La prosa avorrida de la vida diària
La prosa aburrida de la vida diaria
Die langweilige Prosa des Alltags
La prose ennuyeuse de la vie quotidienne
The boring prose of everyday life

INTERVENCIÓ / INTERVENCIÓN / INTERVENTION / INTERVENTION / INTERVENTION / EXPOSICIÓ / EXPOSITIÓN / AUSSTELLUNG / EXPOSITION / EXPOSITION

aus der Einladung



Eine Putzfrau, die auf den Linoleumböden der Gänge des Bürogebäudes naßglänzende Ornamente schreibt und sich über Gestaltung und Optimierungen Gedanken macht.
Ein Friseur, der, zusätzlich zu den Kunden seines bescheidenen Salons, die Bepflanzung auf der Verkehrsinsel am Platz frisiert; auch um festzustellen ob es einen Unterschied macht.
Ein Hausmeister, der, indem er die Hauptsicherung herausdreht, jeden Tag einen Stromausfall nach festgelegtem Ritual inszeniert, um allen Betroffenen etwas Sicherheit zu bieten.
Ein Geschäftsführer, der den Angestellten einen Vortrag über seine Passion, die Zierfischzucht, hält. Erstens damit er sie zukünftig damit in Ruhe läßt und zweitens um seine Kunden zu prüfen.
Ein Kurator, der Drogen guter Qualität an die Besucher der Stadt verkaufen will und dabei nicht nur die Kunst meint.
Ein Künstler, der, nachdem er ausführlich mit den anderen geredet hat, zusätzlich einige Ausschnitte profaner Abbildungen von Stereotypen sowie eine Arbeit von vor zwölf Jahren zeigt.
›Auch obskure Riten gelten im Allgemeinen als vorbildlich, solange sie hierarchisch strukturierten, normativen Erwartungshaltungen entsprechen. Man kann die, oft aus dem Gefühl der Sicherheit entstehende, Langeweile genießen, indem man ihr nicht mit Unterhaltung im Sinne einer Ablenkung des Problembewußtseins begegnet, sondern dessen Intensität als bescheidenen Anfang des Entkommens aus einer Selbstbeschränkung, welche sicher vor möglicherweise enttäuschenden Erkenntnissen schützt, wirksam werden läßt.‹


A charwoman, who writes wet-shining ornamentations on the linoleum floors of the halls of the office building and is concerned about design and optimizations.
A hairdresser, who, in addition to the customers of his modest salon, fudges the planting on the traffic island at the place; also to determine whether it makes a difference.
A caretaker, who, by unscrewing the main fuse, produces each day a power failure according to a fixed ritual in order to offer some security to all people relevant.
A managing director, who gives the employees a lecture on his passion, the breeding of ornamental fish. First of all to stop annoying them in the future and secondly to test his customers.
A curator, who wants to sell drugs of good quality to the visitors of the city and does not only fancy art hereby.
An artist, who, after he talked much with the others, shows additionally some cutouts of everyday illustrations of stereotypes as well as a work he did twelve years ago.
›Even obscure rites are considered generally as exemplary, as long as they comply to structured hierarchical, normative expectations. One can enjoy this ennui, often caused by the feeling of security, not by counteracting it with entertainment in the sense of a diverson of problem consciousness, but by letting the intensity of it become effective as a modest beginning of escaping from that self-restraint which surely protects from possibly disappointing perceptions.‹

Ruediger John, Barcelona 2006

Zitate und bibliographischer Verweis unter:
›La prosa avorrida de la vida diària La prosa aburrida de la vida diaria Die langweilige Prosa des Alltags La prose ennuyeuse de la vie quotidienne The boring prose of everyday life‹, Barcelona 2006

© Copyright Ruediger John 2006
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