable. It is clear that short-term and marketing-oriented periods of observation (such as share value performance) do not allow for the formation of adequate behavioral options. This is because they do not, for example, consider on social development spanning generations, but also because the assigned assessment criteria are reductionistic and therefore ›only partially true‹.</p> <p>Economic behavior in the ideology of ›neo-liberalism‹ reveals a gap in reflection: the biography of civilization (socialization and the process of subject formation) of the actor itself is neglected, making such behavior not only reductionistic in perception but also actively socially destructive.</p> <p>The question, then, from the perspective of an entrepreneur, is: How can I identify and recognize personal concernedness (responsibility) and the complexity of activity in a social context (cultural sustainability), and how can cultural criteria be integrated into ritualized business activity (everyday life) and cognizance acquisition?</p> <h5>Artistic Action as Critical-aesthetic Coaching</h5> <p>A characteristic of artistic coaching is the effect on everyday business activity, in terms of the application of aesthetic criteria to the daily routines and rituals of the corporation. An active phenomenological analysis of the differences, additions, criteria, and value systems of both of these social areas is created. This confrontation allows for the problematization – the discovery – of established rituals, habitual understanding, perception deficits and simplified forms of communication. Artistic involvement thus differs fundamentally from common personnel development and creativity training programs, because it considers the complexity and association of contexts based on the foundation of personal (systemically reflected!) plans and attitude of the artist. That is to say, it employs subjectivity as a qualitative aspect,12 resulting in the overlapping of the criteria (and their differences) of art and economy along with the contextualization of the corporations activities, both internal and with relation to society.</p> <p>For this reason, the goals set by the corporation or those involved are not the unconditional (!) focal point of measures taken, but artistic and aesthetic concerns. The concrete action of the artist escapes immediate control and influence. This situation demands of the artist a different self-image and persistence along with critical self-reflection, characteristics requiring discursive and cooperative modes of work, since a one-sided assimilation would otherwise result in a loss of autarkic acting possibilities. A corporation needs particular curiosity if it is to embark on such critical cooperation – with the great possibility of obtaining a fundamentally different viewpoint of the organization’s situation and an expanded horizon of options for both personal and institutional activity. Artistic coaching thus effects the social constructions of the organization, and the way they are communicated, whereby the coaching is not purely visual13 and is not intended to be the simple accumulation of knowledge14. Rather, it intervenes process-oriented and aims at primary experience.</p> <h5>Process-oriented artistic strategies in corporations</h5> <p>Process-oriented15 artistic work does not mean that specific media form the foundation of a process, rather that the development and execution of adequate artistic measures are in the foreground. Acts of intervention, changing habitual (i.e. leading to stagnation) patterns of behavior are therefore possible, along with accompanying observation (aesthetic analyses) and moderated discussions as well as the analysis and evaluation of such discussions. Aspects of such an initiative could include consciously dealing with fuzziness (‹diffusion‹), strategies of misappropriation, deconstruction and infiltration, the fictionalization of reality (and vice versa), and the re-evaluation and dramatization as well as the revision of one‘s own work in a new context, research, exploration and wandering about. It is the attitude of the artist that all of these activities have in common and not the functionalization16 or self-determination of specific media and forms of presentation of the art canon – the latter actually common practices in cooperations between art and economy and one of the greatest taboos in the system of art.</p> <h5>Results of critical cooperation</h5> <p>Art is primarily effective in economy when the criteria and value structure of art are confronted with those of economy (overlapping of criteria). Results cannot be established using the techniques of classical controlling17, but they make themselves felt through their long-term effects, so that instead of a marketing-oriented ›Corporate Identity‹ (an imposed surface construction), a ›Corporate Standing‹, i.e. a (relatively) authentic organizational stance, can develop. Part of this Corporate Standing is popularly described as ›Corporate Culture‹, which has a positive effect as cultural added value according to both economic and ethical criteria.</p> <p>An actual ›Corporate Cultural Responsibility‹ is not seen in punctual promotions and sponsoring, but rather in the permanent reflection and contextualization of the corporation‘s own actions according to social and cultural criteria – a developed ›Corporate Standing‹.</p> <h5>Conclusion</h5> <p>The qualified involvement of artistic capabilities in reflection processes in economy and the sciences opens up an expanded contextualization and differentiated perception framework for ›constructions of reality/the world‹. ›Critical-aesthetic Coaching and Consulting‹ is an approach to escape from usual modes of thinking and working that are limited by subject/discipline orientation and to indicate culturally connotated references to society and values. The artist is not a moralistic, warning figure, but rather introduces attitudes and acion patterns specific to art, whereby complexity can be presented as primary experience and a capability to differentiate can be created. He or she is thus not a producer or supplier of tangible works of art, but rather an interventionistic advisor.</p> <p>Artists working according to traditional, medium-oriented habits and canon are insufficiently qualified for this mode of work. For critical cooperations that will produce substantial results, primarily those artists are needed, who consciously work in a process-oriented way, whose work is self-reflective and includes the systemic perspectives.</p> <p>Heidelberg/Baden-Baden 2005</p> <p>1 This text is an advance publication of extracts from Ruediger John et al. (Ed.), freundlich behauptet - Gespräche zwischen Kunst und Wirtschaft, Baden-Baden 2006.<br /> 2 Ruediger John, 1991.<br /> 3 It is common practice for corporations to adjust precisely these two ›regulating screws‹, instead of becoming familiar with the far more complex, systemic relationships of economic activity.<br /> 4 The term ›criticism‹ is used imprecisely in the everyday world. ›Criticizing‹ is often sweepingly understood as ›making negative comments‹, but ›criticism‹ (in simplified terms) is the appraisal, differentiation and analysis of actions, norms and targets – encompassing both positive and negative comments.<br /> 5 Reality is a socially influenced individual construction and thus a relative truth. »Reality is in truth a reality« (D. Granosalis).<br /> 6 This is indeed an everyday thing, seen not least in a number of ›scandals‹, where the top managers of German stock exchange listed corporations have demonstrated their ignorance differentiating the terms ›value‹ and ›values‹.<br /> 7 I defined Critical-aesthetic Coaching in 1995 as part of the ›Art and Context Initiative‹, and have been developing the concept ever since.<br /> 8 The word ›aesthetic‹ is often equated with ›beautiful‹ in the sense of ›pleasing‹. ›Aesthetic‹ (gr. aisthesis), however means (in simple terms) the epistemological, subjective investigation of the constructions and structures of the object under consideration, along with that object‘s relationship to reality and the conditions and forms under which it is perceived.<br /> 9 That is to say, art aims at immediate experience (and the creation of a subjective field of association and realization), rather than a mediated, explanatory (verbally rationalizing) approach.<br /> 10 The term ›political‹ is used here with reference to ›zoon politikon‹, not in the sense of party or career politics.<br /> 11 Cf. Ruediger John, 1998.<br /> 12 Because of space considerations, this text avoids a thorough analysis of the terms ›objective‹ and ›subjective‹.<br /> 13 Artistic commercialization programs such as ›Image Management‹ or ›Visual Management‹ are thus too small in scope, concentrating as they do on a specific medium of communication rather than dealing with relationships and definitions as the basis.<br /> 14 It is common practice in business to consider ›knowledge‹ as a ›raw material‹ or ›resource‹, reasoning according to the tradition of the production of goods. A systemic understanding, however, quickly reveals that we live neither in a ›knowledge society‹ nor in a ›media society‹, but rather in a ›communication society‹, where ›knowledge‹ is a social construction based on primary experiences.<br /> 15 Cf. Ruediger John, 2002.<br /> 16 Recent examples are the campaigns of Louis Vuitton, where the artist Takashi Murakami selected new colors for their stereotypic patterns; the company Longchamps for which the artist Tracy Emin commercialized her typographics or a series of advertisements by Boston Consulting Group which hired artists to design the image backgrounds for their advertisement slogans.<br /> 17 It has been demonstrated that owner-managed family businesses, with their long-term strategies, produce better results – also when measured according to classical market criteria. This can be seen for example in the newly introduced GEX stock index as well as in the performance of share funds whose portfolios are concentrated on such businesses.</p> <p>Bibliography:<br /> John, Ruediger et. al. (eds.), freundlich behauptet - Gespräche zwischen Kunst und Wirtschaft, Baden-Baden 2006<br /> John, Ruediger, Flucht ist Volkssport, Baden-Baden 1991<br /> John, Ruediger, Systemic Art as an Approach for the Aesthetic Worker, in: Scrapbook 1995-1998, New York 1998<br /> John, Ruediger, Glossar n, [sic!] Verlag für kritische Ästhetik</p> <p><a href="Extended-Cognitive-Ability-PV.pdf">Extended Cognitive Ability Through Cultural Contextualization</a></p> <h5>CITATION/BIBLIOGRAPHY</h5> <p>John, Ruediger: ›Extended Cognitive Ability Through Cultural Contextualization - The artist as coach and consultant in corporations‹ in: Mari Brellochs, Henrik Schrat: ›Raffinierter Überleben - Strategien in Kunst und Wirtschaft‹ (Sophisticated Survival Techniques - Strategies in Art and Economy), Kadmos Kulturverlag Berlin, 2005</p>
2005-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/corporate-cultural-responsibility.html https://artrelated.net/ruediger_john/corporate-cultural-responsibility.html
Was kann die Kunst? Einladung
<p>Das Zeppelin Museum Friedrichshafen und Kunst im Kasten (KIK) laden Sie ein zu </p> <h4>Was kann die Kunst ?</h4> <p>Diskussionsveranstaltung<br /> über aktuelle Perspektiven<br /> auf künstlerisches Handeln </p> <p>Freitag 8.Oktober 19.30 - 21 Uhr<br /> Zeppelin Museum Friedrichshafen Seestraße 22 </p> <p>im Salon der rekonstruierten Hindenburg </p> <p>Einladung: <a href="http://www.kikfn.de/download/was-kann-die-kunst.pdf">http://www.kikfn.de/download/was-kann-die-kunst.pdf</a></p> <p>In den letzten beiden Jahrzehnten sind Kunst und Wirtschaft vermehrt miteinander in Kontakt gekommen. Neben den traditionellen Zugängen von Wirtschaftsunternehmen zur Kunst – Kunst zur repräsentativen Ausgestaltung und als Wirtschaftsfaktor, Kunst als Imageträger, als Event oder als Teil der regionalen Standortförderung – sind zunehmend neue Formen der Kooperation zu beobachten.<br /> Umgekehrt suchen seit einigen Jahren zahlreiche Künstler die Nähe zur Wirtschaft und übernehmen von dort Inszenierungsformen. So greift man seit den 90er Jahren – auch infolge eines erweiterten und gelockerten Werkbegriffs – unternehmerische Prinzipien, Strategien, Rollen oder Modelle leitbildhaft oder kritisch auf.<br /> Dieses Begleiten und Reflektieren gesellschaftlicher Entwicklungen durch die Kunst, die Ausweitung ihrer Handlungsfelder und die damit verbundenen Rückwirkungen auf den Kunstbegriff sollen in einem Dialog zwischen Experten aus Kunst Wirtschaft und Wissenschaft und dem Publikum untersucht werden. Das Zeppelin Museum Friedrichshafen ( Museum für Technik und Kunst ) und Kunst im Kasten (KIK) - laden Sie herzlich zum gemeinsamen Gespräch. </p> <p>Teilnehmende<br /> Matthias Lenz ZF-Kulturstiftung, Friedrichshafen<br /> Prof. Dr. Karen van den Berg Zeppelin University, Friedrichshafen<br /> Dr. Wolfgang Meighörner Zeppelin Museum Friedrichshafen<br /> Ruediger John Gesellschaft für kritische Ästhetik, Baden-Baden </p> <p>Einleitung und Moderation<br /> Ulrike Shepherd Kunst im Kasten (KIK), Friedrichshafen </p>
2004-09-28 https://artrelated.net/ruediger_john/memo-was-kann-die-kunst-einladung.html https://artrelated.net/ruediger_john/memo-was-kann-die-kunst-einladung.html
freundlich behauptet - Gespräche über Kunst und Wirtschaft
<p><img src="freundlich-behauptet02.jpg" alt="freundlich behauptet" title="freundlich behauptet" /></p> <p><img src="freundlich-behauptet01.jpg" alt="freundlich behauptet" title="freundlich behauptet" /></p> <p><img src="freundlich-behauptet03.jpg" alt="freundlich behauptet" title="freundlich behauptet" /></p> <p><img src="freundlich-behauptet04.jpg" alt="freundlich behauptet" title="freundlich behauptet" /></p> <p><img src="freundlich-behauptet05.jpg" alt="freundlich behauptet" title="freundlich behauptet" /></p> <p><img src="freundlich-behauptet06.jpg" alt="freundlich behauptet" title="freundlich behauptet" /></p> <p>Eine Veranstaltungsreihe der Kunststiftung Baden-Württemberg, der Gesellschaft für kritische Ästhetik und der Vereinigung Baden-Württembergische Wertpapierbörse e.V.<br /> Wie können Kunst und Wirtschaft voneinander profitieren? Synergien zwischen Kunst und Wirtschaft stehen im Mittelpunkt der Gesprächsreihe freundlich behauptet. Die Wirtschaft sucht nach neuen Impulsen und entdeckt dabei die Potentiale der Kunst. Künstlerinnen und Künstler erweitern ihre Handlungsfelder und stellen ihr Know-how für Kooperationen mit Unternehmen zur Verfügung. Über Nutzen, Risiken und Zukunftspotentiale diskutieren Künstler, Unternehmer und Wissenschaftler in der Stuttgarter Börse.</p> <p>Transfer Kunst und Wirtschaft<br /> Montag 20. September 2004 19:30-22:00 Uhr</p> <p>Die Ökonomie beherrscht das gesellschaftliche Leben. Allenthalben wird der Ruf nach Effizienz und Flexibilität, Innovation und Wachstum laut. Neben klassischen unternehmerischen Qualitäten sind in der Wirtschaft inzwischen auch künstlerische Kompetenzen gefragt. Unternehmen wünschen sich ›kreative‹ Mitarbeiter und erhoffen von der Kunst diesbezüglich Anregungen für die Praxis. Dabei stehen sich Vertreter aus Kunst und Wirtschaft durchaus kritisch gegenüber. Welcher Wissens- und Wertetransfer ist hier möglich, notwendig und wünschenswert? Darüber diskutieren:</p> <p>Veit Görner - Kestner-Gesellschaft, Hannover<br /> Dr. Ludger Hünnekens - Staatliche Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart<br /> Dr. Siegfried Jaschinski - Vereinigung Baden-Württembergische Wertpapierbörse e.V., Stuttgart<br /> Ruediger John - Gesellschaft für kritische Ästhetik, Baden-Baden<br /> Jean-Baptiste Joly - Akademie Schloss Solitude, Stuttgart<br /> Moderation: Stefan Siller - Südwestrundfunk</p> <p>Kunst in Unternehmen<br /> Mittwoch 27. Oktober 2004 19:30-22:00 Uhr</p> <p>Kunst ist in. Immer mehr Unternehmen beziehen künstlerische Kompetenzen in ihre Organisations- und Personalentwicklung mit ein. Gerade auch in der ökonomischen Krise ist es von Bedeutung, so genannte ›weiche Faktoren‹ wie Kreativität, Wahrnehmungsbildung und soziale Verantwortung in Unternehmensprozessen zu berücksichtigen. In welcher Form und mit welchen Zielen werden Kunst und künstlerische Prozesse in Unternehmen verankert? Welchen Nutzen hat dies für Management, Unternehmenskultur und Unternehmensimage? Wie wird im Spannungsfeld zwischen Funktion und Funktionalisierung von Kunst gehandelt? Darüber diskutieren:</p> <p>Dr. Hartmut Bress - Wieland AG Metallwerke, Ulm<br /> Prof. Dr. Wolfgang Ullrich - Kunsttheoretiker, Hamburg<br /> Karolin Timm - Siemens Art Program, München<br /> Enno Schmidt - Künstler, Frankfurt<br /> Ben Willikens - Künstler, Stuttgart<br /> Moderation: Reinold Hermanns - Südwestrundfunk</p> <p>Unternehmen fördern<br /> Mittwoch 8. Dezember 2004 19:30-22:00 Uhr</p> <p>Kunstförderung durch Unternehmer und Wirtschaft hat eine lange Tradition. Sowohl persönliche als auch kulturelle Motive spielen beim Engagement für Kunst eine Rolle. Darüber hinaus kann das Sammeln von Kunstwerken dem Unternehmen als Plattform für Corporate Identity und Kundenbindung dienen. Welche persönlichen Motivationen, inhaltlichen Konzepte und unternehmerischen Ziele liegen der Förderung von künstlerischer Arbeit, auch im Vergleich zur Sammlertätigkeit, zu Grunde? In wie weit werden Unternehmensprozesse dadurch beeinflusst oder gesellschaftlich-kulturelle Absichten damit verfolgt? Darüber diskutieren:</p> <p>Marli Hoppe-Ritter - Hoppe-Ritter Kunstförderung, Stuttgart<br /> Prof. Dr. Karl-Heinz Kohl - Frobenius-Institut für Ethnologie, Frankfurt<br /> Heike Sütter - Kunstprogramm der Europäischen Zentralbank, Frankfurt<br /> Götz-Wolf Wagener - Columbus Holding, Ravensburg<br /> Moderation: Dr. Ralf Christofori - Kunsthistoriker, Stuttgart</p>
2004-09-01 https://artrelated.net/ruediger_john/freundlich-behauptet.html https://artrelated.net/ruediger_john/freundlich-behauptet.html
Kleiner Symbolschaukasten
<p><img src="symbolschaukasten02.jpg" alt="Kleiner Symbolschaukasten" title="Kleiner Symbolschaukasten" /></p> <p><img src="symbolschaukasten03.jpg" alt="Kleiner Symbolschaukasten" title="Kleiner Symbolschaukasten" /></p> <p><img src="symbolschaukasten04.jpg" alt="Kleiner Symbolschaukasten" title="Kleiner Symbolschaukasten" /></p> <p><img src="symbolschaukasten05.jpg" alt="Kleiner Symbolschaukasten" title="Kleiner Symbolschaukasten" /></p> <p>Ein direkt aus dem Geldbeutel entnommenes Bündel Geldscheine und ein Häuflein verendeter Stubenfliegen ist scheinbar bereits die gesamte Palette der im Schaufenster auf Kniehöhe drapierten und zur Schau gestellten Gegenstände.</p> <p>Diese Dinge, die, neben der ultima ratio ›Gleichgültigkeit‹ (oder deren Imitation), Begehren und Abneigung (je nach persönlichen Vorlieben) hervorrufen können, stellen also die Grundlage des ›Kleinen Symbolschaukastens‹ dar.</p> <p>Was sind Symbole; was macht Dinge zu Symbolen? Ja, richtig, die Zuschreibung einer Bedeutung jenseits ihres Nutzwertes1. Wenn sie als bildhafte Helfershelfer uns Betrachter an Erlebtes erinnern und - symbolhaft ausgedrückt - als Anker in diesen emotionalen Grund greifen.</p> <p>Entscheidend ist aber hierbei die subjektive (persönliche) Empfindung und das direkte Erleben der Assoziationen im Betrachten.</p> <p>Werden Bedeutungen, gar noch schlagworthaft, aufgezählt und zugeordnet, stören diese Benennungen das eigene Sehen (oder Schauen) - im Umfeld der Kunst trifft das dann oftmals auf Abwehr (schön zu sehen an Attributierungen, wie »profan« bis »didaktisch«) weil das Unerklärliche, Entfernte, Mystische, gerne als besonderer Wert2 künstlerischer Arbeiten angesehen, in Frage gestellt wird. Denn, so die traditionelle Sicht, »Wo kein Geheimnis ist, ist keine Kunst«3 - und trotzdem will der Betrachtende im Populären gerne ein kleines Schildchen neben jedem Kunstwerk oder einen Zettel mit Erklärungen und Sehvorschriften in der Nähe.</p> <p>Allerdings kommt kein Schaukasten ohne Klassifizierungen aus - eine Sammlung, gleich ob aus Gesteinsproben im Setzkasten, sorgsam aufgespießten Schmetterlingen oder eben anderen Gegenständen aus dem Alltag bestehend, soll ja der Übersicht und Erklärung dienen. Hier wird also die Anleitung zum Sehen, eine Auswahl an westlich geprägten Zuschreibungen als Teil des Werkes, unmißverständlich den Objekten hinter Glas (als zusätzliche Gegenstände) zugeordnet. So kann man das Einzelne nicht mehr falsch (oder: nicht) verstehen - eher noch das Ganze. Wenn dem Betrachter nun die Seharbeit an den primären Deutungen der Dinge abgenommen wird, sollte er doch einfach die Aufmerksamkeit dem Ganzen und dem Nebensächlichen widmen (diese Arbeit wird ihm der Text nicht abnehmen wollen).</p> <p>Als Symbole eignen sich besonders Phänomene, die dem übereinstimmenden Erfahrungsfeld der Betrachtenden entstammen - im Idealfall ›Universale‹ sind.</p> <p>Geld, neben bspw. Sex und der regelmäßigen Notdurft, ist ein solches (von wenigen Gesellschaften abgesehen) Kriterium das zur Abstraktion und damit Beschreibung eines Wertes dient - ›eines‹, weil jede Abstraktion eine Vereinfachung darstellt und somit andere Aspekte vernachlässigt4.</p> <p>Bei einer Ansammlung toter Fliegen ergibt sich, trotz deutlicher Anzeichen eines Massenmordes, ein ganz anderes Gefühlsgemenge. Obwohl möglicherweise von ähnlichem Gewicht wie ein Bündel Geldscheine, fällt die Zuordnung eines Wertes bzw. einer Werthaftigkeit ungleich schwerer - was nicht nur am Fehlen von Ziffern liegt. Es läßt sich nicht so einfach eine Ordnung erkennen bzw. herstellen; das ist, neben einer möglicherweise persönlichen Abscheu vor totem Getier, ärgerlich. Denn Ordnung schafft Klarheit und Sicherheit - und das gefällt uns (Betrachtern) wirklich.</p> <p>Bei der Benennung von Bedeutungen findet also eine Wertzuschreibung, eine Zu-ordnung statt. Im Kleinen5 finden Sie hier Beispiele (auf die es nicht ankommt) - der Vorgang selbst und dieser im persönlichen ist eigentlich interessant. Probieren Sie das mal mit anderen profanen Dingen, wie Ihrer Sammlung, Ihrem Auto, Ihrem Haustier, Ihrem Nachbarn.</p> <p>1 Da wir uns mit dem ›Kleinen Symbolschaukasten‹ inmitten von Geschäften als Markenorten befinden: Eine ›Marke‹ unterscheidet sich von einem ›Symbol‹ insbesondere im idealerweise festgeschriebenen Bedeutungs- und Wertehorizont einer Marke - eines zielgerichteten, funktionalisierten Interpretationsraumes. Die Marke ist ein verhurtes Symbol. </p> <p>2 Eine Phalanx der zeitgenössischen Symbolhandwerker (Künstlerinnen und Künstler) kann davon, gestützt durch die zeitgenössischen Vermittler und Organisatoren (Kuratoren, Kulturmanager und Kunstkritiker) nicht genug kriegen. Diese bezeichnen ihre Machtlosigkeit, d.h. Wirkungslosigkeit im Alltag der Gesellschaft dann u.a. auch als »Freiheit der Kunst«. </p> <p>3 »›Wo kein Geheimnis ist, ist keine Kunst‹, ist nichts anderes als die Forderung einer bürgerlichen Gesellschaft, sich angenehm an der Kunst wundern zu dürfen um dann ungestört ihren Geschäften nachzugehen.« D. Granosalis, ›vide, dice, impera‹ </p> <p>4 Im übrigen bestimmt immernoch Quantität auch die Wertzuschreibung: Manche haben einfach so 50 Euro in kleinen Scheinen im Geldbeutel, andere sammeln die mit höheren Werten, wieder andere haben gar keines (sondern nur eine Kreditkarte). </p> <p>5 Diese Diminuierung im Titel hilft Enttäuschungen zu vermeiden, weil der Symbolschaukasten nur wenige Beispiele und auch nur beispielhafte Bedeutungszuschreibungen enthält; zeigt aber auch, daß kein ontologischer Anspruch verfolgt wird - im Gegensatz zum Trend der schlagworthaften Ausstellungstitel (die dies oftmals suggerieren, niemals einlösen und manchmal mit englischsprachigen Begriffen zudem Internationalität simulieren). </p> <p>Kunst im Kasten, Friedrichshafen 2004</p>
2004-03-01 https://artrelated.net/ruediger_john/kleiner-symbolschaukasten.html https://artrelated.net/ruediger_john/kleiner-symbolschaukasten.html
Diskursseminar über Perspektiven gesellschaftsorientierter künstlerischer Arbeit
<p><img src="assoziationsdesktop04.jpg" alt="Diskursseminar ueber Perspektiven gesellschaftsorientierter kuenstlerischer Arbeit" title="Diskursseminar ueber Perspektiven gesellschaftsorientierter kuenstlerischer Arbeit" /></p> <p><img src="semiotikdiskurs01.jpg" alt="Diskursseminar ueber Perspektiven gesellschaftsorientierter kuenstlerischer Arbeit" title="Diskursseminar ueber Perspektiven gesellschaftsorientierter kuenstlerischer Arbeit" /></p> <p><img src="semantik02.jpg" alt="Diskursseminar ueber Perspektiven gesellschaftsorientierter kuenstlerischer Arbeit" title="Diskursseminar ueber Perspektiven gesellschaftsorientierter kuenstlerischer Arbeit" /></p> <p><img src="resourcenorientiert03.jpg" alt="Diskursseminar ueber Perspektiven gesellschaftsorientierter kuenstlerischer Arbeit" title="Diskursseminar ueber Perspektiven gesellschaftsorientierter kuenstlerischer Arbeit" /></p> <p>/ Universität der Künste Berlin, Institut für Kunst im Kontext<br /> / 11. Februar - 12. Februar, mit Ruediger John</p> <p>In diesem zweitägigen Seminar soll nach einer kurzen Darstellung zu verschiedenen Aspekten prozesslogischen und interventionistischen künstlerischen Arbeitens mit allen Teilnehmenden aktiv über mögliche weiterführenden Ansätze einer differenzierten Kontextualisierung von Kunst im gesellschaftlichen Alltag diskutiert, eigene Erfahrungen, Strategien und Ideen - auch im Vergleich zum bisherigen persönlichen Arbeiten - erörtert und über kunstsystemische Implikationen gesprochen werden. </p> <p>Basis bildet dabei eine resourcenorientierte Herangehensweise im Diskurs über Begriffe und Definitionen die das Kunstsystem und künstlerische Handeln betreffen und deren Relativierung und Einordnung in ein semantisches Netz. Zur Erläuterung und fallweisen Klärung sind bibliographische Verweise und Zitate vorhanden. Ziel ist es dabei auch, über eine konkrete Einbringung der eigenen künstlerischen Position nachzudenken. </p> <p>Unter Umständen lassen sich einige der bereits im vergangenen Seminar entstandenen Themen und Ideen zu Projekten konkretisieren. Am letzten Seminar (2004) teilgenommen zu haben ist dabei hilfreich, aber nicht notwendig.</p> <h4>Statement zum Thema des Diskursseminars:</h4> <h5>Prozessuale künstlerische Tätigkeit</h5> <p>Betrachtet man künstlerische Tätigkeit nicht als die Herstellung und Inszenierung von Objekten als Kunstwerke, sondern als kritische Reflexion und prozesshaftes Gestalten unter ästhetischen Kriterien, sieht man einige der typischen Attribuierungen des Werkes (wie Authentizität, Autarkie, Unikat) sowie deren Ableitungen auf den Autor (wie Kreator, Genie) in anderer Perspektive.</p> <p>Authentizität als gesellschaftliche Konstruktion und kollektives Wertkriterium, wie auch der Begriff ›Autarkie‹ sind aufgrund der Interaktionen in einem Prozess nicht auf das Ergebnis im Sinne eines Künstler-Kunstwerk Verhältnisses anwendbar; ebenso wird die Zueignung einer Autorschaft und deren Wertung relativiert, da sich der Gestaltungsprozess im wesentlichen auf die Kommunikation bezieht. Der solipsistisch-auratische Aspekt eines Genius verliert in der Fokussierung der Beziehungen zwischen den beteiligten Entitäten sein argumentatives Gewicht.</p> <p>In dieser, als kommunikatives System verstandenen, Interpretation von Wirklichkeit und im Verständnis eines systemischen Gesellschaftsmodelles stellt sich sowohl die Funktion und somit deren Wertebasis, als auch die Handlungsformen und Strategien künstlerischer Tätigkeit anders dar.</p> <h5>Reflexion und systemische ästhetische Tätigkeit</h5> <p>»Kunst dient der Reflexion und nicht der Repräsentation von Gesellschaft [...] Erst die Assoziation und Relativierung sogenannter logischer, sachlicher Argumente und ästhetischer, intuitiver Wahrnehmungen ermöglicht ein ausgewogeneres Abbild und Verstehen von Wirklichkeit. [...]«</p> <p>Anders also, wenn Kunst der Reflexion von Gesellschaft dient, sich also dem Diskurs der Sinn- und Bedeutungsfragen, der Kritik und Wertebildung direkt widmet und somit Künstlerinnen und Künstler gesellschaftsorientiert arbeiten. Damit geht einher, daß nicht mehr die Produktion von Objekten und insbesondere deren Präsentation im exkludierenden Kunstkontext, sondern vielmehr die Gestaltung von Prozessen als Beeinflussung von Entwicklungen und die Integration verschiedener Disziplinen im Vordergrund stehen; der Künstler ist nicht mehr als Experte für Gestaltungsfragen, sondern als Experte für Wahrnehmungsfragen und deren Relationierungen gefordert. Das bedeutet, daß ästhetische (= wahrnehmungsbezogene) Kompetenzen und deren künstlerische Anwendung in gesellschaftlichen Kontexten (= Relationierung) - die Künstlerin/der Künstler als Know-How-Träger - eine wesentliche Fähigkeit darstellen; das Medium bzw. der Medienkanon zweitrangig wird und kommunikative, moderativ-mediative Qualifikationen und Diskurs- und Teamarbeit notwendig werden. [...]</p> <p>Systemische künstlerische Tätigkeit heißt, mittels Abstraktion und Assoziation kritisch-ästhetisch Bedeutungen und Wertekontexte zu differenzieren und (bspw. interventionistisch oder infiltrativ) einzusetzen, sowie definitorisch in der Kommunikation und Kontextualisierung zu arbeiten. Diese Art der Tätigkeit stellt der klassischen Form der Referenzierung von Kontexten und Werten, dem ›Symbol‹ bzw. des ›symbolhaften Regelbruchs‹, die Absicht einer (relativen) Wirksamkeit auf das Subsystem gleich. Somit gestaltet (oder moduliert) der Künstler auf der Handlungsgrundlage einer prozesshaft reflektierten Haltung nicht ein Medium zur Form-/Objekt-/Bildfindung als Ausdruck, sondern zur Realisation (und damit Abstraktion) einer Idee/eines Zieles als Anschauung mit politischer Relevanz. [...]</p> <p>(aus »Objekt Subjekt Prädikat«, Ruediger John in: »Künstlerische Bildung nach Pisa«, (Hgg.) Internationale Gesellschaft der Bildenden Künste (IGBK); Landesakademie Schloß Rotenfels, Joachim Kettel, Athena-Verlag Oberhausen 2004)</p> <p>Teilnehmende:<br /> Ella Hering, Mirya Gerardu, Rüdiger Schlömer, Norma Mack, Sencer Vardarman, Chongmin Kim, Steffi Hanna, Marina Landia, Antje Weitzel, Natasa Drakula, Holger Kruse, Andreas Wendt, Sibylle Stammberger, Ryu Hee Dong, Angelica Fernandez, Eva Randelzhofer, Diana Harty, Lea Schick, Margit Renatus, Christian Mayrock, Marion Roßner, Ilona Dubel, Hergen Wöbken, Zorka Vednarova, Grazyna Wilk, Barbara Müller, Margit Renatus, Tania Bedunane, Hyunjoo Choi, Sarah Schastok, Yurze Ido, Li Yuan, Anna Stern, Thomas Sturm</p>
2004-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/semiotikdiskurs.html https://artrelated.net/ruediger_john/semiotikdiskurs.html
Objekt Subjekt Prädikat - Ein Exkurs über systemische Kunst und kritische Ästhetik
<p><em>»The only way of discovering the limits of the possible is<br /> to venture a little way past them into the impossible.«01</em></p> <h5>Kurze Bemerkung zur Krise der Kunst02</h5> <p>Die Krise der Kunst ist vor allem die Frage nach einer künstlerischen Tätigkeit im Kontext zu Gesellschaft.</p> <p>Das Lamentieren und Philosophieren zur Krise der Kunst ist nicht neu - genauer gesagt ist es ein permanentes Topos innerhalb des Kunstsystems der Postmoderne. Auch mit dem Entstehen dessen, was nunmehr seit geraumer Zeit (fälschlicherweise) ›Mediengesellschaft‹ genannt wird, hat unter anderem die Bildproduktion und -distribution einen Wandel vollzogen, der sich nicht nur dauerhaft auf die Wahrnehmungsgewohnheiten innerhalb der Gesellschaften ausgewirkt, sondern damit auch die gesellschaftliche Funktion der Künste, sowie deren Status nachhaltig verändert hat.</p> <p>Der andauernde Diskurs und die damit einhergehenden Postulate über das ›Ende der Kunst‹ oder alternativ dem ›Ende der Malerei‹ oder auch von einer ›Medienkunst‹ oder aber einer ›Kunst als Wissenschaft‹ (die Liste ließe sich nahezu beliebig weiterführen und ausdifferenzieren) zeigen eines sehr deutlich: Die Akteure innerhalb des gesellschaftlichen Subsystems Kunst sind sich einer grundlegenden Veränderung der Kriterien und Bedeutung bewußt, verorten diese aber offenbar vor allem innerhalb des Systems selbst - anstatt diese als Einwirkungen (genauer: subsystemischer Relationen) von außen03 zu erkennen - und projizieren diese Problemstellung auf einzelne Bereiche und Handelnde innerhalb des Kunstsystems. Es zeigt sich auch, daß versucht wird, die Krise der Kunst mittels des klassischen, technikorientierten Kunstkanons zu begreifen oder aber, in einer kurzfristigen Betrachtungsweise, als Modeströmungen des boomenden Kunstmarktes umzunutzen04.</p> <p>Aber - kurzgefaßt - was ist die Krise der Kunst? Vor allem werden (neben dem immer wieder beklagten Fehlen von Kriterien als Grundproblem der Orientierung innerhalb der Künste und damit einer quasi Objektivierung der Wertung) die fehlende Wertschätzung (= die Bedeutungslosigkeit der Kunst im alltagspraktischen Handeln) und die Wirkungslosigkeit ihrer Akteure, wenn es um visionäre Ziele für die Gesellschaft geht, beklagt. Zugleich sind Künstlerinnen und Künstler, ganz persönlich, meist in ihrer angestammten Branche wenig erfolgreich und die professionellen Verlierer auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.</p> <p>Wenn also die Frage nach der Relevanz von Kunst und künstlerischem Handeln nicht in Bezug auf den tradierten Kunstkanon und innerhalb des Bezugssystems Kunst erklärt werden kann, muß man die Frage stellen, was Kunst zum gesellschaftlichen Alltagsleben und der Wahrnehmungsfähigkeit in diesem beitragen kann. Der Fokus verlagert sich also von der Wertschätzung des Objektes als Kunstwerk auf die Werthaftigkeit des ästhetischen Prozesses und dieser wird auch unter dem Kriterium seiner Wirkung wahrgenommen.</p> <h5>Prozessuale künstlerische Tätigkeit</h5> <p>Betrachtet man künstlerische Tätigkeit nicht als die Herstellung und Inszenierung von Objekten05 als Kunstwerke, sondern als kritische Reflexion und prozesshaftes Gestalten unter ästhetischen Kriterien, sieht man einige der typischen Attribuierungen des Werkes (wie Authentizität, Autarkie, Unikat) sowie deren Ableitungen auf den Autor (wie Kreator, Genie) in anderer Perspektive.</p> <p>Authentizität als gesellschaftliche Konstruktion06 und kollektives Wertkriterium, wie auch der Begriff ›Autarkie‹ sind aufgrund der Interaktionen in einem Prozess nicht auf das Ergebnis im Sinne eines Künstler-Kunstwerk Verhältnisses anwendbar; ebenso wird die Zueignung einer Autorschaft und deren Wertung relativiert, da sich der Gestaltungsprozess im wesentlichen auf die Kommunikation07 bezieht. Der solipsistisch-auratische Aspekt eines Genius verliert in der Fokussierung der Beziehungen zwischen den beteiligten Entitäten08 sein argumentatives Gewicht.</p> <p>In dieser, als kommunikatives System verstandenen, Interpretation von Wirklichkeit und im Verständnis eines systemischen Gesellschaftsmodelles (nach Niklas Luhmann) stellt sich sowohl die Funktion und somit deren Wertebasis, als auch die Handlungsformen und Strategien künstlerischer Tätigkeit anders dar.</p> <h5>Kunst als Funktion einer Gesellschaft</h5> <p>Mit ›Funktion‹ ist hierbei die Wirkung (Momentum) und Verankerung der Kunst und der beruflichen Tätigkeit ›Künstler‹ gemeint und ist nicht mit einer ›Funktionalisierung‹, also mißbräuchlichen Verwendung, zu verwechseln. Kunst existiert nur deshalb, weil sie für die Gesellschaft, der sie zugeordnet ist, eine Funktion ausübt, ihr also eine spezifische Rolle (quasi als gesellschaftlicher Auftrag) zugeeignet wird. Kunst und in deren Kontext Handelnde sind dann unbedingter Bestandteil der Gesellschaft09.</p> <p>Um also konstruktiv an der eingangs erwähnten Krise der Kunst zu arbeiten, bedarf es einer Feststellung der historischen und aktuellen gesellschaftlichen Funktion(en) von Kunst, der Ermittlung von relevanten, erweiterten Handlungsfeldern10, sowie der hierzu notwendigen Qualifikationen. So lassen sich künstlerische Haltungen als Basis für Handlungsformen entwickeln und Bildungsmaßnahmen planen. Dabei schließt die Frage nach der Funktion und Handlungsfeldern der Kunst keineswegs einen möglicherweise besonderen Wert, also auch eine besondere Bedeutung des Phänomens ›Kunst‹ aus - im Gegenteil, sie stellt zugleich und vor allem die Frage nach der (oder besser: einer) ›Idee von Kunst‹, somit nach unserer (gesellschaftlich geprägten) Vorstellung (= Konstruktion) und Vision des Begriffes11 und der resultierenden Praxis.</p> <h5>Repräsentation und retardierendes Moment</h5> <p>Im traditionellen Kunstsystem, besonders im Kunstmarkt, dienen Kunstwerke vor allem repräsentativen Aufgaben, werden also als Insignien der sozialen Abgrenzung (wie Macht) verwendet, haben ornamentalen Nutzen oder dienen fiskalisch-spekulativen Zwecken, bzw. bilden als Symbole und Beispiele die Grundlage für die Werte- und Bedeutungszueignung durch die Interpretatoren, Kuratoren und Kunstkritiker. Bezeichnend ist, daß sich Künstlerinnen und Künstler immer noch stark auf die Rolle als Produzenten und Lieferanten reduzieren lassen - deren visuelle Ergebnisse einer (wie auch immer quantitativ und qualitativ beschaffenen) Öffentlichkeit präsentiert werden. Hierbei bildet das Schaffen eines Einzelnen oftmals ein Puzzleteil einer übergeordneten Bedeutungsfindung durch ein Ausstellungskonzept. Nicht selten rückt dabei dieses und dessen Urheber in das Zentrum der Aufmerksamkeit; die Differenz der unterschiedlichen Arbeiten in den Hintergrund; die Organisatoren treten als die eigentlichen Kreatoren auf12.</p> <p>Zugleich werden dem künstlerischen Schaffen insbesondere ›visuelle Kompetenzen‹13 zuerkannt und Künstler darin ausgebildet, d.h. also der Fokus der Fähigkeiten weiterhin auf das sichtbar Gestaltete anstatt auf prozessuale Aspekte gelegt. Zudem zeigen die tradierte Pose und Imagebildung des Künstlers - an den Kunsthochschulen perpetuiert - sowie der tradierte medienorientierte Kunstkanon - dieser jüngst um den tautologischen Begriff der ›Medienkunst‹14 erweitert - eine mangelnde Reflexion der systemischen und gesellschaftlichen Bedingungen und konkreter Handlungen aufgrund dieser.</p> <h5>Reflexion und systemische ästhetische Tätigkeit</h5> <p>»Kunst dient der Reflexion und nicht der Repräsentation von Gesellschaft [...] insbesondere die Vernetzung von Erkenntnissen wissenschaftlicher Disziplinen mit kunst- und kulturorientiert Handelnden, ohne daß diese symbolisch Wissen replizieren oder ornamental illustrierend tätig sind, ist notwendiger Schritt um die Relevanz der Kenntnis dieser Divergenz, aber auch die konkrete Bildung der Fähigkeit zur Nivellierung dieser, zu ermöglichen. Zugleich will diese künstlerisch motivierte Tätigkeit die bessere Wahrnehmung und Einbeziehung ästhetischer Kriterien und Handlungsweisen, intuitiver und kreativ-sinnlicher, sowie atmosphärisch orientierter Perspektiven als unabdingbare, systemische Qualität von Gesellschaft erreichen. Erst die Assoziation und Relativierung sogenannter logischer, sachlicher Argumente und ästhetischer, intuitiver Wahrnehmungen ermöglicht ein ausgewogeneres Abbild und Verstehen von Wirklichkeit. [...]«15</p> <p>Anders also, wenn Kunst der Reflexion von Gesellschaft dient, sich also dem Diskurs der Sinn- und Bedeutungsfragen, der Kritik und Wertebildung direkt widmet und somit Künstlerinnen und Künstler gesellschaftsorientiert arbeiten. Damit geht einher, daß nicht mehr die Produktion von Objekten und insbesondere deren Präsentation im exkludierenden Kunstkontext, sondern vielmehr die Gestaltung von Prozessen als Beeinflussung von Entwicklungen und die Integration verschiedener Disziplinen16 im Vordergrund stehen; der Künstler ist nicht mehr als Experte für Gestaltungsfragen, sondern als Experte für Wahrnehmungsfragen und deren Relationierungen gefordert. Das bedeutet, daß ästhetische (= wahrnehmungsbezogene) Kompetenzen und deren künstlerische Anwendung in gesellschaftlichen Kontexten (= Relationierung) - die Künstlerin/der Künstler als Know-How/What/Why-Träger - eine wesentliche Fähigkeit darstellen; das Medium bzw. der Medienkanon zweitrangig wird und kommunikative, moderativ-mediative Qualifikationen und Diskurs- und Teamarbeit notwendig werden. Zudem erfordert diese Tätigkeit eine Vielzahl von Fähigkeiten, die, soweit lehrbar, in den Curricula der Akademien und Kunsthochschulen (v.a. in Deutschland) bisher keinen Platz haben17.</p> <p>Systemische künstlerische Tätigkeit heißt, mittels Abstraktion und Assoziation kritisch-ästhetisch Bedeutungen und Wertekontexte zu differenzieren und (bspw. interventionistisch oder infiltrativ) einzusetzen, sowie definitorisch in der Kommunikation und Kontextualisierung zu arbeiten. Diese Art der Tätigkeit stellt der klassischen Form der Referenzierung von Kontexten und Werten, dem ›Symbol‹ bzw. des ›symbolhaften Regelbruchs‹18, die Absicht einer (relativen) Wirksamkeit auf das Subsystem gleich. Somit gestaltet (oder moduliert) der Künstler auf der Handlungsgrundlage einer prozesshaft reflektierten Haltung nicht ein Medium zur Form-/Objekt-/Bildfindung als Ausdruck, sondern zur Realisation (und damit Abstraktion) einer Idee/eines Zieles als Anschauung19 mit politischer Relevanz20. Eine solche künstlerische Arbeit, deren Tätigkeit die systemischen Bedingungen und Relationen der gesellschaftlichen Subsysteme, aber auch der semiotischen Kriterien und Kontextualisierung umfaßt, nenne ich systemische Kunst21.</p> <h5>Künstlerische Forschung als spezifische ästhetische Praxis</h5> <p>Künstlerische Forschung bezeichnet eine künstlerische Arbeitsweise die mittels ästhetischer Kompetenzen Relationierungen (kontextfremde Assoziierungen) in gesellschaftlichen Subsystemen erarbeitet und anwendet.</p> <p>»Künstlerische Forschung mag als Terminus für diejenigen ungewohnt sein, die ›Forschung‹ ganz selbstverständlich durch das Attribut ›wissenschaftlich‹ ergänzen. Sie verengen ihren Blickwinkel damit auf eine Methode, die in der heutigen Form erst seit rund 350 Jahren, seit der Idee der Subjekt-Objekt-Spaltung durch Descartes, betrieben wird. [...] Was unterscheidet die künstlerische von der wissenschaftlichen Forschung? Künstlerische Forschung ist nicht an konventionelle Paradigmen der Wissenschaftlichkeit gebunden, sie kann ohne dogmatischen Methodenzwang agieren [...], kann ohne Rücksicht auf die Definitionsmacht von Spezialisten in unterschiedlichsten Lebensbereichen erkenntnisfördernd tätig werden, dabei das Subjekt als Parameter einsetzen und ästhetische Kriterien bei der Konstruktion von Wirklichkeiten zu Grunde legen [...]«22</p> <p>Entscheidend hierbei ist, daß sich künstlerisches Handeln nicht als öffentlicher Selbstfindungsprozess, naive Visualisierung im Symbolischen und dem Agieren im mythenbehafteten Kunstverständnis versteht, sondern »[...] sich kritisch subjektiver (künstlerischer) Methoden, rechercheorientierter und disziplinenverbindender Strategien bedient um kontextfremde Ergebnisentitäten erkenntnisbringend zu assoziieren.«23 »[...] Charakteristisch für künstlerische Forschungsarbeit ist ein nicht-lineares, prozesshaftes Denken und Handeln [...]«24 sowie die Fähigkeit, ästhetische Kriterien in anderen Kontexten und Subsystemen zu entwickeln und abstrahierend (kritisch) anzuwenden.</p> <p>»[...] Künstlerische Forschung untersucht eine Vielzahl von Kriterien und Faktoren gleichzeitig, ist also auch eine atmosphärische Analyse, wohingegen wissenschaftliches Arbeiten gemeinhin bemüht ist, einzelne Phänomene zu isolieren und zu entkoppeln um diese exakter bestimmen zu können und vorhersagbar/reproduzierbar zu machen (also der Unterschied zwischen der Forschung ›ex actus‹ und der Forschung ›in vivo‹). [...]«25.</p> <h5>Kritische Ästhetik</h5> <p>Basis der künstlerischen Tätigkeit in systemischer Kunst und künstlerischer Forschung ist nicht nur eine ästhetische Kompetenz der Kontextualisierung (Ästhetik26), sondern auch deren differenzierte, wertebehaftete und wertende Praxis (Kritik27) - also einer kritischen Ästhetik. Diese ist nicht exklusiv im Künstlerischen verankert (dort leider eher selten), sondern bezeichnet eine (fallweise ausgebildete) subsystemunabhängige Qualifikation der Relationierung kontextfremder Entitäten. Betrachtet man bspw. das System Gesellschaft, kann man davon ausgehen, dass an den Peripherien von gesellschaftlichen Subsystemen vor allem ästhetische Kriterien von Belang (beispielsweise erfahren auch objekt- und bildhafte Manifestationen in den Schnittmengen und Übergangsbereichen der Subsysteme autopoietisch bedingte Umwertungen28) und in diesen Bereichen wertebasierende Diskurse anzusiedeln sind. Für diese gesellschaftliche Aufgabe können insbesondere auch Künstlerinnen und Künstler, soferne sie nicht am traditionellen Verständnis der Kunstproduktion orientiert sind, einen wertvollen Beitrag leisten.</p> <p>Zürich, Februar 2004</p> <p>01 Arthur C. Clarke, Autor<br /> 02 Auch weil dies seitens des Publikums in einer Reihe von Veranstaltungen und bei Vorträgen so gerne thematisiert wird.<br /> 03 Ich möchte hier auf die konstruktivistischen Erläuterungsmöglichkeiten, der Kunst als autonomes Soziales System, dessen Autopoiesis die Infragestellung notwendigerweise ausbildet etc. verzichten - weil diese zwar eine Erklärung liefern, aber keine befriedigende Antwort auf die Sinnfrage (und damit die Relation zu anderen Subsystemen).<br /> 04 »Zur diesjährigen Art Basel wird die figurative Malerei ganz groß rauskommen.« sagte mir unlängst eine Galeristin die es wissen muß.<br /> 05 Hierin einbezogen bspw. die Herstellung von Bildern, welche sich ebenfalls als Objekte manifestieren, sowie die Präsentation der Dinge (wie auch die Präsentation als Inszenierung selbst), da diese im engeren Sinne Sichtbarmachungen eines Status Quo darstellen.<br /> 06 Interessant ist, daß, obgleich diese Konstruktionen ausdifferenziert sind (man kann nur von einer ›relativen Authentizität‹ sprechen), sie in unserer Alltagskommunikation uneinheitlich wahrgenommen und praktiziert werden. So sind uns (als Alltagsbeispiel) meist Warenmarken als Signaturen für das scheinbar Originale wichtig und dienen der sozialen Abgrenzung, zugleich wissen wir aber, daß bspw. das Werbeversprechen ›Authentic Wear‹ keiner rationalen Untersuchung standhält (mit Kunstwerken verhält es sich ähnlich).<br /> 07 Kommunikation (und Interaktion) meint in diesem Zusammenhang nicht explizit ein kommunikationstheoretisches Modell der Informationsübertragung, sondern im systemtheoretischen Sinne das eines semiotischen Bezugssystems.<br /> 08 sowohl der handelnden/rezipierenden Personen, als auch der Objekte<br /> 09 Ich erwähne das, weil die im Kunstumfeld beliebte Weisheit »Der Künstler steht außerhalb der Gesellschaft.« eben keine ist - wie auch die der »Zweckfreiheit der Kunst«.<br /> 10 Neue Handlungsfelder zu ermitteln kann eine künstlerische Forschungsarbeit darstellen, wie sie als Beispiel zur Definition von ›Transferkunst‹ geführt hat. Zugleich ist diese künstlerische Tätigkeit als, im autopoietischen Sinne, ›Selbstbeauftragung‹ innerhalb des Kunstsystems zu sehen und bedeutet in ihrer Umsetzung systemisches künstlerisches Arbeiten.<br /> 11 Damit setzt die Frage (und diese ist zugleich Indiz eines autonomen Subsystems) auch vor einer Kanonisierung der Kunst an.<br /> 12 vgl. Sloterdijk, Peter: Die Verachtung der Massen, Edition Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2000<br /> 13 Hierzu gibt es zahlreiche Projekte und Ansätze, die sich letztlich oftmals in der Ausbildung technischer Fähigkeiten im Umgang mit digitalen Medien erschöpfen und kritische, ästhetische Aspekte vernachlässigen.<br /> 14 Dieser Begriff, erkennbar dem tradierten Kunstkanon verhaftet und aus der Verkürzung der ›Neuen Medien‹ entstanden, bedeutet zum einen eine Verunklärung der bezeichneten Tätigkeit (es sind eben nicht die alten Medien gemeint) und bezeichnet so eigentlich die künstlerische Tätigkeit welche sich eines Mediums bedient - und das ist alle Kunstpraxis.<br /> 15 aus der Initiativpublikation des AID (Artists In Discourse) Project, Art And Context Initiative, New York City 1996/1997<br /> 16 Es zeigt sich insbesondere in der Quasi-Postmoderne (und es sei hier explizit auf Bruno Latour verwiesen) daß Erkenntnisarbeit ein transdisziplinärer Akt ist. S. a. Latour, Bruno: Wir sind nie modern gewesen, Fischer, Frankfurt a. M. 1998<br /> 17 Man könnte sich bspw. vorstellen, das Kunststudium eher mit den philosophischen und sozialwissenschaftlichen Fakultäten zu koppeln (was vereinzelt geschieht), anstatt mit denen der angewandten Gestaltungsberufe.<br /> 18 Der Begriff des ›symbolhaften Regelbruchs‹ im politischen Sinne ist der 68er Generation sicher noch gut in Erinnerung, beruht aber auf den künstlerischen Entwicklungen ›Dada‹ und ›Situationistische Internationale‹ (die wichtige Vorläufer der politischen Bewegung waren).<br /> 19 Das bedeutet nicht, daß er konkrete oder gar dauerhafte Lösungen (für gesellschaftliche oder soziale Phänomene und Dynamiken) entwickeln muß, wohl aber, daß er Bestimmungen und Wertungen in diesen Kontexten vornimmt.<br /> 20 ›politisch‹ wird hier in Bezug zu ›zoon politikon‹, nicht im Sinne einer Partei- oder Berufspolitik, verwendet.<br /> 21 'John, Ruediger: Systemic Art as an Approach for the Aesthetic Worker, Scrapbook 1995-1998, limited edition, 1998'<br /> 22 Heid, Klaus; 'John, Ruediger: TRANSFER: Kunst Wirtschaft Wissenschaft, [sic!] Verlag für kritische Ästhetik, Baden-Baden 2003'<br /> 23 ebd.<br /> 24 ebd.<br /> 25 'John, Ruediger: Explorative Recherche als künstlerische Methode, KONTUREN - Magazin der Fachhochschule für Gestaltung, Technik und Wirtschaft Pforzheim, Pforzheim/Baden-Baden 2003'<br /> 26 vereinfacht: erkenntnistheoretische, subjektive Untersuchung der Konstruktion und Struktur des Objektes (der Betrachtung), dessen Relation zur Wirklichkeit sowie Bedingungen und Formen der Rezeption<br /> 27 vereinfacht: Beurteilung, Unterscheidung (Differenzierung), Auseinandersetzung mit Handlungen, Normen, Zielen<br /> 28 So unterliegt ein Kunstwerk, wenn es vom Künstler über den Galeristen zum Käufer die Subsysteme wechselt, unterschiedlichen Bewertungen und Wahrnehmungen. Der Künstler mag bspw. darin seinen subjektiven Ausdruck verkörpert sehen, der Galerist einen Warengegenstand dessen Stil auffällt und der Käufer eine Farbkombination wie sie seinen Vorstellungen entspricht.</p> <p><strong>Information zur Person:</strong><br /> Ruediger John; Austria, betreut als Künstler seit 1995 Unternehmen und Organisationen mit kritisch-ästhetischem Coaching und Consulting; situative, installative, interventionistische, recherche- und publikationsorientierte Arbeiten; definitorische und praktische Arbeiten in künstlerischer Forschung, systemischer Kunst und Transferkunst; zahlreiche Einladungen zu Ausstellungen, Veranstaltungen und Diskursen. Seit 2000 lehrte er als künstlerisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter, 2001-03 mit künstlerischem Lehrauftrag ›situatives, installative Arbeiten, Kontextualisierung, Kognition, Mixed-Media‹ an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, sowie in weiteren Lehraufträgen und Gastlehrveranstaltungen. 2002-03 Lehrstuhlvertretung im Bereich ›Kunst/Kunst- und Designwissenschaften‹ an der Fachhochschule für Gestaltung, Wirtschaft und Technik Pforzheim. Er ist Mitbegründer der ›Gesellschaft für kritische Ästhetik‹. <a href="http://artrelated.net/ruediger_john/">http://artrelated.net/ruediger_john/</a> und www.critical-aesthetics.org.</p> <p><a href="Objekt-Subjekt-Praedikat.pdf">Objekt Subjekt Prädikat</a></p> <p>Erschienen in:<br /> John, Ruediger in: Internationale Gesellschaft der Bildenden Künste (IGBK); Landesakademie Schloß Rotenfels; Kettel, Joachim (Hrsg.): &quot;Künstlerische Bildung nach Pisa - Beiträge zum internationalen Symposium Mapping Blind Spaces - Neue Wege zwischen Kunst und Bildung.&quot; Museum für neue Kunst, Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe und Landesakademie Schloß Rotenfels, Athena-Verlag, Oberhausen</p>
2004-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/objekt-subjekt-praedikat.html https://artrelated.net/ruediger_john/objekt-subjekt-praedikat.html
MEHR WERT - Künstler, Unternehmer und Wissenschaftler im Dialog
<p><img src="mehrwert-dialog01.jpg" alt="MEHR WERT, Kuenstler, Unternehmer und Wissenschaftler im Dialog" title="MEHR WERT, Kuenstler, Unternehmer und Wissenschaftler im Dialog" /></p> <p>Die Veranstaltungsreihe MEHR WERT thematisiert in sieben Diskussionsforen mit Künstlern, Wissenschaftlern und Unternehmern das Verhältnis von unternehmerischem und künstlerischem Denken und Handeln.</p> <h5>MEHR WERT hat zum Ziel</h5> <p>/ das gegenwärtige Zusammenspiel zwischen Kunst und Wirtschaft zu reflektieren<br /> / ein Spektrum der aktuellen Praxis, Strategien, Konsequenzen und Reaktionen aufzuzeigen / Thesen und Modelle für neue Formen der Zusammenarbeit zu entwickeln und<br /> / Impulsgeber für konkrete Projekte zu sein</p> <h5>NEUBEWERTUNG UND TRANSFER</h5> <p>Vor dem Hintergrund einer Neubewertung des Verhältnisses von Kunst und Wirtschaft und mit dem Wandel der Gesellschaft zur Welt- und Wissensgesellschaft erhält der Begriff des Mehrwerts neue Bedeutsamkeit. Will man den Begriff an der Schnittstelle von Kunst und Wirtschaft thematisieren, bedeutet das, die Interessenslagen der verschiedenen Akteure in Beziehung zu setzen, das Feld des Wertes, der Bewertungen neu abzustecken und die Bereiche von materieller und ideeller bzw. immaterieller (Bedeutungs-)Produktion auszubalancieren.<br /> Die Herausforderung besteht sowohl darin, Verständnisschwierigkeiten zwischen Kunst und Wirtschaft zu begegnen sowie Rahmenbedingungen für eine Kooperation auszuloten, Bezüge zwischen den verschiedenen Akteuren und Handlungsfeldern zu intensivieren und evtl. Wege der Zusammenarbeit zu erfinden. Derartige Transferprozesse will die MEHR WERT - Veranstaltungsreihe moderieren.</p> <h5>ERWEITERTE HANDLUNGSFELDER</h5> <p>Neben den traditionellen Zugängen von Wirtschaftsunternehmen zur Kunst - Kunst zur repräsentativen Ausgestaltung und als Wirtschaftsfaktor, Kunst als Imageträger, als Event oder als Teil der regionalen Standortförderung - sind zunehmend neue Formen der Kooperation zu beobachten. Das Interesse der Wirtschaft an der Kunst geht über Kunst als Werkform hinaus: Unternehmer beginnen zu erkennen, dass Künstler ihnen dabei helfen können, auf den gesättigten und immer komplexer werdenden Märkten, Mehrwert für ihr Unternehmen und ihre Kunden zu schaffen und heben das Potential sinnhafter Orientierung und inhaltlicher Qualifizierung hervor. Mehrwert bezeichnet nicht mehr nur einen Teil der materiellen Wertschöpfung: Immaterielle Werte wie Transparenz, soziale Verantwortung, Beziehungsfähigkeit oder Nachhaltigkeit greifen entscheidend in unternehmerische Grundsätze ein.<br /> Auch das Selbstverständnis der Kunst ist in einem fortlaufendem Wandel: Dem Unbehagen an der Ökonomisierung wird sowohl mit der verbreiteten Akzeptanz der Entdifferenzierung von Kunst und Wirtschaft als auch mit einer Ausweitung künstlerischer Handlungsfelder begegnet. Kunstproduzenten und -institutionen greifen unternehmerische Prinzipien, Strategien, Rollen oder Modelle - leitbildhaft oder kritisch - auf. Verschiedene künstlerische Projekte gehen aus der Auseinandersetzung mit Ökonomie und Unternehmertum hervor, machen deren Funktionsweisen transparent, auf Fehlentwicklungen aufmerksam oder setzen sich mit den Konsequenzen der Globalisierung auseinander. Künstlerische Handlung kann u.a. auch darin bestehen, Unternehmensprozesse direkt zu begleiten, einzuwirken und Veränderungen zu initiieren.</p> <h5>KUNST ALS GESCHÄFTSMODELL</h5> <p>In der Wirtschaft entwickelt sich ein Verständnis dafür, dass es auch um die Arbeit mit Weltbildern, Kulturen und den Identitäten von Unternehmen geht und die &gt;weicheren&lt; Seiten der Unternehmensführung wie Kundenbeziehungen, Unternehmenskultur oder Vertrauen heute die eigentlich &gt;härteren&lt; und erfolgsentscheidenden Faktoren sind. So hängt der ökonomische Erfolg eines Unternehmens zunehmend auch von dessen Kompetenz ab, gesellschaftliche Prozesse zu verstehen und sie in die Unternehmensrealität zu integrieren.<br /> Zu den Verantwortlichkeiten der Künstler gehört, in die Bedeutungsbildung einzugreifen. Ihre kulturelle Mehrwertproduktion begleitet und reflektiert gesellschaftliche Entwicklungen. Kunst kann Motive für individuelles Handeln ausbilden, veranschaulichen und unterstützen.</p> <h5>ICH-AG UND SOZIALE PLASTIK</h5> <p>Die Dialoge der Reihe MEHR WERT sollen Facetten der ökonomischen, kulturellen, sozialen und personengebundenen Mehrwertproduktion beleuchten, die aus dem Spannungsbogen zwischen Kunst und Wirtschaft hervorgehen. Thematisiert wird das Spektrum der Möglichkeiten und Grenzen direkter und indirekter Kooperationen zwischen Kunst und Wirtschaft.</p> <h5>MEHR WERT geht besonders folgenden Fragestellungen nach:</h5> <p>/ In welchem Umfang können Unternehmen Handlungsfelder für Künstler sein?<br /> / Wie verändern sich die kritischen Strategien der Kunst?<br /> / Wie kann künstlerische Kompetenz im Unternehmen eingebunden werden und welche Prozesse kann sie unterstützen?<br /> / Welchen Nutzen hat dies für die Unternehmenswelt und ihre Strukturen?<br /> / Gibt es einen wechselseitigen Bedeutungsprofit in diesem Kontextsystem und welcher Wandel im gegenseitigen Selbstverständnis ist gegebenenfalls erforderlich?<br /> / Wo beginnt die Instrumentalisierung von Kunst durch die Wirtschaft und wo beginnt die Funktionalisierung der Wirtschaft durch Künstler und Kunstinstitutionen?<br /> / Wo liegen die Chancen und die Gefahren einer Kulturalisierung des Ökonomischen und einer Ökonomisierung des Kulturellen?<br /> / Gibt es eine Verständigung über den Arbeits-, Dienstleistungs- und Kommunikationsbegriff?<br /> / In welchem Ausmaß kann Kunst ein Katalysator für gesellschaftlichen und für wirtschaftlichen Fortschritt sein?</p> <h5>DIALOGE</h5> <p>Die verschiedenen Veranstaltungen akzentuieren, im Dialog mit dem Publikum, unterschiedliche Ansatzpunkte künstlerisch-unternehmerischer Kooperationen: Im Unternehmen (Unternehmenskultur), an der Schnittstelle zwischen Unternehmen und Markt (Marketing, Design und Kunst) sowie im Beziehungsgeflecht von Arbeitswelten, Markt und Gesellschaft.</p> <h5>Moderiert werden die Veranstaltungen von:</h5> <p>Klaus Heid / Ruediger John (Gesellschaft für kritische Ästhetik), Reto Krüger (Kunsthistoriker), Dr. Claudia Pohl (Kunsthistorikerin), Angelika Stepken (Badischer Kunstverein), Dr. Christian Votava (realise)</p> <h5>Veranstaltungen/Personen</h5> <p>/ 6. Februar 2004 19-21 Uhr<br /> Badischer Kunstverein / Waldstr. 3 / 76133 Karlsruhe Moderation: Angelika Stepken / Klaus Heid </p> <p>UNTERNEHMENSKULTUR – durch Kunst?</p> <p>Prof. Dr. Michael Bockemühl<br /> Professor für Kunstwissenschaft, Ästhetik und Kunstvermittlung, Universität Witten/Herdecke</p> <p>Michael J. Kolodziej<br /> Diplom-Betriebswirt, Mitglied der Geschäftsleitung von dm-drogerie markt GmbH &amp; Co. KG (Karlsruhe)</p> <p>/ 5. März 2004 17-19 Uhr<br /> art Karlsruhe / Messe Karlsruhe / Messegelände / 76287 Rheinstetten<br /> Moderation: Claudia Pohl / Reto Krüger</p> <p>KONSUM und MARKETING – Kunst als kultureller und ökonomischer Faktor?</p> <p>Prof. Volker Albus<br /> Professor für Produktdesign, Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe</p> <p>Prof. Dr. Norbert Bolz<br /> Professor für Medienwissenschaft, Technische Universität Berlin</p> <p>Wolfgang Ullrich<br /> Kunsthistoriker, Gastprofessor für Kunsttheorie, Hochschule für bildende Künste Hamburg</p> <p>/ 2. April 2004 19-21 Uhr<br /> Industrie- und Handelskammer Karlsruhe / Lammstr. 13-17 / 76133 Karlsruhe Moderation: Angelika Stepken / Klaus Heid</p> <p>ARBEITSWELTEN im Wandel – weiche Faktoren trotz harter Realität?</p> <p>/ 14. Mai 2004 19-21 Uhr<br /> Badischer Kunstverein / Waldstr. 3 / 76133 Karlsruhe<br /> Moderation: Claudia Pohl / Reto Krüger</p> <p>ICH-AG und SOZIALE PLASTIK – das neue gesellschaftliche Kapital?</p> <p>Johannes Stüttgen<br /> Bildender Künstler, Omnibus für Direkte Demokratie, Unternehmen Wirtschaft und Kunst - erweitert (Düsseldorf)</p> <p>Prof. Peter Wippermann<br /> Trendforscher und Kommunikationsdesigner, Mitbegründer und Gesellschafter des Trendbüros Hamburg</p> <p>/ 4. Juni 2004 19-21 Uhr<br /> Badischer Kunstverein / Waldstr. 3 / 76133 Karlsruhe<br /> Moderation: Klaus Heid / Ruediger John</p> <p>KUNST im UNTERNEHMEN – Zukunftsfähigkeit durch Kunst?</p> <p>Prof. Dr. Eckhard Minx<br /> Zukunftsforscher, Leiter der Forschungsgruppe Gesellschaft und Technik, DaimlerChrysler AG (Berlin)</p> <p>Mathis Neidhart<br /> Bildender Künstler, künstlerischer Prozessbegleiter bei der DaimlerChrysler AG (Nürnberg) </p> <p>Dr. Renate Wiehager<br /> Kunsthistorikerin, Leiterin der Abteilung Kunstbesitz der DaimlerChrysler AG (Stuttgart/Berlin)</p> <p>/ 2. Juli 2004 19-21 Uhr<br /> Ursula Blickle Stiftung / Mühlweg 18 / 76703 Kraichtal-Unteröwisheim Moderation: Christian Votava</p> <p>Die Expressivität der Marke</p> <p>Prof. Dr. Gernot Böhme<br /> Philosoph, Professor emerit. an der Technischen Hochschule Darmstadt</p> <p>/ 3. September 2004 19-21 Uhr<br /> Badischer Kunstverein / Waldstr. 3 / 76133 Karlsruhe<br /> Moderation: Klaus Heid / Ruediger John</p> <p>KUNST und WIRTSCHAFT – eine kulturelle Partnerschaft?</p> <p>Karin Heyl<br /> Literaturwissenschaftlerin, Geschäftsführerin des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im BDI e.V. (Berlin)</p> <p>Dr. Michael Tacke<br /> büro orange – Agentur für Kunst im Arbeitsalltag, Vorstandsvors. des Design Zentrums München, Aufsichtsratsvors. Bayern Design (München)</p>
2004-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/mehrwert.html https://artrelated.net/ruediger_john/mehrwert.html
Die Verklärung des Gewöhnlichen
<p><img src="verklaerung06.jpg" alt="Die Verklaerung des Gewoehnlichen" title="Die Verklaerung des Gewoehnlichen" /></p> <p><img src="verklaerung01.jpg" alt="Die Verklaerung des Gewoehnlichen" title="Die Verklaerung des Gewoehnlichen" /></p>
2003-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/verklaerung-gewoehnlich.html https://artrelated.net/ruediger_john/verklaerung-gewoehnlich.html
Wie verbessere ich mein Leben? Künstlerische, explorative Recherche über normative Implikationen populärkultureller Printmedien
<p><strong>die 33 Regeln zum Glück</strong><br /> <strong>Powermeditation für besseren Sex</strong><br /> <strong>Beauty-Geheimnisse der Stars</strong><br /> <strong>Flirt-Tricks für Beach und Bar</strong><br /> <strong>jetzt reich werden</strong></p> <p>Diese und ähnliche »praktische Lebensanleitungen« begleiten uns in allen populären Zeitschriften und Magazinen - sie behaupten, auf die elementaren Fragen in Beruf, Kultur und Gesellschaft kompakte, zielgerichtete und überprüft-wirksame Lösungen und Hilfen zu bieten. Eingebettet werden diese zielgruppengerecht in den optimalen Marken- und Mode- und Infotainmentmix und üben einen normierenden Einfluß auf ihre Leserschaft aus; produzieren Leitbilder und Trends. Wie kann man diesen Wirkweisen, neben den gängigen wissenschafltichen Untersuchungen, auf die Spur kommen und untersuchen? Wie kann man mittels kreativer oder künstlerischer Methoden eine persönliche kritische Haltung entwickeln?</p> <p>Der Workshop wird, anders als mit exakten Analyseformen, das Phänomen und dieses Medium experimentell mit künstlerischen Mitteln in vivo und teils spielerisch bearbeiten. Dabei werden mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Team visuelle, gestalterische, aktionistische und interventionistische Ideen entwickelt und umgesetzt. In der Arbeit und Auseinanderstzung werden mittels Fotografie, Video, Text und Aktionen Kommentierungen und Wertungen über die Wirkweisen des Quellenmaterials, sowie kritisch Assoziationen zwischen den vermittelten Fiktionen, der realen Umwelt und der eigenen Person erarbeitet und dargestellt. Der Künstler und Unternehmenscoach Ruediger John wird die Teams in ihrer experimentellen Recherche im Diskurs und technisch betreuen; die Aktivitäten werden dokumentiert und Ergebnisse dieses Workshops können in einer anschließenden Ausstellung präsentiert werden.</p> <h5>Zielsetzung</h5> <p>Mit den Studierenden wird, ausgehend von der Populärlektüre ihrer Zielgruppe, im besten Falle mit den Magazinen die sie selbst tatsächlich lesen, eine kritische Haltung zu den darin vermittelten Handlungsanleitungen, Rollenverständnissen und Wertvorstellungen entwickelt werden, indem die Empfehlungen, aufbereiteten Lösungsmuster und Vereinfachungen (die häufig gerade die zentralen sozialen und damit komplexesten gesellschaftlichen Phänomene, wie bspw. Beruf, Partnerschaft, Liebe betreffen) mittels künstlerischer Mittel untersucht, bearbeitet und assoziiert werden.</p> <p>Dabei werden nicht nur einzelne Artikel, Tests und Auflistungen der Magazine herangezogen, sondern die unterschiedlichen Publikationen in ihrer gesamten visuellen Präsenz und dem Themenspektrum in einer Folge von Erscheinungen bearbeitet.</p> <p>Die Herangehensweise und entstehenden Aktivitäten sind dabei kritisch-ästhetische mit künstlerischen Methoden; diese werden innerhalb des Workshops mit den Teilnehmenden entwickelt und praktisch durchgeführt: So können bspw. Anleitungen zum individuellen Verhalten exemplarisch performativ in Alltagsumfeldern überprüft (und entlarvt), die beworbenen Produkte und dargestellen Soziotypen und Kernaussagen in Verbindung mit Materialien aus dem Persönlichen zu semantischen Netzen collagiert, das reale Umfeld der Leserschaft mit dem propagierten vergleichend dokumentiert und kommentiert, oder aber die Quellen dieser Behauptungen und Informationen bspw. mittels Interviews untersucht werden.</p> <p>Die individuelle Wahl des Themenschwerpunktes und der Vorgehensweise wird innerhalb der Gruppe besprochen und koordiniert und soll idealerweise in kleinen Teams erfolgen. Ziel der Tätigkeit ist es, möglichst direkt (intuitiv, praktisch und explorativ) assoziativ und visuell die Wirkungsfelder dieser Magazine exemplarisch darzustellen und dabei implizit Wirkweisen festzustellen ohne sich dabei in eine detaillierte Ausarbeitung zu verstricken.</p> <p>Die Studierenden können somit eine ganz persönlich motivierte und subjektive Untersuchung ihres Umgangs mit diesen Medien durchführen und unter Umständen eine kritische Distanz zu den vermittelten Mustern und Meinungen entwickeln.</p> <p>Die Ergebnisse unterschiedlicher medialer Form werden aufbereitet und im Anschluß in einer Ausstellung oder Publikation zusammengefaßt präsentiert. Mit diesem Workshop sollen den Studierenden erste Erfahrungen mit interventionistischen, rechercheorientierten und explorativen künstlerischen Methoden ermöglicht werden; dabei wird Wert darauf gelegt, daß sie entdecken, welche Möglichkeiten der Erkenntnis und der Bedeutungszuschreibung in intuitiven Herangehensweisen und subjektiven Arbeitsformen liegen.</p> <p>Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaften und Studium Generale ZAK, Universität Karlsruhe (Center for Applied Cultural Sciences, University Karlsruhe), 2003</p>
2003-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/verbessere-dein-leben.html https://artrelated.net/ruediger_john/verbessere-dein-leben.html
MODKONF - Sprechen ist Benennen ist Verstehen
<p><img src="modkonf-besprechung04.jpg" alt="MODKONF - Sprechen ist Benennen ist Verstehen" title="MODKONF - Sprechen ist Benennen ist Verstehen" /></p> <p><img src="modkonf-besprechung01.jpg" alt="MODKONF - Sprechen ist Benennen ist Verstehen" title="MODKONF - Sprechen ist Benennen ist Verstehen" /></p> <p><img src="modkonf-besprechung02.jpg" alt="MODKONF - Sprechen ist Benennen ist Verstehen" title="MODKONF - Sprechen ist Benennen ist Verstehen" /></p> <p><img src="modkonf-besprechung03.jpg" alt="MODKONF - Sprechen ist Benennen ist Verstehen" title="MODKONF - Sprechen ist Benennen ist Verstehen" /></p> <h5>Stegreifprojekt</h5> <p>Für das Gelingen von Kongressen, Konferenzen und Diskussionsveranstaltungen sind das Ambiente, die mediale Ausstattung und die Gestaltung der Räume, aber auch wesentlich die Organisation und der Ablauf verantwortlich. Ein Kongress lebt und wirkt vor allem auch in seiner Inszenierung, der richtigen Dynamik der Veranstaltung und der adäquaten Initiierung von Dialogmöglichkeiten. Damit die Beteiligung des Publikums, nachhaltige Erkenntnisse und eine distributierbare Dokumentation möglich werden, bedarf es der richtigen Vorinformation der Gäste, der guten Mischung aus Vorträgen, offenem Gespräch unter Beteiligung des Publikums und der Möglichkeit zur Arbeit in kleineren Gruppen - dies jeweils in angemessenem Verhältnis zueinander und im passenden Ambiente.</p> <p>Viele Veranstaltungen kranken daran, dass sie zu wenig ausgewogen die unterschiedlichen Formen der Kommunikation, die Ansprüche des Publikums und moderne Vermittlungs- und Dialogformen berücksichtigen.</p> <p>Immer noch werden bekannte Abläufe mit all ihren Nachteilen musterhaft wiederholt und so oftmals der Wert der Veranstaltungen gemindert.</p> <p>Zugleich ist die persönliche Kommunikation trotz, oder gerade wegen, der zunehmenden anonymisierten, technischen Vernetzung und dem Faktor Zeit als knappe Ressource wichtiger denn je.</p> <p>Was liegt also näher, als sich von ästhetischer, gestalerischer Perspektive aus diesem Phänomen und den Problemstellungen grundlegend zu widmen und praxisnahe Lösungen zu erarbeiten!</p>
2003-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/modkonf.html https://artrelated.net/ruediger_john/modkonf.html
Macht als phänomenologisches Gestaltungsmittel künstlerischer Tätigkeit
<h5>Abstract</h5> <p>In der künstlerischen Tätigkeit - als meist visuelle und objekthafte Assoziationsarbeit zwischen u.a. persönlichen, gesellschaftlichen, ethischen, moralischen Fragestellungen - besteht in vielen Fällen ein kritischer Bezug zu Phänomenen, Riten und Verhältnissen von Macht. Über diese wird in ästhetischen Kriterien reflektiert und m.U. moralisch argumentiert (so auch eine gängige Erwartungshaltung der Gesellschaft).</p> <p>Was, wenn nun in einem Falle ›Macht‹ nicht explizites Thema und Motiv künstlerischer Tätigkeit ist, sondern als Gestaltungsmittel und Anlaß selbst genutzt wird? Wie sieht künstlerische Tätigkeit jenseits der Reflexionsarbeit und Kritik über ›Macht‹ als Topos - jenseits der ornamentalen Funktion in gesellschaftlichen, politischen Bewegungen und jenseits der affirmativen, systemimmanenten Strategien aus? Wie agiert und wirkt künstlerisches Tun das sich ›Macht‹ als Gestaltungsmittel aneignet/bedient, also Künstlerinnen und Künstler nicht in der ›Perspektive auf Macht‹, sondern ›mittels dieser‹ aktiv sind? In welchen Formen und mittels welcher Strategien ist ›Macht‹ als abstraktes Medium in seiner Ausübung zu künstlerischen Gestaltungsvorgängen anwendbar?</p> <p>In diesem Workshop soll experimentell mit einfachen Mitteln interventionistischer, performativer Elemente das Phänomen und Kriterum ›Macht‹ als Gestaltungsmittel ausprobiert und situativ Wirkungen evoziert werden. Hierbei werden vor allem Fragen der Posen, Symbole und Gesten, der Sprache und deren Intonation als Ausdrucksmittel, Gruppendynamiken und Willensbildungsprozesse, Mengen- und Kräfteverhältnisse, sowie persönliche Dispositionen untersucht, sowie diese praktisch erprobt. Dabei werden die mit den Teilnehmenden im Team erarbeiteten Versuche und Erkenntnisse direkt in den Kongress-Kontext zurückwirken und vor Ort in Wirkung und Reflexion rezipierbar sein. Als Elemente der Versuchsanordnung werden, neben der Erarbeitung und Erprobung primärer Wirkungen und Manipulationsmöglichkeiten, selbstverständlich auch die Feststellung von Rückwirkungen auf die Akteure selbst in Interaktionen mit einbezogen.</p> <p>Interventionistische Arbeitsweisen als Handlungsfeld systemischer Kunst (also künstlerische Handlungen, die sich bewußt der Kriterien, Haltungen, Rituale und Wechselwirkungen gesellschaftlicher Subsysteme bedienen um Wahrnehmung sensibilisierende Phänomene zu evozieren welche auf das funktionalisierte Subsystem wirken), führen beispielsweise ein Arsenal an Möglichkeiten und Mustern, wie Camouflage, Irritation, Infiltration etc., welche sich probehalber direkt auf eine solche Situation, diese bewußt manipulierend, anwenden lassen.</p> <p>Dieser Workshop ist ergebnisoffen - also ein Experiment - dessen Rahmenbedingungen durch den Kongress selbst geschaffen werden.</p> <p>Buchbeitrag ›Objekt Subjekt Prädikat‹:<br /> <a href="Objekt-Subjekt-Praedikat.pdf">Objekt Subjekt Prädikat</a></p> <p>Museum für Neue Kunst MNK Karlsruhe, ZKM Karlsruhe und Akademie Schloß Rotenfels, 2003</p>
2003-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/macht-gestaltung.html https://artrelated.net/ruediger_john/macht-gestaltung.html
Explorative Recherche als künstlerische Methode
<h5>Abstract</h5> <p>Ziel der künstlerischen Lehre in der Hochschulausbildung zukünftiger Designer ist die Vermittlung künstlerischer, d.h. ästhetischer (in der ursprünglichen Bedeutung von Wahrnehmung) Arbeitsweisen und Methoden der Erkenntnisbildung sowie eine Sensibilisierung der Wahrnehmung, wie sie für einen verantwortungsvollen, d.h. kritischen Umgang in ihrem zukünftigen Arbeitsfeld notwendig sind, herbeizuführen und zu unterstützen.</p> <p>Es soll nicht dazu angeleitet werden, Positionen der Kunst exemplarisch zu kopieren oder handwerkliche Fähigkeiten im Umgang mit den traditionellen Materialien des Kunstkanons zu entwickeln; insbesondere da der Umfang, die Gewichtung und die Zielsetzung ihres Studiums zwangsläufig dazu führt, daß sich gemeinhin deren ›Kunstwerke‹ nicht über eine modellhaft-simulative, bzw. alliterative Äußerung hinaus entwickeln lassen. Nicht die professionelle (d.h. eine über die Amateurebene hinausgehende) Positionierung im Kunstkontext ist Ziel des Curriculums, sondern eine ästhetische Kompetenzbildung.</p> <p>Ästhetische Kompetenz und künstlerische Kompetenz sind zwei zu unterscheidende Qualifikationen, haben aber vielfältige Schnittmengen: Die Freiheiten, in fremdem, neuem Umfeld eine subjektive, kritisch-ästhetische Untersuchung zu initiieren; Assoziationen divergenter Themen und Lebensbereiche herzustellen; adäquate Präsentations- und Vermittlungsformen, d.h. der Interpretation und der Bildung von Statements, die nicht mehr auf naiven Annahmen basieren, auszuprobieren. Diese Fähigkeiten werden auch in künstlerischen Arbeitsweisen ermöglicht und sind (sollten sein) Teil künstlerischer Kompetenz (im professionellen Umfeld).</p> <p>Diese forschenden Tätigkeiten stehen nicht im Widerspruch zu wissenschaftlichen, sog. exakten Methoden, sondern erweitern diese um nicht quantifizierbare und m.u. atmosphärische, sinnliche Kriterien, die zwangsläufig der gängigen Objektivierung im wissenschaftlichen Kontext entgehen. Sie dienen damit der Ermittlung von Wahrheiten im post-post-modernen Verständnis von Wirklichkeit und bilden auch in angewandten kreativen Berufen ein wesentliches Kompetenzmerkmal (ästhetische Kompetenz).</p> <p>In diesem Sinne stand nicht die Erzeugung von Objekten als ›Kunstwerke‹ im Mittelpunkt der Projektaufgabe, sondern Fragen der Kontextualisierung und organisierten Assoziationsarbeit aus einer selbstgewählten Wahrnehmung heraus, welche subjektive Interpretationen zur Erkenntnisbildung als weitere Qualität einführt und nicht die Position des Unwissens (Naivität) als mythosbildendes Element des Persönlichen, Künstlerischen beibehält.</p> <p>Künstlerische Forschung untersucht eine Vielzahl von Kriterien und Faktoren gleichzeitig, ist also auch eine atmosphärische Analyse, wohingegen wissenschaftliches Arbeiten gemeinhin bemüht ist, einzelne Phänomene zu isolieren und zu enkoppeln um diese exakter bestimmen zu können und vorhersagbar/reproduzierbar zu machen (also der Unterschied zwischen der Forschung »ex actus« und der Forschung »in vivo«). D.h. auch, daß in der künstlerischen Vorgehensweise Möglichkeiten und Alternativen gleichzeitig untersucht werden und kein Zwang zur Methodenbildung besteht.</p> <p>Ziel meiner Lehrtätigkeit war es somit, die Studierenden zur selbstmotivierten, intensiven Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und sozialen Implikationen ihres Wirkungsbereiches zu führen. Zudem sollte die Bereitschaft der Relativierung subjektiver Sichtweisen und des persönlichen Stils anhand der Fragestellung von Wirkweisen gefördert werden - dies anhand einer kritischen Ästhetik. Die Erkenntnisse hieraus sind dabei nicht lösgelöst von der Präsentation zu verstehen, sondern diese ist impliziter Teil der Arbeit. Die individuelle Bildwerdung ist Teil der Auseinandersetzung und Auswertung und somit der Wahrnehmungsschärfung als Fokussierung auf Wesentliches. Das Wesentliche sind hierbei nicht sog. Fakten, sondern deren attributierte Assoziationen (oder: Relationen).</p> <p>Dabei sind das Praktizieren kooperativer Strategien, der kontinuierliche Diskurs unter allen Beteiligten und die Betreuung der Studierenden mittels Fragen wesentliche Mittel der Lehre. Im Fokus der Tätigkeit zu dem bewußt offen gestellten Semesterthema sollte die persönlich motivierte Recherche als Grundlagenarbeit für die Beschäftigung mit künstlerischen Mitteln stehen.</p> <h5>›Tauschhandel‹ - Tamara Grüner</h5> <h6>Beschaffenheit und Werte konsumarischer Resteverwertung</h6> <p>Im Laufe des Semesters konnte man an wechselnden Orten in Fluren innerhalb der Fachhochschule auf eine seltsame Skulptur treffen: Ein weißes Podest, wie es klassische Kleinplastiken in Ausstellungen auf Betrachterhöhe präsentiert, diente Tamara Grüner als Basis, um einen Tauschhandel mit Objekten zu initiieren, wie sie sich in Geldbeuteln und Handtaschen gerne ansammeln.</p> <p>Ihr Interesse galt den Dingen, die Personen quasi beiläufig als Sammelsurien bei sich zu tragen pflegen; welche Beschaffenheiten, Materialien, Oberflächen diese aufweisen und welchen Wert diesen kleinen Gegenständen beigemessen wird. Als angehende Schmuckdesignerin kann ein solches Wissen (oder besser ein solcher Eindruck) dieser Gewohnheiten wichtige Impulse für die Gestaltungsarbeit liefern; zudem lassen sich aber auch soziale und habituelle Normen erkennen, die Rückkopplungen auf Fragestellungen der Formen- und Symbolsprache ornamentaler Gegenstände des Alltags zulassen und Indizien für Rückschlüsse auf die gesellschaftliche (soziotypische) Wertebasis bilden.</p> <p><img src="explorative-recherche32.jpg" alt="Explorative Recherche als kuenstlerische Methode" title="Explorative Recherche als kuenstlerische Methode" /><br /> fig. 1 Schale mit aktueller Versuchsreihe und Notizbuch im Hintergrund, Semesterpräsentation</p> <p>In Anlehnung an prämoderne Formen (über die sie sich exemplarisch informiert hatte), stellte sie auf das Podest eine archaisch anmutende Tonschale, gefüllt mit gesammelten Gegenständen, wie Erfrischungstüchern, kleinen Spielzeug-Bausätzen, Seifenproben, Münzen fremder Währung, Kieselsteine etc.. Im Vorfeld hatte sie sich im Gespräch auch Gedanken gemacht, welche Form der Hinweise es wohl bedürfe, um Vorbeigehenden klar zu machen, daß sie hier auf einfache Weise sich ihrer begleitenden Kleinodien entledingen könnten, um diese gegen ebensolche, neue einzutauschen. Sie entschied sich, allein mit dem Begriff ›Tauschhandel‹ als angebrachtes Schild, gleich einem Titel, zu arbeiten, die Reaktionen abzuwarten und gegebenenfalls, wenn notwendig, weiter nachzusteuern. Es zeigte sich, daß es keiner weiterer Erklärungen bedurfte, um Passanten zum Handeln (!) aufzufordern.</p> <p>Um einen Eindruck der Entwicklung dieses Prozesses zu erhalten, führte Sie eine tagebuchähnliche, handschriftliche Aufzeichnung der getauschten Gegenstände in einfach gebundenem Heft und erstellte fotografische Momentaufnahmen. Der Subjektivität dieser Herangehensweise bewußt, erklärte sie dabei das Hochschulumfeld als spezifisch öffentlichen Raum zu ihrem Versuchsfeld, das sich durch die größere Kongruenz der Interessen der dort tätigen Personen und eine Vorsensibilisierung auszeichnet.</p> <p><img src="explorative-recherche31.jpg" alt="Explorative Recherche als kuenstlerische Methode" title="Explorative Recherche als kuenstlerische Methode" /><br /> fig. 2 ausgelegte Objekte (Reste) aus Versuchsreihe 2, Semesterpräsentation</p> <p>Für die Semesterpräsentation wählte sie sinnigerweise eine ähnlich reduzierte Darstellung der Arbeit. Sie platzierte auf einem Tisch im Gang die realen Objekte, als Reste der Versuchsreihen gekennzeichnet, sowie eine aktuelle Versuchsanordnung, und legte ihre Aufzeichnungen dazu - wohlwissend, daß sich im Präsentationszeitraum Verfälschungen ergeben könnten, indem Besucher der Ausstellung den Tauschhandel auch mit Objekten der abgeschlossenen Reihen fortsetzen.</p> <p>Im Gegensatz zu einer sonst üblichen wissenschaftlichen Auswertung, die Zahlen und Daten ermittelt und als Aufzeichnungen von Fakten präsentiert, transferiert Tamara Grüner die Ergebnisse ihrer Untersuchung als Objekte in einen Versuchsprozess zurück, der, ebenso wie die vormaligen Versuche, nur offensichtlicher und um subjektive Erkenntnisse als Aufzeichnungen ergänzt, zugleich Ausstellung ist. Damit liegt der Fokus der Arbeit und Präsentation auf den nur durch die Rezipienten subjektiv erfahr- und bewertbaren Eigenschaften der Objekte (Primärwahrnehmung), sowie des Interaktionsprozesses und des atmospärischen Momentums der Objekte.</p> <p>Ihre schriftlichen Ergebnisse der Versuchsreihen reklamieren keine objektivierende Position sondern sind vielmehr Prozessdokumentation und Assoziationshilfe, dies wird nicht zuletzt durch die gewählte Form der Aufzeichnung klargestellt.</p> <p>Tamara Grüner studiert im zweiten Semester SG.</p> <h5>›GRÜN‹ - Carmen Berner und Katja Steinemann</h5> <h6>Komposition mittels semantisch-phonetischer Differenzen</h6> <p>Anders als die Recherche von Interaktionen oder Objekten, untersuchten Carmen Berner und Katja Steinemann phonetische Differenzen bei dem gesprochenen Wort ›grün‹, dessen Bedeutung, je nach semantischem Kontext, unterschiedliche Betonungen und Aussprachen erfährt. Sie ließen aus einer Sammlung von Texten, die Zeitungsartikeln, Gedichten und Romanen entnommen waren (bspw. u.a. Sibylle Berg: ›Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot‹, Hennig Wargalla: ›Farbkorrektur mit Photoshop und Scanprogrammen‹, Gisela Dischner: ›Verundeutlichung des Banalen‹, Monika Griefahn: ›Wir kämpfen für eine Welt in der wir leben können‹, sowie der Brockhaus Enzyklopädie), Passanten lesen, ohne daß diesen der Gegenstand der Untersuchung bekannt war.</p> <p>Aus diesen Aufnahmen isolierten sie das Wort ›grün‹ und bildeten hieraus einige Soundtracks, die unterschiedliche Aspekte der Intonationen und Rhythmiken, und damit mögliche kognitive Kriterien, hervorheben. Dabei entschieden sie sich für die Präsentation mittels einer Audio-CD als Auflagenobjekt, welche nicht nur die gesammelten Proben in der subjektiven Zusammenstellung direkt erfahrbar macht, sondern auch die Möglichkeit des Transfers dieser in das private Alltags-Umfeld schafft, in dem Musik-CDs üblicherweise eine wichtige, atmospärisch wirksame Rolle spielen.</p> <p>In der Zusammenstellung der Mikromodulationen in der Aussprache des Wortes ›grün‹ war nicht eine linguisitische Methode oder Analyseform Anleitung, sondern die Frage nach rhytmischen und melodiösen, also musikalischen Eigenschaften der Wortfolgen. So bilden diese Motive für eigene Kompositionen, bspw. eines ›Männerchores‹ oder eines ›politischen Zwischenrufes‹. Die Provenienz der Samples und kleine Abweichungen werden musikalisch genutzt, um einen eindrücklichen, auditiven Genuss und eine Wahrnehmung der Stimmungen und der Charaktere der Sprecher/Sprecherinnen zu erhalten. Atmosphärische Elemente bilden somit gültige Kriterien der Untersuchung.</p> <p><img src="explorative-recherche22.jpg" alt="Explorative Recherche als kuenstlerische Methode" title="Explorative Recherche als kuenstlerische Methode" /><br /> <img src="explorative-recherche21.jpg" alt="Explorative Recherche als kuenstlerische Methode" title="Explorative Recherche als kuenstlerische Methode" /><br /> <img src="explorative-recherche23.jpg" alt="Explorative Recherche als kuenstlerische Methode" title="Explorative Recherche als kuenstlerische Methode" /><br /> fig. 3-5 Abbildungen aus dem Booklet der Audio-CD ›GRÜN‹</p> <p>Die musikalische Verwendung wird hier als eine den ›exakten‹ statistischen und wissenschaftlichen Ordnungsprinzipien gleichgestellte Auswertungsform gewählt, die insbesondere nicht quantifizierbare Qualitäten erfahrbar macht.</p> <p>Passend zu den unterschiedlichen Bedeutungen und Signalen des Wortes ›grün‹ erstellten Carmen Berner und Katja Steinemann eine Fotostrecke, die das Vorkommen dieser Farbe im öffentlichen Raum zeigt. Ein grafisch aus den verwendeten Texten und assoziativen Bildern ansprechend gestaltetes Booklet zur Audio-CD, welches Gestaltqualitäten aus Veröffentlichungen der Phonoindustrie aufnimmt, ist die sinnfällige visuelle Ergänzung der Präsentation dieser Arbeit und stellt auch die Vielfältigkeit der Bedeutung und des Vorkommens der realen Farbe bildhaft dar.</p> <p>Carmen Berner und Katja Steinemann studieren im zweiten Semester SG.</p> <h5>›offen-eingeschränkt‹ - Ulrich Braun</h5> <h6>Bewegungsstudien und -steuerung im öffentlichen Raum</h6> <p>Direkt in das Umfeld welches man gemeinhin primär mit dem Begriff ›öffentlicher Raum‹ assoziiert, die Fußgängerzone in Pforzheim, begab sich Ulrich Braun, um dort seine spezifische Untersuchung und Arbeit durchzuführen. Aus erhöhter Beobachterpositon nahm er in regelmäßigen Zeitabständen fotografische Momentaufnahmen von Fußgängern auf und ermittelte zunächst gängige Bewegungsmuster und Strömungsrichtungen in diesem Umfeld, indem er die Bildsequenzen durch transparente Überlagerung zu einer Abbildung verdichtete. Als angehenden Industriedesigner interessierten ihn Verhaltensmuster und Wahrnehmungen, sowie die Beeinflussung und Störung dieser im Konsumumfeld. Im Gespräch entwickelte er basierend auf der ersten Auswertung verschiedene einfache Ansätze der Intervention, indem er in den Fußgängerstrom an neuralgischen Punkten Hindernisse einbrachte. Dabei variierte er zwischen offensichtlich erkennbaren Absperrungen mittels Baken-Absperrband, aber auch unbeschrifteten Kartonagen, die wie zum Abtransport gestapelt platziert wurden.</p> <p><img src="explorative-recherche12.jpg" alt="Explorative Recherche als kuenstlerische Methode" title="Explorative Recherche als kuenstlerische Methode" /></p> <p><img src="explorative-recherche13.jpg" alt="Explorative Recherche als kuenstlerische Methode" title="Explorative Recherche als kuenstlerische Methode" /><br /> fig. 6, 7 mittels Überlagerung informationsverdichtete Abbildung von Passantenströmen, sowie deren grafische Auswertung</p> <p>In der schrittweisen Veränderung und Anpassung der Sperrungen, Corral- und Passagenbildung erzeugte Ulrich Braun Momente, in denen die Eingriffe als Einschränkungen der Bewegungsfreiheit der Passanten oder aber als Orientierungshilfe empfunden wurden. Durch die Zuspitzung dieser Situationen konnte er feststellen, wie groß im allgemeinen die Bereitschaft zur Anpassung (Flexibilität) und die Akzeptanz der Gegebenheiten war, bzw. welche Widerstände und Ausbruchsversuche in Einzelfällen durch Personen gewagt wurden. Dabei zeigte sich bspw., daß die Wahl der Absperrung eine wichtige ist; das gemeinhin akzeptierte Symbol der rot-weißen Baken als Grenzziehung, Aus- und Absperrung erlaubte es ihm, große Durchgangsbereiche zu sperren ohne daß die Funktionalität und Sinnfälligkeit dieser Einschränkungen durch Passanten in Zweifel gezogen wurde.</p> <p><img src="explorative-recherche11.jpg" alt="Explorative Recherche als kuenstlerische Methode" title="Explorative Recherche als kuenstlerische Methode" /><br /> fig. 8 Ausstellungsanordnung mit, an Reklametafeln erinnernde, Leuchtkästen</p> <p>Für die Präsentation wählte Ulrich Braun Schaukästen – in Anlehnung an beleuchtete Reklametafeln im Stadtraum –, auf die sowohl Sequenzen der Untersuchung, als auch beschreibender Text aufgebracht waren. Zudem bot er den Passanten in der Ausstellung ein Informationsblatt zur Mitnahme an, welches die knappe, aufmerksamkeitswirksame Gestaltung der Werbung zitiert, jedoch Verhaltensmuster beispielhaft zusammenstellt.</p> <p>Ulrich Braun studiert im ersten Semester IDAL.</p> <h5>Fazit</h5> <p>Die oben beschriebenen Arbeiten stellen nur beispielhaft im Semester entstandene Arbeiten der Studierenden dar. Weitere, ebenso interessante, Beiträge finden Sie unter <a href="http://wwwcms.fh-pforzheim.de/projekte/der_oeffentliche_raum">http://wwwcms.fh-pforzheim.de/projekte/der_oeffentliche_raum</a>.</p> <p>Es ist festzustellen – analog zu Erfahrungen aus meiner Tätigkeit in Unternehmen –, daß der zusätzliche Fokus auf die praktische Anleitung und Lehre interventionistischer und explorativer Strategien als künstlerische Arbeitsweisen der Assoziation und Kontextualisierung an einer Hochschule für angewandte Gestaltungsberufe wichtige und zeitgemäße Perspektiven auf künstlerische Kompetenzen aufzeigt. In diesem Falle werden Studierenden Eindrücke der Anwendungsmöglichkeiten dieser in ihren zukünftigen Berufsfeldern vermittelt. Die erweiterten Fähigkeiten künstlerischer Forschungsarbeit, interventionistischer Methoden und Transferkunst, allerdings professionell künstlerisch und kompetent angewendet, sind eine wichtige Möglichkeit der kritisch-ästhetischen Arbeit mit Sinn- und Bedeutungsfragen im innerdisziplinären und gesellschaftlichen Kontext von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.</p> <p>Information zur Person:<br /> Ruediger John ist Künstler und Autor; er beschäftigt sich mit interventionistischen, rechercheorientierten und installativen Arbeiten; seit geraumer Zeit ist er für verschiedene Unternehmen und Institutionen im künstlerischen Kontext als Coach und Consultant tätig und lehrt u.a. an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart ›situativ-installatives Arbeiten, Kontextualiserung, Kognition, Mixed-Media‹. Er hatte gemeinsam mit Andreas Bär die Lehrstuhlvertretung ›Kunst/Kunst- und Designwissenschaften‹ Skulptur/Raum 2002/2003 inne.</p> <p>weitere Informationen:<br /> <a href="Explorative-Recherche.pdf">Explorative Recherche als künstlerische Methode</a></p>
2003-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/explorative-recherche.html https://artrelated.net/ruediger_john/explorative-recherche.html
Der silberne Schnitt
<p><img src="transfer-kunstverein101.jpg" alt="Der silberne Schnitt" title="Der silberne Schnitt" /></p> <p><img src="transfer-kunstverein107.jpg" alt="Der silberne Schnitt" title="Der silberne Schnitt" /></p> <p><img src="transfer-kunstverein105.jpg" alt="Der silberne Schnitt" title="Der silberne Schnitt" /></p> <p><img src="transfer-kunstverein102.jpg" alt="Der silberne Schnitt" title="Der silberne Schnitt" /></p>
2003-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/der-silberne-schnitt.html https://artrelated.net/ruediger_john/der-silberne-schnitt.html
Der öffentliche Raum
<p><img src="der-oeffentliche-raum801.jpg" alt="Der öffentliche Raum" title="Der öffentliche Raum" /></p> <p><img src="der-oeffentliche-raum601.jpg" alt="Der öffentliche Raum" title="Der öffentliche Raum" /></p> <p><img src="der-oeffentliche-raum301.jpg" alt="Der öffentliche Raum" title="Der öffentliche Raum" /></p> <p><img src="der-oeffentliche-raum701.jpg" alt="Der öffentliche Raum" title="Der öffentliche Raum" /></p> <p><img src="der-oeffentliche-raum401.jpg" alt="Der öffentliche Raum" title="Der öffentliche Raum" /></p> <p>Teilnehmende:<br /> Youra Kim, Aline Vogt, Ina Yamaguchi, Jette Loeper, André Gärtner, Artur Strauch, Carmen Berner, Katja Steinemann, Lisa Hannemann, Ulla Staudacher, Christian Falkenhagen, Dagmar Kudszus, Denis Gombert, Denis Pfizenmaier, Florian Mockenhaupt, Sandra Greese, Anita Jesser, Miriam Schmidle, Jessica Mairbichler, Marcus Haile, Till Baacke, Victoria Erban, Ursula Müller, Franziska Witz, Nils Krämer, Oksana Pfaff, Philipp Eberle, Katja Poljanac, Petra Köhle, Tobias Falkhänel, Ulrich Braun, Barbara Lörcher, Franziska Höhle, Tamara Grüner</p>
2003-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/der-oeffentliche-raum.html https://artrelated.net/ruediger_john/der-oeffentliche-raum.html
kFP/02 - Künstlerhaus Dortmund
<p>kFP/02 künstlerisches Forschungsprojekt<br /> zu künstlerischer Tätigkeit und gesellschaftlicher Lebenspraxis<br /> von Klaus Heid, Ruediger John und An Seebach </p> <p>kFP/02 ist ein Forschungsprojekt zum Verhältnis von Kunst und Gesellschaft. Untersucht werden die Transfer- und Integrations-Leistungen künstlerischer Tätigkeit im Kontext von Wissenschaft, Politik und Wirtschaft sowie ihr Verhältnis zur gesellschaftlichen Lebenspraxis. </p> <p>kFP/02 Termine auf einen Blick:<br /> Pressekonferenz: 5. September 2002 11:00 Uhr<br /> Zeitraum des Forschungsprojekts: 20. Januar - 5. September 2002<br /> Eröffnung der Präsentation: 6. September 2002 20:00 Uhr<br /> Grußwort: Stadtrat Jörg Stüdemann Dezernent für Kultur, Sport und Freizeit<br /> Statements: Forschungsgruppe kFP/02<br /> Sonderschau: 28. September 2002 19:30 - 02:00 Uhr<br /> Zeitraum der Präsentation: 6. September - 13. Oktober 2002 </p> <p>Das Forschungsprojekt, das seit Januar 2002 von den Künstlern Klaus Heid, Ruediger John (beide Karlsruhe) und An Seebach (Künstlerhaus Dortmund) durchgeführt wird, untersucht aktuelle Tendenzen und Perspektiven für innovative Kooperationsmodelle zwischen Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Darüber hinaus stellt es den Entwurf für ein “Institut für künstlerische Forschung“ vor. </p> <p>Vorgeschichte </p> <p>kFP/02 - kurz für: künstlerisches Forschungsprojekt 2002 - wurde durch den Gesprächskontext “Kommunizierende Röhren - ein Projektstipendium im Künstlerhaus Dortmund“ angestoßen. Auf der Suche nach geeigneten Strukturen, möglichen Inhalten und Kooperationspartnern für ein solches im weitesten Sinne interdisziplinäres Stipendium beauftragten die Initiatoren Ende 2001 Klaus Heid, Ruediger John und An Seebach mit einer künstlerischen Voruntersuchung und anschließenden Präsentation. Seit Januar 2002 firmiert das Forschungsprojekt unter dem Namen kFP/02. </p> <p>Recherche und Ergebnisse </p> <p>Zahlreiche Fachleute aus Polititk, Wissenschaft, Wirtschaft und Kunst wurden seit März 2002 von der Forschungsgruppe kFP/02 zu ihren Arbeitsfeldern und deren Schnittstellen zu anderen Disziplinen und zur Gesellschaft befragt. Die Antworten der Gesprächspartner vermitteln wichtige Einsichten und Einschätzungen zur Interdiziplinarität zwischen Kunst und anderen gesellschaftlichen Bereichen. Ein erstes Ergebnis der Untersuchungen ist, dass die Forschungsgruppe kFP/02 inzwischen von der Idee einer üblichen Stipendienvergabe abgekommen ist und ein Institut für künstlerische Forschung in Grundzügen entworfen hat. In diesem Institut sollen Kooperationen zwischen Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik entwickelt und umgesetzt werden. </p> <p>Präsentation und Kooperation </p> <p>Die aktuelle Präsentation im Künstlerhaus Dortmund basiert auf den ersten Ergebnissen der Recherche. Statements und Auszüge aus den Gesprächen und aus ihnen<br /> erschlossene, assoziierte Themenfelder werden der öffentlichkeit vorgestellt. Die Präsentation versteht sich dabei als prozesshafte Zwischenstation einer längerfristig angelegten Forschungstätigkeit, deren offene Form das Publikum zur eingehenden Diskussion einlädt. Sie dient darüber hinaus der Vorbereitung und Strukturierung der voraussichtlich im Januar 2003 erscheinenden Publikation zum künstlerischen Forschungsprojekt kFP/02. Ein Teil der Präsentation, die in Zusammenarbeit mit weiteren kFP/02-Projektmitarbeitern aus kunstfremden Diziplinen realisiert wurde, ist die kFP/02-Partner-Lounge. In exklusivem Ambiente können Unternehmen ihr Logo platzieren und eine attraktive, kulturell interessierte Zielgruppe ansprechen. Die Lounge reflektiert nicht nur Sponsoring-Mechanismen im Kunstkontext, sie dient vor allem als Gesprächsort für Unternehmer, Wissenschaftler und Künstler, um gemeinsam mögliche Kooperationen auszuloten. </p> <p>kFP/02 Termine auf einen Blick </p> <p>Pressekonferenz: 5. September 2002 11:00 Uhr<br /> Zeitraum des Forschungsprojekts: 20. Januar - 5. September 2002 </p> <p>Eröffnung der Präsentation: 6. September 2002 20:00 Uhr<br /> Grußwort: Stadtrat Jörg Stüdemann Dezernent für Kultur, Sport und Freizeit<br /> Statements: Forschungsgruppe kFP/02<br /> Sonderschau: 28. September 2002 19:30 - 02:00 Uhr<br /> Zeitraum der Präsentation: 6. September - 13. Oktober 2002 </p> <p>geöffnet: do-so 16:00-19:00 Uhr<br /> Plakataktion in der Dortmunder Innenstadt: 3.9. - 23.9.2002 ganztägig </p> <p>Programm anläßlich der 2. Dortmunder Museumsnacht am 28. September 2002 </p> <p>im Detail: </p> <p>kFP/02<br /> Kreativ-Workshop für Manager<br /> 16:00-18:00 Uhr<br /> Manager und Geschäftsleute entdecken unter Anleitung von Kindern ihr kreatives Potential. Impulse entstehen aus dem direkten und spontanen Dialog zwischen Unternehmern und Kindern. Aus der Leichtigkeit der kindlichen Herangehensweise an Formprozesse erschließen sich den Entscheidungsträgern neue Horizonte ihrer beruflichen Tätigkeit. Der Workshop endet mit einem Erfahrungsaustausch der Teilnehmer beim gemeinsamen Imbiss. Anmeldung erforderlich.<br /> in Kooperation mit der Jugendkunstschule &quot;balou&quot; </p> <p>kFP/02<br /> Präsentations-Show<br /> 19.30-20.00 Uhr, 20.00-20.30 Uhr,<br /> 20.30-21.00 Uhr, 21.00-21.30 Uhr<br /> Cheerleader animieren Ausstellungsbesucher, Propagandisten führen kFP/02 Merchandising-Artikel und ihre Anwendernutzung vor: Das Forschungsprojekt kFP/02 untersucht und erprobt die zeitgenössischen Möglichkeiten agressiven Marketings im Bereich von Kunstvermittlung. </p> <p>kFP/02 Nacht-Bar<br /> 22:00-02:00 Uhr<br /> Das Künstlerhaus Dortmund lädt an die NachtBar zum gepflegten hang-out<br /> in inspirierendem Ambiente. An der Bar kann mit exquisiten Cocktails<br /> gedopt werden. DJanes legen auf, was gefällt - electronics, ambient. </p> <p>kFP/02<br /> Plakataktion in der Dortmunder Innenstadt<br /> ganztägig 3.9. - 23.9.2002<br /> Die Standorte: 16240 Burgwall/REWE-Center, Parkgar. Ausf. Pförtner; 16237 Hansaplatz/Parkgar. Karstadt neb. Pförtner re; 16238 Hansaplatz/Parkgar. Karstadt Einf. Rampe; 16239 Hansastr.78/Parkgar. Stadtgarten/Ausf. neb. Aufsicht; 15712 Westenhellweg 72/Ausf. Kaufhof 4.Parkdeck; 37354 Westenhellweg 72/Parkhaus Kaufhof/Abf. li. Die Arbeiten auf Plakatflächen sind sowohl Teil der Ausstellung, die im Künstlerhaus Dortmund gezeigt wird, als auch eigenständige ortsspezifische Interventionen.<br /> Mit freundlicher Unterstützung von Stroer - out of home media, Düsseldorf </p> <hr /> <p>Künstlerhaus Dortmund, Sunderweg 1, 44147 Dortmund<br /> Tel. ++49 231 82 03 04 | Fax ++49 231 82 68 47<br /> <a href="http://www.kuenstlerhaus-dortmund.de">http://www.kuenstlerhaus-dortmund.de</a><br /> Bürozeiten Mo 9-14 Uhr, Di-Do 9-16 Uhr, Fr 9-13 Uhr </p> <hr /> <p>Ausstellung + Projekt 5.9.-13.10.2002:<br /> Eröffnung der Präsentation: 5.9.2002 20 Uhr<br /> Sonderschau: 28.9.2002 19:30 - 02:00 Uhr </p> <p>&quot;kFP/02&quot; - gefördert von der Stiftung Kunst und Kultur des Landes NRW und der Hoppe-Ritter-Kunstförderung, mit freundlicher Unterstützung von brand eins, Wirtschaftsmagazin in Kooperation mit der Universität Witten-Herdecke </p>
2002-09-06 https://artrelated.net/ruediger_john/memo-kuenstlerisches-forschungsprojekt-dortmund.html https://artrelated.net/ruediger_john/memo-kuenstlerisches-forschungsprojekt-dortmund.html
Die Doppeltür - ein Blumenfest
<p><img src="doppeltuer-vorbereitung09.jpg" alt="Die Doppeltür - ein Blumenfest" title="Die Doppeltür - ein Blumenfest" /></p> <p><img src="doppeltuer-probe08.jpg" alt="Die Doppeltür - ein Blumenfest" title="Die Doppeltür - ein Blumenfest" /></p> <p><img src="doppeltuer-probe07.jpg" alt="Die Doppeltür - ein Blumenfest" title="Die Doppeltür - ein Blumenfest" /></p> <p>Teilnehmende:<br /> Monna Mahmud, Frank Siegle, Petra Pejsek, Carmela Farina, Miriam Rieker, Diana Huck, Verena Bitsching, Boris Feesenmayr, Karin Schäfer, Jochen Wilms, Evelyn Heinze, Stefanie Glaser, Ute Rittler, Susanne Meister, Melanie Jakel, Winfried Engster, Clemens Haag</p>
2002-09-01 https://artrelated.net/ruediger_john/doppeltuer-blumenfest.html https://artrelated.net/ruediger_john/doppeltuer-blumenfest.html
intercultural codes - »Exotik«
<h4>Essay</h4> <h5>Exotik ist exogen</h5> <h5>Exotik ist das als angenehm empfundene Fremde</h5> <h5>Exotik und Paradies</h5> <ul> <li>Paul Gauguin schreibt in Briefen an seine Künstlerfreunde von seinem selbstgewählten Paradies, den exotischen Riten und schönen Frauen, dem Leben direkt von dem was die Natur liefert, während er krank, von Malaria und Gelbfieber gezeichnet, hungernd weil sein Vermögen aufgebraucht ist, in seiner ärmlichen Hütte liegt.</li> </ul> <h5>Exotik als das Wahre und Ursprünglichkeit</h5> <ul> <li> <p>Reiseveranstalter beschreiben Zielorte, vorzugsweise Inseln und abgelegene Routen als naturbelassene Reservate, Ruhe und Gelassenheit als besondere Vorzüge, die Freundlichkeit der Einheimischen und den organisierten Abenteuerwert bei Exursionen.</p> </li> <li> <p>Eine Zigarettenmarke wirbt mit Cowboys als den wahren, alten/neuen Menschen, Aussteigern und gesunden Naturburschen.</p> </li> <li> <p>Weltweit wollen einige Internetuser eine Separatistengruppe, die um ihre Unabhängigkeit und Rechte in Mittelamerika kämpft, unterstützen. Also nehmen sie einen Link auf eine offizielle Unterstützer-Website in ihre Linkliste auf.</p> </li> </ul> <p>Das Exotische als Simulation und Konstruktion</p> <ul> <li> <p>In der Pressemitteilung eines Freizeitpark-Betreibers wird die Authentizität des im Ruhrgebiet neu eröffneten Parks beschworen, indem darauf hingewiesen wird, daß die »italienische Piazza« von »echten italienischen Handwerkern« unter Verwendung »echten italienischen Baumaterials nach Elementen und Motiven aus mehreren italienischen Städten« geschaffen wurde.</p> </li> <li> <p>Ein Radiosender veranstaltet für seine Hörerinnen und Hörer eine Wochenendreise nach Ägypten und verspricht »den ganzen Flair des Landes«, beeindruckende landeskundliche Exkursionen und als Höhepunkt ein 24 Stunden Open-Air Konzert mit ausgewählten, internationalen DJ-Stars mit Lasershow und Feuerwerk vor den Pyramiden.</p> </li> <li> <p>Mit der Behauptung, einen repräsentativen Blick auf die aktuelle südamerikanische Kunstszene zu werfen, organisiert ein Museum eine Ausstellung. Ein Dutzend Künstlerinnen und Künstler dieser Provenienz stellen aus, allesamt bereits international bekannt und seit mindcestens einem Jahrzehnt überwiegend in den USA und Europa tätig.</p> </li> </ul> <h5>Das Exotische im Globalen</h5> <ul> <li>Wer es sich leisten kann in Vietnam, führt momentan seine Freunde und Lieben ab und zu in die erste neu eröffnete Niederlassung einer internationalen Fast Food Kette aus um etwas Weltläufigkeit, Vermögen und Modernität zu zelebrieren.</li> </ul> <h4>Zielsetzung</h4> <p>Die künstlerische Forschung zum Thema und Bedeutungsbereich Exotik soll:</p> <ul> <li> <p>Widersprüche und Fehler der Differenzierung des Heimatlichen/Eigenen/Selbst im Verhältnis zu dem Fremden/Entfernten/Anderen, durch die Ausbildung und lebenspraktische Meinungsbildung manifestiert, aufdecken und hinsichtlich ihrer Bedeutung des Handelns im Alltag, der Entscheidungsfindung im Umgang mit als fremdartig titulierten Situationen untersuchen</p> </li> <li> <p>Die Studie soll Defizite im Wissen und Verständnis der Kulturen exemplarisch aufdecken</p> </li> <li> <p>Sie soll auch dazu anregen, die kurzfristige, trendthemenorientierte Berichterstattung der Massenmedien in diesen Themenbereichen kritisch zu hinterfragen</p> </li> <li> <p>Aus den Erkenntnissen der Bearbeitung der erurierten Materialien im Kontext der Studiengänge bzw. Fachbereiche »Kunst/Kunst- und Designwissenschaften« (Fachhochschule für Gestaltung, Technik und Wirtschaft Pforzheim), sowie »Verbreiterungsfach Bildende Kunst – Intermediales Gestalten« (Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart) sollen dauerhafte Veränderungen im Lehrplan entstehen, die stärker als bisher die interkulturellen Kriterien in den dort erlernten Berufen berücksichtigen. Es soll eine generelle Aufgeschlossenheit gegenüber dem Fremden, sowie ein stärkeres Problembewußtsein im Umgang und der Auseinandersetzung mit Themen der Globalisierung, Identität und Fremde gefördert werden.</p> </li> <li> <p>Eine Publikation soll dazu beitragen, Materialien, Ergebnisse und Erkenntnisse einfach nachvollziehbar und in anderen Ausbildungsumgebungen einsetzbar zu machen.</p> </li> </ul> <h4>Aktivitäten</h4> <p>Das Forschungsvorhaben wird sich in folgende Aktivitäten gliedern:</p> <ul> <li> <p>Das Forschungsvorhaben bedient sich explizit künstlerischer Strategien in der Vorgehensweise, d.h. daß nicht versucht wird ex-actus und in repräsentativen Erhebungen Ergebnisse zu abstrahieren, sondern indem im Umgang mit dem Thema Theorie und Praxis spartenübergreifend intelligent miteinander verbunden wird und reflexiv von der subjektiven Position ausgehend gearbeitet wird. Diese Vorgehensweise wurde bspw. bereits erfolgreich bei folgenden künstlerischen Projekten angewandt.</p> </li> <li> <p>In einer transnational angelegten phänomenologisch-exemplarisch orientierten Recherche werden Beschreibungen, Kommentierungen und bild- bzw. objekthafte Repräsentationen der Definitionsmenge »Exotik« recherchiert und zusammengestellt. Dabei wird bewußt der, sonst häufige, ein-Personen-Blickwinkel vermieden, indem mit wissenschaftlichen und technischen Fakultäten verschiedener Hochschulen kooperativ gesammelt wird und dabei insbesondere Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs einbezogen werden. So ist die bspw. Assoziierung von Postkarten mit touristischen Motiven mit ungeschönten Abbildungen der realen Orte ebenso Gegenstand der Untersuchung, wie auch bspw. der Vergleich folkloristischer Riten und Festivitäten in und außerhalb von Clubanlagen in einem Land; der exemplarischen Darstellung der Gestaltung von Wohnumgebungen von Menschen ausländischer Herkunft. Diese Beispiele sind z.T. bereits konkret von Künstlerinnen und Künstlern geplante Vorhaben, die sich durch dieses künstlerische Forschungsprojekt koordinieren und deren Ergebnisse sich dadurch ergänzend darstellen lassen. Es ist intendiert, daß sich weitere und andere Untersuchungen entwickeln und/oder dem Forschungsprojekt angliedern können, also die Maßnahmen und Beteiligungen aus der Arbeit an dem Thema ergeben.</p> </li> <li> <p>Das recherchierte Quellenmaterial wird lexikalisch assoziiert und in einer Datenbank ähnlich eines Expertensystems gespeichert. Hierin lassen sich Widersprüche,</p> </li> </ul> <h4>Wahrnehmungslücken und sozial-ideologische Verfälschungen aufspüren und kommentieren.</h4> <ul> <li> <p>Aus den eruierten Brüchen und Brennpunkten wird mit den Kooperationspartnern ein Programm zur Vermittlung, der Ausstellung und Vorträge erstellt, welches wiederum in die Datenbank einfließen wird.</p> </li> <li> <p>Redaktionell bearbeiteter Inhalt der Sammlung wird in einer multimedial unterstützten Buchpublikation verlegt.</p> </li> <li> <p>Studierende der Fachhochschule Pforzheim sowie der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart werden kooperativ in Teilen zu diesem Thema innerhalb ihres Studiums, dessen Studienziele unterstützend, explorativ tätig.</p> </li> </ul> <p>Fachhochschule für Gestaltung, Technik und Wirtschaft Pforzheim (Pforzheim University of Applied Sciences), 2002<br /> Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (State Academy of Art and Design Stuttgart), 2002</p>
2002-04-01 https://artrelated.net/ruediger_john/intercultural-codes.html https://artrelated.net/ruediger_john/intercultural-codes.html
Experiment/Diskurs Instant - Situative Beobachtung und experimentelle Erprobung kommunikativer Vergemeinschaftung
<p><img src="instant-bodenperspektive11.jpg" alt="Experiment/Diskurs - Instant, Situative Beobachtung und experimentelle Erprobung kommunikativer Vergemeinschaftung" title="Experiment/Diskurs - Instant, Situative Beobachtung und experimentelle Erprobung kommunikativer Vergemeinschaftung" /></p> <p><img src="instant-tuersteheranbetung05.jpg" alt="Experiment/Diskurs - Instant, Situative Beobachtung und experimentelle Erprobung kommunikativer Vergemeinschaftung" title="Experiment/Diskurs - Instant, Situative Beobachtung und experimentelle Erprobung kommunikativer Vergemeinschaftung" /></p> <p><img src="instant-tuersteherinnen04.jpg" alt="Experiment/Diskurs - Instant, Situative Beobachtung und experimentelle Erprobung kommunikativer Vergemeinschaftung" title="Experiment/Diskurs - Instant, Situative Beobachtung und experimentelle Erprobung kommunikativer Vergemeinschaftung" /></p> <p><img src="instant-beobachter10.jpg" alt="Experiment/Diskurs - Instant, Situative Beobachtung und experimentelle Erprobung kommunikativer Vergemeinschaftung" title="Experiment/Diskurs - Instant, Situative Beobachtung und experimentelle Erprobung kommunikativer Vergemeinschaftung" /></p> <p><img src="instant-gaeste03.jpg" alt="Experiment/Diskurs - Instant, Situative Beobachtung und experimentelle Erprobung kommunikativer Vergemeinschaftung" title="Experiment/Diskurs - Instant, Situative Beobachtung und experimentelle Erprobung kommunikativer Vergemeinschaftung" /></p> <h5>Abstract¬</h5> <p>Die Veranstaltung stellt einen Versuch dar, das spezifische soziale Umfeld dieser Freizeitaktivitäten mit seinen typisierenden Eigenschaften aus künstlerischer Perspektive als Konsument zu untersuchen und spontan szenisch agierend und gestaltend einzugreifen. Für dieses abendliche Treffen gibt es kein festgelegtes Programm und keine detaillierten Themen- und Handlungsvorgaben. Untersuchungen und Feststellungen werden vor Ort im Gespräch untereinander erarbeitet und in einem Treffen zur Nachbereitung zusammengestellt und dokumentiert. Gegebenenfalls findet auf der erarbeiteten Basis eine weitere Exkursion in der gleichen Gruppe statt.</p> <h5>Fragen und Themen¬ (beispielhaft)</h5> <p>Der Moment der Sozialisation mit dem Umfeld<br /> Die Situation vor Ort - Individuum und Menge<br /> Beobachtung und Intervention - Übergänge<br /> Das Verlassen der Szene/Bühne</p> <h5>Material¬</h5> <p>freigestellt (Wahrnehmungs-, Reflexionsarbeit-, Aktions-, Dokumentationshilfsmittel)<br /> empfehlenswert sind in jedem Falle Unterlagen für Notizen und Skizzen</p> <p>Teilnehmende:<br /> Ivo Stilling, Lisa Biedlingmaier, Tina Schneider, Sonja Horn, Nele Knatz, Alexander Schikowski, Kathrin Hinderer, Johanna Switajski, Oliver Waibel, Christine Eisenacher, Kristina Fistr, Kathrin Sohn, Jörg Globas, Sven Gossel, Folko Hempel, Dolores Hidalgo, Miriam Höfler, Julia Kinzel, Stefanie Krüger, Eveline Lehmann, Pia Maria Martin, Volker Maurer, Angela Murr, Gesine Pitzer, Marc Reiner</p>
2002-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/experiment-instant.html https://artrelated.net/ruediger_john/experiment-instant.html
Bemerkung zu »Berg«
<p>Im naturtopologisch ebenen Teil Deutschlands scheint der Begriff »Berg« ein wesentlich anderes Bedeutungsfeld als im, an Bergen reichen, Süden zu besitzen. Im Ruhrgebiet werden Berge aus Resten von Untergrabungen aufgeschüttet, Berge werden gebaut; es existiert eine traditionsreiche Industrie die sich Bergbau nennt und eigentlich nicht zum Ziel hat Berge zu bauen, sondern Untertage zu wirtschaften.</p> <p>Im Süden hingegen werden Berge bestiegen, man spricht vom »Bezwingen« eines mythisierten Hindernisses, ein Vorgang zur Beschreibung von Erfolg, welcher sich auch im allgemeinen Sprachgebrauch manifestiert hat; man bebaut und bewirtschaftet die Berge landwirtschaftlich, teils einfach weil sie kaum Platz für Täler zwischen ihnen lassen.</p> <p>Etymologisch läßt sich die Verwandtschaft einfach klären, von Interesse sind jedoch besonders die ästhetischen Implikationen der Veränderung von Topologie und insbesondere deren subjektive Rezeption (beispielhaft der terrassenförmig bearbeitete Erzberg in der steirischen Hochgebirgslandschaft (fig. 1) als Gegenform zu der Kupfermine im Tagebau in Ajo, Arizona (fig. 2) oder der böhmische Bergort Joachimsthal (fig. 3) dessen Montanindustrie die Bezeichnung der Münze »Taler« und »Dollar« entstehen ließ).</p> <p>Doch wer weiß besser Bescheid über die definitorische und ästhetische Verschiebung des Begriffes »Berg«, als die Personen, die sich in ihrem Beruf/Alltag dem zu stellen haben? Wie könnte man besser etwas über das Lebensgefühl erfahren, als regionale Musik hierzu zu hören?</p> <p>Denn stellt man einige Liedtexte über »Berg, den Berg, Berge, die Berge«, eben über das Phänomen der Definition »Berg« im weitesten Sinne gegenüber, so finden sich in jedem Falle eklatante Häufungen der Worte »rauf« und »runter« wieder - Thema sind also eigentlich nicht primär topologische Erhebungen und Positionen, sondern vielmehr Richtungen und Dynamik - wie die Musik eben so spielt.</p> <p>Deshalb geben original Spielmannszüge aus dem Ruhrgebiet und originale Trachtenkapellen aus dem Schwarzwald zum Frühschoppen in der Ausstellung ihr Liedgut zum Besten und Gehör.</p> <p>Und wenn man nun diese traditionell uniformierte Musikermenge durch die Ausstellungsräume marschieren läßt, in Formation, nach selbstgespieltem Rhythmus, lautstark mit schimmernden Instrumenten, ein ephemeres Ereignis, relativiert sich nicht nur der Blick auf die dort ausgestellten, künstlerischen Interpretationen zu diesem Ausstellungstitel, sondern man durchkreuzt mit dem, in diesem Kontext exotischen, Auftritt vor allem auch Erwartungshaltungen und die Wertung und Unterscheidung zwischen »Kunst« und »Folklore«, »Objekt« und »Aktion«.</p> <p>Ein Kulturaustausch findet also nicht nur zwischen den geladenen Kapellen statt, deren gemeinsame Wurzeln offenbar sind; sondern es entstehen kulturelle Verbindungen zwischen den Rezipienten die der Einladung zum Frühschoppenkonzert mit Kapellen gefolgt sind, und den aufgrund der Kunstausstellung anwesenden. Die auf einfache Weise zueinander in Beziehung gestellten Bedeutungsfelder fordern im besten Falle die kontemplative Betrachtung und Selbstreflexion.</p> <p><img src="annotation-on-mountain01.jpg" alt="fig. 1 terrassenförmiger Erzberg im steirischen Hochgebirge" title="fig. 1 terrassenförmiger Erzberg im steirischen Hochgebirge" /><br /> fig. 1 terrassenförmiger Erzberg im steirischen Hochgebirge</p> <p><img src="annotation-on-mountain02.jpg" alt="fig. 2 Tagebau Kupfermine in Ajo, Arizona" title="fig. 2 Tagebau Kupfermine in Ajo, Arizona" /><br /> fig. 2 Tagebau Kupfermine in Ajo, Arizona</p> <p><img src="annotation-on-mountain03.jpg" alt="fig. 3 Joachimsthal, Böhmen" title="fig. 3 Joachimsthal, Böhmen" /><br /> fig. 3 Joachimsthal, Böhmen</p>
2002-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/annotation-on-mountain.html https://artrelated.net/ruediger_john/annotation-on-mountain.html
Substruktur einer idealtypischen Welt
<p>Wird der Begriff »Berg, Gebirge« häufig zunächst mit dessen, allgemein bekannten, topografischen Repräsentationen assoziiert, bildet er doch zugleich einen Bezugspunkt für persönliche Erfahrungen, nicht nur in natura, sondern insbesondere in dessen visuell-ästhetischer und inhaltlicher Verankerung im Lebensalltag, seiner gesellschaftlichen und religiösen Bedeutungen und Funktionen.</p> <p>Ruediger John stellt diese Bedeutungsfelder zueinander in Beziehung. Eine andere Sicht auf Objekte aus Freizeit und Hobby, in formal tradierter Anordnung und Präsentation des Kultischen und Religiösen, fördert die kontemplative Betrachtung und Selbstreflexion.</p> <p>Grundlage der Arbeit, die Ruediger John für diese Ausstellung erstellt hat, bilden drei Modelleisenbahn-Fertiggelände aus tiefgezogenem Kunststoff, wie sie im Fachhandel direkt beziehbar sind »für Personen, denen es handwerklich oder aus anderen Gründen zu mühselig ist, sich ihre Modellwelt selbst zu erbauen«. In diese archetypisierte Landschaft, welche diverse topographische Erscheinungsformen, wie »einsame Bergwelt«, »Bach mit Mühle«, »See und Strandbad« vorhält, damit sie mit entsprechenden Details »liebevoll, als eine Möblierung von Welt, ausstaffiert« werden können, ist ein vorgefertigtes Schienennetz komprimiert integriert - »selbstverständlich mit Erweiterungsmöglichkeiten über Anbauplatten«. Kurzum, in dieser idealtypischen Welt kann sich jeder Hobby-Eisenbahner als privater Schöpfer Arkadiens ausleben.</p> <p>Gleichwohl birgt diese »spielerisch, und häufig mit Manie, Akribie und als Kult ausgelebte Verantwortung innerhalb des vorgegeben Rahmens« auch die Aufgabe der subjektiven, bewußten oder unbewußten Auseinandersetzung mit der eigenen Idee von Welt und Gesellschaft, dem persönlichen Weltbild.</p> <p><img src="substructure-world01.jpg" alt="Substruktur einer idealtypischen Welt / substructure of an idealtypical world" title="Substruktur einer idealtypischen Welt / substructure of an idealtypical world" /><br /> fig. 1 Ausstellungsansicht Substrukur einer idealtypischen Welt</p> <p><img src="substructure-world01.jpg" alt="Substruktur einer idealtypischen Welt / substructure of an idealtypical world" title="Substruktur einer idealtypischen Welt / substructure of an idealtypical world" /><br /> fig. 2 Ausstellungsansicht Substrukur einer idealtypischen Welt</p> <p>Ruediger John benutzt einfach diese fertigen Elemente indem er deren rückseitige Negativform mit Versteifungen und Hilfsstrukturen, also die offenbare Konstruktion dieser, im ursprünglichen Wortsinne, oberflächlichen Weltscheibe als Bild umdeutet, in die Vertikale kippt, und mit der Perspektive zugleich Bedeutungen verschiebt. Die »Anhöhen« werden mittels Rahmenelement zu umschlossenen Volumina, die Oberfläche bleibt dabei als Negativ wie in Originalanordnung intakt, Einblicke sind lediglich durch vorhandene Ausbrüche der Eisenbahntunnels möglich.</p> <p><img src="substructure-world03.jpg" alt="Substruktur einer idealtypischen Welt / substructure of an idealtypical world" title="Substruktur einer idealtypischen Welt / substructure of an idealtypical world" /><br /> fig. 3 Ausschnitt Substrukur einer idealtypischen Welt</p> <p>Die klassische Anordnung, dem religiösen und kultischen, altarhaften entnommen, als Triptychon bildet den Verweis zu onthologisch orientierten Glaubenswelten und Weltmodellen, gleich ob sich dem Betrachter ein »heiliger Schauer« oder Unbehagen im Stehen und Sitzen vor der Wandinstallation überkommt oder sich Erinnerungen aus Hobby-Bastlertagen und Erlebnisse aus Sonntagsspaziergängen verschränken.«</p> <p><img src="substructure-world04.jpg" alt="Substruktur einer idealtypischen Welt / substructure of an idealtypical world" title="Substruktur einer idealtypischen Welt / substructure of an idealtypical world" /><br /> fig. 4 Detailansichten Substrukur einer idealtypischen Welt</p> <p>»...ganz wie am Busen des Todes«, Ausstellung in der Galerie Peripherie 2001 »Zentralorgan 5«, Dokumentation, 2002</p>
2001-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/substructure-world.html https://artrelated.net/ruediger_john/substructure-world.html
Rekonstruktion (recreation)
<p><img src="reconstruction02.jpg" alt="Rekonstruktion / reconstruction (recreation)" title="Rekonstruktion / reconstruction (recreation)" /></p> <p><img src="reconstruction03.jpg" alt="Rekonstruktion / reconstruction (recreation)" title="Rekonstruktion / reconstruction (recreation)" /></p> <p>Die bei Ladenschluß eines Straßencafés gestapelten Stühle wurden fotografisch dokumentiert und an einem der darauf folgenden Tage - zur gleichen Tageszeit identisch rekonstruiert. Die Bilder lassen keine Unterscheidung zwischen den beiden absichtsvollen Handlungen (der geschäftsmäßigen Routine, wie der künstlerischen Intervention) und deren Ergebnisse zu.</p>
2001-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/reconstruction.html https://artrelated.net/ruediger_john/reconstruction.html
Klima 43
<p><img src="klima4305.jpg" alt="Klima 43" title="Klima 43" /></p> <p><img src="klima4304.jpg" alt="Klima 43" title="Klima 43" /></p> <p><img src="klima4302.jpg" alt="Klima 43" title="Klima 43" /></p> <p><img src="klima4301.jpg" alt="Klima 43" title="Klima 43" /></p> <p><img src="klima4303.jpg" alt="Klima 43" title="Klima 43" /></p> <p>Im Stadtbereich und zur Akademie pendelnde Stadtbusse bilden den Rahmen der Arbeiten als Platform für szenische Skizzen, filmische und fotografische Darstellungen, Objekte und Installationen. Die Form eines nahezu entfunktionalisierten Shuttleservice, der sich jedoch mit festen Routen, Haltestellen und Fahrtzeiten bewußt der Erwartungshaltung an solche Zubringerdienste bedient, diese jedoch im Sinne der künstlerischen Arbeiten umdeutet und umwertet, wird somit Ausstellungs- und Handlungsort.</p> <p>Die Arbeiten im Innenraum der Fahrzeuge und unterwegs auf der Fahrtroute bilden als Verkehrssystem ein Netzwerk, das die Begriffe um Stadt(-bezirke), (Veranstaltungs-)Orte, Innen-/Außenraum, Ausstellung, Bild/Bewegung, Mobilität als Ereigniszonen differenzierter Klimata bespielt.</p> <p>Fahrten können als Stadtrundfahrten verstanden werden, deren Ereignisse und Irritationen als Simulationen ihrer selbst, als Simulation von Alltagshandlung in bewegtem Raum inszeniert werden.</p> <p>Within the city and to the academy commuting city buses constitute the frame for works as a platform for scenic sketches, photographic and time based presentations, objects and installations. The situation of an almost dysfunctionalised shuttle service using the viewers expectation of routes, stops and timetables but reinterpreting and converting it in the sense of the artists works thus becomes a place/space of exhibition and action.<br /> This traffic system represents a network which performs on the terms of city, places, inner and outer space, exhibition, image and motion and mobility as occurrences of differentiated climates.<br /> Bus rides can be understood as city tours whose incidents and irritations are performed as simulations of itself, as simulations of everyday situations in a moved space.</p> <p>Teilnehmende:<br /> Katrin Freitag, Ilka Götz, Rudolf Kosow, Linda Krohmer, Stefan Kunze, Katrin Menzel, Simona Stark, Katrin Ströbel, Maike Weber, Silke Willrett</p>
2001-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/klima43.html https://artrelated.net/ruediger_john/klima43.html
Die Doppeltür - ein Blumenfest
<p><img src="doppeltuer-vorbereitung09.jpg" alt="Die Doppeltür - ein Blumenfest" title="Die Doppeltür - ein Blumenfest" /></p> <p><img src="doppeltuer-probe08.jpg" alt="Die Doppeltür - ein Blumenfest" title="Die Doppeltür - ein Blumenfest" /></p> <p><img src="doppeltuer-probe07.jpg" alt="Die Doppeltür - ein Blumenfest" title="Die Doppeltür - ein Blumenfest" /></p> <p>Teilnehmende:<br /> Monna Mahmud, Frank Siegle, Petra Pejsek, Carmela Farina, Miriam Rieker, Diana Huck, Verena Bitsching, Boris Feesenmayr, Karin Schäfer, Jochen Wilms, Evelyn Heinze, Stefanie Glaser, Ute Rittler, Susanne Meister, Melanie Jakel, Winfried Engster, Clemens Haag</p>
2001-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/klima.html https://artrelated.net/ruediger_john/klima.html
projection location simulation
<p>Eine dreiteilige in-situ Diaprojektion computergenerierter Bilder auf die Einfassungsmauer des Burgplatzes in der Schillerstadt Marbach/Neckar.</p> <p>Der Burgplatz ist zentralgelegener öffentlicher Begegnungs- und Festort sowie Durchgangsweg in der Altstadt in Marbach, eingefaßt durch die restaurierte ehemalige Wehrmauer der Stadt. In diesem Umfeld hat Ruediger John seine auf den Ort bezogene künstlerische Arbeit konzipiert, die aus drei voneinander zeitlich unabhängigen, aber aufeinander abgestimmten Diaprojektionen als zeitgesteuerte Endlosschleifen besteht.</p> <p>Die, ähnlich einer Situationistischen und Konkreten Kunst erstellten Bilder nehmen Bezug auf den Raum, die Präsentationsform sowie die Darstellungstechnik, indem sie die stilistischen Mittel Linie, Raster, Fläche des Platzes, dessen Architektonik und Perspektive, aber auch der schriftlichen Definition der Arbeit selbst als typografische Skizzen einsetzen.</p> <p>Die computergenerierten Zeichnungen lassen auf der strukturierten Einfassungsmauer durch Beleuchtung, ohne den Einsatz von farbigen oder fotografischen Elementen, in Stop-Motion Technik Chronologien entstehen, die im wechselnden zeitlichen Versatz zueinander in drei waagerecht angeordneten Abbildungsflächen eine Bühnenbildsituation mit dramaturgischem Moment bilden, in das der Betrachter in selbstgewählten Abstand eintreten kann. </p> <p>Bewußt wählt der Künstler serialisierte Einzelbilder und deren Projektion als Diapositive mit einhergehender Geräuschkulisse. So werden, gleich einer Bildergalerie, Zustände der Betrachtung und Raumerfahrung assoziiert; dies mit beginnender Dunkelheit, also dem Moment da der visuelle Primäreindruck des Ortes sich grundlegend ändert und erhöhte Abstraktionsfähigkeit und räumliches Vorstellungsvermögen fordert. </p> <p>Die Arbeit im öffentlichen Raum, ohne zusätzlichen Hinweis vor Ort installiert, konfrontiert die Passanten und Betrachter mit Kunst, ohne daß diese auf eine solche Erfahrung konditioniert sind - anders als bspw. in einer Vernissage-Situation. So unterscheiden sich Wahrnehmung und Reaktion auf die Präsentation.</p> <p>Die mittige Bildfolge läßt den Platz als illustrierte, zentralperspektivische Konstruktion entstehen, um dann die Stelle, an der die Bildfolge zu sehen ist zu fokussieren. Eine weitere Bildfolge simuliert den Projektionsvorgang selbst, indem sie eine gerasterte, schrittweise aufhellende Fläche im bekannten Format der Diapositive darstellt, um diese dann als eine Ebene in imaginärem Raum, und damit als Objekt, umzudefinieren. Zugleich stellt deren Textur Assoziationen zu Objekten und Strukturen des Platzes her. Die dritte Bildfolge beschreibt in serifenloser, ausschnittweise erscheinender Schrift den Titel und gleichzeitig die Verbaldefinition des Inhaltes und den Selbstbezug der Arbeit, Ausstellungsform und Ort.</p>
2000-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/projection-simulation.html https://artrelated.net/ruediger_john/projection-simulation.html
Ereignis Nachahmung Hindernis
<p><img src="occurrence-simulation01.jpg" alt="Ereignis Nachahmung Hindernis / occurrence simulation obstruction" title="Ereignis Nachahmung Hindernis / occurrence simulation obstruction" /></p> <p><img src="occurrence-simulation03.jpg" alt="Ereignis Nachahmung Hindernis / occurrence simulation obstruction" title="Ereignis Nachahmung Hindernis / occurrence simulation obstruction" /></p> <p>Ein verdunkelter Raum, Bestuhlung vor einer Leinwand mit Video-Aufsichtprojektion, das Publikum sitzt mit Blick zur Leinwand, hinter ihm oder inmitten ihr befindet sich die Video- und Projektionstechnik. Rechts der Leinwand befinden sich Monitore, auf die von zwei Kameraleuten Livebilder des Publikums, Autors und Technikers übertragen werden (Kamera 1: Totale, Autor und Leinwand; Kamera 2: Publikum und Techniker). Es existiert keine erhöhte Bühne; Publikum, Leinwand, Monitore und Akteure befinden sich auf einer Ebene.</p> <p>Video läuft ab: Auf der Leinwand sieht man ein übliches Projektor Initialisierungsbild, dann Projektor Testbild, schnelles Flackern zwischen Bildrauschen und Schwarz, schwarzes Bild und wieder Projektor Testbild.</p> <p>Kurze Pause, dann:</p> <p>Techniker: (von rückwärts aus der Technik, mit den Gerätschaften befaßt) da funktioniert irgend’was nicht, Moment mal.</p> <p>Auf der Leinwand: Bildrauschen</p> <p>Autor: (zögernd vortretend und unsicher zum Publikum) Ja eigentlich sollte...geht's jetzt?...o.k....nein doch nicht. Ja eigentlich, eigentlich sollte hier jetzt das Video laufen...</p> <p>Techniker: (unterbrechend) So, jetzt.</p> <p>Auf der Leinwand: Projektor Testbild</p> <p>Autor: Ah, gut. (kurze Pause) Nein, da kommt nichts.</p> <p>Techniker: Beginnt das am Anfang der Kassette, dann spule ich nochmal zurück.</p> <p>Autor: (über das Publikum hinweg zu Techniker) Ja...ja, vielleicht eine Sekunde...davor... (zum Publikum) Ich hoffe mal, daß das technische Problem schnell...</p> <p>Techniker: Bist du sicher, daß das die richtige Kassette...</p> <p>Auf der Leinwand: Bildrauschen</p> <p>Autor: (zur Leinwand drehend) Ah, jetzt müßte es...nein...doch, jetzt läuft’s, oder?</p> <p>Auf der Leinwand: Projektor Testbild, schwarzes Bild. Pause, dann Bildrauschen</p> <p>Techniker: Nein, noch nicht. Wie fängt’s denn an?</p> <p>Autor: (zu Techniker) Nein immernoch nicht, auch kein Ton. Ist das am Video-B Ausgang gesteckt, der Projektor läuft zumindest, soweit man sehen kann.</p> <p>Techniker: Vielleicht wieder das S-Video-Kabel, Moment ich probiere nochmal was...sag' halt solange was dazu.</p> <p>Auf der Leinwand: Projektor Testbild</p> <p>Autor: Vielleicht der Video-B Ausgang. Das muß über den Video-B Ausgang gehen, sonst kommt kein Bild.</p> <p>Techniker: Ich nehme mal das VHS-Signal, das reicht auch.</p> <p>Auf der Leinwand: schwarzes Bild</p> <p>Autor: (zu Publikum) Ja, hmm, ja. Was soll ich...also eigentlich, also in meinem Film mit Performance ist...</p> <p>Auf der Leinwand: Projektor Testbild</p> <p>Autor: (dreht sich zur Leinwand um) Halt jetzt geht's, oder? Nee, (zu Techniker) vielleicht ist der falsche Eingang am Projektor gesteckt?</p> <p>Techniker: (genervt) Laß' mich mal machen, vorhin hat's noch funktioniert, (leiser) scheiß...</p> <p>Auf der Leinwand: Bildrauschen</p> <p>Autor: (zu Publikum) Also,...</p> <p>Auf der Leinwand: Projektor Testbild</p> <p>Techniker: Kann mir mal jemand das Kabel vom zweiten Recorder holen.</p> <p>Autor: (zu Publikum) Das liegt auf der Empore. Neben dem Audiopult.</p> <p>Auf der Leinwand: schwarzes Bild</p> <p>Autor: (zu Publikum, dabei einige Kopien zeigend und später verteilend) Also, ich, ich. Mit dem Titel...Ereignis Nachahmung Hindernis...habe ich hier dieses Drehbuch, auf dem diese Handlung basiert, geschrieben und...</p> <p>Auf der Leinwand: Projektor Testbild</p> <p>Techniker: Hast du noch eine VHS-Kopie davon? Wir müssen das andere Gerät nehmen, irgend’was tut da nicht.</p> <p>Autor: (geht auf den Techniker zu) Nein nur die DV-Version, Mini-DV und...nein sonst keine. Ist der Recorder defekt?</p> <p>Techniker: (sehr genervt) Kann nich' sein, da hat nur jemand dran rumgespielt, sonst müssen wir eben den anderen holen...</p> <p>Auf der Leinwand: Bildrauschen</p> <p>Autor: (zu Techniker, einige Schritte durch das Publikum auf ihn zutretend) Tut mir leid...O.k. ich halte die noch etwas hin und dann klappt das...vielleicht.</p> <p>Auf der Leinwand: schwarzes Bild</p> <p>Autor: (zurück zum Publikum) Ja dann sage ich noch etwas zu meinem Film mit Performance, und zwar simulieren diese die Situation eines...</p> <p>Auf der Leinwand: Projektor Testbild</p> <p>Techniker: Einen Moment noch...</p> <p>Auf der Leinwand: schwarzes Bild</p> <p>Autor: ...ja, ähm, und auf diesen Monitoren rechts...dokumentieren die Rezeption, die...</p> <p>Auf der Leinwand: Projektor Testbild</p> <p>Techniker: Also wir haben's jetzt und versuchen mal den Film zum Laufen zu kriegen...</p> <p>Autor: (zu Techniker) Ah, gut...kann ich euch ‘was helfen?</p> <p>Techniker: Laß' mal wir machen das schon. Ich spule jetzt nochmal zurück und dann von Anfang an.</p> <p>Auf der Leinwand: Bildrauschen</p> <p>Autor: (zu Publikum) Hmm, vielleicht, gut...ah, jetzt.</p> <p>Auf der Leinwand: Endetafel und als Abspann der Dialogtext, wie eine Personenauflistung gestaltet, laufen durch.</p> <p>Autor: (währenddessen zu Publikum, dann ab und Saallicht blendet auf) Herzlichen Dank.</p>
1999-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/occurrence-simulation-obs.html https://artrelated.net/ruediger_john/occurrence-simulation-obs.html
Zehn Versuche über die Tautologie - Auditive Annäherung an ein intrinsisches Merkmal des Handelns
<h5>TONPROBE</h5> <p>Stellen wir uns vor, die Tautologie existiere nur hinter den Kulissen der Existenzen, (wobei uns die Bedeutung und damit wohlweislich zweifache Verwendung des Wortes ›Existenz‹ bewußt sei, dies ebenso unter der Prämisse der implikativ-iterativen Erkenntnis des Bewußtseins); stellen wir uns also vor, die Tautologie existiere nur hinter den Kulissen der Existenzen, so liegt es nahe, einen zum Scheitern verurteilten Versuch, einen Blick dahinter werfen zu wollen, anzustrengen, oder, präziser ausgedrückt, ein Schauspiel hinter den Kulissen zu veranstalten. Hierzu folgender kurzer Mitschnitt.</p> <audio src="01_Tonprobe.mp3" controls preload></audio> <h5>DAS SUBVERSIVE ELEMENT DER BILDER</h5> <p>Wir sollten erkennen, daß Subversivität immer subversiv ist, das heißt, wir sollten erkennen, daß das Erkennen dieser in vivo diese ausschließt und wir uns aus der, im übrigen in allen Dingen bestehenden Haft von einem Bruchteil einer Sekunde Dauer, nur durch Reflexion befreien könnten, in der wir uns ja ohnehin faktisch schon befinden.</p> <audio src="02_Das-subversive-Element-der-Bilder.mp3" controls preload></audio> <h5>GESPRÄCHE MALLORCA</h5> <p>Nachfolgende Gespräche sollten mit höchster Aufmerksamkeit verfolgt werden, da es sich hierbei um eine versteckte Andeutung der Tautologie (im erweiterten, bzw. gesteigerten Sinne) handelt. Es stellt sich die Frage der Subversivität als Antithese der Tautologie, oder begriffsethymologisch betrachtet eher der Tautologie als Antithese der Subversivität.</p> <audio src="03_Gespraeche-Malllorca.mp3" controls preload></audio> <h5>RHYTHMUS ACAPELLA</h5> <p>Das Spannungsverhältnis zwischen ›Bedeutung‹ und ›Tautologie‹, das gegenseitige Ausschließen und Bedingen dieser, können wir, vereinfachend dargestellt, an folgender Sequenz untersuchen. Schließt die Bedeutungsfindung einer Situation, eines Objektes oder eines anderen Sinneseindruckes durch den Betrachter, oder besser, Rezipienten, die Tautologie aus, oder gibt es ihm Mittel der Spezifizierung dieser an die Hand?</p> <audio src="04_Rhythmus-Acapella.mp3" controls preload></audio> <h5>THE PURPOSE OF A COUNTDOWN</h5> <p>Der Countdown mißt rückwärtszählend die Zeitspanne der Existenz einer Erwartung und weist damit auf ein Ende hin. Über folgende Faktoren sollten wir uns, wenn auch nicht unbedingt abschließend urteilend, so doch Gedanken machen: Zielsetzung, Zeitbedingung, Takt und Rhythmus, Startdefinition, Endedefinition, Symbolanwendung, Aktion und Akteur und Rezipient. Ist der Countdown ein Mittel gegen die Tautologie oder doch nur Droge und damit Suggestion?</p> <audio src="05_The-Purpose-Of-A-Countdown.mp3" controls preload></audio> <h5>RADIO GERAUSCHEN</h5> <p>Folgend ein, sozusagen, klassisches Beispiel zur Verdeutlichung der Tautologie, das sich jedoch bei näherer Betrachtung ebenso als bestes Beispiel zur Verdeutlichung der Nicht-Tautologie verwenden ließe, also als Beweis unbrauchbar und als Indiz nur bedingt nutzbar ist. Der Begriff der Nicht-Tautologie ist in diesem Zusammenhang bewußt gewählt, um weiterhin eine sachliche Untersuchung führen zu können, das heißt eigentlich ›zu können wollen‹.</p> <audio src="06_Radio-Gerauschen.mp3" controls preload></audio> <h5>BEHOLD AND TRY</h5> <p>Hier die Frage und Erinnerung an die Tautologie der Wahrnehmung, die Tautologie im Prozess.</p> <audio src="07_Behold-And-Try.mp3" controls preload></audio> <h5>GEDANKENSÄTZE</h5> <p>Die Differenz der privaten und der öffentlichen Rezeption, letztere sich wieder in private und öffentliche aufspaltend, ist offenbar und sei hier nur in einer notwendigerweise subjektivierten Möglichkeit präsentiert.</p> <audio src="08_Gedankensaetze.mp3" controls preload></audio> <h5>BESTÄTIGUNG DES ALLTAGS</h5> <p>Der These des antithetischen Verhältnisses von ›Tautologie‹ und ›Subversivität‹ wollen wir hiermit widersprechen um es damit zu bestätigen. Ein Verhältnis dieser Bedeutungsbereiche ist nachweisbar und tautologisch.</p> <audio src="09_Bestaetigung-des-Alltags.mp3" controls preload></audio> <h5>END OF TAPE</h5> <p>Nachfolgenden Beitrag könnte man als Versuch verstehen, das tautologische Moment der Tautologie, ihre Subversivität der Nichtexistenz und antithetische Bedingung der Existenz zur möglicherweise illusionhaften Nicht-Tautologie zu beweisen.</p> <audio src="10_End-Of-Tape.mp3" controls preload></audio> <p>Freies Radio für Stuttgart 1997</p>
1997-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/tautologie.html https://artrelated.net/ruediger_john/tautologie.html
assimilate
<p>A selection of music - released on the CD »assimilate« and played among others on the Independent Radio for Stuttgart (Freies Radio für Stuttgart).</p> <p>With a very limited set of sound samples a range of different musical styles and schemes was created in an assimilative approach. Using filter-based methods to vary the raw samples according to style specific patterns of electronic music the intention was not primarily to compose complete songs but to assemble a stereotype of a style.</p> <h5>No. Two</h5> <audio src="assimilate-notwo.mp3" controls preload></audio> <h5>No. Five</h5> <audio src="assimilate-nofive.mp3" controls preload></audio> <h5>No. Seven</h5> <audio src="assimilate-noseven.mp3" controls preload></audio> <h5>No. Eight</h5> <audio src="assimilate-noeight.mp3" controls preload></audio>
1997-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/assimilate.html https://artrelated.net/ruediger_john/assimilate.html
to benches (recreation)
<p><img src="to-benches01.jpg" alt="to benches (recreation)" title="to benches (recreation)" /><br /> fig. 1 to benches (recreation) - NYC</p> <p><img src="to-benches02.jpg" alt="to benches (recreation)" title="to benches (recreation)" /><br /> fig. 2 to benches (recreation) - NYC</p> <p><img src="to-benches03.jpg" alt="to benches (recreation)" title="to benches (recreation)" /><br /> fig. 3 to benches (recreation) - NYC</p> <p><img src="to-benches04.jpg" alt="to benches (recreation)" title="to benches (recreation)" /><br /> fig. 4 to benches (recreation) - NYC</p> <p>Im öffentlichen Raum in Großstädten, insbesondere auch in New York City, sind weite Bereiche vor den Gebäuden private Grundstücke und der Aufenthalt, der Verbleib im Sitzen, streng geregelt und meist untersagt. Zugleich findet man an vielen Stellen Absperreinrichtungen der Polizei für den spontanen Einsatz zur weiteren Beschränkung bzw. Kanalisierung der Bewegungsfreiheit. In einer Aktion werden aus diesen Absperrungen Bänke improvisiert hergestellt.</p>
1996-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/to-benches.html https://artrelated.net/ruediger_john/to-benches.html
iconic sketches
<p><img src="iconic-sketches04.jpg" alt="iconic sketches" title="iconic sketches" /><br /> fig. 1 iconic sketches - Detail - NYC</p> <p><img src="iconic-sketches05.jpg" alt="iconic sketches" title="iconic sketches" /><br /> fig. 2 iconic sketches - Detail - NYC</p> <p><img src="iconic-sketches06.jpg" alt="iconic sketches" title="iconic sketches" /><br /> fig. 3 iconic sketches - Detail - S</p> <p><img src="iconic-sketches07.jpg" alt="iconic sketches" title="iconic sketches" /><br /> fig. 4 iconic sketches - Detail - NYC</p> <p><img src="iconic-sketches02.jpg" alt="iconic sketches" title="iconic sketches" /><br /> fig. 5 iconic sketches - Aktion NYC</p> <p>»Ich imitiere die Ikonographie von Markierungen einer geplanten Baustelle auf dem Broadway in Höhe der 55th Straße in New York City, indem ich, ebenfalls eine der typischen Kennzeichnungsfarben benutzend, den bereits durch das Original okkupierten Raum mit dessen Imitation überlagere. Die Funktion der Kennzeichnung wird verfälscht, aufgehoben und in ein neues Begriffsfeld gerückt.«</p> <p>Ausgeführt u.a. in New York City, Chicago, Basel, Baden-Baden, Stuttgart</p>
1995-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/iconic-sketches.html https://artrelated.net/ruediger_john/iconic-sketches.html
Halo 60 x 90
<p><img src="halo609001.jpg" alt="Halo 60 x 90" title="Halo 60 x 90" /><br /> fig. 1 Halo 60x90</p> <p>»In diesem Atelier, das jahrzehntelang von Malern benutzt wurde, sprühe ich ein invertiertes Abbild eines 60x90 Keilrahmens auf den farbbefleckten Boden.«</p>
1994-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/halo60x90.html https://artrelated.net/ruediger_john/halo60x90.html
Teppich Pflanze Stuhl - Aktion
<p><img src="teppich-pflanze-stuhl01.jpg" alt="Teppich Pflanze Stuhl" title="Teppich Pflanze Stuhl" /><br /> fig. 1 Aktion Teppich Pflanze Stuhl</p> <p>»Ich hatte eine Performance angekündigt; Personen warten auf den Beginn der Vorstellung und einige halten Fotoapparate bereit um die Aufführung zu dokumentieren. Ich lege einen Teppich, einen Läufer, auf dem Boden aus, stelle eine Topfpflanze in eine Ecke auf ihn und einen Stuhl in die Mitte, setze mich darauf und halte einen Moment inne. Die Anwesenden warten jetzt auf den Beginn der Aufführung. Ich sehe in die Runde und sage „Möchte noch jemand ein Foto machen?“, warte einen Augenblick ab und beginne dann die Einrichtungsgegenstände abzubauen. Währenddessen weicht die Lähmung der Betrachter und Fotoapparate klicken.«</p>
1992-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/teppich-pflanze-stuhl.html https://artrelated.net/ruediger_john/teppich-pflanze-stuhl.html
Series 1, Series 2, Series 3 - Regelbasierte experimentelle Fotografie
<p><img src="series123-168.jpg" alt="Series 1, Series 2, Series 3" title="Series 1, Series 2, Series 3" /><br /> fig. 1 #168</p> <p><img src="series123-217.jpg" alt="Series 1, Series 2, Series 3" title="Series 1, Series 2, Series 3" /><br /> fig. 2 #217</p> <p><img src="series123-234.jpg" alt="Series 1, Series 2, Series 3" title="Series 1, Series 2, Series 3" /><br /> fig. 3 #234</p> <p><img src="series123-421.jpg" alt="Series 1, Series 2, Series 3" title="Series 1, Series 2, Series 3" /><br /> fig. 4 #421</p> <p><img src="series123-618.jpg" alt="Series 1, Series 2, Series 3" title="Series 1, Series 2, Series 3" /><br /> fig. 5 #618</p> <p>»Entscheidend ist nicht welches Motiv abgebildet wird, sondern unter welchen Bedingungen man es wahrnimmt.« Mit dieser Fokussierung der Untersuchung der situativen Umstände der Ästhetik tritt der sonst prominente Anlaß der Bildentstehung, das initiale Interesse an der im Sucher der Kamera wahrgenommenen zweidimensionalen Komposition, zugunsten der Dokumentation der Abbildungsbedingungen (Umgebung, Beleuchtung, Veränderung) eines Motivs als auch der subjektiven Disposition des Betrachters, in den Hintergrund. </p> <p>Auf der Basis eines definierten Sets von Regeln, anläßlich eines Symposions formuliert, entsteht seit 1996 ein wachsendes fotographisches Bildarchiv, das experimentell mit einfachen Mitteln u.a. die Einbettung der Motive in deren Environment, die Betrachterperspektive auf Motive und das selektionale Moment der Abbildung untersuchend darstellt, als auch das Authentizitätsparadigma in der Kunst durch kooperatives Arbeiten, als notwendige Abstraktion zur Validierung, relativiert.</p> <p>Ein Aufnahmedoppel einer Serie ist hierin ein ›Exemplum‹, seinen singulären Kunstobjektcharakter negierend; die Idee einer regelbasierten Fotografie stellt die Übertragbarkeit auf mehrere Autoren sicher.</p> <p>In der vergleichenden Darstellung der aus dem Alltag stammenden Motive, sowohl als jeweiliges Aufnahmedoppel, wie auch, die Bedeutung des einzelnen Bildes relativierend, in der Schau der Beispiele zu einer Serie, wird dem Betrachter ein beschreibendes Element zur Schlußfolgerung und eigenen Bedeutungsbildung angeboten. Ein Beispiel für sich dient also mehr der deduktiven Betrachtung, denn einem induktiven künstlerischen Schaffen und widerspricht insofern einer populären Form der Kunstrezeption.</p> <p>Im Ergebnis läßt sich vergleichend sowohl differenziert der Untersuchungsschwerpunkt jeder Serie wahrnehmen, als auch unterschiedliche gestalterische Einflüsse deutlicher hervorheben.</p>
1991-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/series123.html https://artrelated.net/ruediger_john/series123.html
Reisen - Selbst, zwischen Arbeit, Folter und Genuß
<p>Reisen ist Arbeit. Was wir heute meistens mit Freizeit und Urlaub, mit Erleben und Entspannung verbinden, hat seinen Ursprung in der unfreiwilligen Aktivität sich zur Ortsveränderung bewegen zu müssen und dabei Mühen auf sich zu nehmen. Nicht nur hat das Wort ›Reise‹ Bezüge zu ›to rise‹, englisch ›sich erheben‹, sondern ›to travel‹ war ursprünglich identisch mit ›to travail‹ dessen Verwandtschaft der Bedeutung im Französischen offensichtlich ist - gemeinsame Wurzel ist übrigens das lateinische Wort für ›Folterinstrument‹.</p> <p>Urlauber sind weg von ihrer Arbeit - im internationalisierten Tourismus sogar meist weit. Sie besuchen, wenn sie beispielsweise über einen bretonischen Fischmarkt flanieren, eigentlich andere bei deren Arbeit. Viele Urlaubsreisen sind also ein Besuchen Arbeitender - und das macht wohl viel von der gewünschten Erholung aus. Gewiss, nicht jede Arbeit zu sehen macht uns die Reise wertvoll; eher unwahrscheinlich, daß ein bretonischer Fischer, wenn er denn je nach Baden-Baden kommt, dort den Fischmarkt aufsuchen wollte - auch weil es keinen gibt. Er würde in diese Hochburg des alternden Geldadels aus anderen Gründen fahren; vielleicht interessierte ihn eher die Erfahrung, sich in lauwarmem, müffelndem Wasser in einer der Thermen zu erholen - ungewöhnliches muß es schon zu erleben geben, damit sich das Erheben lohnt. Das als positiv empfundene Fremde ist das Exotische - wir suchen in der Fremde also Schönes das wir noch nicht kennen. Das kann Urlaub sein. </p> <p>Wir wollen Abenteuer, denn unser Sicherheitsbedürfnis zu Hause führt zu einer Adrenalinsuffizienz, auch deutsche Gemütlichkeit (in einer furchtbaren Verfälschung dieses wertvollen Wortes aus der Romantik) genannt. Brechen wir also auf und suchen die gemäßigte Konfrontation mit fremden Kulturen, deren Eingeborenen und Tieren - auch um mal anzuschauen, wieviel sie schon von uns gelernt haben und wie ähnlich sie uns geworden sind. Willkommen ihr privaten Explorer und Individualisten; und zur Not sprechen wir alle ein bisschen Englisch - damit gibt es keine Grenzen mehr, sondern ein scheinbares, globales Verstehen. Und der versierte Tourist weiß, daß, egal in welchem Land, die sauberen Toiletten bei McDonalds zu finden sind. </p> <p>Alles fließt. Reisen ist Unterwegssein, der permanente Transit - von Wartezeiten einmal abgesehen. Deutschlands wichtige Städte in einer Woche zu besuchen, damit sich der weite Weg aus Japan gelohnt hat, ist ein alter Witz. Nein, man sollte sich auch Zeit nehmen, beispielsweise in Barcelona in einer Tapasbar zu genießen - auf deren Einrichtungsmerkmale wir aus erlebnisgastronomischer Erfahrung bereits konditioniert sind. Oder man beschäftigt sich einfach mal mit den anderen Urlaubern - die meist aus dem gleichen Heimatland stammen. Erholung heißt für Urlauber oftmals einfach, keine Langeweile durch den Zwang der Beschäftigung mit sich selbst erdulden zu müssen, sondern sich zu Spielen animieren zu lassen, die man als Teenager gehaßt hat - jetzt fühlt man sich so jung.</p> <p>Nun kann man zum Beispiel einem Zoologen, der über Monate Pinguine bei klirrender Kälte in Eis und Schnee beobachtet, kaum den Vorwurf machen, er tue das zu seiner Erholung und mache Urlaub. Expeditionen sind auch Reisen - aber die wenigsten Reisen sind Expeditionen. Meist handelt es sich eher um sogenannte Bildungsreisen. Zum Beispiel ›Durch Sizilien auf den Spuren der Römer‹, mit Kamera und Recorder bepackt, sind sie uns bereits aus Super-8-Zeiten bekannt - inklusive der selbst geschnittenen und nachvertonten Lehrfilme unserer Lateinlehrer, also im Ergebnis ein Cross-over aus Bildungs- und Missionsreise - diesmal um die Wilden in der Heimat zu bekehren. </p> <p>Was man anschaut, will man festhalten - ein archaischer Reflex des Menschen. Relikte, alle, auch die digitalen, DVD-verewigten, gleich ob mit unkontrolliertem Zoom aus der Totalen eines Amphitheaters auf offensichtlich bearbeitete Steinbrocken im Vordergrund oder subjektiver Kameraführung durch die versammelte Partygemeinschaft mit erschreckenden Nahaufnahmen betont guter Laune. Dia-Multivisionsschauen über nahezu alle Länder und Völker werden uns in jeder Stadthalle angeboten - denn nur was dokumentiert ist, hat stattgefunden - wer eine Reise tut, der muß was zu erzählen haben - Folterinstrument oftmals inklusive.</p> <p>Trotzdem zieht es uns fort von zu Hause - ist das Ferne, oftmals durch Reportagen und Hochglanzkataloge schmackhaft gemacht, uns scheinbare Erfüllung und Ziel. Zu oft wird dabei die Bedeutung des Weges, die Reise an sich vernachlässigt. Sie ist mehr als die Überbrückung von Distanzen und Transfer von Ort zu Ort - die Bewegung kann Teil der Betrachtung, gekapselter Stillstand des Eigenen sein. Denn wenn die Richtung klar und das Gefährt der Reise in Bewegung gesetzt ist können wir, wenn wir wollen, aus dem gestillten Drang nach Dynamik Ressourcen für eine Introspektion finden.</p> <p>Ach ja, Geschäftsreisen hatte ich nicht explizit erwähnt - aber diese sind Arbeit.</p> <p>Baden-Baden, 1991</p> <p><em>Teile dieses Textes entstammen: 'John, Ruediger: ›Flucht ist Volkssport‹, Baden-Baden, 1991</em>'</p>
1991-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/reisen-arbeit-folter-genuss.html https://artrelated.net/ruediger_john/reisen-arbeit-folter-genuss.html
DATA * CODE * MUSIC
<p><img src="datacodemusic01.jpg" alt="Data Code Music" title="Data Code Music" /></p>
1987-01-01 https://artrelated.net/ruediger_john/datacodemusic.html https://artrelated.net/ruediger_john/datacodemusic.html